Kopfhörer im Test Diese vier lassen die Welt verstummen

Weniger Lärm, mehr Ruhe: Das versprechen sogenannte Noise-Canceling-Kopfhörer, die mit elektronischen Tricks Umgebungsgeräusche auszublenden versuchen. Wir haben vier aktuelle Modelle getestet.

SPIEGEL ONLINE

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Alle vier Testkandidaten versuchen, die Außenwelt ruhigzustellen: Wir haben Noise-Canceling-Kopfhörer von Bose, Sennheiser, Sony und Plantronics ausprobiert - auf Langstreckenflügen und auf Bahnfahrten. Hier sind unsere Eindrücke:

1. Bose QC35

Dass Bose ein Pionier bei geräuschmindernden Kopfhörern ist, merkt man in Flugzeug und Bahn sofort. Der QC35-Kopfhörer liefert im Test die subjektiv beste Geräuschabschirmung und lässt das tiefe Dröhnen der Triebwerke fast völlig verschwinden. Setzt man ihn auf, fühlt es sich fast so an, als würde die Welt um einen herum verstummen.

Leider ist die Steuerung vieler Funktionen etwas schwierig. Man muss sich genau einprägen, wo welcher Knopf liegt und wie oft man ihn drücken muss, um eine bestimmte Funktion auszulösen. Positiv: Es gibt eine QC35-App, mit der man einige Funktionen und vor allem Bluetooth-Verbindungen komfortabel verwalten kann.

Während der Akku des QC35 geladen wird, kann man den Kopfhörer nicht benutzen. Das nervt, wenn man bei einem Langstreckenflug das Gerät laden muss. Der Vorgänger QC25 war da leichter zu handhaben, da man bei ihm einfach die Batterien austauschen konnte - sofern man welche dabeihatte.

Im Vergleich zum Vorgänger QC25 ist das neue Bose-Modell deutlich lauter, was ich als angenehm empfinde. Klanglich liefert er den Hi-Fi-Sound, den man von Bose erwartet: kräftige Bässe und brillante Höhen, was an die Loudness-Taste mancher Stereoanlage erinnert. Das Ergebnis ist ein angenehmer, unaufdringlicher und warmer Sound.

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2. Sennheiser PCX 550

Beim PCX 550 sucht man die Einschalttaste vergeblich. Die Elektronik aktiviert sich automatisch, sobald man die Hörmuscheln aufklappt, also beispielsweise beim Aufsetzen des Kopfhörers. Genauso schaltet er sich auch selbst wieder ab.

Die Bedienung erfolgt über ein in die rechte Hörmuschel integriertes Touchpad. Hier kann man die Lautstärke regeln, die Musik steuern und Anrufe annehmen. Leider funktioniert nicht alles in jedem Abspielprogramm. Da hilft nur Ausprobieren.

Die Geräuschunterdrückung funktioniert im Flugzeug sehr gut. Triebwerkslärm wird effektiv ausgeblendet, sodass man in Ruhe Musik hören, Filme angucken oder schlafen kann. Merkwürdigerweise kommt der Sennheiser mit weniger lauten Umgebungen weniger gut klar. Die Stimmen einer lauten Unterhaltung im Wohnzimmer etwa bügelt er nicht so überzeugend weg wie Triebwerkslärm.

Klanglich zeichnet sich der PCX 550 durch seine Transparenz aus. Höhen werden sehr präsent wiedergegeben, die Mitten sind gut repräsentiert, ebenso die Bässe. Nur sonderlich druckvoll wird er dabei nicht.

Lobenswert ist außerdem Sennheisers App CapTune, mit der sich viele Funktionen des Kopfhörers steuern und beispielsweise Klangeinstellungen vornehmen lassen. Leider sind die Einstellungen nur direkt in der App nutzbar und gehen verloren, sobald man in einer andere Musik-App wechselt.

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3. Sony MDR-1000X

Beim MDR-1000X fällt zuallererst der Tragekomfort auf. Der Kopfhörer ist einerseits sehr leicht, andererseits ist der Umfang des Tragebügels sehr gut anpassbar, sodass er sehr bequem aufliegt.

