OnePlus 3 im Test Fast so schön wie ein iPhone

OnePlus lässt nicht locker. Mit seinem neuen Smartphone greift das chinesische Unternehmen wieder die Oberklasse an, verlangt dafür aber nur einen Mittelklassepreis. Der Test.

SPIEGEL ONLINE

Von


Ist denn das neue iPhone schon da?

Dieser Gedanke kam mir, als ich mein Testgerät aus dem aufwendig gestalteten Pappkarton des Herstellers OnePlus hob. Schwarze Front, gebogenes Deckglas, dunkles Graumetallic unterbrochen von zwei Antennenschlitzen. Das könnte auch ein iPhone 6s Plus sein. Offenbar haben sich die Designer des OnePlus 3 vom Apple-Look stark inspirieren lassen (siehe Fotostrecke).

Abgesehen vom Look hat das neue Smartphone des chinesischen Start-ups allerdings nur wenig mit dem Apple-Vorbild zu tun. Statt mit iOS läuft es mit Oxygen OS, einer Variante von Android 6 Marshmallow. Es hat einen nagelneuen Highend-Prozessor, eine Sony-Kamera und ist mit sechs Gigabyte Arbeitsspeicher üppig bestückt. Nur ein Steckplatz für Speicherkarten fehlt. Dafür kann es zwei Sim-Karten aufnehmen.

Genau das war von Anfang an die Vorgehensweise von OnePlus: Smartphones mit Highend-Ausstattung und ansprechendem Design zu günstigeren Preisen als die Konkurrenz anzubieten. Beim ersten Modell hat das prima geklappt, bei zweiten wurde der Preis angehoben. Das Modell mit der Versionsnummer 3 nun kostet exakt genau so viel wie sein Vorgänger: 399 Euro.

Anders als beim Modell 1 und 2 kann man das OnePlus 3 allerdings auch ohne eine Einladung kaufen, einfach so, genau wie jedes andere Smartphone auch. Offenbar hat das kleine Unternehmen seine Produktionsprozesse jetzt so im Griff, dass es sich zutraut, auf wechselnde Nachfrage schnell reagieren zu können. Seinen Geheimtipp-Status verliert OnePlus dadurch zwar, dürfte nun aber - zumindest potenziell - deutlich mehr Geräte absetzen, mehr Umsatz und Gewinn machen können.

Sportliche Leistung

Die Standard-Leistungsmessprogramme, die ich auf jedes neue Smartphone loslasse, attestieren dem Modell Nummer 3 eine herausragende Leistung. Apples iPhone 6s und Samsungs Galaxy S7 übertrifft es um rund fünf Prozent. Damit erübrigen sich andere Leistungstests, etwa mit grafisch aufwendigen Spielen, schon fast. Egal jedenfalls, welche App ich auf dem OnePlus 3 getestet habe, nichts scheint den Prozessor an seine Grenzen geführt zu haben.

Dazu kommt der sehr gute Bildschirm mit Amoled-Technik. Mit 1920 x 1080 Punkten auf 5,5 Zoll hat er zwar keine sonderlich hohe Auflösung, Treppeneffekte oder ähnliches sind aber trotzdem nicht zu erkennen. Die einzige Einschränkung: Nutzt man das OnePlus 3 in einer Virtual-Reality-Brille (VR), ist die grafische Qualität nicht ganz so gut wie beim Galaxy S7 oder beim LG G5, die feinere Strukturen anzeigen. Sehr hell, sehr kontrastreich und sehr farbenfroh ist der Bildschirm allemal.

Ähnlich gut gefällt mir die Kamera. Die von Sony zugelieferte Technik sorgt mit 16 Megapixeln, einem optischen Bildstabilisator und einer Blende von f/2.0 für gute fotografische Möglichkeiten. Meine Testbilder fielen durchweg gut bis sehr gut aus. Wer mag, kann seine Aufnahmen im nicht automatisch bearbeiteten RAW-Format sichern und selbst verfeinern. Zeitraffer, Zeitlupe und HDR fehlen ebensowenig wie ein manueller Modus.

Superschnell aufgeladen

Zwei Dinge allerdings sind es, auf die ich im Alltag mit dem OnePlus 3 bald nicht mehr verzichten wollte. Das eine ist der in die Home-Taste integrierte Fingerabdrucksensor. Er funktioniert so schnell und zuverlässig, dass ich schon nach sehr kurzer Zeit keinen Gedanken mehr daran verschwendet habe, das Gerät mit der Einschalttaste aus dem Ruhezustand zu wecken. Schneller und bequemer geht es, wenn an einfach nur kurz den Finger auf den Sensor legt.

