Lichtsteuerung per App: W-Lan-Lampen machen die Wohnung bunt

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Die Heimvernetzung treibt seltsame Blüten. Jetzt soll man per Smartphone-App die Beleuchtung im Haus steuern, Farbe und Farbtemperatur jeder Lampe regeln und Lichtstimmungen erzeugen. Wir haben ausprobiert, ob das Spaß macht oder eher erschreckend ist.

Philips hue: So bunt leuchten die W-Lan-Lampen Fotos
Matthias Kremp

Darf es auch mal was anderes sein? Was die Wohnungsbeleuchtung angeht, ist man ja meist auf das angewiesen, was man einmal eingerichtet hat. In der Regel stecken in den Fassungen unserer Lampen weiße Leuchtkörper. Mal in Form von Glühlampen, mal als Energiesparlampe, als Neoröhre oder LED-Spot. Zum Einschalten drücken wir auf Taster in der Wand oder Schalter an den Lampen. Jedenfalls haben wir das bisher so gemacht.

Der Elektronikkonzern Philips will das ändern. Statt auf einen Lichtschalter sollen wir künftig aufs iPhone tippen, um Räume zu erleuchten. Und die sollen nicht in schlichtem Weiß erstrahlen, sondern knallbunt - oder in dezentem Beige - ganz wie man es gerade mag und wie es passt. Möglich machen sollen das neue LED-Lampen, die per W-Lan vernetzt und mit Hilfe einer App gesteuert werden können. Hue nennt der niederländische Konzern diese neue Technik und verkauft das Starterpaket mit drei Lampen und W-Lan-Steuergerät exklusiv über Apple Stores. Zumindest theoretisch. In Apples deutschem Onlineshop wird die Lieferbarkeit derzeit mit "ab März" angegeben.

Reindrehen, einstecken, fertig

Die Installation ist so einfach wie ich es mir von jedem Produkt im Heimnetzwerk wünsche. Zuerst gilt es, die drei LED-Lampen aus dem Starterpaket in die Hausbeleuchtung zu integrieren. Also raus mit den alten Glühlampen, rein mit den Philips-Leuchten. Die sind ungewöhnlich schwer, was an der integrierten W-Lan-Technik liegen dürfte. Sie passen in jede Fassung vom Typ E26 oder E27 (das sind die großen).

Danach verbindet man die Smartbridge, quasi das Steuergerät der Lampen, per Kabel mit seinem Netzwerk, stöpselt es also in DSL-Modem, Router oder Switch ein, je nachdem was man hat. Mehr ist nicht nötig, um das System zum Laufen zu bringen. Es sind weder Netzwerkeinstellungen vorzunehmen noch Kabel zu verlegen. Die W-Lan-Lampen konfigurieren und vernetzen sich selbst. An der Smartbridge befindet sich ein Knopf, den man drücken muss, um ein iOS-Gerät damit zu verbinden. Der Spaß beginnt erst, wenn man die kostenlose Philips-hue-App auf einem beliebigen iOS-Gerät installiert. Das Handy oder Tablet erkennt dann automatisch, wie viele hue-Lampen man installiert hat.

Teurer Spaß

Was man dann sieht, wenn man zum ersten Mal den Lichtschalter drückt, ist ernüchternd: weißes Licht. Und das ist auch gut so. So lange sie nicht aktiv gesteuert werden, arbeiten die hue-Lampen in einem Standardmodus, der nichts anderes tut, als helles weißes Licht zu erzeugen. Zusätzlich zu den drei Lampen im Starterpack lassen sich bis zu 50 weitere zu einem regelrechten Lampen-Netzwerk verweben. Ganz billig würde das freilich nicht. Schon das Starterpaket kostet 200 Euro, pro Zusatzlampe werden weitere 60 Euro fällig.

Der Lohn einer solchen Investition ist dreierlei: Zum einen spart man Energie, wo bisher noch Glühlampen leuchteten. Unter Volllast verbraucht jede der Philips-Lampen nur 8,5 Watt, erzeugt dabei eine Helligkeit von 600 Lumen, was laut Hersteller einer 50-Watt-Glühlampe entspricht.

Zum anderen kann man Räume oder gleich das ganze Haus mit den Philips-Lampen nach Belieben farbig beleuchten und dabei auf die jeweilige Nutzung des Raums eingehen. Vordefiniert sind beispielsweise Einstellungen zum Lesen, zum konzentrierten Arbeiten und entspannen. Sie alle erzeugen im Grunde weißes Licht, nur von unterschiedlicher Helligkeit und Farbtemperatur.

Villa Kunterbunt

Ebenso kann man aber auch dezent oder kräftig eingefärbte Lichtstimmungen einschalten. Vorgefertigt liegen diverse vor, die mal an die Tiefsee erinnern sollen, mal an die griechische Inselwelt und mal an grüne Wälder. Genauso gut kann man aber auch selber an den Reglern der iPhone-App spielen, jeder Lampe eigene Farbwerte zuordnen und die Wohnung in einem großen Farbmalkasten verwandeln.