Interessant ist die Möglichkeit, die Geräuschminderung an die jeweilige Situation anpassen zu lassen. Auf Knopfdruck misst die Elektronik dafür das aktuelle Umfeld aus. In der Praxis hat das zwar eher marginale Einflüsse, die Geräuschunterdrückung war aber trotzdem sehr gut und hat unter den Hörmuscheln für fast völlige Stille gesorgt.

Zur Bedienung stehen sowohl mehrere Knöpfe als auch ein Touchpad auf der linken Ohrmuschel bereit. Eine sehr gute Idee von Sony ist es, dass in den Boden der Transportbox eine Übersicht der verschiedenen Funktionen von Touchpad und Tasten aufgedruckt ist. So lässt sich unterwegs schnell nachschauen, wie eine bestimmte Aktion ausgelöst wird.

Der Klang des MDR-1000X ist sehr ausgewogen und extrem transparent, fast schon luftig. Nur die Bässe könnten etwas mehr Druck vertragen. Zudem können die Sonys vergleichsweise laut aufspielen. Klangveränderungen oder gar Verzerrungen sind dabei nicht wahrnehmbar.

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4. Plantronics Backbeat Pro 2

Mit einem Preis von 250 Euro ist der Backbeat Pro 2 das günstigste Modell in diesem Vergleich. Leider merkt man das auch. Die Ohrmuscheln sind aus einem vergleichsweise billig wirkenden Kunststoff gefertigt, aus dem auch die verschiedenen Schalter hergestellt werden.

Ein Touchpad, wie es manche Konkurrenten bieten, gibt es nicht. Dennoch lassen sich die Außenflächen der Ohrmuscheln zur Musiksteuerung und Rufannahme nutzen. Nur eben nicht mit Gesten, sondern mechanisch. Funktioniert aber auch. Ein Ring um die rechte Ohrmuschel dient zur Lautstärkeregelung.

Was mir gut gefällt: Über Sensoren erkennt der Backbeats Pro 2, wenn man ihn absetzt und stoppt dabei automatisch die Musik- oder Videowiedergabe. Sobald man ihn wieder über die Ohren stülpt, wird die Wiedergabe ebenso automatisch fortgesetzt. Das funktioniert zwar nicht in allen Apps, aber in vielen und ist ein echter Komfortgewinn.

Leider kann die Geräuschminderung nicht mit der teureren Konkurrenz mithalten. Flugzeuglärm kann der Plantronics-Kopfhörer zwar deutlich vermindern. So effizient ausblenden wie die anderen getesteten Modelle, kann er ihn aber nicht.

Auch klanglich liefert er ein anderes Bild ab: Er klingt nicht so transparent und neutral wie die Geräte von Sony und Sennheiser. Dafür legt er bei den Bässen eine Schippe mehr auf, was meinem Geschmack entgegenkommt. Erfreulicherweise klingt er dadurch nicht dumpf oder muffig, sondern nur etwas kräftiger im Tieftonbereich.

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Fazit zum Test

Lag Bose mit seinen geräuschmindernden Kopfhörern jahrelang vorn, muss sich das US-Unternehmen jetzt der Konkurrenz geschlagen geben. Was die Geräuschunterdrückung angeht, liegen Sony, Sennheiser und Bose zwar nahe beieinander, doch die Funktionen und die Bedienungsmöglichkeiten der Konkurrenzgeräte sind einfach moderner und besser. Vor allem der Sennheiser kann punkten, zumal seine App ein echtes Plus ist.

