Kickstarter-Projekt Handyhülle soll Energie aus der Luft einfangen

Ein amerikanisches Start-up will die Akkulaufzeit von iPhones um ein Drittel verlängern. Statt von außen einen Zusatzakku anzuschließen, soll die nötige Energie quasi aus der Luft gefischt werden.

iPhone-Case von Nikola Labs: Mehr Laufzeit durch Energie-Recycling?
Nikola Labs

iPhone-Case von Nikola Labs: Mehr Laufzeit durch Energie-Recycling?


Auf der Start-up-Konferenz Techcrunch Disrupt in New York hat die US-Firma Nikola Labs eine ungewöhnliche Technologie zum Nachladen von Mobilgeräten vorgestellt. Mit einem Smartphone-Case, das Radiowellen in Energie umwandelt, wollen die Gründer die Akkulaufzeit eines iPhone 6 um 30 Prozent verlängern können - ohne Zusatzakku oder Stromanschluss.

Das Prinzip, das sie dabei verwenden, ist nicht neu. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts haben Kleingärtner, deren Parzellen in der Nähe starker Mittelwellensender standen, die Energie von Radioübertragungen genutzt, um Strom gewissermaßen aus der Luft zu beziehen. Gartenzäune dienten dabei als Antennen, an die mit einem Kupferkabel Glühlampen angeklemmt wurden. Mit denen beleuchteten die Gartenbesitzer abends ihre Parzellen.

Im Groben so ähnlich soll auch das iPhone Case von Nikola Labs funktionieren. Mitgründer Will Zell sprach auf der Disrupt davon, einen großen Teil der Sendeenergie, die ein Smartphone normalerweise aufwendet, um Daten- und Telefonverbindungen herzustellen, auf diese Weise zurückgewinnen zu wollen.

Kein Ersatz für ein Ladegerät

Im Normalfall würden mehr als 90 Prozent dieser Energie einfach verloren gehen, mit der neuen Hülle ließe sich jedoch ein substanzieller Teil davon zurückgewinnen. Wunder darf man sich davon freilich nicht erhoffen. Die Energieausbeute ist offenbar ausgesprochen gering, der Ladevorgang ausgesprochen langsam.

Im Alltag dürfte eine solche Handyhülle eher dazu führen, dass sich der Akku eines Smartphones langsamer leert, als man es gewohnt ist. Einen vollständig entleerten Akku komplett aufzuladen, ist damit nicht möglich. Man braucht also immer noch ein herkömmliches Ladegerät.

Entwicklung an der Uni

Auf den ersten Blick mag die Idee, ein Handy über seine eigenen Funkwellen aufzuladen, abwegig scheinen, doch hinter Nikola Labs stehen keine Traumtänzer, sondern anerkannte Wissenschaftler. Einer der Mitgründer, Rob Lee, leitete bis vor Kurzem das Department for Electrical and Compter Engineering an der Ohio State University. Dort wurde auch die Technologie entwickelt, für die Nikola Labs nun eine exklusive Lizenz von der Universität bekommen hat.

Auf der Techcrunch Disrupt wurde zudem die generelle Funktionsfähigkeit anhand eines Prototypen gezeigt. Sobald das halboffene Case in die Nähe eines WLAN-Routers gebracht wurde, zeigte ein mit dem Case verbundenes Voltmeter einen Stromfluss an, berichtet "Engadget".

Genauere Informationen zu Technik wollen die Entwickler aber erst in einem Monat verraten. Dann soll ihr Projekt auf Kickstarter angeboten werden, zu einem Preis von 99 Dollar pro Case.

Drahtlose Ladestationen

Ikea-Lampe Varv: Sie ist nur eines von mehreren Möbelstücken, die der schwedische Konzern jetzt mit eingebauter Drahtlos-Ladefunktion anbietet.

Ikea-Kollektion mit kabelloser Ladefunktion: Derzeit ist die Auswahl noch eingeschränkt. Nur sieben Möbelstücke werden mit der neuen Technik angeboten. Darunter drei Lampen, zwei Tischchen, eine Dreifach-Ladestation und eine Ladestation zum nachträglichen Einbau in Möbel.

Fast unverzichtbares Zubehör: Da bisher nur wenige Handymodelle mit drahtloser Ladetechnik ausgeliefert werden, bietet Ikea Ladehüllen als Zubehör für mehrere Samsung- und Apple-Smartphones an.

Ladehülle für das iPhone 6: Weil man nur über die Lightning-Buchse Zugang zum Akku des Apple-Handys bekommt, ist die Hülle relativ lang.

Schön geht anders: Die schwedische Hülle für das Apple-Smartphone ist sehr dick geraten. Dadurch schützt sie das Handy zwar gut gegen Stöße, macht es aber auch klobig.

Funktioniert: Einfach, indem man das Handy samt Ladehülle auf den Fuß der Lampe legt, beginnt der Ladevorgang, wie am Akkusymbol zu erkennen ist.

Verglichen mit dem Aufladen per Kabel dauert es deutlich länger, den Akku drahtlos zu betanken. Dafür ist es aber auch viel bequemer.

Ganz besonders fällt die längere Ladezeit beim iPhone 6 Plus auf, das schon mit seinem normalen Ladegerät relativ lange braucht.

Das zum Test verwendete Lumia 1520 hat die drahtlose Ladetechnik bereits ab Werk eingebaut. Es lässt sich dementsprechend ohne weiteres Zubehör von der Ikea-Lampe aufladen.

Das Ziel ist klar markiert: Mit einem großen Kreuz ist im Fuß der Varv-Lampe die Fläche markiert, auf die man sein Handy zum Aufladen legen soll.

