Praxistest Diese Handys sollen Nokia wieder smart machen

Das alte Nokia ist tot, das neue setzt auf Android. Nach diversen Billighandys kommen jetzt Smartphones mit dem Logo der alten Marke. Die sind erstaunlich günstig und sehen gut aus. Ob sie etwas taugen, zeigt der Test.

SPIEGEL ONLINE

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Nokia ist wieder da! Allerdings nicht jene finnische Firma, die für ihre nahezu unzerstörbaren Handys bekannt war. Und auch nicht die, die von Microsoft gekauft wurde um Windows-Smartphones zu bauen. Nokia-Mobiltelefone stammen jetzt vom finnischen Elektronikhersteller HMD Global, der sich eine Lizenz zur Nutzung der Marke gesichert hat.

HMD wurde von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet. Firmenchef ist seit kurzen der deutsche Manager Florian Seiche, der vorher schon in Führungspositionen bei Microsoft, Nokia und HTC gearbeitet hatte. Seiche bezeichnet HMD als ein "Start-up auf Steroiden", weil das eigentlich junge Unternehmen auf mehrere Hundert erfahrene Ingenieure zurückgreifen kann und in Jahrzehnten gewachsenen Verbindungen in die Branche hat.

Fotostrecke

20  Bilder
Neuauflage eines Klassikers: Das Nokia 3310 (2017) im Test

Diese Ingenieure, die zuletzt nur tumbe Handys wie das Nokia 150 und das neue 3310 bauen durften, haben jetzt die ersten neuen Nokia-Smartphones fertiggestellt. Zur Namensgebung nummerieren die Finnen die Geräte einfach durch. Zum Start gibt es die Modelle 3, 5 und 6, es ist also sowohl nach unten als auch nach oben noch Luft in Nokias Plan.

Das Nokia 3

Schaut man allerdings Preis, Technik und Ausstattung des Nokia 3 an, mag man sich fragen, wie weit die darunter denkbaren Modelle 1 und 2 noch abgespeckt werden sollen. Denn schon die Technik des 150 Euro teuren Nokia 3 ist weit unterdurchschnittlich: 1,2 GHz-Prozessor, 8-Megapixel-Kamera, 16 GB Speicher von denen die Hälfte schon beim ersten Start belegt ist.

Das Ergebnis ist ein Smartphone, das Verzicht fordert. Den Verzicht auf einen Fingerabdruckscanner, auf eine Schnell-Ladefunktion und auf grafisch ansprechende Spiele. Mit "Solitaire" kommt es noch klar, aber "Real Racing 3" bremst es zu einem kaum spielbaren Geruckel ab. Auch sonst würde ihm ein wenig mehr Speed gut stehen, denn Apps starten meist mit Verzögerung. Zudem ist es das einzige der neuen Nokias, das mit Android 7.0 geliefert wird. Die anderen Modelle kommen schon mit Version 7.1.1.

Die Kamera liefert brauchbare Schnappschüsse, aber eben auch nicht mehr (siehe Fotostrecke). Der 5-Zoll-Bildschirm liefert schöne Farben und eine gute Schärfe, wirkt aber etwas unterkühlt und dürfte gerne heller sein.

Dafür sieht es gut aus, wirkt alles andere als billig. Der Bildschirm schmiegt sich schön abgerundet in den Aluminiumrahmen, das Dunkelblau meines Testgeräts wirkt edel. Zu diesem Preis ist es ein gutes Smartphone, wenn man nicht zu viele Apps benutzen und kaum Musik, Bilder oder Videos speichern will. Ansonsten sollte man beim Kauf gleich eine Speicherkarte mit in den Einkaufskorb legen.

Vorteile und Nachteile

Sehr günstig

Schönes Gehäuse

Guter Bildschirm

Unverändertes Android-System

Langsamer Prozessor

Wenig Speicher

Kein Fingerabdruckscanner

Mäßige Kamera

Micro-USB

Das Nokia 5

Nokia 5

Ein bisschen von dem, worauf man beim Modell 3 verzichten muss, hat das Nokia 5 eingebaut. Vor allem einen Fingerabdruckscanner, der das Entsperren einfacher macht und eine 12-Megapixel-Kamera, die bessere Bilder macht. Leider ist der Speicher auch hier schmale 16 GB klein.

Immerhin, der schnellere Achtkern-Prozessor hat hier weniger Probleme mit grafisch anspruchsvollen Spielen als der vierkernige Antrieb des Nokia 3. Zumindest mit etwas reduzierter Bildqualität läuft hier auch "Real Racing 3" ruckelfrei.

