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Nextbit Robin im Test: Geister-Apps aus der Datenwolke

Von

Nextbit Robin im Test: Mehr Speicher ohne Speicherkarte Fotos
Matthias Kremp

Das kalifornische Start-up Nextbit will das Speicherproblem lösen, indem es bei seinem Smartphone Robin gleich ganz auf Speicherkarten verzichtet. Taugt das Konzept?

Speicherplatz kann man nie genug haben. Blöd nur, dass er oft sehr teuer ist. Samsungs Galaxy S6 Edge beispielsweise kostet mit 128 GB 200 Euro mehr als das gleiche Gerät mit 32 GB, einen Speicherkartensteckplatz hat es nicht. Einen solchen Steckplatz braucht man heutzutage aber auch nicht mehr, sagen die Entwickler von Nextbit. Statt teure Chips oder Steckkarten in das Gerät zu stopfen, haben sie ihr erstes Smartphone, das Robin, mit einem Cloud-Speicher verbunden.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Eine in das Android-Betriebssystem des Robin integrierte Software erkennt automatisch, welche Daten und Apps man oft benutzt und welche man schon lange nicht mehr angefasst hat. Letztere werden dann automatisch in einen Online-Speicher ausgelagert. 100 GB Cloud-Speicher gehören zum Lieferumfang des Robin, im Gerät selbst stecken 32 GB. Davon stehen dem Anwender 24 GB zur Verfügung.

Den echten Nutzen der Cloud-Technik kann man erst beurteilen, wenn der Speicher des Handys voll ist. Umso erfreulicher war es, dass Nextbit mein Testgerät schon mit vielen Apps, vor allem Spielen, vollgestopft hatte. Die benötigten insgesamt schon mehr Speicher, als im Gerät steckt.

Geister-Apps in der Datenwolke

Auf dem Bildschirm werden die Apps trotzdem angezeigt, allerdings mit ausgegrauten Icons. "Geister-Apps" nennt Nextbit sie. Einfach so starten kann man eine in die Cloud ausgelagerte App nicht. Stattdessen verändert sich zuerst einmal deren Icon, wenn man es antippt: Unter dem App-Symbol erscheint ein Fortschrittsbalken. Er zeigt an, wie lange man noch warten muss, bis die App verfügbar ist. Mit steigendem Ladestand bekommt das Icon auch langsam seine Farbigkeit wieder. Die Spotify-App auf diese Weise aus der Cloud zu laden, dauerte per WLAN ungefähr 20 Sekunden.

Im Einstellmenü der Smart Storage genannten Technologie ist ab Werk festgelegt, dass Daten nur per WLAN in die Cloud kopiert werden sollen. Das sollte man auch so belassen, sofern man nicht einen Mobilfunkvertrag mit sehr großer Datenflatrate hat.

Das ist besonders

Die Cloud-Anbindung ist nicht das Einzige, was das Robin ungewöhnlich macht. Auch das Design überrascht. Statt in einem Metallkorpus steckt das Gerät des kalifornischen Start-ups in einem Kunststoffkorpus, der weder schwarz noch weiß, noch silber- oder goldfarben lackiert ist.

Stattdessen haben sich die Entwickler die Entscheidung über die Farbwahl von den Vorbestellern ihrer Kickstarter-Kampagne abnehmen lassen. Dabei kam unter anderem die Kombination von Türkistönen, die mein Testgerät trägt, heraus. Bei meiner Familie kam das nicht gut an, mir gefällt es trotzdem. Die Farben erinnern mich an VW-Busse aus den Siebzigern.

Mit Sechskernkraft im Mittelmaß

Ungewöhnlich ist auch der Fingerabdrucksensor, den die Entwickler direkt in den seitlich angebrachten Einschaltknopf platziert haben. Auf diese Weise kann man das Smartphone in einem Schritt einschalten und entsperren.

Der Bildschirm wiederum ist nicht ungewöhnlich, aber gut. Nextbit baut ein sehr blickwinkelstabiles Modell mit IPS-Technik ein, das eine sehr realistische Farbdarstellung ermöglicht. Der Sechskernprozessor liefert genug Leistung für alle Alltagsaufgaben, Testprogramme bewerten die Performance des Robin als mittelmäßig, von Highend keine Spur. Aber der Preis ist mit rund 358 Euro auch alles andere als Highend.

Beim Knipsen ist Geduld gefordert

Im Übrigen erfreut das Robin mit einem zwar optisch an das Design des Handys angepassten, aber ansonsten weitgehend unveränderten Android-Betriebssystem, das zudem in der aktuellen Version 6.0 geliefert wird. Dazu passt auch der USB-Anschluss von neuen Typ C.

Ein sehr ungleichmäßiges Bild liefert dagegen die 13-Megapixel-Kamera. Sie macht grundsätzlich gute Aufnahmen, kommt mit schlechten Lichtsituationen recht gut klar. Allerdings ist sie viel zu langsam. Nach dem Druck auf den Auslöser dauert es ein bis zwei Sekunden, bis das Bild endlich aufgenommen wird. Das erfordert Disziplin, denn bewegt man das Gerät nach dem Auslösen zu bald, wird aus dem Schnappschuss nichts.

