Panasonic Lumix CM1 im Test Die Kamera, die ein Smartphone ist

Im Kampf um Kamerakäufer schlägt Panasonic eine neue Richtung ein: Die Lumix CM1 ist ein Fotoapparat mit eingebauten Smartphone - oder umgekehrt. Was sich durchsetzt, klärt unser Test.

Matthias Kremp

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Als Panasonic sich Anfang 2012 mit dem Eluga im Smartphone-Markt zurückmeldete, versprach das Unternehmen, es sei gekommen, um zu bleiben. Viel geworden ist daraus nicht. Auf der Photokina meldete sich das Unternehmen nun aber mit einem neuen Konzept zurück, dem Lumix DMC-CM1. Schon der Name verrät, wo bei diesem Gerät der Schwerpunkt liegt: Mit der Bezeichnung Lumix kennzeichnet der japanische Konzern traditionell seine Kameras.

Auch das äußere Erscheinungsbild lässt keinen Zweifel daran, dass hier eher Kamera-Designer am Werk waren, als Smartphone-Gestalter. Man könnte meinen, man schaut auf eine Kompaktkamera, wenn auch auf eine besonders dünne. Für ein modernes Android-Smartphone jedenfalls ist die CM1 viel zu dick und zu klobig.

Das liegt vor allem an dem großen 28-Millimeter-Weitwinkelobjektiv von Leica, mit einer Blendenöffnung von f/2,8. Genau dieses Objektiv ist einer der größten Unterschiede zu herkömmlichen Smartphone-Kameras. Die Qualität des Linsensystems dürfte die der sonst in Smartphones verbauten Miniaturknipsen locker übertreffen.

Der zweite Unterschied zu anderen Smartphones ist die Größe des Fotosensors. Üblich sind bei Handykameras Sensoren, die etwa ein Drittel Zoll Diagonale aufweisen. Ins Lumix hingegen baut Panasonic einen Fotochip im 1-Zoll-Format ein. Derselbe 20-Megapixel-Sensor steckt auch in der Superzoom-Bridge-Kamera Lumix DMC-FZ1000.

Stark bei schwachem Licht

Der Aufwand hat sich gelohnt, das zeigen schon meine ersten Schnappschüsse mit der C1. Die Aufnahmen zeigen zum Teil schon fast unheimlich genau abgebildete Details. Die Farbigkeit der Fotos ist sehr gut, Farben wirken nicht übertrieben, sondern entsprechen weitgehend der Realität.

Bei schlecht ausgeleuchteten Motiven spielt das Duo aus großer Linsenkonstruktion und großem Bildchip seine Stärken besonders dann aus, wenn man die Aufnahmen im weitgehend unbearbeiteten Raw-Format abspeichern lässt. Das fast unvermeidliche Bildrauschen wird dabei auf ein Minimum reduziert. Zudem ermöglicht der große Fotosensor Spielereien mit der Tiefenschärfe, was bei Nahaufnahmen und Porträts schöne Effekte ermöglicht.

Schnell mal am Ring drehen

Eine weitere Besonderheit, die zeigt, dass beim Lumix CM1 der Schwerpunkt auf der Kamera liegt, ist der Objektivring. Mit ihm lassen sich schnell manuell Parameter wie die Blende oder die Verschlusszeit justieren. Damit das klappt, muss man in der Foto-App, die auf der CM1 läuft, allerdings erst den entsprechenden Menüpunkt auswählen.

Genau das ist es, was den Umgang mit dem Kamera-Smartphone oft nicht ganz so intuitiv sein lässt, wie ich es mir wünschen würde. Während ich mit der linken Hand den Objektivring greife, halte ich mit der rechten gleichzeitig das Handy fest und muss versuchen, mit einem Finger durch die Menüs der App zu wischen. Das ist weder komfortabel noch besonders schnell.

Hinzu kommt, dass der 4,7 Zoll große Full-HD-Bildschirm der CM1 bei Sonnenlicht nur für eine grobe Zielerfassung taugt. Selbst wenn man ihn auf volle Helligkeit stellt, reicht seine Leuchtkraft nicht, um das anvisierte Objekt oder gar das davon geknipste Foto realistisch zu beurteilen.

