Zum Tod von Paul Allen Dieser Mann war Rock'n'Roll

Er stieg früh aus, wurde mit Microsoft aber trotzdem zum Milliardär. Sein Geld steckte Paul Allen in allerlei skurrile Projekte. Ein Rückblick auf das bewegte Leben eines ungewöhnlichen Unternehmers.

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Der Krebs, der ihn 1983 zum Ausstieg aus jener Firma zwang, die er zusammen mit Bill Gates gegründet hatte, hat ihn zuletzt doch besiegt. 35 Jahre lang kämpfte Microsoft-Mitgründer Paul Allen immer wieder gegen die Krankheit. Am Montag dann verstarb Allen nach Komplikationen im Zuge einer Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung. Er wurde 65 Jahre alt.

Ohne Allen gäbe es heute keine Personal Computer, schrieb Bill Gates in einer Stellungnahme zum Tode seines Jugendfreundes. Übertrieben hat er damit nicht.

Zumindest PCs, so wie wir sie heute kennen, meist mit Windows-Betriebssystem, würde es ohne den Computerpionier wohl nicht geben.

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Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 10

Bill Gates und Paul Allen hatten sich auf der noblen Lakeside-Privatschule kennengelernt. Sie teilten einen damals noch seltenen Enthusiasmus für Computer, der sie später ein Leben lang verbinden sollte. Nach dem Schulabschluss gingen die beiden zum Studieren auf unterschiedliche Hochschulen. Doch Allen brach sein Studium ab, wollte lieber Software schreiben. Seine Begeisterung für die damals neue Technik ging so weit, dass er Bill Gates überredete, es ihm nachzutun. Die beiden gründeten Microsoft.

Microsofts erste Mannschaft. Paul Allen ist rechts unten mit Bart zu sehen.
Microsoft

Microsofts erste Mannschaft. Paul Allen ist rechts unten mit Bart zu sehen.

Der Rest ist Geschichte: Die gemeinsame Firma kaufte günstig das Betriebssystem 86-DOS, baute es ein wenig um und lizenzierte es als MS-DOS an IBM. Die damit bestückten PCs wurden ein Riesenerfolg, MS-DOS die Grundlage für die ersten Windows-Versionen. Allen und Gates hatten eine Geldmaschine geschaffen, die bis heute läuft.

In seiner 2011 erschienenen Autobiografie "Idea Man" beschreibt Allen unter anderem, dass der Name Microsoft seine Idee gewesen sei. Das sei naheliegend gewesen, schließlich habe man Software für kleine Computer entwickeln wollen. Die meisten Rechner waren zu jener Zeit noch raumfüllende Multiuser-Monster, den Begriff Personal Computer gab es nicht.

Auch der Gedanke, dem PC eine Maus mit zwei Knöpfen zur Seite zu stellen, gehe auf ihn zurück, schreibt er dort. Apple hatte sich damals die Idee einer Computermaus von Xerox Lab abgeschaut, wo ein Modell mit drei Tasten im Einsatz war. Apples Variante aber war auf eine Taste reduziert. Da lag es wohl nahe, Microsofts Variante dazwischen zu positionieren.

Microsoft-Maus von 1983
Microsoft

Microsoft-Maus von 1983

Auch, weshalb er die noch junge Firma damals trotzdem verlassen wollte, erklärte Allen in seinem Buch. Schon 1982 hatte er Bill Gates diesen Schritt in einem Brief angekündigt. Über Jahre habe der Streit um Produkt- und Personalentscheidungen die beiden Freunde immer weiter voneinander entfernt und ihre "Fähigkeit zusammenzuarbeiten stückweise zerstört". Wenig später wurde bei ihm ein Tumor im Lymphsystem entdeckt.

Kurz darauf stieg Paul Allen tatsächlich bei Microsoft aus. Seine Anteile an der Firma aber behielt er - und das machte ihn reich. Das Finanznachrichtenportal "Bloomberg" taxierte sein Vermögen zuletzt auf 26,1 Milliarden Dollar, umgerechnet 22,5 Milliarden Euro. Geld, das er ebenso gern für seinen persönlichen Luxus ausgab wie für wohltätige Zwecke.

Allens Jacht "Octopus"
Getty Images

Allens Jacht "Octopus"

Bekannt wurde er unter anderem wegen seiner Superjacht "Octopus", einem 126 Meter langen Schiff, das neben Beiboot und Jetskis auch ein Achtpersonen-U-Boot mit sich führt. Doch nicht einmal das besaß er nur zum Spaß. 2015 suchte und fand er mit der Jacht das Wrack der "Musashi", ein 1944 vor den Philippinen gesunkenes Schlachtschiff. Im selben Jahr half die Jacht bei der Bergung der Schiffsglocke des britischen Weltkriegs-Schlachtkreuzers "HMS Hood".

