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09. Februar 2013, 15:32 Uhr

Panasonic GH3

Diese Kamera hält dicht

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Eine Dusche übersteht dieser Fotoapparat mühelos, Spritzwasser und Staub können der Panasonic GH3 nichts anhaben. Die spiegellose Digitalkamera hat zudem einen schnellen Autofokus und eine ausgefeilte Bedienung. Der Test zeigt, wie gut die Bildqualität ausfällt.

Wulstiger Griff, große Drehräder, ein Höcker über dem Objektiv: Die Panasonic GH3 sieht aus wie eine kleine Spiegelreflexkamera. Allerdings fehlt diesem Fotoapparat der Spiegel, der Sucher gibt rein digital das fortwährend ausgelesene Bild des Sensors wieder. Die Sensorfläche (2,25 Quadratzentimeter) ist etwas kleiner als die von Spiegelreflexkameras (3,67 Quadratzentimeter oder mehr).

Warum also ein derart ausladendes Gehäuse? Vielleicht wegen der vielen Anschlüsse - irgendwo muss man ja die Buchsen für Mikrofon, Kopfhörer, Blitz, Fernbedienung und all das andere Zubehör unterbringen. Die GH3 steckt voller technischer Extras und die werden von einem geländegängigen Gehäuse geschützt. Ebenso wie das Olympus-Konkurrenzmodell OM-D ist die GH3 spritzwasser- und staubgeschützt.

Enorme Ausstattung, schweres Gehäuse, kleiner Sensor - was taugt die GH3 als Fotoapparat?

Das gefällt: Handhabung, Bildqualität, Ausstattung

Bedienung: Bei der Handhabung ist die GH3 gleichauf mit vielen Spiegelreflexkameras. Am Gehäuse kann man mit Drehrädchen Aufnahmemodus und Bildfolge - Belichtungsreihen, Selbstauslöser usw. - einstellen, für Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit gibt es spezielle Tasten, reguliert werden solche Funktionen ebenso wie Blendenöffnung und Verschlusszeit über drei Multifunktions-Drehrädchen (eins für den rechten Zeigefinger, zwei für den rechten Daumen) . Fünf Funktionstasten am Gehäuse sind programmierbar. Dank dieser Vielfalt an Bedienungselementen lässt sich die GH3 sehr schnell einstellen, selbst bei völligem Verzicht auf automatische Helfer.

Der Touchscreen der Kamera beschleunigt die Bedienung zusätzlich. Will man nur einen bestimmten der 23 Fokus-Messpunkte auswählen, ist das am Touchscreen schnell erledigt. Über ein Schnellwahlmenü gelangt man am Display per Fingertipp zu allen relevanten Einstellungen. Der Bildschirm ist trotz durchschnittlicher Auflösung gut ablesbar, anders als bei der Olympus OM-D lässt sich das Display der GH3 nicht nur hoch- und runterklappen, sondern auch zur Seite schwenken. So hat man das Sensorbild fast immer gut im Blick, auch wenn man die Kamera über dem Kopf, nah am Boden oder versetzt zum Körper hält. Mit Hilfe des Digitalsuchers ist die Kamera auch bei gleißendem Sonnenlicht bedienbar.

Bildqualität: Die Aufnahmen der GH3 zeigen bei wenig Licht klarere Details und weniger Bildrauschen als die Panasonic-Vorgängermodelle. Der Bildsensor ist kleiner als die in den Systemkameras von Sony und Fujifilm verbauten, an die Bildqualität dieser Fotoapparate kommt die GH3 nicht ganz heran. Aber die Leistung ist ein klarer Fortschritt gegenüber bisherigen Micro-FourThirds-Kameras, ähnlich wie es bei der Olympus OM-D und der E-PL5 (gleicher Sensor, kleineres Gehäuse) der Fall ist. Aufnahmen bis zu einer ISO-Empfindlichkeit von 1600 sind gut brauchbar, darüber sollte man nur verkleinerte Versionen zeigen, Rauschen und durch die kamerainterne Rauschunterdrückung verschmierte Details sind sonst klar zu erkennen.

Der Labortest von Digitalkamera.de diagnostiziert der GH3 eine hohe Eingangsdynamik, gemeint ist der Umfang der Helligkeitsunterschiede, die die Kamera zwischen ganz dunklen und hellen Bildbereichen unterscheiden kann. Die GH3 ist in etwa gleichauf mit der OM-D. Auch beim Signal-Rauschabstand - die Anzeige dafür, wie stark das Risiko schwacher Signale ist, im Rauschen unterzugehen - sind die Kameras ebenbürtig im akzeptablen Bereich, bei ISO 1600 allerdings ist das Rauschen bei der GH3 etwas stärker als bei der OM-D.