Brauchbare Automatik-Fotos

An der Foto-App selbst gibt es dagegen kaum etwas auszusetzen. Sie bietet eine große Vielfalt an Einstellmöglichkeiten, die oft weit über das hinausgehen, was Smartphone-Hersteller ihren Kunden sonst bieten. Bemerkenswert ist die große Zahl an Motivprogrammen, die für unterschiedliche Situationen passende Voreinstellungen bereitstellen.

Sie sind das Werkzeug, mit dem auch Fotoamateure Schnappschüsse hinbekommen, die über das schlichte Abbilden eines Ereignisses hinausgehen und für die man sonst zumindest Fotografie-Grundkenntnisse benötigen würde. Der Nachteil dieser Technik: Man muss vorher wissen, was man fotografieren will und wie es auf dem Bild aussehen soll, um rechtzeitig das passende Motivprogramm heraussuchen zu können. Im Zweifel bleibt immer der Griff zur sogenannten Intelligenten Automatik, die im Test stets gute, aber eben keine besonderen Bilder hervorbrachte.

Durchschnitts-Smartphone

Gegenüber den sehr guten fotografischen Leistungen fallen die Fähigkeiten der CM1 als Smartphone weit weniger aufregend aus. Der Quadcore-Prozessor hat keine Mühe mit dem Android-4.4-Betriebssystem, muss sich aber auch nicht sonderlich anstrengen, da die Software keine Besonderheiten bietet.

Alle aktuellen Netzwerktechniken, inklusive LTE und NFC, sind eingebaut. Enttäuschend haben mich jedoch die Akkulaufzeiten. Einen Tag normaler Smartphone-Nutzung macht die CM1 mit, mehr nicht. Selbst im Ruhezustand war der Verbrauch so hoch, dass sie nach zwei Tagen wieder an die Steckdose musste. Verlässliche Werte sind das aber nicht, da ich zum Test ein Vorserienmodell erhielt.

Fazit

Die Lumix DMC-CM1 ist mehr Kamera als Smartphone, so viel ist klar. Panasonic hat sich offenbar ganz darauf konzentriert, eine möglichst gute Kamera in ein weitgehend durchschnittliches Android-Handy einzubauen. Damit macht es am ehesten Geräten wie Nokias Lumia 930 und Sonys Xperia Z3 Konkurrenz.

Vorteile und Nachteile

Sehr gute Kamera

Gute manuelle Einstellmöglichkeiten

Schneller Prozessor

Umfangreiche drahtlose Netzwerkfunktionen

Teils umständliche Handhabung

Mäßige Akkulaufzeit

Hoher Preis

Diese Geräte allerdings sind weit günstiger, sie kosten ohne Vertrag etwa 450 bis 500 Euro. Für die Lumix CM1 dagegen peilt Panasonic zum Verkaufsstart Anfang November angeblich knapp 900 Euro an. Damit wird der Technik-Zwitter wohl eher etwas für Liebhaber und nichts für den Massenmarkt.

Matthias Kremp

Panasonic Lumix CM1: Auf den ersten Blick eine von vielen Kompaktkameras. Die Kunstlederoberfläche verstärkt diesen Eindruck.

Matthias Kremp

Die andere Seite: Wo man bei einer Kompaktkamera den Sucher, den Bildschirm und ein paar Einstellrädchen vermuten würde, prangt der 4,7-Zoll Bildschirm und stellt klar, dass man es mit einem Android-Smartphone zu tun hat.

Matthias Kremp

Nicht nur ein Lichtloch: Das Objektiv der CM1 unterschiedet sich sichtbar von denen anderer Smartphone-Kameras. Panasonic verbaut hier ein Leica-DC-Elmarit-Weitwinkelobjektiv mit 28 Millimetern Brennweite.

Matthias Kremp

Technik aus der Kamerawelt: Der Fotochip der CM1 stammt aus der Bridge-Kamera Lumix FZ1000. Mit einer Diagonale von einem Zoll ist er für ein Smartphone ungewöhnlich groß.

Matthias Kremp

Raus damit: Sobald man die Kamera-App startet oder den Kameraknopf drückt, fährt das Objektiv aus seiner Wartestellung.

Matthias Kremp

Übersichtlich: Viele Bedienelemente hat die CM1 nicht. Neben Lautstärkewippe und Einschaltknopf gibt es den Einschaltknopf für die Kamera und einen Auslöser.

Matthias Kremp

Überflüssiger Schutz: Der USB-Anschluss ist hinter eine Klappe verborgen.

