Qualitätstest bei Asus: Folterkeller für Notebooks

Aus Taipeh berichtet

Hier werden nagelneue Flachrechner erhitzt, schockgefrostet, verbogen und durch die Luft geworfen. Nur Geräte, die die Härteprüfung überstehen, kommen in den Handel. Ein Rundgang durch die Qualitätskontrolle des PC-Herstellers Asus.

Auf biegen und brechen: Qualitätskontrolle für Notebooks Fotos
Asus

Wie stellt ein Computerhersteller eigentlich sicher, dass seine Produkte dem Alltag gewachsen sind, egal wo die Kunden leben und wie sie das Gerät behandeln? Eine Antwort gibt der Besuch des Asus Quality Lab in Taipeh, eine 5,6 Millionen Dollar teure Anlage, deren einziger Zweck es ist, Notebooks und andere Hardware gewaltigem Stress auszusetzen.

Man würde erwarten, dass eine solche Anlage in einem eigenen Gebäude untergebracht ist. Stattdessen liegt sie im ersten Untergeschoss des Asus-Hauptquartiers. Die Wände sind in einem weichen Gelb gestrichen, große Fenster bieten Einblicke in die Testlabors.

Die Geräte werden nach einem festen Ablaufplan geprüft. Den Anfang machen ein paar harmlos wirkende Tests in Klimakammern. In einer davon werden Druckverhältnisse simuliert, wie sie Geräte auf einem hohen Berg oder in einem hoch fliegenden Flugzeug aushalten müssen. In einer anderen werden extreme Trockenheit und hohe Luftfeuchtigkeit erzeugt. Aber das ist nur der Anfang.

Im nächsten Raum stehen mehrere sogenannte Thermotrons. In ihnen werden die Geräte extremen Temperaturen und vor allem Temperaturschwankungen ausgesetzt. Differenzen von bis zu 100 Grad Celsius könne hier sekundenschnell simuliert werden. In die Fenster der Klimakammern sind Gummiöffnungen eingebaut. Bei manchen Geräten müssen während der Tests Tasten gedrückt oder Kabel ein- und ausgesteckt werden.

Rüttel dich und schüttel dich

Beim Gang zur nächsten Station werden durchdringende Vibrationen spürbar. Es ist so, als würde im Nebenzimmer ein Panzer einparken. Schließlich schwillt das Summen an und geht durch Mark und Bein. Willkommen im Vibrationslabor. Vor dem Eintreten warnt ein Ingenieur: Achtung, es könnte laut werden, unangenehm, und bloß nichts anfassen.

Auf großen Beton-Podesten stehen nebeneinander vier Rüttelmaschinen, alle unterschiedlich gebaut, alle so groß wie eine Küchenzeile mit einer großen Stahlplatte darauf. Hier werden Notebooks festgeschnallt, um Belastungen zu simulieren, wie sie etwa beim Transport per Fahrrad oder im Auto auftreten. Wie brutal dieser Test ist, lassen die Transformatoren erahnen, die den Rüttlern ihren Strom liefern: Vier große Schränke, in denen dicke Kabel verschwinden, liefern die Energie für die Rüttelmaschinen.

Im nächsten Raum werden Fall, Sturz- und Schocktests durchgeführt, ebenfalls mit schwerem Gerät. Für die beiden Maschinen, mit denen Stöße simuliert werden, musste die Decke des Kellers durchbrochen und eine Verbindung ins Erdgeschoss gebaut werden. Nur so war es möglich, die Hydraulik sicher im Gebäude zu verankern.

Ein kurzer Test soll zeigen, wie die Apparatur funktioniert. Ein fachgerecht mit Holzbalken eingeklemmtes Notebook wird von der Maschine nur wenige Zentimeter emporgehoben und zurück auf die Unterkonstruktion fallengelassen - mitsamt der schweren Stahlplatte, auf der es liegt. Es knallt, der Laptop bleibt unbeschädigt.

