Neuheiten von der Spielwarenmesse: Fliegende Späher, Roboter mit Witz

Von Markus Böhm, Nürnberg

Neuheiten von der Spielemesse: Rollen, fliegen, kämpfen Fotos
Markus Böhm

Mehr Spaß dank Technik? Spielzeug mit moderner Elektronik steht im Mittelpunkt der Nürnberger Spielwarenmesse. Wir haben uns die Tech-Neuheiten angesehen - vom ferngesteuerten Ball bis zum iPhone-Roboter.

Toys 3.0 - keinen Marketingbegriff hört man auf der Nürnberger Spielwarenmesse häufiger. Manche Fachleute sprechen auch von iToys. Gemeint ist im Prinzip dasselbe: klassisches Spielzeug, das mit moderner Technik aufgepeppt wurde. Diesem Trend widmet sich die Messe in diesem Jahr ausführlich, etwa mit einer Sonderfläche am Eingang. Dort finden sich frisch wirkende Ideen, aber auch Produkte, die bekannt vorkommen. Klar, der neue Furby wirkt lebendiger als frühere Modelle. Und der Kuschellöwe, der seinen Mund passend zur abgespielten Musik bewegt, unterhält bestimmt einige Minuten lang. Aber auf Dauer? Nicht alles, was als Spielzeug der Zukunft präsentiert wird, wirkt bahnbrechend.

Wer sich für Tech-Spielzeug interessiert, muss in den Messehallen danach suchen, denn man stolpert nicht gerade darüber. Außer vielleicht beim Sphero, einem Ball, der sich per Smartphone fernsteuern lässt. Wer beim Fußballtraining dabei versagte, Hütchen zu umdribbeln, aber bei Videospielen wie "Fifa 2013" brilliert, dem könnte das rund 130 Euro teure Gadget Spaß machen. Per Bluetooth reagiert Sphero präzise auf Fingerstreiche, rollt wie befohlen. Zudem ist der Ball wasserdicht und so robust, dass sein Vermarkter ohne Zögern mit vollem Körpergewicht draufsteigt. Diverse Apps erweitern die Spielmöglichkeiten, teils mit Augmented-Reality.

Ballern mit Plastikpistolen

Auf letztere Technik setzt auch die Firma Metal Compass, die Actionspiele fürs Smartphone zeigt, samt passender Plastikpistole, der Xappr Gun. Ist das iPhone daran befestigt, lassen sich damit zum Beispiel virtuelle Raumschiffe abschießen, die durch die Messehalle zu fliegen scheinen - natürlich nur auf dem Smartphone-Display. So richtig mitreißen können die vorgestellten Spiele aber nicht.

Streit auslösen könnte "Lazer M.A.D.", das ab April im Handel und auf Kinder-Wunschzetteln landen soll. Dieses Set mit zwei Spielzeugwaffen und zwei Brillen ermöglicht es, zuhause eine simple Variante des Räuber-und-Gendarm-Spiels Lasertag zu spielen. Per Infrarot registriert ein Sensor in der Brille, wenn ihr Träger von seinem Gegner getroffen wurde. Das allerdings führt zu einem Spielablauf, der den wenigsten Eltern gefallen dürfte: Gewinnen kann man nur mit Kopftreffern.

Nicht Autoradio, sondern Auto mit Radio

Familientauglicher wirkt ein Produkt der Firma Silverlit, ein ferngesteuertes Modell eines Mercedes-Benz SLS AMG. Kontrollieren lässt sich der Wagen per Bluetooth übers iPad. Die eigentliche Besonderheit ist aber sein eingebautes Radio, das Songs vom iPad wiedergeben kann. Spielplatzraser sollten sich aber nicht zu früh freuen: Mit wummernden Bässen ums Klettergerüst knattern, bleibt ein Wunschtraum. Das Radio läuft nur, wenn der Wagen mit offenen Türen auf der Stelle steht.

Dass man anno 2013 mehr fernsteuern kann als Bälle und Autos, beweist in Nürnberg DJIs "Phantom", ein Quadrocopter, der sich auch für Hobbypiloten eignen soll. Eine Halterung für GoPro-Kameras ermöglicht spektakuläre Aufnahmen aus der Luft. Bis zu 15 Minuten fliegt der Copter am Stück, dann ist eine Zwischenlandung zum Aufladen nötig. Ihn vom Taschengeld zu finanzieren, wird allerdings schwierig, er kostet rund 570 Euro.

