OnePlus 5T im Test Ein bisschen mehr Bildschirm, viel mehr Marketing

Der chinesische Hersteller OnePlus macht Tempo: Nach nur fünf Monaten bringt er einen Nachfolger für sein neuestes und derzeit einziges Smartphone-Modell heraus. Lohnt sich ein Upgrade nach so kurzer Zeit?

SPIEGEL ONLINE

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Es hat einen guten Grund, weshalb die meisten Handyhersteller nur einmal im Jahr ein neues Top-Modell herausbringen: Die technischen Fortschritte rechtfertigen einfach keine kürzeren Zyklen. Nur die chinesische Firma OnePlus ignoriert diesen Rhythmus. Sie bringt mit dem 5T schon nach einem knappen halben Jahr einen Nachfolger für das im Juni eingeführte Modell 5 auf den Markt.

Für den ungewöhnlichen Rhythmus gibt es Gründe. Verglichen mit Konzernen wie Samsung, Huawei und LG ist OnePlus eine winzige Firma, sie bietet meist nur ein einziges Smartphone-Modell an. Zum Vergleich: Samsung hat aktuell 25 verschiedene Smartphones im Angebot.

Während die großen Hersteller neue Trends also einfach mit zusätzlichen Geräten abdecken, bringt OnePlus lieber eine Neuauflage auf den Markt. Deshalb basiert das 5T auch weitgehend auf dem seit Sommer verkauften OnePlus 5.

Fotostrecke

6  Bilder
Smartphone aus China: Das OnePlus 5T im Test

Was ist neu?

Die Neuerungen halten sich dementsprechend in Grenzen. Der Hauptgrund für das Hardware-Update dürften die großen Bildschirme im Format 18:9 sein, die seit einigen Monaten unter anderem in einigen Modellen von LG und Samsung stecken.

Und so bedeckt nun also auch beim OnePlus 5T einer der neuen Bildschirme in diesem gestreckten Format fast die gesamte Vorderseite. Vom Look erinnert das ans LG V30. Die Auflösung ist mit 2160 x 1080 Pixeln nur wenig höher als beim OnePlus 5 (1920 x 1080). Weil das Display auf Amoled-Technik basiert, werden Farben knackig und mit kräftigen Kontrasten wiedergegeben.

Genau wie bei der Konkurrenz hat der große Bildschirm auch beim 5T zur Folge, dass vorne kein Platz mehr für einen Fingerabdrucksensor ist. Nach Samsung und LG hat nun auch OnePlus den Sensor deshalb auf die Rückseite verbannt.

Zugleich gibt es auch die Möglichkeit, das Gerät per Gesichtserkennung zu entsperren. Das geht sehr flott, funktioniert aber nur bei ausreichender Beleuchtung. So aufwendig wie Apples Face ID ist das System von OnePlus eben nicht. Abzuwarten bleibt, wie schwer es wird, diese Gesichtserkennung zu überlisten. Mit einem einfachen Foto ist es mir jedenfalls nicht gelungen.

Die andere große Neuerung gegenüber dem Vorgänger betrifft die Doppelkamera auf der Rückseite. Deren Teleobjektiv hat bei ansonsten unveränderten Daten nun eine größere Blendenöffnung von F/1,7, es kann also bei schlechter Beleuchtung etwas mehr Licht einfangen. Tatsächlich machen meine mit dem 5T geknipsten Fotos einen etwas besseren Eindruck als mit dem Vorgänger aufgenommene. Oft muss man aber zweimal hinschauen, um den Unterschied zu sehen.

Ansonsten hat sich beim 5T im Vergleich mit seinem Vorgänger technisch und optisch kaum etwas getan. Neu ist allerdings die Art, wie die kleine Firma ihr Vorzeigeprodukt in den Markt eingeführt hat.

Sogar die erste öffentliche Präsentation des 5T wurde vermarktet. Eintrittskarten für die Veranstaltung, die am 16. November in Brooklyn, New York City, stattfand, wurden nicht etwa an Journalisten, Blogger, Partner und wichtige Händler verteilt, sondern für 40 Dollar pro Stück im Internet verkauft.