Matthias Kremp

Erweiterungsschacht: Hinter einer weiteren Plastikklappe findet man den Steckplatz für eine Micro-Sim-Karte sowie den für Speicherkarten mit bis zu 128 GB.

Matthias Kremp

Lumix fotografiert Lumix: Die CM1 macht Fotos, deren Qualität es mit Bridge-Kameras aufnehmen kann.

Matthias Kremp

Ganz nah dran: Bei diesem Schnappschuss von einem Gartenzwerg sind sogar kleine Sandkörnchen sauber und scharf abgebildet.

Matthias Kremp

Damit kann man arbeiten: Das Objektiv der Kamera erlaubt es mit Schärfen und Unschärfen zu spielen, so dass sich hier beispielsweise mal die Kräuter im Vordergrund ...

Matthias Kremp

... und mal der Garten im Hintergrund in den Fokus ziehen lassen.

Reichlich Auswahl: Die Kamera-App bietet die übliche Auswahl an Aufnahmeprogrammen. Am einfachsten ist die sogenannte Intelligente Automatik, die meist gute, aber nie besondere Bilder ermöglicht.

Ausrichtungshilfe: Damit die Aufnahmen später nicht schief wirken, lässt sich eine virtuelle Wasserwaage ins Sucherbild einblenden.

Übertreiben, wenn man will: Über den Einstellring am Objektiv lässt sich unter anderem die Belichtung variieren.

Rohdaten: Wer mag, kann seine Fotos von der CM1 auch im Raw-Format, also von der Kamera unbearbeitet, speichern lassen.

Für jeden Anlass eine Voreinstellung: Etliche Motivprogramme ermöglichen es, ohne manuelle Eingriffe auf eine Situation perfekt abgestimmte Bilder zu machen. Allerdings muss man vorher wissen, auf welche Situation man trifft und was für ein Bild man machen will, damit man rechtzeitig das entsprechende Programm auswählen kann.

Probleme der Vorserie: Bei unserem Testgerät, dass nicht aus der Serienproduktion stammte, machten einige Menüpunkte den Eindruck, maschinell übersetzt worden zu sein. Anders ist kaum zu erklären, wie beispielsweise aus dem englischen "Power" das deutsche Wort "Macht" wurde.

Optionen: In der Foto-App gibt es in den verschiedenen Menüs eine große Vielfalt an Einstellmöglichkeiten, mit denen man das Verhalten der Kamera sehr kleinteilig justieren kann.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Milkshake 28.10.2014
1.
Interessant, aber zu teuer.
Eppelein von Gailingen 28.10.2014
2. Der Schuster sollte nicht seine Leisten wegwerfen
Um mehr Umsatz zu machen, wovon er nicht so viel wie andere Handwerker verstehen. Panasonic ist zwar ein toller Konzern, der auch Telefone herstellt. Aber in der Mobiltelefonie, sprich das blöde Wort "Handy" gibt es nur in Deutschland, ist Panasonic nie aufgefallen. iPhones oder Smartphones sind Fehlanzeige. Lumix Fotoapparate sind prima, ob sich ein Zwitter-Lumix als Smartphone durchsetzt ist recht zweifelhaft. Kein Konzern kann seinen Rachen voll genug bekommen. Siehe unsere Politiker die Parteiübergreifend aktiv sind, weil sie anderen die Ideen klauen müssen, um geschummelt gut auszusehen. Besonders der derzeitige Kasperverein mit großen C und kleinem h. Schönen Gruß an die Pastorentochter.
tpk 28.10.2014
3. Eigentlich was für Frauen mit Handtasche
aber die kriegen in der Regel keine roten Ohren wegen einem Leica-Objektiv. Dafür sind eher die Männer anfällig. Aber den meisten wird der Aparillo zu klobig sein.
henrikw 28.10.2014
4. Falsch
"Was sich durchsetzt, klärt unser Test" Was sich durchsetzt klärt der Konsument und nicht ein SPON Artikel. "knapp 900 Euro an. Damit wird der Technik-Zwitter wohl eher etwas für Liebhaber und nichts für den Massenmarkt." Was kostet nochmal ein iPhone?
alexausroßlau 28.10.2014
5.
Samsung hat schon lange das S4 Zoom im Angebot, es liefert tolle Bilder. Warum das Rad neu erfinden?
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