Ausstattung: Die GH3 hat eine immense Fülle technischer Extras. Das Gehäuse ist wie das als Kit-Objektiv erhältliche Zehnfach-Zoom gegen Spritzwasser und Staub geschützt. Das hebt die GH3 von allen spiegellosen Systemkameras außer der Olympus OM-D ab. Das eingebaute W-Lan-Modul ist eine nette Idee. Wir konnten beim Test die Kamera übers Funknetz mit der kostenlosen Android-App Lumix Link steuern und auslösen.

Interessant für Fotografen im Theater oder anderen Orten, an denen Auslösegeräusche unerwünscht sind: Die GH3 kann lautlos aufnehmen, wenn man den elektronischen Verschluss aktiviert.

Der Spritzwasserschutz des Gehäuses hält dicht: Eine Dusche unter dem Wasserhahn überstand unser Testgerät ohne Schäden. Allerdings bringt ein dichtes Gehäuse im Alltag wenig, wenn man nicht auch ein spritzwassergeschütztes Objektiv hat. Das entsprechende Panasonic-Objektiv kostet mehr als 900 Euro, ein nicht so lichtstarkes Konkurrenzmodell von Olympus weniger als ein Drittel davon.

Videofunktionen: Die meisten auffälligen Ausstattungsdetails der GH3 dürfen aber vor allem professionelle Videofilmer interessieren: Die Kamera macht dank vieler Extras filmenden Fotoapparaten wie der Canon 5D Mark III Konkurrenz. So kann die GH3-Filmaufnahmen mit einem Timecode kennzeichnen (nach dem SMPTE-Standard). Man kann das Videosignal unkomprimiert per HDMI aus der Kamera weiterleiten, um die großen Videodateien auf ein externes Speichermedium statt auf eine SD-Karte zu schreiben. Das dürfte bei der Datenmenge, die bei der GH3 anfallen kann, eine gute Idee sein. Die Kamera kann Videos in Full-HD-Auflösung mit bis zu 50 Vollbildern je Sekunde bei sehr hohen Datenübertragungsraten (bis zu 72 Megabit, abhängig vom Format) speichern.

Nicht so gut: recht schwer, groß und teuer

Größe und Gewicht: Einer der Vorteile der spiegellosen Systemkameras sind die in der Regel im Vergleich zu Spiegelreflexkameras kleineren und leichteren Gehäuse. Das ist bei der GH3 nicht der Fall: Das Gehäuse ist sogar ein wenig größer als das der Spiegelreflex Nikon D5200. Die ebenfalls spritzwassergeschützte Olympus OM-D ist wesentlich leichter und kleiner. Es ist schwer nachvollziehen, dass die GH3 so groß und schwer ausfällt.

Lücken bei der Ausstattung: Gut 1600 Euro kostet die GH3, da stören kleine Details. So fehlt der Kamera das sogenannte Focus Peaking, eine enorm hilfreiche Funktion zum manuellen Scharfstellen, bei der die Konturen fokussierter Bildbereiche farblich hervorgehoben werden. Das sollte inzwischen zur Standardausstattung gehören.

Die Vorteile, die Nachteile, das Fazit

Die Bildqualität der GH3 ist der der bisherigen Panasonic-Systemkameras überlegen - Panasonic kann wieder mit Olympus mithalten. Allerdings übertrifft die GH3 nicht Spitzenmodelle wie die Olympus OM-D oder E-PL5 - sie ist nur ähnlich gut. Als Fotoapparat allein gibt es keinen entscheidenden Grund, die GH3 diesen Olympus-Kameras vorzuziehen.

Einzigartig sind die Videofunktionen: Die Spitzenwerte bei den Datenübertragungsraten, die Anschlüsse für Mikrophon, Kopfhörer und externe Rekorder und Extras wie SMTPE-Timecode sind nur für Nutzer interessant, die aufwendige Filme mit der GH3 drehen wollen. Die übrigen Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Olympus OM-D sind der drehbare Touchscreen und das große Gehäuse - vielleicht ein Vorzug für Fotografen mit Pranken.

Das sagen die anderen: Der Videoexperte Adam Wilt ist von den hohen Datenübertragungsraten beeindruckt und lobt neben den Videofunktionen auch den lautlosen elektronischen Verschluss der Kamera. Im Hinblick auf den Preis rät er zum genauen Vergleich mit dem Vorgängermodell GH2. Wer das ältere Modell kaufe, erhalte "90 Prozent der Kamera für 50 Prozent des Preises".

Das deutsche Fachmagazin "Colorfoto" lobt die Bild- und Videoqualität ("die Full-HD-Filme der GH3 erscheinen sichtbar schärfer als die der Vorgängerin GH2, zeigen besser durchzeichnete Schatten").

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