Panasonic Lumix GH1 vs. Nikon D90 Zwitter-Kamera filmt scharfe HD-Videos

Kleine Kamera, großer Bildsensor, Wechselobjektive und hochauflösende Videos - die GH1 soll so gut filmen wie fotografieren. SPIEGEL ONLINE hat die Zwitter-Kamera mit der HD-Spiegelreflex D90 verglichen.

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Die Wechselobjektiv-Kamera Panasonic G1 hat fast alles, was ein Einsteigermodell interessant macht: handliches Gehäuse, handliche Objektive und eine den meisten Kompaktkameras überlegene Bildqualität. Die Ende 2008 auf den Markt gekommene Kamera war die erste einer neuen Geräteklasse: kompakte Kameras mit Spiegelreflex-Extras (recht großer Bildsensor, wechselbare Objektive), aber ohne Spiegel, der den Spiegelreflexkameras den Namen gibt und das durchs Objektiv einfallende Licht zum Sucherbild bündelt. Inzwischen gibt es eine nach demselben Prinzip gebaute, noch kleinere Olympus EP-1.

Panasonic hat dem Nachfolgemodell der G1 eine Funktion verpasst, die man bei dem Ursprungsmodell vermisste: einen brauchbaren Videomodus. Selbst Spiegelreflexkameras wie die Nikon D90 und die Canon 5D Mark II drehen HD-Videos, womit die Hersteller gerne werben. Da die G1 mit ihrem Verzicht auf den Spiegelapparat einem Camcorder weit mehr ähnelt, ist ein Videomodus die logische Erweiterung.

Die neue Lumix GH1 ist allerdings nicht nur eine G1 mit Extra-Option fürs Filmen. Die Konstrukteure haben diese Kamera mehr fürs Filmen umgemodelt als irgendein Modell bisher. Wie wichtig der Videomodus bei der GH1 ist, merkt man schon bei der Bedienung: Sie hat an der Rückseite einen gut sichtbaren und mit dem rechten Daumen leicht zu bedienenden Video-Auslöser. Einmal drücken, schon filmt der Fotoapparat.

Bedienung: meistens logisch

Das ist ein erheblicher Fortschritt gegenüber der D90, bei der Nikon den Videomodus zwar in Anzeigen bewirbt, an der Kamera aber absurd gut versteckt: Hier muss man das Display einschalten, um filmen zu können, und dann die Okay-Taste drücken. Perfekt gelöst ist die GH1-Bedienung allerdings auch nicht - die Taste an der Rückseite löst man allzu leicht unabsichtlich aus.

Unnötig ärgerlich ist der proprietäre USB-Stecker der GH1 - das Endstück für die Kamera ist so merkwürdig geformt, dass man nur das Original-Panasonic-Kabel hineinkriegt, obwohl es andere Kamerahersteller durchaus schaffen, Standard-Mini-USB-Anschlüsse in ähnlich große Kameras zu bauen.

Ausstattung: videotaugliches Objektiv und ein Stereomikro

Die auffälligen Neuerungen bei der GH1 nützen allesamt dem Videomodus: Die Kamera hat an der Oberseite ein eingebautes Stereomikrofon, das mit Einsteiger-Camcordern durchaus mithalten kann. Außerdem hat die GH1 anders als Nikons in HD filmende D90 zum Beispiel einen Eingang für ein externes Mikrofon, was die Einsatzmöglichkeiten erheblich steigert.

Die GH1 wird ausschließlich im Paket mit einem speziellen Zehnfach-Zoomobjektiv verkauft, was den Preis auf beachtliche 1499 Euro (derzeit beim günstigsten deutschen Onlinehändler) steigert. Das Objektiv allein kostet 739 Euro (es lässt sich auch an der G1 und anderen Kameras mit Micro-Fourthirds-Bajonett nutzen). Die Kombination dieses speziellen Zooms mit der GH1 ermöglicht allerdings eine beim Filmen extrem hilfreiche Funktion: kontinuierlicher und leiser Autofokus.

