Nikon Coolpix A Weiter Winkel, großer Sensor, winzige Kamera

Die Bildqualität einer Spiegelreflexkamera für die Jackentasche: Nikons Coolpix A ist 300 Gramm leicht, hat aber denselben Sensor eingebaut wie große Nikon-Kameras. Wie gut die Kleine fotografiert, zeigt der Test.

SPIEGEL ONLINE

Die Nikon Coolpix A ist ein außergewöhnliche kompakte Kamera: Das Gehäuse hat ungefähr die Maße eines iPhone 5, allerdings ist es deutlich dicker. Nicht einmal 300 Gramm wiegt der Fotoapparat mit Akku und fest verbautem Objektiv.

Das ist beachtlich, denn der Bildsensor der Nikon Coolpix A ist derselbe wie in weit größeren Nikon-Spiegelreflexkameras wie der D7000 und D5100. Bei einer solchen Spiegelreflex wiegt allein das Gehäuse ein halbes Kilo, dazu kommen noch mal 200 Gramm oder mehr fürs Objektiv.

300 Gramm, große Sensorfläche, Weitwinkelobjektiv - wie gut ist Nikons neue Edel-Kompaktkamera?

Das gefällt: Gehäuseformat, Sensor

Bildqualität: Der große Sensor und das hervorragende Objektiv schaffen Aufnahmen von überdurchschnittlicher Qualität. Gerade bei Nahaufnahmen beeindruckt die hohe Schärfe der fokussierten Bildbereiche. Hier zahlt sich wohl der Verzicht auf einen Tiefpassfilter aus. Die Auflösung ist hoch, selbst kleinste Details, zum Beispiel in Holzoberflächen, sind zu erkennen - auch bei höherer ISO-Empfindlichkeit. Zum Bildrand fällt die Auflösung etwas ab, aber nicht extrem, zumindest bei etwas kleinerer Blendenöffnung (ab f/5,6).

Diesen Seheindruck bestätigt der Labortest von digitalkamera.de. Der Signal-Rauschabstand ist bei der Nikon Coolpix A hoch, das heißt: Schwächere Bildsignale gehen nicht im Rauschen von Störungen unter, auch nicht bei höheren ISO-Empfindlichkeiten. Bei kleineren Bildsensoren ist das immer ein sichtbares Problem: Wenn man bei wenig Licht aus der Hand fotografiert, muss man die ISO-Empfindlichkeit auf ISO 800 oder mehr stellen, damit die Aufnahme nicht verwackelt, aber hell genug ist. Doch bei kleiner Sensorfläche schluckt die Rauschunterdrückung Bilddetails - oder man sieht Rauschen, meist als krisselige Flächen im Bild erkennbar. Bei der Coolpix A ist der Signal-Rauschabstand bis ISO 1600 akzeptabel, und darüber zumindest für verkleinerte Darstellungen annehmbar.

Signal-Rauschabstand der Coolpix A: Je größer der Wert, desto deutlicher ist das Signal und desto geringer ist das störende Rauschen
Digitalkamera.de

Signal-Rauschabstand der Coolpix A: Je größer der Wert, desto deutlicher ist das Signal und desto geringer ist das störende Rauschen

Das Konkurrenzmodell Fujifilm X100S hat einen noch etwas höheren Signal-Rauschabstand, allerdings wird der akzeptable Bereich erst ab ISO 800 erreicht. Die Auflösung der Coolpix A ist ausgeglichener als die der X100S, bei kleineren Blendenöffnungen ab f/4 ist der Unterschied zwischen Bildrand und Bildmitte kaum wahrnehmbar.

Größe: Die Nikon Coolpix A bietet für eine Kamera dieser Größe eine erstaunlich hohe Bildqualität. Sie ist kleiner und leichter als die Fujifilm X100S und Sigma DP2 Merrill, man kann die kleine Nikon problemlos in der Jackentasche tragen.

Nicht so gut: Autofokus, spezielles Objektiv

Autofokus-Geschwindigkeit: Die Nikon Coolpix A fokussiert für eine Kamera mit dieser Sensorfläche annehmbar schnell. Beim Labortest von digitalkamera.de brauchte sie zum Fokussieren von unendlich auf ein Motiv in zwei Metern Entfernung 0,51 Sekunden - das Konkurrenzmodell X100S von Fujifilm ist mit 0,44 Sekunden deutlich schneller.

