Office für iPad Neuer Chef Nadella ändert Microsofts Kurs

Die Ära von Steve Ballmer ist endgültig vorbei. Bei seinem ersten großen Auftritt trägt der neue Microsoft-Chef Satya Nadella nicht nur ein neues Outfit. Er ändert auch den Kurs des Tech-Konzerns und gibt die Abgrenzungsstrategie seines Vorgängers auf.

Von Thomas Schulz, San Francisco


Redmond - Microsoft versucht einen radikalen Schlussstrich unter die Ära Steve Ballmer zu ziehen. Nirgends wurde das bislang deutlicher als beim ersten öffentlichen Auftritt von Ballmers Nachfolger als Chef des Softwarekonzers am Donnerstagabend. Satya Nadella ist seit 53 Tagen im Amt, und es war klar, dass seine ersten offiziellen Statements von strategischer Bedeutung sein würden.

Nadella kam in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, dem offiziellen Oufit der Tech-Welt. Er sprach unaufgeregt und mit ruhiger Stimme vor rund zwei Dutzend Journalisten. Es war eine kleine Veranstaltung, in San Francisco wohlgemerkt, nahe dem Silicon Valley, nicht in Redmond, wo der Konzern seinen Sitz hat. Der Auftritt des drahtigen, durchtrainierten Informatikers hätte kein größerer Kontrast sein können zu denen des bulligen Verkäufers und Anzugträgers Ballmer, der es liebte, brüllend und schwitzend über große Bühnen zu rennen.

Auch die Auswahl von Nadellas erster Ankündigung war ein deutliches Symbol für den strategischen Kurswechsel des Konzerns. Microsoft bietet künftig sein Office-Paket mit Word, Excel und Powerpoint auch für das iPad an. Zwar gibt es Office schon lange auch für Mac, aber Microsoft hatte die Bürosoftware mit weltweit rund einer Milliarde Anwender bislang mit Absicht nicht für das Apple-Tablet angeboten. Dahinter stand die Idee, dass wer mit einem Tablet richtig arbeiten wolle, sich eben für ein Windows-Tablet entscheiden müsse. Das war nicht länger durchzuhalten.

"Web, Smartphones, alle Tablets"

Nadella ließ durchblicken, dass es solche versuchten Alleingänge in der Zukunft wohl nicht mehr geben wird, weil sie in einer Welt "des allgegenwärtigen Computers", der kompletten Vernetzung, sinnlos sind. Lange hatte sich Microsoft gegen diese Erkenntnis gewehrt. Nun betont Nadella: "Wir werden Office 365 überall hinbringen, ins Web, auf alle Smartphones, alle Tablets."

Das ist eine klare Abkehr von der bislang verfolgten Strategie: Windows hat immer Vorrang. Und es ist das Eingeständnis, dass Windows nicht mehr mächtig genug ist, diese Strategie durchzuhalten. Das Microsoft-Betriebssystem spielt auf mobilen Geräten kaum eine Rolle.

"Ein neuer Kern für Microsoft"

Microsoft hat sich dabei lange der Tatsache verweigert, dass selbst Windows-Fans privat vielleicht ein Android-Smartphone und ein Apple-Tablet nutzen. Und dass private und berufliche Computernutzung nicht mehr zu trennen sind. Nadella machte deutlich, dass Microsoft sich dieser Realität endlich beugen wird. Er versprach, der Konzern werde künftig bemüht sein, gerade IT-Profis das Arbeiten über verschiedene Plattformen zu erleichtern. Dazu will der Konzern vor allem seine Cloud-Angebote ausbauen und öffnen.

Die Frage ist, ob der Strategiewechsel noch rechtzeitig kommt. Die Anwender hatten über Jahre Zeit, sich Alternativen für Smartphones und Tablets zu suchen und dabei oft festgestellt, dass einfache und kostenlose Apps für das Arbeiten auf mobilen Geräten ausreichen.

Nadella betonte, die Cloud- und Mobil-Strategie sei "zentraler Teil" einer neuen Strategie, aber dennoch nur ein kleiner Ausschnitt seiner Pläne für den Konzern. Den Rest seiner "Innovationsagenda" werde er in den nächsten Wochen nach und nach vorstellen. Aber er ließ keinen Zweifel dran, dass er nicht vorhat, einfach weiterzumachen wie bisher. Er verspricht "einen neuen Kern für Microsoft", einen neuen Weg, um den Konzern wieder zum Anführer der IT-Branche zu machen.

Es ist ein langer Weg, auf dem jetzt der erste Schritt gemacht sein könnte: Apple-Chef Tim Cook jedenfalls begrüßte Microsofts Produkte am Donnerstagabend mit einem freundlichen Tweet im App Store, den Nadella umgehend ebenso freundlich beantwortete - der Umgangston zwischen den Unternehmen hat sich deutlich verändert. Apple wird künftig an jeder für iOS verkauften Office-Version 30 Prozent mitverdienen.



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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
wwwaerme 28.03.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSDie Ära von Steve Ballmer ist endgültig vorbei. Bei seinem ersten großen Auftritt trägt der neue Microsoft-Chef Satya Nadella nicht nur ein neues Outfit. Er ändert auch den Kurs des Tech-Konzerns und gibt die Abgrenzungs-Strategie seines Vorgängers auf. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/office-fuer-ipad-satya-nadella-aendert-microsofts-kurs-a-961221.html
Bernd R. 28.03.2014
2. 30% von 0 sind ...
Nachdem die MS-Office-Apps im Apple Store kostenlos sind, verdient Apple nichts daran. Um diese Apps produktiv verwenden zu können, muss man Office 365 für 10€/Monat abonnieren - bei Microsoft und nicht bei Apple.
robert.lechl 28.03.2014
3. Nicht zu spät
Es gibt viele gute Alternativen zu Office, aber dennoch scheuen sich viele Firmen o. Beamte davor diese zu nutzen. Hier können beide Firmen in Zukunft punkten, wen der Vertreter nun endlich Powerpoint am iPad hat, obwohl Keynotes genauso gut und besser wäre. Es kann sogar die Windows Nutzung stützen weil der Umstieg einer Abteilung nicht mehr ein ganz oder gar nicht ist. Und die alten PCs weiter verwendet werden können.. auch wen die Mitarbeiter wenig begeistert davon sind.
gbpa005 28.03.2014
4. Und alles in der Cloud
Alle Dokument werden schön in der Cloud gespeichert, damit "man" viel leichter und von überall darauf zugreifen kann. Sehr praktisch! Da braucht es dann auch keinen Bundestrojaner mehr.
Reiseschreibmaschine 28.03.2014
5. Das Einzige, was an dieser Meldung...
... stimmt: Es gibt Office jetzt fürs iPad. Die übrige Argumentation ist leider kompletter Käse, da es Office schon seit vielen Monaten fürs iPhone und für Android-Geräte gibt. Es kam lediglich das letzte noch fehlende Gerät hinzu mit dem iPad. Wo also ist der Strategiewechsel, was macht der Neue - in dessen Amtszeit die Entwicklung der iPad-App sicherlich nicht alleine gefallen ist - besser/anders als der Alte? Liebe Redaktion: Wenn das Material nur für eine Produktmeldung reicht, dann belasst es auch dabei. Oder lasst jemanden schreiben, für den dieses Internet kein Neuland ist.
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