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20. November 2017, 15:36 Uhr

OnePlus 5T im Test

Ein bisschen mehr Bildschirm, viel mehr Marketing

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Der chinesische Hersteller OnePlus macht Tempo: Nach nur fünf Monaten bringt er einen Nachfolger für sein neuestes und derzeit einziges Smartphone-Modell heraus. Lohnt sich ein Upgrade nach so kurzer Zeit?

Es hat einen guten Grund, weshalb die meisten Handyhersteller nur einmal im Jahr ein neues Top-Modell herausbringen: Die technischen Fortschritte rechtfertigen einfach keine kürzeren Zyklen. Nur die chinesische Firma OnePlus ignoriert diesen Rhythmus. Sie bringt mit dem 5T schon nach einem knappen halben Jahr einen Nachfolger für das im Juni eingeführte Modell 5 auf den Markt.

Für den ungewöhnlichen Rhythmus gibt es Gründe. Verglichen mit Konzernen wie Samsung, Huawei und LG ist OnePlus eine winzige Firma, sie bietet meist nur ein einziges Smartphone-Modell an. Zum Vergleich: Samsung hat aktuell 25 verschiedene Smartphones im Angebot.

Während die großen Hersteller neue Trends also einfach mit zusätzlichen Geräten abdecken, bringt OnePlus lieber eine Neuauflage auf den Markt. Deshalb basiert das 5T auch weitgehend auf dem seit Sommer verkauften OnePlus 5.

Was ist neu?

Die Neuerungen halten sich dementsprechend in Grenzen. Der Hauptgrund für das Hardware-Update dürften die großen Bildschirme im Format 18:9 sein, die seit einigen Monaten unter anderem in einigen Modellen von LG und Samsung stecken.

Und so bedeckt nun also auch beim OnePlus 5T einer der neuen Bildschirme in diesem gestreckten Format fast die gesamte Vorderseite. Vom Look erinnert das ans LG V30. Die Auflösung ist mit 2160 x 1080 Pixeln nur wenig höher als beim OnePlus 5 (1920 x 1080). Weil das Display auf Amoled-Technik basiert, werden Farben knackig und mit kräftigen Kontrasten wiedergegeben.

Genau wie bei der Konkurrenz hat der große Bildschirm auch beim 5T zur Folge, dass vorne kein Platz mehr für einen Fingerabdrucksensor ist. Nach Samsung und LG hat nun auch OnePlus den Sensor deshalb auf die Rückseite verbannt.

Zugleich gibt es auch die Möglichkeit, das Gerät per Gesichtserkennung zu entsperren. Das geht sehr flott, funktioniert aber nur bei ausreichender Beleuchtung. So aufwendig wie Apples Face ID ist das System von OnePlus eben nicht. Abzuwarten bleibt, wie schwer es wird, diese Gesichtserkennung zu überlisten. Mit einem einfachen Foto ist es mir jedenfalls nicht gelungen.

Die andere große Neuerung gegenüber dem Vorgänger betrifft die Doppelkamera auf der Rückseite. Deren Teleobjektiv hat bei ansonsten unveränderten Daten nun eine größere Blendenöffnung von F/1,7, es kann also bei schlechter Beleuchtung etwas mehr Licht einfangen. Tatsächlich machen meine mit dem 5T geknipsten Fotos einen etwas besseren Eindruck als mit dem Vorgänger aufgenommene. Oft muss man aber zweimal hinschauen, um den Unterschied zu sehen.

Ansonsten hat sich beim 5T im Vergleich mit seinem Vorgänger technisch und optisch kaum etwas getan. Neu ist allerdings die Art, wie die kleine Firma ihr Vorzeigeprodukt in den Markt eingeführt hat.

Sogar die erste öffentliche Präsentation des 5T wurde vermarktet. Eintrittskarten für die Veranstaltung, die am 16. November in Brooklyn, New York City, stattfand, wurden nicht etwa an Journalisten, Blogger, Partner und wichtige Händler verteilt, sondern für 40 Dollar pro Stück im Internet verkauft.

Die zahlende Kundschaft bekam dafür nicht nur Sitzplätze, sondern auch einen Beutel voller Geschenke, der unter anderem ein Sweatshirt und einen Rucksack, bedruckt mit dem Firmenlogo, enthielt. Außerdem bekam jeder Zuschauer einen Gutschein über 40 Dollar Rabatt für den Kauf des neuen Smartphones. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf will die Firma aber nicht in die Goodie Bags investieren, sondern an wohltätige Organisationen spenden, heißt es. Das Event war also Verkaufsveranstaltung und Spendengala zugleich.

Drei Sperrfristen

Auch hinsichtlich der sogenannten Sperrfristen hat OnePlus einen neuen Weg eingeschlagen. Dass es Sperrfristen gibt, vor deren Ablauf eingeweihte Journalisten und Blogger nicht über Neuheiten berichten dürfen, ist üblich. Unternehmen nutzen dieses Mittel, um die Berichterstattung zu bündeln, also gleichzeitig in vielen Medien aufzutauchen und auf diese Weise als wichtig wahrgenommen zu werden. Presse und Blogger freuen sich, weil sie auf Basis von Vorabinformationen besser informiert Artikel vorbereiten können.

OnePlus allerdings hat für das 5T sogar drei Sperrfristen gesetzt. Eine für Meldungen, die nur den Inhalt der Pressemitteilung zu dem neuen Gerät wiedergeben, eine zweite für Berichte über "erste Eindrücke". Erst mit ein paar Tagen Verzögerung sind jetzt, ab dem 20. November, echte Testberichte erlaubt.

Fazit

Das OnePlus 5 war ein gutes Smartphone, das 5T ist einen Hauch besser, wirkt mit dem neuen Bildschirm aktueller. Erfreulicherweise kostet es genauso viel wie der Vorgänger: 499 Euro mit 64 GB Speicher, 559 Euro mit 128 GB.

Ein Upgrade lohnt sich jedoch kaum. Zwar nimmt OnePlus auch Altgeräte in Zahlung, mehr als 150 Euro bietet das Unternehmen aber selbst für hochwertige Geräte nicht an. Verglichen mit den Oberklassemodellen von Samsung, HTC, LG und anderen ist das Smartphone, wie seine Vorgänger, eine günstige Alternative.

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