Notstrom und Zusatzstrom: Auch an Geräte, die sich nicht kabellos aufladen lassen, wurde gedacht. Für sie ist in den Lampenfuß eine USB-Buchse eingebaut, die genug Strom liefert, um auch große Tablets aufzutanken.

Der Lichtschalter der Varv-Lampe ist unterhalb der Lampenfassung angebracht und wird durch Drehen bedient. Derartige Schalter findet man sonst in erster Linie in amerikanischen Lichtmöbeln.

Genau wie Ikea trägt auch Samsung dazu bei, dass die drahtlose Ladetechnik jetzt endlich Massenmärkte erreichen kann. Die neuen Galaxy S6 und S6 Edge habe die Technik bereits eingebaut.

Das Samsung Galaxy S6 lässt sich deshalb kabellos beispielsweise von diesem Nokia-Ladekissen aufladen.

Dasselbe gilt für viele Lumia-Smartphones, die schon seit Jahren mit Wireless Charging beherrschen beziehungsweise leicht damit nachgerüstet werden können. Ihr Marktanteil ist aber bisher zu gering, um daraus ein Massenphänomen zu machen.

Drahtlose Ladestationen gibt es mittlerweile von diversen Anbietern. Eine, die aufgrund des Materials sehr ansprechend wirkt, ist der WoodPuck aus Bambus von Fonesalesman.

Samsungs Galaxy S6 Edge funktionierte im Test sofort mit dem 55 Euro teuren Woodpuck.

Der Hersteller des Woodpuck ist offenbar der Meinung, wer sein Handy drahtlos auflade, brauche keine USB-Buchse mehr. Das Unternehmen liefert deshalb einen kleinen Weise Stöpsel zum Verschließen derselben mit. So bleibt zumindest Staub draußen.

Nicht nur per Ladehülle lassen sich Smartphones mit der drahtlosen Ladetechnik nachrüsten. Hier ist beispielsweise der iQi Mobile Receiver von Fonesalesman zu sehen.

Der Stromempfänger wird über ein Flachbandkabel mit der Lightning-Buchse des iPhones verbunden und ist ...

... so flach, dass man ihm eine beliebige Schutzhülle überziehen kann.

Das derart mit Wireless-Charging-Technik nachgerüstete iPhone 6 Plus funktioniert problemlos mit dem Woodpuck und anderen drahtlosen Ladegeräten.

Auch das gibt es: Diese Zusatzakku in Stein-Optik kann seine Energie per USB-Kabel oder drahtlos abgeben und auch auf beide Arten aufgeladen werden.

Das Prinzip ist auch hier verlockend, die Umsetzung aber etwas wackelig.

mak

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
zorro der rächer 06.05.2015
1. Geklaute Energie
gab es noch Anfang der Fünfzigerjahre, als der NWDR aus dem Flakturm IV auf dem Heigigengeistfeld in Hamburg sendete. Damals gab es etliche Schrebergärtner drumherum. Wurde nach einiger Zeit als Diebstahl verfolgt - dann gab es keine kostenlose Beleuchtung mehr.
tpk 06.05.2015
2. Finde ich nicht richtig einleuchtend
Verstehe ich das richtig: Die Energie, die aufgefangen wird, kommt doch vom Telefon, nicht von anderen Sendern. Beim Telefonieren oder Surfen wird das dann abgeschaltet? Oder wird dadurch die Sendeleistung nicht geschwächt? Müsste doch eigentlich. Und hieße das nicht im Umkehrschluss, dass Apple die Sendeleistung unnötig hoch macht? Wäre es dann nicht sinnvoller, die Sendeleistung von vorneherein zu verkleinern, als hinterher Überschüssiges wieder einzufangen?
ptb29 06.05.2015
3. Da wir den Energieerhaltungssatz nicht ändern
können, sollte man schon beachten, dass es ein Unterschied ist, ob die Energie von einem externen Geräte kommt oder von Handy selbst. Kommt sie vom Handy wird dessen Sendeleistung verringert, was ja nicht das Ziel sein kann.
sikasuu 06.05.2015
4. ...Kleingärtner, deren Parzellen in der Nähe starker Mittelwellensender standen, ...
....die Energie von Radioübertragungen genutzt,... ### Und bekamen massiv Ärger, weil die "Feldstärke" = Sendeenergie der Sender dadurch massiv reduziert wurde. (Bekannter Fall Mittelwellensender des WDRs "Sender Langenberg" südl. Esssen) . Die EIGENE Sendeleistung des SmartPhones dürfte wohl nicht genutzt werden. Die der Nebenstehenden Wlan-Station nur auf Kosten anderer Nutzer. . Das Prinzip klappt. HF mit grosser Feldstärke eignet sich sehr wohl zur Energiegewinnung, (Vergl Detektor-Radio OHNE jegliches "aktive" Energiequelle) wird aber, wenn da "Leistung" erforderlich ist, nur auf Kosten anderer Nutzer funktionieren. . Energie kann man wohl nur (so leid wie es der Phisyk auch tut=Ebergierehaltungssatz) einmal nutzen:-)), dann ist sie weg, sprich woanders :-))
tpk 06.05.2015
5. Finde ich nicht richtig einleuchtend
Verstehe ich das richtig: Die Energie, die aufgefangen wird, kommt doch vom Telefon, nicht von anderen Sendern. Beim Telefonieren oder Surfen wird das dann abgeschaltet? Oder wird dadurch die Sendeleistung nicht geschwächt? Müsste doch eigentlich. Und hieße das nicht im Umkehrschluss, dass Apple die Sendeleistung unnötig hoch macht? Wäre es dann nicht sinnvoller, die Sendeleistung von vorneherein zu verkleinern, als hinterher Überschüssiges wieder einzufangen?
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