Die Jahrzehnte vor "Super Mario" Als Nintendo Liebestester und Lichttelefone baute

Beim Namen Nintendo denkt man an die Wii, den Gameboy und Super Mario. Dabei hat der Konzern über Jahrzehnte Spielzeug produziert, vom Liebestester bis zum luftgesteuerten Fußballspiel. Ein Sammler dokumentiert das kuriose Frühwerk.

Von

Beforemario.com

Wenn einer die Bezeichnung Nintendo-Enthusiast verdient, dann Erik Voskuil. Der 48-jährige Niederländer ist Fan, Sammler und Experte in einer Person, jemand, der sogar Produkte kennt, die Nintendo ausschließlich in Japan auf den Markt gebracht hat - vor Jahrzehnten.

Während andere Nintendo-Liebhaber Videospiele und Mario-Figürchen anhäufen, fasziniert den Vodafone-Produktmanager alles, was der Konzern vor seinen Konsolen wie dem Nintendo Entertainment System (NES) und weltberühmten Videospielen wie "Super Mario Bros." und "The Legend of Zelda" verkauft hat.

Seit mehr als 20 Jahren sammelt Voskuil, was sich aus dieser Zeit noch auftreiben lässt: von Spielkarten, die das Nintendo-Geschäft von der Firmengründung 1889 an bis in die Sechzigerjahre prägten, bis zur 1980 gestarteten LCD-Spiel-Serie "Game & Watch", von der er mittlerweile jeden der mehr als 50 Teile besitzt. "Die 'Game & Watch'-Spiele laufen alle noch", sagt Voskuil, "die sind wirklich langlebig."

Voskuil führt das Blog "BeforeMario.com"

Unsere Fotostrecke zeigt acht ungewöhnliche Nintendo-Produkte aus Voskuils Sammlung, die in Europa wohl kaum jemand kennt:

Fotostrecke

16  Bilder
Spielzeug-Geschichte: Diese Produkte sind tatsächlich von Nintendo
Einblicke in sein Privatarchiv gewährt der Sammler auf seinem Blog "BeforeMario.com". Mittlerweile hat Voskuil auch ein Buch mit demselben Namen veröffentlicht, das sich auf Englisch und Französisch und vielen Fotos den Nintendo-Produkten aus den Jahren 1965 bis 1983 widmet.

"Nintendo hatte Leute, die ihre Fähigkeiten als Spielzeugmacher in Elektronikprodukte hinein übertragen konnten", sagt Voskuil. "Sie wussten, wie man Spielzeug designt, das Kindern und Erwachsenen Spaß macht, während andere Firmen nur mit Erfahrungen aus dem Bereich Unterhaltungselektronik in den Spielemarkt kamen."

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Zuletzt konnten Spielefans Voskuil übrigens auf der Kölner Spielemesse Gamescom begegnen, wo er seine Sammlung im Retro-Gaming-Bereich ausstellte. Wer also genug hatte von all den Ausflügen in die virtuelle Realität, die Firmen wie Oculus, Sony und Valve anboten, der konnte sich dort auch einmal ganz klassisches Spielzeug anschauen.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass auch Nintendo einmal ein Virtual-Reality-Gadget im Programm hatte, den Virtual Boy. Das war allerdings 1995 - seiner Zeit irgendwie voraus, aber lange nach Super Marios erstem Auftritt.

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insgesamt 8 Beiträge
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Tamaji 19.08.2015
1. Es wird sogar noch interessanter
Wenn man noch weiter in Nintendos Geschichte zurückgeht, ungefähr bis ins Jahr 1960 - damals betrieb Nintendo zumindest ein Bordell, in Japan auch mit dem Euphemismus "Love Hotel" bezeichnet, und ein dazugehörige Taxiunternehmen, dass die Damen an die Hotelgäste "lieferte". Und geht man noch weiter zurück, so erfährt man, dass Nintendo seine ersten Erfolge als Lieferant für die Yakuza gefeiert hat. Damals waren es Spielkarten, die in den Glücksspielbetrieben der Japanischen Mafia benutzt wurden. Wenn man bedenkt, dass selbst heute die Yakuza noch in den meisten Japanischen Firmen in irgendeiner Form vertreten ist, ist die Historie Nintendos allerdings für Japanische Verhältnisse nichts Besonderes. Wer nachlesen will, dem empfehle ich diesen Artikel, leider nur in Englisch erhältlich: http://kotaku.com/5784314/the-nintendo-theyve-tried-to-forget-gambling-gangsters-and-love-hotels
erwin dunn 19.08.2015
2. @1
Danke für die Info. Sehr interessant.
Holledauer 19.08.2015
3. Der Love - Tester von Nintendo entspricht im Grundprinzip...
... dem E-Meter der Scientologen, welches als "Wahrheits-Messgerät" aufgebaut ist. Ich brachte eine Scientologin regelrecht aus der Fassung, als ich ihr erklärte, dass ich so ein Gerät als Schüler für Physikversuche selbst gebastelt habe. Als die Dame dann zu schwadronieren begann, dass mein Gerät überhaupt keinen Bezug zu der "genialen Erfindung" des Herr Hubbard habe, musste ich der Dame erklären dass das, was die Scientologen hinter diesem Gerät (ein einfaches Widerstandmessgerät) vermuten, schlicht und einfacher Quatsch sei. Die Erklärung ist höchst einfach: Wenn jemand lügt oder dem Objekt seiner Liebe gegenüber sitzt, scheidet die Haut etwas mehr Schweiß aus, wass sich in einem geringerem Widerstand der Haut und folglich einem etwas höherem Strom niederschlägt, der sich ergibt, wenn man die beiden Kontakte in der Hand hält. Sowohl bei Hubbard als auch bei Nintendo befinden sich in dem Kästchen (bei Hubbard natürlich Gehäuse) eine Batterie und ein Galvanometer, also ein Gerät, welches bereits sehr niedrige Ströme und deren Schwankungen misst. Diese Anordnung ist übrigens neben anderen Meßgeräten auch Bestandteil der US-Amerikanischen Lügendetektoren. Wenn der Lügendetektor ausschlug, dann schloss man häufig den Befragten direkt an eine Hochspannungssteckdose an.
johi62 19.08.2015
4. Ten Billion von Nintendo
hab ich auch noch in meiner Sammlung. Ist eine kleine Tonne wo verschieden farbige Kugeln auf mehreren Ebenen angeordnet werden müssen. Ähnlich wie beim Würfel, nur rund und 2D.
der_bulldozer 19.08.2015
5. Das Lichttelefon ist einfach super
Das Lichttelefon sollte den Telefonherstellern ein paar Anregungen liefern, wie man die Schlapphüte in aller Welt austricksen kann. Wenn sich einer zwischenschaltet, fällt es sofort auf. Ich gebe aber zu, dass es sicher noch ein paar Probleme mit der Reichweite zu lösen gibt.
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