Auslöseverzögerung der Coolpix A: Werte unter 0,3 Sekunden sind gut bis sehr gut, bis etwa 0,6 Sekunden sind sie befriedigend
Digitalkamera.de

Auslöseverzögerung der Coolpix A: Werte unter 0,3 Sekunden sind gut bis sehr gut, bis etwa 0,6 Sekunden sind sie befriedigend

Beim Fokussieren bremst ein Detail bei der Handhabung: Wenn man Motive in einem halben Meter oder weniger Entfernung scharf stellen will, sollte man in den Makro-Modus umschalten. Der Schalter dafür ist an der linken Seite des Gehäuses angebracht und recht schwergängig. Wenn man zwischen Nahaufnahmen und weiter entfernten Motiven hin- und herschaltet, geht das mittels eines einfachen Knopfes an der Gehäuserückseite wesentlich schneller. So hat es Fujifilm bei der X100S gelöst: An der Gehäuseseite wechselt man zwischen manuellem Fokus und den beiden Autofokus-Modi, an der Rückseite aktiviert man den Makro-Modus. Mit einer solchen Lösung wäre auch die Coolpix A schneller zu fokussieren.

Handhabung: Insgesamt ist die Coolpix A für eine derart kompakte Kamera gut zu bedienen. Allerdings ist das System wie bei Standardkompaktkameras absolut vom Menü abhängig. Was man einstellt, sieht man (vom Modus-Wahlrad und Fokus-Schalter abgesehen) nur bei eingeschalteter Kamera auf dem Display. Man kann die Blendenöffnung nicht schnell durch eine Drehung am Blendenring ändern, die Kamera lässt sich ausgeschaltet nicht einstellen. Das ist bei der X100S möglich.

Brennweite: So gut das Objektiv der Coolpix A sich auf die Auflösung auswirkt, die Brennweite schränkt den Einsatz ein. Das Weitwinkelobjektiv (28 mm Kleinbild-äquivalente Brennweite) ist gut geeignet für Landschaftsaufnahmen und Straßenszenen. Auch für Nahaufnahmen ist das Objektiv gut geeignet, das Motiv muss im Makro-Modus mindestens zehn Zentimeter entfernt sein, damit es scharf gestellt werden kann. Für Porträtaufnahmen und echte Makro-Fotos ist die Coolpix A allerdings weniger geeignet. Die X100S ist da mit 35 Millimetern Kleinbild-äquivalenter Brennweite flexibler einsetzbar, zudem gibt es für diese Kamera einen Weitwinkel-Konverter.

Vorteile, Nachteile, Fazit

gute Bildqualität, hohe Auflösung

auch bei hoher ISO-Empflindlichkeit wenig Bildrauschen

sehr kompaktes, leichtes Gehäuse

Kein Sucher an der Kamera, als Zubehör lediglich optischer Sucher für 300 Euro erhältlich

Weitwinkel-Brennweite schränkt Gestaltungsfreiheit ein

Autofokus durchschnittlich schnell, Bedienung des Makro-Modus verlangsamt zusätzlich

Fazit: Die Coolpix A ist eine hervorragende, aber sehr spezielle Kamera. Sie vereint ein kompaktes Gehäuse mit einem großen Sensor und einem darauf gut abgestimmten Objektiv. Die Bildqualität ist auch bei höherer ISO-Empfindlichkeit überdurchschnittlich. Allerdings ist die Kamera nicht so universell einsetzbar wie etwa eine X100S: Das fest verbaute Weitwinkelobjektiv ist gut für Nahaufnahmen und Landschaften geeignet, weniger für Porträts und Straßenszenen.

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Kompakte mit großem Sensor: Fujifilm X100S und die Konkurrenz

Kamera Nikon Coolpix A Olympus E-M5 / OM-D Sony RX1 Fujifilm X100S Sigma DP2 Merrill
günstigster Preis * (mit / ohne Objektiv) 964 1099 2799 1199 789
Maße (Gehäuse) 11,1 x 6,4 x 4 12,1 x 9 x 4,2 cm 11,3 x 6,5 x 6,9 12,7 x 7,5 x 5,4 12,1 x 6,67 x 5,92
Volumen (Gehäusell-
maße), cm³
284,16 457,38 506,805 514,35 477,78544
Gewicht (mit / ohne Objektiv, Gramm) 299 373 / 584 482 405 330
Objektiv fest verbaut M.Zuiko digital ED 12-50mm fest verbaut fest verbaut fest verbaut
Objektiv (Brennweite kb.-äquivalent) 28mm, f/2,8 35 mm / f/2 35 mm f/2 fest 45 mm, f/2,8
günstigster Preis Objekitv fest verbaut 373 / 584 fest verbaut - -
Naheinstell-
grenze (cm)
10 cm 20 cm 24 cm 10 cm 28 cm
Auflösung (Megapixel) 16,2 16,1 24,7 16,3 15,3 / 46 (15,3 in drei Schichten)
Sensorgröße (cm²) 3,68 2,25 8,52 3,73 3,69
Megapixel pro cm² 4,40 7,15 2,89 4,37 4,15 / 12,46
Display (Diagonale Zoll / cm) 3 / 7,6 3 / 7,6 3 / 7,6 2,8 / 7,1 3 / 7,6
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 307.000 / 921.000 203.333/ 610.000 409.600 / 1.228.800 153.333 / 460.000 306.666 / 920.000
Dateiformat RAW/JPG RAW / JPG RAW (Sony)/JPG RAW / JPG RAW/JPG
Besonderheiten kein Tiefpassfilter, integrierter Blitz, integrierter Graufilter kein Tiefpassfilter, Hybrid-Sucher, Blitz Foveon-Bildsensor ohne Tiefpassfilter

