Oculus Go im Test Für wen lohnt sich die neue Virtual-Reality-Brille von Facebook?

Das Testen macht Spaß - schade nur, dass sie so hässlich ist: Die Hightech-Brille Oculus Go bietet Virtual Reality für Einsteiger. Zwei Netzwelt-Redakteure diskutieren, ob sich ein Kauf lohnt.

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Eine Virtual-Reality-Brille, die ohne Hochleistungsrechner oder Smartphone in der Nähe auskommt? So funktioniert das neue VR-Headset von Facebook, die Oculus Go.

Während Hightech-Brillen wie die Oculus Rift mit einem leistungsstarken und teuren PC gekoppelt werden müssen, kommt die Go nach der Einrichtung per Oculus-App auf dem Handy ohne weitere Unterstützung aus. Technisch konkurriert die VR-Brille für 219 Euro mit Smartphone-Brillen wie Samsungs Gear VR.

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Brillen-Bilanz: So steht es gerade um Virtual Reality

Was darf man als Besitzer der Brille erwarten? Für wen könnte ein Kauf des Geräts sinnvoll sein? Darüber diskutieren die Netzwelt-Redakteure Markus Böhm und Angela Gruber, beide haben das Gerät getestet. Technische Daten zur Brille liefert diese Fotostrecke:

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VR-Brille von Facebook: Das ist die Oculus Go

Markus: Angela, würdest du dir eine Oculus Go kaufen?

Angela: Das ist tatsächlich die erste Virtual-Reality-Brille, bei der ich mir das ernsthaft überlege.

Markus: Warum genau bei der?

Angela: Ich bin keine Gamerin und habe keinen Hochleistungs-PC daheim. Ich will mir auch nicht extra einen kaufen müssen, zusätzlich zu einer teuren Brille. Für mich ist die Oculus Go vor allem durch das interessant, was sie nicht erfordert: Sie verschandelt nicht das Wohnzimmer mit Ortungssensoren, es gibt keinen Kabelsalat, und sie ist schnell einsatzfähig.

Markus: Dass man die Brille so simpel benutzen kann, gefällt mir auch. Allerdings spiele ich gern und habe einen guten PC daheim, daher nutze ich lieber meine Oculus Rift: Die Spiele, die man damit spielen kann, und das Zubehör - vor allem die Hand-Controller - sind um Einiges besser. Die Go fände ich wohl nur auf Reisen attraktiver.

Angela: Aber mal ehrlich: Würdest du wirklich eine VR-Brille in den Koffer packen, wenn du unterwegs sowieso lauter neue Dinge siehst?

Markus: Ach, es gibt auch langweilige Hotelzimmer in langweiligen Städten, etwa auf Dienstreisen. Aber sonst hast du schon recht. Und in der Bahn oder im Flugzeug würde ich mich letztlich wohl nicht mal trauen, die Brille aufzuziehen - aus Angst, ausgelacht zu werden. Außerdem sehe ich ja dann nichts mehr und meine Sachen könnten leichter geklaut werden.

Angela: So eine VR-Brille ist echt kein Schmuckstück. Aber die Oculus Go finde ich besonders hässlich.

Markus: Das finde ich auch: dieses Grau, furchtbar. Gut, dass man sie selbst nicht sehen muss, während man sie aufhat.

Angela: Aber dafür ist die Brille ziemlich bequem. Ich hatte keine so schlimmen Druckstellen im Gesicht wie bei anderen Headsets. Und mir wurde auch nicht so heiß unter der Brille.

Markus: Ich fand sie beim Tragen auch okay. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Oculus-Go-Spiele grundsätzlich weniger Bewegung verlangen als andere VR-Spiele, bei denen man teils herumhampelt und mit den Händen fuchtelt. Die Go erkennt halt eh nicht, was du im Raum machst.