Aufgeblasener R2-D2

Günstiger zu haben ist der ferngesteuerte R2-D2-Roboter, den die britische Firma Bladez Toyz für umgerechnet 45 Euro plus Versand verkauft. Da man aus dem 65 Zentimeter hohen Droiden die Luft ablassen kann, lässt er sich gut verstauen. Das Vorführmodell offenbarte allerdings Schwächen: Beim fahren klang es nicht wie der echte R2-D2, sondern nur mechanisch. Die Entwickler geloben aber, bereits an einer glaubwürdigeren Version zu arbeiten.

Der RoboMe-Roboter hingegen hat gerade den Toy Award gewonnen. Als Steuerung dient ein iPhone, auf dessen Bildschirm ein Gesicht erscheint, dessen Mimik der Anwender anpassen kann. So bestückt kann RoboMe herumfahren und zum Beispiel Witze erzählen. Verbindet man zusätzlich ein iPad überträgt die iPhone-Kamera das Blickfeld des Roboters aufs Tablet. Eltern auf Geschäftsreise könnten so per Roboter Kontakt nach Hause aufnehmen. Im Herbst soll RoboMe für rund 150 Euro in den Handel kommen.

Bereits im Sommer soll dagegen "Disney Infinity", ein Videospiel mit Charakteren wie dem Piraten Jack Sparrow und Mr. Incredible kommen. Als Alleinstellungsmerkmal wird dessen Toy Box beworben, ein Modus, in dem der Spieler frei mit allen Figuren spielen kann, unter einer Bedingung: Steuern kann er nur die Charaktere, die er als Spielfigur besitzt und über eine Basisstation mit seiner Spielkonsole verbindet. Perfektes Merchandising also.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
Kaygeebee 03.02.2013
Vielleicht werde ich einfach älter oder ich denke einfach kritischer, aber mir kommen diese neuen Spielzeuge sehr seltsam vor. Die einen wollen Kinder zu kleinen Soldaten ausbilden, die anderen sind Einstiegsdrogen um Kinder mit Marken vertraut zu machen (Star Wars, Mercedes, Disney, Apple) und fast alle sind heute irgendwie auf ein iPhone oder iPad oder ein anderes Smartphone/Tablet angewiesen. Bedenkt bitte, dass Kinder in ihren frühen Jahre ihre feinmotorischen Fähigkeiten entwickeln und dafür auch komplexere Dinge brauchen. Dinge zusammenstecken oder einfach richtiges Schreiben mit Stift und Papier. Auf einem iPad patscht man einfach nur rum, das kann auch ein Schimpanse oder eine Katze. Wo sind die Spielzeuge welche Kreativität und Motorik fördern, so wie früher Fischer Technik oder Lego (Technik, Mindstorm)? Als Zivi im Kindergarten konnte ich diese Fehlentwicklung täglich beobachten. Ich hatte oft mein Tablet dabei (E-Mails, gelegentliche Spiele, Youtube in der Pause) und darauf waren die Kinder, vor allem die Jungen, richtig versessen. Als ich dieses Ding in der Hand hatte haben die nur auf dieses Ding gestarrt und wollten alle Angry Birds oder Zombie Smash spielen. Und das konnten sie auch verdammt gut. Mit den übrigen Spielzeugen im Kindergarten (Legos, Jenga, Murmelbahnen aus Holzklötzen, Puzzle) konnten sie hingegen kaum was anfangen. Legosteine wurden einfach wild aufeinandergesteckt, mit den Klötzen sind sie umgegangen als ob diese nicht drei- sondern zweidimensional wären. Drehen und wenden kam denen kaum in den Sinn. Und schnell wurden aus diesen dann Wurfgeschosse... Beim Basteln kam die Fehlentwicklung dann richtig zum Ausdruck. Interesse sich mit etwas länger als fünf Minuten zu beschäftigen? Null. Kreativität? Fehlanzeige. Endergebnisse? Katastrophal. Geschick beim arbeiten mit Schere, Papier. Stiften, Kleber und anderen Materialien? Wie eine Hirn-OP mit der Rohrzange. Ich war als Kind sicher kein Shigeru Miyamoto und habe überall fantastische Welten gesehen, aber ich habe gebastelt, gemalt, sogar stümperhaft kleine Filmchen gedreht (Lego Mindstorms Kamera), Marionetten gebaut und aus Umzugskartons im Keller eine Festung mit Kriechgängen zusammengestückelt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gadgets
RSS
alles zum Thema Spiele
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar
  • Zur Startseite
Zum Autor
  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

Fotostrecke
Spielwarenmesse in Nürnberg: Roboter im Aquarium

Trivial Pursuit
Das Wissensspiel auf SPIEGEL ONLINE


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.