Roboter tippen sinnlose Texte

Dagegen erscheint der letzte Raum des Testlabors fast wie das Spielzimmer eines Hightech-Bastlers. Notebooks und Tablets werden hier auf ihre Belastbarkeit im normalen Dienst getestet. Roboterfinger wischen unablässig über Touchscreens, tippen sinnlose Texte in Tastaturen. Drei Maschinen klappen nur Notebook-Displays auf und zu. Ein Roboter beschäftigt sich stoisch damit, abwechselnd linke und rechte Taste einer PC-Maus zu drücken. Brutal gehen die Tester aber auch hier zu Werke: Es gibt zwei Maschinen, in denen Tablets verbogen, gezerrt und gedehnt werden, bis sie zerbrechen - oder eben nicht.

Jedes Asus-Produkt müsse diese Tests bestehen, erklärt ein Ingenieur zum Schluss. Versagt ein Gerät, müssen die Entwickler nach der Schwachstelle fahnden, das Problem lösen, bevor die Massenproduktion anläuft.

Nachdem die Geräte zur Produktion freigegeben wurden, müssen Exemplare aus der ersten Charge noch einmal die gesamte Prozedur durchlaufen. Zum Schluss werden ganze Paletten neuer Geräte, die frisch aus der Fabrik kommen, in einer besonders großen Klimakammer einem letzten Test unterworfen.

Mit verschiedenen Druck- und Klimasimulationen werden darin alle Klimabelastungen nachgestellt, denen die Produkte beim Versand ausgesetzt sind. Hier werden Flugzeugtransporte nach Europa und Japan simuliert, inklusive der rumpeligen LKW-Fahrten zum Hafen oder Flughafen. Danach erwartet die Rechner nur noch die Realität, der sie dann hoffentlich gewachsen sind.

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insgesamt 45 Beiträge
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1.
meinmein 20.06.2012
Zitat von sysopHier werden nagelneue Flachrechner erhitzt, schockgefrostet, verbogen und durch die Luft geworfen. Nur Geräte, die die Härteprüfung überstehen, kommen in den Handel. Ein Rundgang durch die Qualitätskontrolle des PC-Herstellers Asus. Notebook-Qualitätskontrolle bei Asus in Taipeh - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,839480,00.html)
O.K. ich hab's kapiert: Mein nächster Rechner ist von Asus.
2.
datalien 20.06.2012
Zitat von sysopHier werden nagelneue Flachrechner erhitzt, schockgefrostet, verbogen und durch die Luft geworfen. Nur Geräte, die die Härteprüfung überstehen, kommen in den Handel. Ein Rundgang durch die Qualitätskontrolle des PC-Herstellers Asus. Notebook-Qualitätskontrolle bei Asus in Taipeh - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,839480,00.html)
Asus hat eine Qualitätskontrolle? Seit wann?
3. M1330
syborgstudios 20.06.2012
Den "guten" M1330 hätten Sie mal testen vernünftig sollen. Dr raucht ja bekanntlich alle ein bis zwei Jahre ab, wegen mieser Grafikkarten-Lüftung. Meist schön kurz nach der Garantie.
4. Apple Bescheid sagen
huettenfreak 20.06.2012
Vielleicht könnte Apple mal jemanden undercover zu Asus schicken. Denn leider ist das iPhone unter -10 Grad Außentemp. nicht benutzbar.
5. ASUS - kommt drauf an...
Jack_North 20.06.2012
...in welchem Preissegment man kauft. Ein 429€-Rechner hat nicht die Qualität von einem 2000€-Rechner. Sollte ja klar sein. Ich hatte zwei Desktop-Rechner die fast nur aus ASUS-Komponenten bestanden, die haben erstklassigen Dienst geleistet. Bzw. einer tut es immer noch. Das mit der Schleichwerbung in SPON ist ja generell nichts Neues ;-)
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