Die zahlende Kundschaft bekam dafür nicht nur Sitzplätze, sondern auch einen Beutel voller Geschenke, der unter anderem ein Sweatshirt und einen Rucksack, bedruckt mit dem Firmenlogo, enthielt. Außerdem bekam jeder Zuschauer einen Gutschein über 40 Dollar Rabatt für den Kauf des neuen Smartphones. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf will die Firma aber nicht in die Goodie Bags investieren, sondern an wohltätige Organisationen spenden, heißt es. Das Event war also Verkaufsveranstaltung und Spendengala zugleich.

Drei Sperrfristen

Auch hinsichtlich der sogenannten Sperrfristen hat OnePlus einen neuen Weg eingeschlagen. Dass es Sperrfristen gibt, vor deren Ablauf eingeweihte Journalisten und Blogger nicht über Neuheiten berichten dürfen, ist üblich. Unternehmen nutzen dieses Mittel, um die Berichterstattung zu bündeln, also gleichzeitig in vielen Medien aufzutauchen und auf diese Weise als wichtig wahrgenommen zu werden. Presse und Blogger freuen sich, weil sie auf Basis von Vorabinformationen besser informiert Artikel vorbereiten können.

OnePlus allerdings hat für das 5T sogar drei Sperrfristen gesetzt. Eine für Meldungen, die nur den Inhalt der Pressemitteilung zu dem neuen Gerät wiedergeben, eine zweite für Berichte über "erste Eindrücke". Erst mit ein paar Tagen Verzögerung sind jetzt, ab dem 20. November, echte Testberichte erlaubt.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Guter Bildschirm

Hohe Leistung

Gute Kamera

Gute Akkulaufzeit

Viel Speicher

Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Speicher nicht erweiterbar

Das OnePlus 5 war ein gutes Smartphone, das 5T ist einen Hauch besser, wirkt mit dem neuen Bildschirm aktueller. Erfreulicherweise kostet es genauso viel wie der Vorgänger: 499 Euro mit 64 GB Speicher, 559 Euro mit 128 GB.

Ein Upgrade lohnt sich jedoch kaum. Zwar nimmt OnePlus auch Altgeräte in Zahlung, mehr als 150 Euro bietet das Unternehmen aber selbst für hochwertige Geräte nicht an. Verglichen mit den Oberklassemodellen von Samsung, HTC, LG und anderen ist das Smartphone, wie seine Vorgänger, eine günstige Alternative.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 20.11.2017
1. finger abdruck auf der rueckseite
hat nicht mit "kein platz" zu tun, somdern weil das die natuerlich haltung des Handys in der Hand ist. Ich hatte beides, mein neues hat es auf der rueckseite und ein Handy mit fingerabdruck auf der vorderseite kommt mir nicht mehr ins haus.
demiurg666 20.11.2017
2. @1
Ich habe ein Telefon mit Fingerabdruck Sensor an der Seite. Für mich hört sich hinten und vorne nach einem Haus an.
champagnero 20.11.2017
3. @1.
Was für ein Mumpitz. In der "natürlichen" Haltung berührt keine meiner Fingerkuppen die Rückseite, wohingegen der Daumen - ganz natürlich - auf der Vorderseite zur Bedienung unter anderem des Fingerabdrucksensors genutzt wird...
kronk 20.11.2017
4. Vorderseite!
...da gehört ein Sensor hin, denn da habe ich meine(n) bedienende(n) Finger immer. Nie jedoch habe ich meinen Zeigefinger da oben an der Rückseite. Außerdem sperre ich damit den Usecase auf-dem-Tisch-liegend-entsperren komplett aus. Ich verstehe, dass es vorn eng geworden ist für einen Frontsensor, behalte mein OP5 aber trotzdem lieber. Vlt. kann ja, bis ich ein neues hole, das gesamte Display als Sensor verwendet werden. Einfach Finger drauf, plup, und losusen.
coroona 20.11.2017
5.
Zitat von Nonvaio01hat nicht mit "kein platz" zu tun, somdern weil das die natuerlich haltung des Handys in der Hand ist. Ich hatte beides, mein neues hat es auf der rueckseite und ein Handy mit fingerabdruck auf der vorderseite kommt mir nicht mehr ins haus.
Für Swombies die den ganzen Tag mit Handy in der Hand rumlaufen ist das vielleicht vorteilhaft. Im Geschäftsbereich ist es sehr nützlich, wenn sich der Sensor auf der Vorderseite befindet, damit man das Gerät auch auf dem Konferenztisch liegend dezent entsperren kann.
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