Der Autofokus ist ein echter Vorzug beim Filmen - wer bei Schwenks manuell scharf stellen muss, ist selten schnell genug, da arbeitet ein Autofokus fixer, wie unsere Beispielvideos geübter Filmer zeigen. Ohne Stativ und gute Planung taugt die D90 als Videokamera wenig. Bei der GH1 ist der Autofokus des Objektivs bei den Videoaufnahmen nicht hörbar. Als eine der wenigen Kameras erlaubt es die GH1, beim Videofilmen auch mit Halbautomatik zu arbeiten: Man kann eine feste Blendenöffnung vorgeben.

Ein Problem löst das Objektiv leider nicht - wenn man bei der kleinen, leichten GH1 mit dem Zoomring am Objektiv heranzoomt (eine andere Möglichkeit gibt es mangels Motor nicht), verwackelt das Bild sichtbar. Das lässt sich kaum vermeiden, da man die GH1 nicht anders halten kann als man einen Fotoapparat eben hält. Und die sind dafür konstruiert, vor der Aufnahme zu zoomen. Das geht bei den meisten Camcordern einfacher.

Bildqualität - ordentlich, nicht überragend

Die Qualität der mit der GH1 gefilmten HD-Videos ist beachtlich. Die Fotos sind bei Tageslicht ordentlich. Bei Kunstlicht liegt der Weißabgleich manchmal daneben, und wenn es schummrig ist, braucht der Autofokus bisweilen länger. Bei Nachtaufnahmen liefert die GH1 dank des großen Bildsensors erwartungsgemäß bessere Aufnahmen als Kompaktkameras - wenn man sich allerdings mit einer ISO-Empfindlichkeit von 800 gemachte Aufnahmen in Originalgröße anschaut, fällt in einigen Bildbereichen ein deutlich sichtbares Bildrauschen auf. Fotografieren sollte man mit höheren Empfindlichkeiten nicht - da liefern Spiegelreflexkameras mit ihren noch größeren Bildsensoren bessere Ergebnisse. Da unterscheidet sicht die GH1 kaum von dem Vorgängermodell, obwohl ein anderer Bildsensor verbaut ist.

Fazit - interessant, aber nicht revolutionär

Die GH1 integriert den Videomodus besser als jede Fotokamera bislang. Der leise Autofokus beim Film, die Bedienung, der Mikrofoneingang, die Bildqualität - all das macht die GH1 zur einzigen Zwitter-Kamera bislang. Dafür verlangt Panasonic allerdings einen hohen Preis: 1500 Euro kostet das Paket aus Kamera und Objektiv. Das sind knapp 1000 Euro mehr als die G1 mit Kit-Objektiv (3-fach Zoom) derzeit beim günstigsten deutschen Onlinehändler kostet. Der vergleich ist allerdings etwas unfair: Das mit der GH1 kombinierte Zehnfach-Zoomobjektiv (Einzelpreis 739 Euro) hat eine beachtliche Brennweite (28 - 280 mm KB äquivalent) - mehr als die mit Spiegelreflex-Kameras verkauften Kit-Objektive.

Aber auch das für ein Paketangebot ungewöhnliche Objektiv rechtfertigt den hohen Preis nicht. Natürlich zahlt man für den tatsächlich außergewöhnlich guten Videomodus extra. Ob sich das lohnt, muss sich jeder gut überlegen, der mit der GH1 liebäugelt. Zooms aus der Hand sind dank der Fotokamera-typischen Bauweise kaum sauber möglich. Die GH1 ist beim Filmen trotz aller Fortschritte gegenüber anderen Kameras ein Kompromiss-Gerät. Die Bildqualität der Fotos ist ordentlich, aber nicht überragend - da liefern Spiegelreflexkameras mit ihren größeren Bildsensoren bessere Ergebnisse.

Die GH1 ist eine Kompromiss-Kamera. Die Frage ist, warum Panasonic so eisern an der klassischen Kamera-Bauform festhält. Hier wird ein Videomodus mit viel Aufwand in ein Schema gepresst, dass nicht fürs Filmen entworfen wurde.

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