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Panasonic Lumix GX8 im Test: Erst knipsen, dann schärfen

Von Horst Gottfried

Systemkamera mit Extras: Panasonic Lumix GX8 Fotos
Horst Gottfried

Mit reichlich Rechenleistung und Megapixeln machen neue Digitalkameras Funktionen möglich, die vor Kurzem noch undenkbar waren: Schnappschüsse lassen sich nachträglich scharfstellen.

Möglich werden die neuen Tricks der Panasonic Lumix GX8, weil sie eine sehr hohe Auflösung und viel Rechenleistung bietet. Als erste Micro-Four-Thirds-Systemkamera macht sie nicht nur 20-Megapixel-Fotos, sondern kann auch 4K-Video aufnehmen. Dabei zeichnet sie pro Sekunde 30 Einzelbilder mit je 3328 mal 2496 Pixeln auf, was der Auflösung eines Acht-Megapixel-Fotos entspricht.

Aus einer solchen Serie von 4K-Bildern lässt sich dann genau das eine Bild auswählen vom Höhepunkt der Action oder dem besten Moment des Gruppenfotos, in dem alle die Augen auf haben.

Außerdem speichert die Lumix GX8 solche 4K-Fotoserien im MP4-Format. Die wiederum können am PC mit Video- oder Bildbearbeitungssoftware geöffnet werden, außerdem ist es möglich, Einzelbilder zu extrahieren und als Acht-Megapixel-Fotos abzuspeichern.

Die Qualität der so gewonnenen 4K-Fotos ist beachtlich und reicht nicht nur für den Hausgebrauch. Man kann sie durchaus auch in Fotoqualität im A4-Format oder als ein Poster im Format 30 mal 40 Zentimeter ausdrucken.

Die Action-Funktionen

Mit der Fotofunktion "4K Serien" nimmt die GX8 so lange auf, wie der Finger den Auslöser drückt. Der Modus "4K Serien Start/Stop" startet dagegen die Aufnahme mit dem Drücken des Auslösers und stoppt bei erneutem Druck.

Das ist entspannter, wenn man die Kamera bei der Aufnahme mitschwenken will. Der dritte Modus "4K Pre-Burst" hilft am besten, den entscheidenden Moment nicht zu verpassen. Ist dieser Modus aktiviert, nimmt die Kamera schon auf, bevor der Auslöser gedrückt wird. Beim Auslösen speichert sie dann automatisch 60 Bilder, 30 Bilder aus der Sekunde vor dem Auslösen und 30 danach.

Die neue Schärfefunktion

Mit dem aktuellen Firmware-Update 2.0 kommt außerdem die neue 4K-Fotofunktion "Post-Focus" hinzu. Das kostenlose Update bietet Panasonic nicht nur zur Lumix GX8 an, sondern auch zur Lumix G70 und zur FZ300.

Ist die neue Software installiert, nehmen diese Kameras binnen zwei Sekunden bis zu 49 Bilder mit unterschiedlichen Schärfepunkten auf. Aus diesem Fundus kann man dann das Foto mit der gewünschten Fokussierung auswählen. Das gab es bislang nur bei der Lytro-Lichtfeldkamera.

Beispielaufnahme der Panasonic Lumix GX8: Diesen Bild zeigt deutlich die Möglichkeiten zur Nachfokussierung - wenn auch nicht auf den ersten Blick. In dieser Version des Fotos ist der hintere, weit entfernte Bildbereich scharfgestellt. In der nächsten Version ...

... wurde nachträglich der mittlere Bereich scharfgestellt. die Vitrinen im Hintergrund werden unscharf. Erst bei der dritten Variante erkennt man deutlich, ...

... dass die Aufnahme durch ein Schaufenster gemacht wurde, das wohl mal geputzt werden sollte.

Für Aufnahmen wie diese sind 4K-Fotoserien perfekt geeignet: Erst nachdem man die Serienaufnahme gestartet hat entscheidet man sich, welche der vielen Aufnahmen die beste ist.

Besonders bei sehr kurzen Bewegungen erweist sich die "Per-Burst"-Funktion als nützlich. Sie zeichnet kontinuierlich Serienbilder aus, speichert nach dem Druck auf den Auslöser die 30 zuvor und 30 danach gemachte Bilder ab.

