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Open Compute Project: Facebook verschenkt seine Stromspar-Tricks

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Energieverbrauch um ein Drittel gesenkt, Kosten um ein Viertel: Das Social Network Facebook hat ein Vorzeige-Rechenzentrum mit besonders effizienten Servern entwickelt. Jetzt hat der Konzern seine Technik veröffentlicht - und als Open-Source-Projekt zum Nachbauen bereitgestellt.

Facebooks Super-Computer: Mehr Effizienz für Rechenzentren Fotos
REUTERS

Eigentlich war das Projekt wohl ein ganz egoistisches: Facebook wollte Kosten sparen. Firmen wie Google, Microsoft, Apple und eben auch Facebook, betreiben riesige Rechenzentren, um die millionenfach auf sie einprasselnden Anfragen ihrer Kunden möglichst verzögerungsfrei abarbeiten zu können. Aufbau und Betrieb solcher Großrechenzentren sind allerdings eine gewaltige Aufgabe, bei der es um Millionenbeträge geht. Zwei Jahre hat ein kleines Team von Facebook-Technikern an seiner Version eines besonders effizienten und besonders sparsamen Rechenzentrums gearbeitet - jetzt werden die Früchte dieser Arbeit verschenkt.

Die Neuigkeit gab Facebook-Gründer Marc Zuckerberg am Donnerstag im Hauptquartier seiner Firma im kalifornischen Palo Alto bekannt. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung von Bauplänen und Spezifikation für die von Facebook entwickelten Server und Rechenzentren startete das Unternehmen das Open Compute Project. Im Rahmen dieser Initiative sollen Interessierte nicht nur eigene Rechner und Rechenzentren auf Basis der Facebook-Vorlagen bauen, sondern diese auch verbessern und weiterentwickeln. Das Verfahren ist an die Prinzipien von Open-Source-Software wie Linux angelehnt und auf Hardware übertragen worden.

In einem Rechenzentrum, das Facebook in der Stadt Prineville in Oregon nach seinen neuen Entwürfen aufgebaut hat, sei der Stromverbrauch im Vergleich zu vergleichbaren Rechneranlagen des Unternehmens um 38 Prozent geringer, heißt es auf der Facebook-Seite zu dem Projekt. Die Kosten hätten dadurch um 24 Prozent gesenkt werden können.

Schönheit muss nicht sein

Dass Facebooks Vorstoß in der Computerbranche auf großes Interesse stößt, steht angesichts solcher Zahlen außer Zweifel. Bei der Veranstaltung am Donnerstag sollen Vertreter von Firmen wie DreamWorks, VMWare, Delta Airlines, Dell und Apple anwesend gewesen sein. Allesamt Firmen, die bereits große Rechenzentren betreiben und dankbar jeden Vorschlag aufgreifen dürften, die Kosten für Neuinstallationen und den Betrieb von Altanlagen zu senken.

Und da hat Facebook einiges zu bieten. In den 18 Monaten, die sie Zeit hatten, haben die Techniker des Unternehmens eigene Server, sogar eigene Hauptplatinen und Netzteile entwickelt. Die einzige Vorgabe dabei lautete: Es muss nicht schön sein, sondern effizient. Jonathan Heiliger, Vice President Technical Operations, bei Facebook erklärt da so: "Wir haben diese Server für uns, für Facebook gemacht. Und deshalb müssen sie für uns schön sein. Und das heißt, dass sie effizient sind, sehr billig und ehrlich gesagt auch zuverlässig."

Um drei Kilo abgespeckt

Das Ergebnis: Bei Facebooks Servern wurde alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig war. Sie haben keine Steckplätze, die sie nicht unbedingt benötigen, Anschlüsse die ein Server nicht nutzt, wurden weggelassen. Das direkt spürbare Resultat ist eine Gewichtseinsparung von drei Kilogramm pro Rechner. Scherzhaft bemerkt ein Facebook-Mitarbeiter, das würde auch die Arbeit im Rechenzentrum leichter machen, weil die Techniker nicht mehr so schwer schleppen müssen.

Vor allem aber sorgt die Reduktion an Bauteilen dafür, dass die Server weniger Strom verbrauchen und weniger Abwärme produzieren. Um die Abwärme weiter zu reduzieren, wurden zudem Netzteile mit einer Effizienz von 94,5 Prozent entwickelt, ein im PC-Bereich ungewöhnlich guter Wert, der dafür sorgt, dass bei der Umwandlung des Stroms aus der Steckdose in die vom Computer benötigten Spannungen weniger Energie in Form von Wärme verlorengeht.

