Von Matthias Kremp
Jetzt steigt auch Panasonic wieder ins Smartphone-Geschäft ein. Erst vor wenigen Monaten hatte Konkurrent Sharp sich mit dem 3-D-Handy Aquos Phone zurückgemeldet. Jetzt folgt Panasonic mit einem Android-Handy, das sich technisch unauffällig gibt, dafür umso mehr mit edlem Design punkten kann und gleich die Marschrichtung des japanischen Konzerns vorgibt: Im Highend-Segment will Panasonic sich profilieren, sich nicht in der Mittelklasse oder gar im Billig-Bereich verlieren.
Samsung und Apple, derzeit Marktführer bei Smartphones, müssten sich also keine Sorgen machen, sagte Panasonic-CEO Laurent Abadie SPIEGEL ONLINE. Mit seinen Smartphones will der Konzern nicht die Marktführer angreifen, sondern mitschwimmen. In den nächsten zwölf Monaten, so Abadie, wolle er 1,5 Millionen Android-Smartphones absetzen, bis 2015 sollen es 15 Millionen sein. Das sind bescheidene Ziele, verglichen mit dem, was die Konkurrenz absetzt. Apple etwa meldete allein für das letzte Quartal 2011 mehr als 37 Millionen verkaufte iPhones.
Dabei kann das Eluga genannte Panasonic-Handy in mancherlei Hinsicht mit dem aktuellen iPhone - und vor allem mit der Masse der Android-Handys - mithalten, zumindest was das Design angeht. 4,3 Zoll misst der tiefschwarze OLED-Bildschirm, der 960 x 540 Bildpunkte anzeigt. Trotzdem ist das Eluga nur wenig größer als ein iPhone 4S, was am äußerst dünnen Rahmen liegt. Rund 70 Prozent der Frontseite würden vom Display eingenommen, sagt Abadie.
Technisch keine Überraschungen
Und es ist schlank, nur 7,8 Millimeter dünn. Neben ein iPhone 4S gelegt, ist es exakt um die Dicke des iPhone-Deckglases dünner als das Apple-Handy. Weil sein Korpus sich aber nach hinten verjüngt, fühlt es sich noch dünner an. Und es ist leicht. Nur 103 Gramm wiegt es, inklusive seines fest verbauten Akkus, und hat wegen seiner samtig aufgerauten Kunststoffrückseite echte Handschmeichler-Qualitäten. Ein Handy, das man gerne in der Hand hält, mit dem man sich gerne zeigen mag.
Technisch allerdings hält es wenig Aufregendes bereit. Der integrierte Chip für die Kurzstreckenfunktechnik NFC ist da noch ein Highlight. Er soll unter anderem genutzt werden, um Daten mit anderen Handys oder etwa Fotos mit Panasonics Lumix-Kameras auszutauschen. Für eigene Schnappschüsse ist eine 8-Megapixel-Kamera eingebaut, die einen guten Eindruck macht. Endgültig ließ sich ihre Bildqualität in der Kürze der Zeit nicht beurteilen. Eine Frontkamera für Bildtelefonate fehlt.
Ebenso gibt es keinen Steckplatz für Speicherkarten. Wer ein Eluga kauft, muss sich mit den eingebauten acht Gigabyte begnügen. Der Omap 4 Dualcore-Prozessor von Texas Instruments hingegen zeigte im kurzen Test keine Schwächen, bewegte Web-Seiten ebenso wie Videos mühelos über den Bildschirm.
Außen zierlich, innen hart
Und Schwächen erlaubt sich Panasonics Smartphone trotz seiner fragilen Anmutung auch der Umwelt gegenüber nicht. Bei der Konstruktion haben die Handy-Entwickler einige Anleihen bei Panasonics Outdoor-Notebooks der Toughbook-Serie gemacht. Abadie verspricht, das Handy würde mühelos ein halbstündiges Tauchbad in einem Meter Wassertiefe überstehen. Staub und Sand, die trockenen Feinde empfindlicher Elektronik, soll das hermetisch abgedichtete Gehäuse konsequent draußen halten.
Aber solche Szenarien entsprechen nicht der typischen Eluga-Nutzung, wie Abadie sie sich vorstellt. Für ihn soll das Handy das Zentrum eines "Smart Home" sein, die Steuerzentrale für sämtliche Hauselektronik, nicht nur den Fernseher. Möglich machen will Panasonic das nach und nach über eigene Android-Apps, die man exklusiv von der Panasonic-Website und nicht aus dem Android Market laden soll. Ein paar dieser Apps waren auf dem Vorseriengerät bereits installiert. Etwa eine Eco-App, mit der man das Handy auf Energiesparen trimmen kann, eine DLNA-App zum Austausch von Multimediadaten mit Unterhaltungselektronik und eine App zum Datenaustausch per NFC.
Dabei sein ist alles
Ab dem 1. April soll das Eluga, dessen Name nichts mit Beluga-Kaviar zu tun hat, sondern aus den Begriffen "Elegant Design", "User friendly" und "Gateway" abgeleitet worden sein soll, in den Handel kommen. Exklusivbindungen an bestimmte Provider wird es nicht geben, wer es verkaufen will, kann das auch tun, mit oder ohne Subvention. Ohne Vertrag allerdings wird es kein Schnäppchen sein. 400 bis 450 Euro, so Abadie, werde Panasonics neues Handy kosten.
Und das, betont er gern, soll erst der Anfang sein. Im Laufe des Jahres werden weitere Mobilgeräte von Panasonic erscheinen und keines davon soll schlechter ausgestattet sein als das Eluga - eher im Gegenteil, das Portfolio soll weiter in Richtung Oberklasse erweitert werden. Ob auch Tablets darunter sein werden, mag der Panasonic-Chef nicht verraten. Er weist lieber darauf hin, dass die Grenze zwischen den beiden Gerätegattungen angesichts immer größerer Handy-Displays zusehends verschwinde. Googles für Tablets und Smartphones vereinheitlichtes Betriebssystem Android 4.0 mag daran auch Anteil haben.
Panasonic jedenfalls, so lässt es Abadie erscheinen, ist gekommen, um zu bleiben. Das Engagement im Mobilfunksektor sei ein wichtiges strategisches Projekt, sagt er. Dass es Gewinne abwirft, scheint dabei nicht oberste Priorität zu haben. Zumindest noch nicht.
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