Angela: Ich habe echt gern VR-Anwendungen ausprobiert, die eher passiv sind und in denen man Beobachter ist. Die Erzählung "Notes on Blindness" hat gut funktioniert, am besten aber fand ich "Ocean Rift". Da war ich als Taucherin unter Wasser. Die Geräusche der Sauerstoffflasche haben sie super hinbekommen.

Markus: Ja, solche Software funktioniert gut. Ich mochte am ehesten Apps wie die Flipper-Simulation "Pinball FX2 VR" und das Horror-Rätselspiel "Dead Secret", wo es eher gemächlich zugeht. Und auch für 360-Grad-Videos oder fürs Netflix-Gucken auf einem virtuellen Fernseher ist die Go praktisch. Ich bin oft zu faul, meine Rift anzuschließen, nur um ein paar Minuten Video zu schauen.

Angela: Für viel Action ist die Brille nicht so geeignet. Das liegt, glaube ich, vor allem am Controller. Er sieht aus wie eine Fernbedienung in klein, und genau so fühlt es sich halt auch an, ihn in der VR zu halten. Wenn ich mit teuren VR-Brillen wie der Vive oder der Oculus Rift spiele und an einer Kletterwand hänge oder gegen Monster kämpfe, ist es schon cooler, für jede Hand einen extra geformten Controller zu haben.

Markus: Mir fehlt bei der Go auch, dass das Headset merkt, ob ich mich im Raum bewege oder ob ich mich nach vorn oder hinten lehne.

Angela: Luxusproblem. Die meisten haben ja noch gar nichts VR-mäßiges daheim.

Markus: Gerade wenn man länger spielt, machen solche Funktionen viel aus. Wenn ich Netflix im VR-Wohnzimmer schaue, ist es mir zugegebenermaßen aber auch egal, ob die Brille merkt, wie tief ich im Sessel hänge.

Angela: Also du würdest die Go eher nicht kaufen?

Markus: Für 100 Euro wäre ich sofort dabei, als Alternativgerät für VR-Streaming und Ähnliches, für 150 Euro vielleicht. 220 Euro ist sie mir nicht wert. Und dir?

Angela: Ich schlage nicht sofort zu, aber sobald das erste Angebot unter 200 Euro gibt, wird es interessant.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
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Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
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insgesamt 8 Beiträge
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chk_23 04.06.2018
1. Einen Dank an die Diskutanten
Selten einen sachlicheren Artikel im Bereich IT auf SpOn gelesen, besten Dank! Ich hoffe, andere SpOn-Redakteure (M. Kremp) nehmen sich ein Beispiel - und lernen ;-) PS: Nett wäre es gewesen, wenn die techn. Details im Text (zb als Tabelle) aufgeführt wären und nicht erst in der Bilderstrecke versteckt sind.
Cugel 04.06.2018
2. Drittes Auge
Es wäre doch ein Leichtes, eine Kamera zu integrieren, um ab und zu per Knopfdruck kontrollieren zu können, ob man gerade beklaut wird.
Nonvaio01 04.06.2018
3. haesslich?
wenn man die nutzt kann man die brille eh nicht sehen, also ist es voellig egal wie die aussieht. Oder geht es mehr darum cool for den freunden auszusehen?
Olexus 04.06.2018
4. Brille?
In Artikeln über VR Brillen steht nie dabei, ob das was für Brillenträger ist. Ich muss immer Brille mit starker Korrektur tragen. Funktioniert das ganze dann überhaupt oder bin ich ungeeignet für eine VR Brille?
naundob 04.06.2018
5. Konkurrenz?
“Technisch konkurriert die VR-Brille für 219 Euro mit Smartphone-Brillen wie Samsungs Gear VR.” Genau genommen konkurriert die Go sogar mit den HighEnd-Platzhirschen Rift / Vive und übertrifft sie teilweise. Das Display ist höher aufgelöst und die Linsen sind besser, Sound ist direkt mit eingebaut. Und der Prozessor streamt problemlos 4K/60fps Content bei 30Mbit/s vom NAS. Wirklich bemerkenswert, was Oculus/Facebook da für 219€ anzubieten hat.
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