So kann man per "Pre Burst" das Eintauchen eines Zuckerstücks in eine Tasse Kaffee fein dokumentieren.

Eine spezielles Einsatzgebiet der 4K-Fotofunktion: Mit Spezialsoftware wie Helicon Focus lassen sich die unterschiedlich fokussierten Einzelbilder zu einem von vorn bis hinten scharfen Foto kombinieren.

Die Bildauswahl kann direkt in der Lumix-Kamera oder am PC geschehen. In der GX8 reicht es dazu, auf dem schön scharfen OLED-Touchscreen den Punkt anzutippen, auf den das Foto scharfgestellt werden soll. Ein zweites Antippen zur Bestätigung speichert das so nachfokussierte Foto ab. Auch Varianten einer Aufnahme, jeweils mit unterschiedlicher Scharfstellung, lassen sich so sichern.

Der Spielraum des "Post-Focus"-Effekts hängt von der Schärfenverteilung im Bild ab. Bei Weitwinkel-Landschaften mit großer Schärfentiefe von vorn bis hinten gibt es nicht viel nachzufokussieren. Am effektvollsten sind Fotos im Nahbereich und Teleaufnahmen mit in der Tiefe gestaffelten Motivebenen geeignet. Für bewegte Objekte ist die "Post-Focus"-Funktion weniger geeignet.

Fazit

Das Fotografieren mit der knapp 1200 Euro teuren Lumix GX8 ist nicht nur wegen der 4K-Fotofunktionen, die zum Experimentieren animieren, ein Vergnügen. Im Alltag erweist sie sich als gelungenes Gesamtpaket. Das stabile Gehäuse ist spritzwassergeschützt.

Besonders gefallen der schnelle Autofokus, der Bildstabilisator, der ausklappbare OLED-Sucher und der schwenkbare Touchscreen-Monitor. Bei einem Test im Fachblatt ColorFoto wurde die GX8 mit ihren kompakten Objektiven als gute Reisekamera gelobt. Die Bildqualität liegt auf dem Niveau größerer Kameras mit APS-C-Sensor wie der Canon EOS 7D Mark II oder Nikon D7200.

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Die Liga der außergewöhnlichen Kameras
davemciroy 08.12.2015
Erinnert mich an "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen", wo Sean Connery zum Ami sagt, dass das der Unterschied ist. Die einen ballern zig mal drauf und hoffen zu treffen, die anderen machen einen präzisen Schuss. Die Funktionen sind Spielereien, die in nem Handy, oder einer Kompaktkamera Sinn hätten, aber nicht in so was teurem.
2. Na ja. Kann mein Handy auch.
olicrom 08.12.2015
Nicht mit 4K. Aber Serien schießen und nachträglich schärfen tut es immerhin. Dazu Zeitraffervideos und Panoramafoto. Für 250 Euro.
3. na dann...
soistrecht 08.12.2015
was für eine spielerei... aber besonders viel spass macht es dann wohl jeden einzelnen schnappschuss (der streng genommen dann ja eigentlich keiner mehr ist) aus 60 bildern auszusortieren... was für eine datenflut - na ja, jeder wie er mag..
4. Leica-Panasonic, das nächste Modell kommt bestimmt!
f36md2 08.12.2015
Interessante Kamera, ich vermute einmal, diese Kamera übernimmt komplett bei nächster Gelegenheit ein deutsches Fotounternehmen aus Wetzlar, lässt den Schriftzug Panasonic entfernen und schreibt groß Leica `drauf. Auch das japanische Objektiv erhält dann eine Leica-Bezeichnung. Der Käufer soll es nicht merken. Die japanische Leica-Variante kostet dann einen deutlichen Aufpreis!
5. Bildqualität
Mehrleser 08.12.2015
"Die Bildqualität liegt auf dem Niveau größerer Kameras mit APS-C-Sensor wie der Canon EOS 7D Mark II oder Nikon D7200." - aber nicht, wenn man die im Artikel hochgelobte 4K-IrgendeinBildwirdschonpassen-Funktion verwendet.
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