Fazit

Die Cloud als Speichererweiterung? Kann funktionieren! Jedenfalls, wenn man es so macht wie Nextbit. In der Testphase störte es nicht ein einziges Mal, dass Apps oder Daten erst heruntergeladen werden mussten. So lange man mit einem Netzwerk verbunden ist, ist alles gut. Ohne WLAN oder LTE bekommt man allerdings ein Problem.

Genau genommen ist das Cloud-First-Konzept von Nextbit nur die konsequente Weiterführung von Cloud-Angeboten wie iCloud und Dropbox, mit dem Unterschied, dass alles automatisiert abläuft. Wenn das bei den Kunden ankommt, sehen wir Ähnliches vielleicht bald auch auf anderen Smartphones.

Vorteile und Nachteile

Eigenständiges Design

Guter Bildschirm

Kostenloser Online-Speicher

Sinnvoll platzierter Fingerabdrucksensor

Kamera fokussiert langsam

Technische Daten
Hersteller Nextbit
Modell Robin
Maße (Millimeter) 149 x 72 x 7
Gewicht 150 Gramm
Sprechzeit k.A.
Standby k.A.
Display-Diagonale 5,2 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080
Prozessor 1,44 GHz Hexacore
Arbeitsspeicher 3 GB
Massenspeicher 32 GB
Speichererweiterung 100 GB Online-Speicher
Kamera (hinten/vorne) 13 MPx / 5 MPx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0
Betriebssystem Android 6.0
Besonderheiten Automatischer Cloud-Speicher
Preis (Euro) ca. 358
Alle Daten sind Herstellerangaben

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insgesamt 32 Beiträge
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1. In D nur sehr bedingt brauchbar
zick-zack 18.02.2016
Mit den hierzulande völlig überteuerten Tarifen mit viel zu wenig Volumen und den grottenschlechten Internetgeschwindigkeiten ist das Konzept leider nur eingeschränkt tauglich. Dank der Raffzahn-Industrie gibts auch kaum Free-Wifi. Was in D ist eigentlich noch gut?
2.
ElkeOspert 18.02.2016
Wenn Speicherplatz heute tatsächlich noch teuer wäre dann würde es ja vielleicht Sinn machen Aber als Endverbraucher bekommt man heute bereits eine MicroSD Card mit 128 GB für unter 40 Euro - ein Hersteller mit entsprechenden Stückzahlen wird wohl noch weniger bezahlen und könnte das direkt im Gerät integrieren - wenn unbedingt gewollt auch ohne von außen zugänglichen Slot. Selbst wenn man pro App großzügig mit 20 MB rechnet hätte man Platz für mehr als 5000 Apps - die allerdings dann immer und überall verfügbar wären. Bei einer Cloud fangen die Probleme schon an wenn man in fremden Ländern Urlaub macht und die Roaminggebühren für Datentransfer sehr teuer werden Speicherplatz ist geradezu spottbillig geworden - warum sollte man sich da ohne Not von der Verfügbarkeit einer Netzverbindung abhängig machen.
3. Gaaaanz toll....
globalundnichtanders 18.02.2016
Viel zu teuer. Und alles in die Cloud auslagern hilft halt nicht wenn man keine Internetverbindung hat die einem die Daten flüssig wieder zurückspielt. Am Leben vorbei.
4. Apps erst aus der Cloud laden...
spon_2999637 18.02.2016
...ist ja ganz toll. Wenn ich unterwegs die App brauche, lade ich sie mir jedesmal neu herunter? Bei den üblichen 1-2 GB Datenvolumen? Kommt mir nicht mit WLAN, es ist ein MOBILgerät.... Was zum Teufel ist so falsch an Micro-SD-Slots????
5. Ein Problem, das keines sein dürfte.
schnarchn 18.02.2016
Mir erschließt sich der Sinn nicht so ganz. Zum einen bin ich, wenn ich doch mal drigend eine ältere App brauche, darauf angewiesen, dass die Verbindung gerade gut läuft. Zum anderen ist Datenvolumen in Deutschland noch längst nicht so günstig, dass es sich lohnt auf dem Smartphohne sehr viel mit Cloud Diensten zu arbeiten. Einen lokalen Speicher ziehe ich der Cloud also jederzeit vor. Viel mehr beschäftigt mich aber der Ausgangspunkt des Artikels: Schuld am begrenzten Speicherplatz sind einzig und allein die Hersteller! Auf Steckplätze für günstigen Speicherkarten verzichtet man, stattdessen lässt man sich den internen Speicher, der für das produzierende Unternehmen Centbeträge ausmacht, extrem teuer bezahlen. Das ist nichts weiter, als ganz dreiste Abzocke.
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