Mit dem vielen Geld erfüllte sich Paul Allen auch lang gehegte Träume. So förderte der Science-Fiction-Fan das Projekt SETI, das nach außerirdischem Leben sucht, indem er den Bau eines sogenannten Radiointerferometers, bestehend aus 350 Teleskopen, finanziell unterstützte. Anfang des Jahrtausends investierte er Millionen in die Entwicklung des Raumschiffs "Space Ship One", das 2004 erstmals erfolgreich die Schwelle zum Weltall überwand. Zu seinen eher irdischen Investments gehörten die Basketballmannschaft Portland Trail Blazers und die Footballmannschaft Seattle Seahawks.

Nach Paul Allen benanntes Allen Telescope Array
REUTERS

Nach Paul Allen benanntes Allen Telescope Array

Fast nebenbei aber hat Paul Allen mehr als zwei Milliarden Dollar für gemeinnützige Organisationen gespendet. Eines seiner jüngsten Projekte ist der Bau eines Hauses mit 94 Wohnungen für einkommensschwache Familien und Wohnungslose in Seattle. 46 Millionen Dollar soll die Anlage kosten, die überwiegend aus Allens Vermögen finanziert wird.

Dieses Vermögen allerdings könnte sich bald drastisch verkleinern. Paul Allen hat sich schon vor Jahren der Kampagne von Bill Gates und Warren Buffett angeschlossen und versprochen, die Hälfte seines Vermögens zu spenden.

Paul Allen zertrümmert bei der Einweihung des Experience Music Project eine Gitarre aus Glas.
AFP

Paul Allen zertrümmert bei der Einweihung des Experience Music Project eine Gitarre aus Glas.

Rund 200 Millionen hat der begeisterte Sammler allerdings schon vor Jahren in eines seiner Lieblingsprojekte gesteckt, das Museum of Pop Culture, dass er im Jahr 2000 als Experience Music Project in Seattle errichtete. Ursprünglich als eine Art Rock'n'Roll-Museum geplant, sind dort mittlerweile auch Ausstellungen über Videogames, Comichelden und Grunge-Bands zu sehen.

Dem gar nicht untalentierten Hobbygitarristen dürfte das nur recht gewesen sein:

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
margei 16.10.2018
1. Fyi
HMS Hood war ein Schlachtkreuzer der britischen Marine der 1941 versenkt wurde. Sogar Wikipedia steht das Paul Allen beim bergen der Glocke geholfen hatte. https://de.wikipedia.org/wiki/HMS_Hood_(51) Also die These vom Flugzeugträger kann man so nicht halten. ;)
@TheRealJogi 16.10.2018
2. Kleine historische Richtigstellung
Die HMS Hood war kein Flugzeugträger, sondern ein britischer Schlachtkreuzer, gebaut während des ersten Weltkriegs, jedoch erst im zweiten Weltkrieg zum Einsatz gekommen. Das Schiff wurde 1941 in der Dänemarkstraße vom deutschen Schlachtschiff Bismarck spektakulär versenkt. Dort scheint demnach auch der Fundort der Schiffsglocke zu liegen.
furanku 16.10.2018
3. De mortuis nisi nihil bene
De mortuis nisi nihil bene, aber ich glaube nicht, dass Microsoft die IT weitergebracht hat. Im Gegenteil, ich würde schätzen, dass MS-DOS und Windows die Entwicklung eher um 5-10 Jahre verzögert haben. Aber ich glaube auch nicht, dass man Paul Allen dafür verantwortlich machen kann. Im Gegenteil, das war noch einer der "Guten" bei MS.
Matthias Kremp (SPON-Redakteur) 16.10.2018
4.
Zitat von margeiHMS Hood war ein Schlachtkreuzer der britischen Marine der 1941 versenkt wurde. Sogar Wikipedia steht das Paul Allen beim bergen der Glocke geholfen hatte. https://de.wikipedia.org/wiki/HMS_Hood_(51) Also die These vom Flugzeugträger kann man so nicht halten. ;)
Danke für den Hinweis. Stimmt und ist korrigiert. Ich habe das offenbar mit der Ark Royal verwechselt. Sorry.
schmuella 16.10.2018
5. Windows vs. UNIX
Wahrscheinlich wäre es segensreicher für die PC-Welt gewesen, wenn sich UNIX bzw. Linux durchgesetzt hätten. Überhaupt sollten wichtige Dinge wie Betriebssysteme, Suchmaschinen, Programmiersprachen etc. open source sein und niemanden bzw. allen gehören.
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