Philips bewirbt zudem die Möglichkeit, Fotos als Farbvorlage zu nehmen. Allzu viel sollte man davon nicht erwarten. Es lassen sich lediglich Bildpunkte auswählen, deren Farbton eine Lampe übernehmen soll. Schade. Schöner wäre es, wenn die App die Farbigkeit des Bildes analysieren würde, um daraus eine neue Farbstimmung zu erzeugen. Etwa so wie es die Ambilight-Lichtleisten an Philips-Fernsehern tun.

Gleich kommt der Bus

Der Selbstversuch mit den Philips-Lampen hat allerdings gezeigt, dass man vorsichtig mit diesen Möglichkeiten umgehen sollte. Die wirklich knalligen Farbtöne eigenen sich in erster Linie dazu, wenig genutzte Räume zu illuminieren. Dort wo man sich länger aufhält, ist es ratsam, sich eher auf Pastellfarben zu beschränken. Gut aussehen kann das auf jeden Fall. In flexibel genutzten Räumen, in denen man mal am Notebook arbeitet, mal zu Abend isst und mal fernsieht, spielen die hue-Lampen ihre Stärken vor allem dadurch aus, dass sie Lichttemperatur und Helligkeit variieren können.

Darüber hinaus, und das ist der dritte Lohn der Investition, kann man sie auch zeitgesteuert aktivieren, beispielsweise als Lichtwecker nutzen oder beim morgendlichen Frühstück die Lampe über dem Esstisch einfärben, um darauf hinzuweisen, dass in wenigen Minuten der Schulbus kommt. Das funktioniert auch, wenn man selbst nicht im Haus ist. Auf diese Weise lassen sich Lampen beliebig an- und abschalten, um etwa während einer Reise nach außen Aktivität vorzutäuschen.

Reicht Ihnen Weiß?

Die Philips hue sind keine normalen Lampen, im Grunde sind sie kleine W-Lan-Computer, die nebenbei auch noch leuchten. Dabei sind sie so einfach zu bedienen, dass sie keineswegs nur ein Nerd-Spielzeug sind. Anders als Glühlampen werden sie es trotzdem schwer haben, zum Massenprodukt zu werden. Zum einen, weil sie derzeit nur von Apple-Geräten aus steuerbar sind, zum anderen, weil sie so teuer sind. Würde es 100 Euro kosten, könnte man das Starterset noch fast als Mitnahmeartikel bezeichnen, bei 200 Euro werden viele potentielle Käufer sich eher abwenden. Für das Geld könnte man schließlich auch zehn nicht vernetzte LED-Lampen oder gar rund 200 Glühlampen kaufen.

Aber die machen eben immer nur das gleiche, weiße Licht.

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insgesamt 94 Beiträge
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1. .......
janne2109 10.11.2012
wie gruselig, ich möchte weiterhin den Schalter an der Wand betätigen und mir nicht das Telefon um den Hals hängen müssen. Demnächst geht auch die Klospülung nur noch per App?
2.
kuntzef 10.11.2012
Na, da hat ja mal wieder jemand sehr schlampig recherchiert. https://play.google.com/store/apps/details?id=com.philips.lighting.hue Das Philips Hue app gibts auch fuer den Android.
3. Wunderbar,
eisbaerchen 10.11.2012
Zitat von sysopMatthias Kremp Die Heimvernetzung treibt seltsame Blüten. Jetzt soll man per Smartphone-App die Beleuchtung im Haus steuern, Farbe und Farbtemperatur jeder Lampe regeln und Lichtstimmungen erzeugen. Wir haben ausprobiert, ob das Spaß macht oder eher erschreckend ist. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/philips-hue-im-test-a-866064.html
die richtiger Beleuchtung ist viel wichtiger als viele denken für das Wohlfühlklima im Haus/Wohnung, gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit. Für jemanden wie ich, der sich viel mit Lichttechnik und Beleuchtung beschäftigt ist das ein toller Ansatz. Bisher gab es ja nur die übers Internet steuerbaren Steckerleisten, die es erlaubten ferngesteuert zu schalten, aber keine Veränderung der Beleuchtung zulassen. Philips ist da schon oft vorne weg gegangen, ich hoffe sowas setzt sich durch. Alleine schon die Veränderung der Farbtemperatur bei LED Lampen beim Dimmen (entspricht dann eher dem normalen Glühlampenverhalten) ist ein enormer Fortschritt Einzig der Preis ist ein Wermutstropfen (zum Ausprobieren zu teuer...).
4. Wlan ist die falsche Technologie!
dmjr 10.11.2012
Der Stromverbrauch von WLAN ist einfach zu hoch. Und solange es dafür keine Lichtschalter gibt die ebenfalls via Funk arbeiten kann man sich die Verkabelung nicht sparen. Nur das würde die hohen Investitionskosten rechtfertigen.
5. Akku?
mela8 10.11.2012
Zitat von sysopMatthias Kremp Die Heimvernetzung treibt seltsame Blüten. Jetzt soll man per Smartphone-App die Beleuchtung im Haus steuern, Farbe und Farbtemperatur jeder Lampe regeln und Lichtstimmungen erzeugen. Wir haben ausprobiert, ob das Spaß macht oder eher erschreckend ist. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/philips-hue-im-test-a-866064.html
Und was macht man, wenn der Akku des Phones leer ist? Bei Dunkelheit darüber nachdenken, dass früher die alten Schalter doch einfacher und zuverlässiger waren?
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