Die Bauanleitungen liegen bereit

Neben dem Design der Server hat Facebook aber auch die Schränke, in denen die Server gestapelt werden, selbst entwickelt. Ebenso wurden für das Open Compute Project eine eigene Klimatisierungstechnik und ein Akkusystem für den Fall von Stromausfällen entwickelt. Die Bauanleitungen für sämtliche Komponenten der sparsamen Rechenzentren, sind ab sofort für jedermann frei zugänglich von der Seite des Open Compute Project herunterladbar, inklusive aller Spezifikationen und der CAD-Dateien zum Nachbauen.

Nun wird es interessant werden zu sehen, welche Firmen sich künftig an Facebooks Vorlagen orientieren und welche womöglich zur Verbesserung der Designs beitragen werden.

Oder ob das ganze Projekt zwar wohlwollend aufgenommen, dann aber doch von niemandem weiter verfolgt und letztlich im Sand verlaufen wird. Aber das wäre der denkbar schlechteste Ausgang. Die Branche hat ein Geschenk bekommen - sie sollte es nutzen.

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1. Warum...
sappelkopp 08.04.2011
...werde ich misstrauisch, wenn ein Unternehmen, dass das Ziel der Gewinnmaximierung hat, den Mitbewerbern kostenlos Kosteneinsparpotentiale bietet? Warum tut Facebook das? Gutmenschentum, wohl kaum!
2.
kennstdudenduden? 08.04.2011
ich frage mich, was Facebook für einen Gewinn aus der Veröffentlichung der Daten einstreicht, weil aus großzügigkeit haben die das bestimmt nicht offen gelegt...
3. Frage an die Techniker
Ex-Kölner 08.04.2011
Wenn man sich schon eigene Server nach Maß anfertigen läßt samt eigenem Netzteil - wäre es nicht effizienter, die für die Computer nötigen Spannungen zentral zu erzeugen und an die Rechner zu verteilen, statt jedem Gerät ein eigenes Netzteil zu spendieren?
4. OpenSource
w.konker 08.04.2011
Zitat von sappelkopp...werde ich misstrauisch, wenn ein Unternehmen, dass das Ziel der Gewinnmaximierung hat, den Mitbewerbern kostenlos Kosteneinsparpotentiale bietet? Warum tut Facebook das? Gutmenschentum, wohl kaum!
Das Opensource-Konzept beinhaltet die Pflicht zur Offenlegung eines Quellcodes, wenn dabei andere Opensource-Projekte zum Einsatz kommen. Wenn Zuckerzwerg sich also ein spezielles Linux zusammengebastelt hat, oder irgenwelche Opensource-Frameworks einsetzt, dann MUSS er das veröffentlichen. Anders ist das natürlich mit der Hardware. Was das angeht vermute ich mal ganz simpel, dass man halt auch gern mal positive Schlagzeilen habe wollte. ODER Zuckerberg hat sich gedacht: "Naja, mein Laden ist ja schon 50*10^9 Dollars wert, und eigentlich habe ich keine Zeit und keine Lust jetzt auch noch ein Hardwareunternehmen zu starten. Mit Gutmenschentum hat das wohl tatsächlich eher nichts zu tun. Grund zum Misstrauen gibt es aber ausnahmsweise mal nicht. Es gibt im übrigen viele Opensource-Tools die von großen Firmen veröffentlicht wurden. Man scheint sich schon etwas davon zu versprechen: -OpenCV (Intel) -Qt (Nokia) -MeeGo (Nokia + Intel) -RedHat Linux (RedHat) -OpenOffice (Sun Microsystems und andere) -IBM ( http://www.heise.de/newsticker/meldung/IBM-spendet-500-Patente-fuer-Open-Source-Nutzung-126201.html )
5. Gegen Titelzwang!
MatthyK, 08.04.2011
Zitat von sappelkopp...werde ich misstrauisch, wenn ein Unternehmen, dass das Ziel der Gewinnmaximierung hat, den Mitbewerbern kostenlos Kosteneinsparpotentiale bietet? Warum tut Facebook das? Gutmenschentum, wohl kaum!
Ich spekuliere an dieser Stelle mal: Die von den Facebook-Technikern modifizierten Geräte gibt es von den Herstellern so nicht zu kaufen. Das ganze ist als ein Appell an die Hersteller zu sehen, für diesen Markt ein entsprechendes Hardware-Angebot bereitzustellen. Bis jetzt ist es so, dass es billiger ist, Massenware zu verbauen und den höheren Verbrauch in Kauf zu nehmen, als die gekauften Geräte noch einmal speziell abzuspecken. Facebook und Google würden von einer Senkung der Hostingkosten mit am meisten profitieren, weil diese auf der einen Seite nach den Personalkosten den größten Teil der Gesamtkosten ausmachen und auf der anderen Seite der Wert der gesammelten Kundendaten dadurch nicht direkt geschmälert wird: Ihr Geschäftsmodell wird insgesamt gestärkt, die Gewinnspanne vergrößert sich.
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Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
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Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
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Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
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MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...
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