Das zweite ist der Dash Charge genannte Schnelllademodus. OnePlus behauptet, das neue Smartphone lasse sich binnen 30 Minuten auf 60 Prozent seiner Akkukapazität aufladen. Bei meinem Test waren es sogar 65 Prozent. Volle 100 Prozent zeigte es nach 68 Minuten an, großartig. OnePlus nutzt dafür eine neue Technik, bei der auch das Management der Akku-Aufladung ins Netzteil verlegt wird. Es ist dadurch zwar etwas größer, das Handy aber erwärmt sich beim Aufladen fast gar nicht.

Die Ausdauer des Akkus hingegen zeigt keine Besonderheiten. Im Dauertest unter Prozessor-Volllast hält es sechs Stunden und 15 Minuten durch, nicht ganz so lange wie ein iPhone 6s Plus. Bei normaler Nutzung kommt man damit gut über den Tag, aber eben auch nicht mehr.

Fazit

Da kann man fast nicht meckern: Im OnePlus 3 steckt wieder einmal fast alles, was man sich von einem guten Smartphone heute wünscht. Von der Kamera über den Bildschirm und den Prozessor ist alles nur vom Feinsten, LTE und Gigabit-WLAN gibt es auch. Einzig der Verzicht auf einen Speicherkartensteckplatz nervt ein wenig. 64 GB eingebauter Speicher sind zwar nett, reichen aber nicht jedem. Für 399 Euro ist das insgesamt ein Angebot, das man zumindest in die engere Wahl ziehen sollte.

Vorteile und Nachteile

Sehr hohe Arbeitsgeschwindigkeit

Gute Kamera

Schnelladefunktion

Heller, kontrastreicher Bildschirm

Dual Sim

Schneller Fingerabdrucksensor

Speicher nicht erweiterbar

Technische Daten

Hersteller OnePlus
Modell 3
Maße (Millimeter) 153 x 75 x 7,4
Gewicht (Gramm) 158
Display-Diagonale 5,5 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080
Prozessor 2,2 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 6 GB
Massenspeicher 64 GB
Speichererweiterung Nein
Kamera (hinten/hinten/vorne) 16 Mpx / 8 Mpx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.2
Betriebssystem Oxygen OS
Besonderheiten Schnelladefunktion
Preis (Euro) 399,-

Alle Daten sind Herstellerangaben



insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schredderrr 14.06.2016
1. Korrektur
"Schöner als" muss es in der Überschrift korrekterweise heißen.
schuppi 14.06.2016
2. stimmt
Rechteckig ist es, die ecken sind rund, es hat ein Display und einen Rücken aus Metall. Das muss das neue iPhone sein...
felisconcolor 14.06.2016
3. Das
Management des Akkuladens ins Netzteil verlegt? Und als Tester auch drauf reingefallen. Denn was bedeutet das nun in der Realität? Das Handy kann nur mit seinem eigenen Netzteil geladen werden. Jedes andere USB Netzteil würde den Akku unweigerlich zerstören oder gar nicht erst laden, sofern das Handy das erkennen würde. Sollte zu einer absoluten Abwertung des Produktes führen. Aber nun ja wenn man von Technik nur bunte Bilder versteht passiert einem das schon mal.
marzaio 14.06.2016
4. Nein danke
Ich habe 3 Stück One plus damals gekauft, und habe eine horrende Erfahrung gehabt. An solchen Rezensionen glaube ich einfach nicht mehr. Sie klingen nach "sponsored Beitrag".
mikaiser 14.06.2016
5. Ladetechnik im Netzteil?
Zitat von felisconcolorManagement des Akkuladens ins Netzteil verlegt? Und als Tester auch drauf reingefallen. Denn was bedeutet das nun in der Realität? Das Handy kann nur mit seinem eigenen Netzteil geladen werden. Jedes andere USB Netzteil würde den Akku unweigerlich zerstören oder gar nicht erst laden, sofern das Handy das erkennen würde. Sollte zu einer absoluten Abwertung des Produktes führen. Aber nun ja wenn man von Technik nur bunte Bilder versteht passiert einem das schon mal.
Das war auch mein erster Gedanke. Die Antwort auf die Frage, ob ein Laden an beliebiger USB-Buchse nun klappt oder nicht, bleibt der Artikel schuldig. Falls nicht, wäre das ein KO-Kriterium. Die zweite Frage, die mir bei OnePlus sofort einfällt, lautet: Ist es denn gerootet? Das war doch mal ein Merkmal dieser Marke.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.