Der subjektiv größte Vorzug ist aber der Bildschirm. Dessen Auflösung ist auf 5,2 Zoll zwar identisch mit der des billigeren Modells, dafür bietet er eine realistischere Farbwiedergabe, ist etwas heller. Die Technik des 200-Euro-Smartphones steckt in einem sauber verarbeiteten Aluminiumgehäuse.

Vorteile und Nachteile

Günstig

Gutes Alu-Gehäuse

Guter Bildschirm

Unverändertes Android-System

Wenig Speicher

Micro-USB

Das Nokia 6

Mit einem Preis von 250 Euro ist das Nokia 6 das teuerste der drei neuen Smartphones. Sein Aluminiumgehäuse ist von einer hochglänzend geschliffenen Kante umsäumt, wie sie beispielsweise Huawei schon beim P9 benutzt hat. Das sieht alles sehr gut, sehr wertig und robust aus und lässt das Handy teurer wirken als es ist.

Im Innern steckt dann aber doch weitgehend die Technik des Nokia 5, mit ein paar kleineren Upgrades. So ist beispielsweise der Prozessor der gleiche, hat aber drei statt zwei GB Arbeitsspeicher, was Multitasking erleichtert. In Testprogrammen erreicht er Werte, die mit denen des Modells 5 übereinstimmen. Der Speicher ist 32 GB groß.

Eine klare Verbesserung gegenüber den anderen Modellen ist aber der Bildschirm: Mit Full-HD-Auflösung und 5,5 Zoll bietet er bessere Grundvoraussetzungen als die kleineren Modelle. Seine Helligkeit ist gut, die Farbwiedergabe auch, nur die Beleuchtung ist etwas ungleichmäßig. Die 16-Megapixel-Kamera macht etwas bessere Bilder mit deutlich stärker leuchtenden Farben als die Knipsen der kleineren Modelle. In die Oberklasse schafft sie es aber nicht.

Vorteile und Nachteile

Günstig

Sehr gutes Alu-Gehäuse

Guter Bildschirm

Unverändertes Android-System

Micro-USB

Fazit

Statt erstmal mit einem Top-Gerät zu zeigen, was man kann, versucht sich HMD mit den neuen Nokia-Smartphones von unten nach oben zu arbeiten. Zumindest das Nokia 5 und 6 fügen sich auch ordentlich in der unteren Mittelklasse ein, wobei das Nokia 6 reich optisch mehr her macht als es kostet.

Abgesehen von den am Rand gebogenen Bildschirmen gibt es kein einheitliches Design, anhand dessen man die Geräte sofort als Nokias erkennen könnte. Dafür teilen alle drei Modelle dieselben Macken: Statt moderner USB-C-Technik haben sie Micro-USB-Buchsen ohne Schnell-Ladefunktion, was umso bedauerlicher ist, weil ihre Akkulaufzeiten eher im Mittelfeld liegen. Bei Abspielen von Videos schafften sie siebeneinhalb bis achteinhalb Stunden.

Das meiste fürs Geld bekommt man beim Nokia 6, das ordentliche Leistung, eine gute Kamera und einen ebensolchen Bildschirm hochwertig in Alu verpackt für 250 Euro bietet. Den Aufpreis gegenüber dem Nokia 5 ist das locker wert. Das Nokia 3 hingegen ist nicht mehr als ein Notnagel, wenn das Portemonnaie bei Summen über 150 Euro doch zu sehr zwickt. Sein Prozessor ist derart lahm, dass alles nervt, was über rudimentäre Grundaufgaben wie Telefon, SMS, Chat oder E-Mail herausgeht.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Matttthias 27.07.2017
1. Fingerabdruckscanner ?
ziemlich irrelevant. Ich hab hier einen. Benutz ihn aber nicht.
observerlbg 27.07.2017
2. Für mich als Androiden....
..wird der Cellphone-Markt immer undurchsichtiger. Soll es ein SAMSUNG, ein LG, ein WIKO oder HTC sein? Oder nun doch ein NOKIA 6? Der Markt scheint nie gesättigt. Ich hätte aber gern etwas mehr Info bekommen: kann ich mit MikroSD nachrüsten und bis zu welcher Größe? Welche SIM-Cards passen und wieviele? Ist der Accu leicht tauschbar und hat er NFC?
wanniii 27.07.2017
3. Die Marke Motorola
gehört meines Wissens seit dem 30.01.2014 dem chinesischen Computerhersteller Lenovo...Hier in Fernost werden die 'Motorola' - Werbungen mit dem 'Lenovo'-Logo seit langem vereint.
ursspel10 27.07.2017
4. Nfc?
Hat es denn wenigsten NFC?
seb.mazur@googlemail.com 27.07.2017
5.
Ich weiß ja nicht, was an einem fehlenden Fingerabdrckscaner nun negativ sein soll.
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