Wer mehr aufs Geld schauen muss, sollte dem Plantronics Backbeat Pro 2 eine Chance geben. Sein Preis-Leistungs-Verhältnis ist so gut, dass man seine Schwächen bei Materialauswahl und Geräuschminderung durchaus hinnehmen kann.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Hannes Grebin 01.01.2017
1. Im Zweifelsfall einfach alle bestellen
Vielen Dank für die gute Vergleichsarbeit. Habe derzeit noch den QC25 und bin bis aufs Kabel echt zufrieden, nervt aber schon. Denke, dass ich jetzt basierend auf dieser Recherche, einfach alle Modelle bestelle und die genannten Features individuell austeste. Dachte die Beats Kopfhörer hätten auch noch irgendeine Relevanz (mit diesem Mac Chip) aber wahrs sind das echt nur gute Marketing-Produkte. Ganz interessante Zusammenstellung auf dem Blog vom Hardware-Accelerator BOLT wo normale BEATS-Kopfhörer unter die Lupe genommen werden bzgl genialer Produktion und Marketing. Fazit: 13$Herstellungspreis. + 8$ Verpackung = 199$ Verkaufspreis. Interessant sind zudem Features wie symmetrisches Design wegen weniger benötigten Formen (=günstiger) und eigentlich nutzlose Metallteile, die einfach wegen einer Gewichtserhöhung eingebaut werden, aufgrund einer dadurch subjektiv wahrgenommenen höheren Wertigkeit. Alles in allem eine wirklich durchdachte Mogelpackung ;) Happy new year an alle in der Redaktion btw!
Siggi_Paschulke 01.01.2017
2.
Im Bose-Laden wurde auf meinen Einwand, laute Gespräche würden fast gar nicht unterdrückt, mit Sicherheitsbedenken geantwortet. Man müsse ansprechbar bleiben, daher beabsichtigt, technisch aber machbar. Da hilft wohl nur ein passiver Gehörschutz ("Micky Mouse"). Mein QC3 versüßt mir noch immer jede Bahnfahrt, gern auch ohne Input.
www.puma 01.01.2017
3. geschmackssache
Ich muss zugeben mich ebenfalls zum Kauf eines Noise-cancelling-Kopfhörers hinreißen lassen habe, jedoch finde ich persönlich, dass sie weniger gut geeignet sind zum Fliegen in einem Flugzeug wie Kopfhörer mit einer Sound-converting-Funktion - Diese sind zwar etwas teurer, doch dafür angenehmer zu tragen.
winterwoods 01.01.2017
4. Kleiner Tipp
Kleiner Tipp für alle, die einfach nur Lärmschutz suchen: (Sehr gute!) Lärmschutzkopfhörer gibt es bereits für 10-15€. Man muss keine hunderte von Euro ausgeben! Ich benutze seit einem Jahr nahezu täglich einen für 10€, bei vielen alltäglichen Angelegenheiten. Perfekt. Bequem, komfortabel, leicht, äußerst robust und sehr effektiv. Auf die Noise-Cancelling-Technologie kann ich dabei sehr gerne verzichten - da diese, laut Rezensionen, sowieso nicht alle Frequenzbereiche abdeckt. Ein 10-15€-Schützer im Flugzeug, und man würde ebenso so gut wie nichts mehr hören, da muss man keine Unsummen ausgeben.
oldlindi 01.01.2017
5. Welch ein Mumpitz, bei einem Hörakustik-Fachbetrieb...
...bekommen Sie exakt in Ihr Ohr passende Im-Ohr-Kopfhörer, die ohne elektronische Hilfe die Außengeräusche nahezu ausschalten. Damit kann man leise wunderbar die eigene Musik genießen und hat zudem kein monströses Kopfhörergestell auf seinem Kopf, sondern ein absolut unauffälliges Paar Im-Ohr-Kopfhörer, die zudem nur seinem Besitzer passen (dank Ohrabdruck des individuellen Gehörgangs) und damit auch evtl. Diebstähle sinnlos machen. Preislich ist bei den Im-Ohr-Hedasets ebenfalls alles denkbar, ich nutze ein älteres Paar, das schon rund 10 Jahre existiert und dessen Preis bei ca. 198,- € lag. Und nach oben ist die Welt wie immer offen. Übrigens: Die Beratung zu diesen Produkten ist natürlich immer kostenlos. Also: Wer wunderbaren Klang ohne Außengeräusche genießen möchte braucht keine "elektronische" Hilfen, sondern nur einen Besuch bei einem Hörakustik-Fachgeschäft. Die können das.
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