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Neue Spielkonsole Nvidia Shield: California Streaming

Von Stephan Freundorfer

Neue Wohnzimmer-Hardware: So sieht Nvidia Shield aus Fotos
Nvidia

Der kalifornische Grafikkarten-Konzern Nvidia hat Großes vor: Er will Smart-TV-Funktionen, Android-Apps und PC-Spiele in einem neuen Gerät fürs Wohnzimmer vereinen. Den Spielenachschub sichert ein Streaming-Dienst.

Schon die Einladung für die Pressekonferenz von Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang in San Francisco war wenig bescheiden. Mehr als fünf Jahre habe man an etwas gearbeitet, das die Zukunft des Spielens neu definieren werde, verkündete Huang im Vorfeld. Selbstwusste Worte für ein auf Grafikkarten und -prozessoren spezialisiertes Unternehmen.

Am Dienstagabend auf der Bühne des Masonic Center versuchte Huang, den Worten Taten folgen zu lassen. Nach einem kurzen Streifzug durch die Geschichte der kalifornischen Firma enthüllte er unter dem Namen Nvidia Shield eine neue Hardware, die zum wichtigsten Gerät in den Wohnzimmern rund um den Globus werden soll.

Die Marke Shield ist bekannt: Bereits Mitte 2013 hatte Nvidia unter gleichem Namen eine tragbare Android-Spielkonsole in Form eines Game-Controllers auf den Markt gebracht. Sie wurde ein Jahr später in Shield Portable umbenannt, um sie vom neu erschienenen Shield Tablet abzusetzen. Nun also bekommt die Shield-Familie wieder Zuwachs - und der soll endlich den Massenmarkt erobern.

Das kleine Fernsehspiel

Das neue Produkt ist schwarz, schlank und sonderbar asymmetrisch. Ausgestattet ist es mit 16 GB Festspeicher, einer Handvoll zukunftssicherer Anschlüsse wie USB 3.0, HDMI 2.0 und MicroSD-Slot und Nvidias noch jungem Tegra-X1-Prozessor. Der rechnet laut Huang 35-mal schneller als eine Apple-TV-CPU und verleiht Shield mehr als die doppelte Leistung einer Xbox 360, bei einem Fünftel von deren Stromverbrauch.

Die Vergleiche mit den beiden unterschiedlichen Geräte-Kategorien haben einen guten Grund. Nvidia will Shield als Zwitterwesen aus Smart-TV und Spielkonsole im Wohnzimmer etablieren, das Unternehmen sieht in beiden Bereichen vielversprechende Wachstumschancen.

Jen-Hsun Huang ist überzeugt, dass die Welt erst am Anfang der Vernetzung von Internet und Fernsehen steht und dass Shield die richtige Hardware zur richtigen Zeit ist: Mit Android als Betriebssystem ist eine gewaltige Bandbreite an Apps verfügbar, andere Android-Geräte lassen sich problemlos synchronisieren. Die Einbindung von Google Voice Search und eine schlanke Bluetooth-Fernbedienung mit integriertem Mikro garantieren eine komfortable Bedienung.

Der Star der Smart-TV-Features aber heißt 4K: Videoinhalte und Fotos lassen sich in Ultra High Definition wiedergeben.

Traum vom Massenmarkt

Noch größeres Potenzial für Shield sieht man im Gaming-Bereich: Nvidia identifiziert hunderte Millionen Menschen, die Nachholbedarf beim klassischen Gaming haben, die weder Spielkonsolen noch hochgerüstete Computer besitzen. Menschen, die bislang kaum in Berührung mit hochpolierten Rennspielen, packenden Ego-Shootern oder filmreifen Action-Abenteuern gekommen sind.

Diese breite Masse will man auf zweierlei Art erreichen: durch zahllose PC-Klassiker, die auf Android und die neue Hardware übersetzt werden und und durch das Streamen von PC-Spielen via Internet.

Um das große Interesse der Spielemacher an der Shield-Hardware zu demonstrieren, holt sich Huang prominente Unterstützung auf die Bühne: Randy Pitchford, Chef der erfolgsverwöhnten texanischen Spielefirma Gearbox, präsentierte die Shield-Version des Rollenspiel-Shooters "Borderlands". Tim Willits vom Kultstudio id Software stellte den Klassiker "Doom 3" in Aussicht. Cevat Yerli vom deutschen Vorzeigeentwickler Crytek steuerte "Crysis 3" bei.

Mindestens 50 speziell an die Shield-Hardware angepasste PC-Titel sollen zum US-Start des Geräts im Mai verfügbar sein. Ein Europatermin ist bislang noch nicht bekannt.

Clevere Technik sucht Zielgruppe

Spannender als aufgewärmte und auf die eingeschränkten Möglichkeiten der 200 Dollar teuren Hardware zugeschnittene PC-Kamellen ist aber zweifellos das Streaming: Nvidia unternimmt enorme Anstrengungen beim Aufbau hochleistungsfähiger Rechenzentren für den ebenfalls im Mai startenden Dienst Grid.

Die auf der Pressekonferenz gezeigten, über das Internet gestreamten Spielinhalte überzeugen mit Highend-Optik und geringer Verzögerung: Nvidia verspricht eine durchgehende 1080p-Auflösung, stabile 60 Bilder pro Sekunde, eine geringe Latenz und den Start von Spielen in weniger als einer Minute.

Streaming von Spielinhalten soll es bei Shield in Form eines Abomodells geben. Neueste Titel wie das wuchtige polnische Rollenspiel "The Witcher 3" wird man zudem zum Vollpreis kaufen können - wohlgemerkt ohne das Spiel physisch zu besitzen oder es sich zumindest als Download auf die eigene Hardware holen zu können. Für Nvidia bleibt dabei die bange Frage, wer an so einem Service eigentlich Interesse haben könnte - altgediente Spieler wohl kaum.

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