* im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 4.4.2013)



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
thinkhard 08.04.2013
1. Weitwinkel ?
Eine Kamera mit 28 mm Brennweite ist nun wirklich nicht als Weitwinkelkamera zu betrachten.
qvoice 08.04.2013
2. No zoom, no fun
Ein grosser Sensor ist natürlich super für die Bildqualität. Allerdings hat ein Kamera mit festverbauter Festbrennweite so viele Nachteile, dass dieser Vorteil zunichte gemacht wird. Ohne Zoom ist man in der realen Welt einfach aufgeschmissen. Die Gefahr, dass man die besten Motive verpasst, ist viel zu gross. Eine Kamera wir die Canon G1 X mir grossem Sensor UND brauchbaren Zoom ist da der perfekte Kompromiss.
Stelzi 08.04.2013
3. Nix halbes, nix ganzes
Für den Preis greife ich lieber zu einer anständigen Systemkamera, z.b. eine der Sony NEX Reihe. Da bekomme ich wesentlich mehr und beule damit nicht mal die Jackentasche aus wenn ich ein vergleichbares Objektiv montiere.
markus_wienken 08.04.2013
4. .
Zitat von qvoiceEin grosser Sensor ist natürlich super für die Bildqualität. Allerdings hat ein Kamera mit festverbauter Festbrennweite so viele Nachteile, dass dieser Vorteil zunichte gemacht wird. Ohne Zoom ist man in der realen Welt einfach aufgeschmissen. Die Gefahr, dass man die besten Motive verpasst, ist viel zu gross. Eine Kamera wir die Canon G1 X mir grossem Sensor UND brauchbaren Zoom ist da der perfekte Kompromiss.
In Kombination mit einem guten Objektiv stimmt das sogar. Würde ich so pauschal nicht stehen lassen wollen, zumal diese Art von Kamera wohl eher als Zweitkamera gekauft werden dürfte. Ich habe früher auch so gedacht. Inzwischen ertappe ich mich dabei dass ich sehr häufig mit meiner Fuji X-E1 und "nur" dem 35mm f1.4. Objektiv unterwegs bin. Dass man mit einem Zoom flexibler ist steht natürlich außer Frage, kommt halt darauf an was man fotografieren möchte und mit welchen Qualitätsanspruch. Vielleicht für Sie, für mich wäre das keine Alternative, oftmals nicht lichtstark genug, zu wenig Freistellungspotential.
Stelzi 08.04.2013
5.
Zitat von qvoiceEin grosser Sensor ist natürlich super für die Bildqualität. Allerdings hat ein Kamera mit festverbauter Festbrennweite so viele Nachteile, dass dieser Vorteil zunichte gemacht wird. Ohne Zoom ist man in der realen Welt einfach aufgeschmissen. Die Gefahr, dass man die besten Motive verpasst, ist viel zu gross. Eine Kamera wir die Canon G1 X mir grossem Sensor UND brauchbaren Zoom ist da der perfekte Kompromiss.
Das ist natürlich insofern Nicht richtig, als das ein Suppenzoom die Vorteile eines guten, grossen Sensors auch wieder zunichte macht und zwar durch die bescheidene, oft mit der Brennweite wandernde Qualität. Festverbautes Zoom Objektiv ist genau so schlecht wie ein Mickey Mouse Sensor. Folgerichtig kauft man sich lieber eine Systemkamera mit gutem Sensor, wo man für Knippserein ein Zoom montiert und für die anspruchsvolleren Motive eine Festbrennweite - und liegt weiterhin deutlich unter dem Gewicht und der Grösse von Spiegelreflexkameras.
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