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19. Oktober 2011, 16:37 Uhr

Neues Razr

Wiederbelebung für Motorolas Kulthandy

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Dünn, dünner, Smartphone: Rund sieben Millimeter misst Motorolas neuestes Mobiltelefonen vom Deckglas bis zur Rückenschale. Die Neuauflage des Razr soll außerdem mit moderner Technik begeistern - dafür musste die Metalltastatur aufs Altenteil.

Motorola setzt auf Bewährtes. Mit einer Neuauflage des Razr will das Unternehmen zu altem Ruhm zurückkehren. Verständlich, schließlich waren die Mobiltelefone der Razr-Serie über Jahre die am häufigsten verkauften Handys der Welt. Mehr als 50 Millionen Exemplare konnte der US-Konzern absetzen - vor allem weil die Razr-Handys mit ihrem Klappmechanismus extrem flach waren und stabile wie schicke Metalltastaturen hatten. Mit zumindest einem dieser Attribute kann sich nun auch die Razr-Neuauflage schmücken: es ist dünn.

Lediglich 7,1 Millimeter soll das neue Smartphone vom Deckglas bis zum Rückendeckel aufbringen. Damit kann es sich zumindest die Krone des schlanksten Smartphones aufsetzen, ist zwei Millimeter dünner als Apples iPhone 4S oder Samsungs Galaxy Nexus. Ansonsten aber hat es mit seinem Urahn nichts gemein: Es hat keine Tastatur, deshalb auch keinen Klappmechanismus. Dafür ist es erheblich schlauer als beispielsweise ein Razr V3.

Denn im Inneren werkelt ein Dualcore-Prozessor mit 1 GB Arbeitspeicher, der die Früchte seiner Arbeit auf einem 4,3-Zoll-Display mit einer Auflösung von 960 x 540 Pixeln darstellt. Im Rücken steckt noch eine 8-Megapixel-Kamera. Mit dem Mobilfunknetz verbindet es sich entweder per LTE oder HSDPA, was für ordentlichen Datendurchsatz sorgen dürfte. Beide Varianten werden allerdings vorerst nur auf dem amerikanischen Kontinent angeboten sein. Wann das neue Razr auch nach Deutschland kommt, hat Motorola noch nicht bekanntgegeben.

Kevlar soll das Razr stark machen

Wohl aber, dass es nicht dem aktuellen Trend zu einteiligen Metallgehäusen folgt, sondern Platz und Gewicht sparend in einer Kevlarhülle steckt. Bemerkenswert ist aber auch, dass Motorola sein neues Highlight-Handy mit Android 2.3.5 vorstellte, nur wenige Stunden, bevor Google das neue Android 4.0 ankündigte. Ob es ein entsprechendes Update geben wird ist ebenso unklar wie die Frage, wie es zu dieser Unstimmigkeit zwischen Motorola Mobility und dessen vermutlichen zukünftigen Eigentümer Google kam.

Wenn das Razr schon beeindruckt, nimmt doch ein anderes Produkt, das Motorola parallel dazu vorgestellt hat, dem neuen Flach-Handy beinahe schon die Aufmerksamkeit. Unter dem Titel Motoactv hat das Unternehmen ein Gerät vorgestellt, dass es selbst als Fitness-Device bezeichnet. Dass Motorola US-Entwickler hier von Apples aktuellem iPod nano inspiriert wurden ist unübersehbar. In der neuen Version ist Apples Player um einige Funktionen zum täglichen Training mit Nike-Software erweitert worden.

Ein Update muss kommen

Während Apple seinen kleinen Player aber weiterhin als Musikabspieler bezeichnet, den man zum Sport benutzen kann, um Schritte zu zählen oder den Kalorienverbrauch zu berechnen, setzt Motorola den Fokus auf Fitnessanwendungen. Dass man dabei auch damit Musikhören kann - es gibt Varianten mit 8 und 16 GB Speicher - erscheint fast nebensächlich. Nicht nebensächlich ist dagegen, dass das Motoactv dem nano ausgesprochen ähnlich sieht und sogar, genau wie es beim nano populär ist, als Armbanduhr getragen werden kann.

Allerdings werden auch diese Geräte laut Motorola erst Anfang 2012 in Europa in den Handel kommen. Für die USA wurden Preise von 250 und 300 Dollar (180 und 241 Euro) angekündigt, weit mehr als Apple für seine iPods verlangt (129 und 149 Euro). Ob Motorola damit einen Massenmarkt für sich gewinnen kann, ist fraglich.

Das neue Razr dürfte hingegen schon mehr Menschen begeistern - und wenn Motorola zeitnah ein Update auf Android 4.0 anbietet, sollte dem Erfolg nichts im Wege stehen.

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