Kompaktkameras auf der Photokina Evolution statt Revolution

Hersteller von Fotoapparaten haben es derzeit nicht leicht. Vor allem in der Kompaktklasse nehmen ihnen Smartphones Käufer weg. Neue Technik und ein alter Look sollen das ändern.

Von Horst Gottfried

Ein Model mit Kamera auf der Photokina: Kampf gegen Smartphones
DPA

Ein Model mit Kamera auf der Photokina: Kampf gegen Smartphones


Die Kameraindustrie wehrt sich. Auf der diesjährigen Photokina, die vom 16. bis zum 21. September in Köln stattfindet, versucht die Branche, sich gegen die Flut der Smartphones zu behaupten. Ihre Argumente: Die neuen Kameras sollen mehr Bildqualität und fotografische Vielseitigkeit bieten, trotzdem einfach und schnell bedienbar sein.

Das Mittel der Wahl sind größere Bildsensoren und Pixel als zuvor. Sie versprechen mehr Bildqualität. Schnellere Bildprozessoren sollen die Reaktionszeiten verkürzen, so dass man keinen Schnappschuss verpasst. Lichtstarke Objektive sollen bessere Aufnahmen bei wenig Licht ermöglichen.

Immer beliebter wird der Retro-Look. Damit einher geht eine Renaissance von Rädern, Hebeln und Tasten statt verschachtelter Menüs. Das sorgt - wie immer öfter auch Touchscreen-Monitore - für schnelle, komfortable Handhabung. Immer mehr Kameras sind mit W-Lan ausgestattet. Einige können Videos in 4K-Auflösung aufnehmen, aus denen sich Einzelbilder als 8-Megapixel-Fotos speichern lassen.

Diese Trends ziehen sich durch alle Kameraklassen. Heute zeigen wir Ihnen die wichtigsten Neuheiten im Bereich der Kompakten im Westentaschenformat.

Retro-Design: Fujifilm X30 und X100T

Retro in schick: Fujifilm X30
Fujifilm

Retro in schick: Fujifilm X30

Fujis neue Kompaktkameras X30 und X100T arbeiten mit den von vielen Fotografen wegen ihrer Farbwiedergabe und Rauscharmut geschätzten X-Trans-CMOS-II-Sensoren. Wichtigste Neuerung der kleinen X30 ist ein hochauflösender elektronischer Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten, der als Alternative zum klappbaren LCD-Monitor mit doppelt so hoher Auflösung dient. Ein zusätzlicher Steuerring am Objektiv soll die Bedienung erleichtern, ein größerer Akku die Ausdauer verbessern. Der 2/3 Zoll-Sensor mit 12-Megapixel-Auflösung und das lichtstarke 2,0-2,8/28-112-Millimeter-Zoomobjektiv bleiben unverändert.

Das Highlight der X100T ist ihr Hybrid-Sucher. Er zeigt ein optisches Sucherbild mit überlagerten elektronischen Informationen und manueller Fokussierhilfe. Der LCD-Monitor ist drei Zoll groß und hat 1,04 Millionen Bildpunkte. Die kürzeste Belichtungszeit ist jetzt 1/32000 Sekunde. Der Sensor im APS-C-Format hat 16 Megapixel.

Retro mit Hybrid-Sucher: Fujifilm X-100T
Fujifilm

Retro mit Hybrid-Sucher: Fujifilm X-100T

Beide X-Modelle sind mit schnellem Hybrid-Autofokus ausgestattet. Neu ist bei ihnen der Filmsimulationsmodus "Classic Chrome", der den digitalen Bildern eine Art klassischen Dia-Look verleihen soll. Die X30 soll ab Oktober für 550 Euro zu haben sein, die X100T ab November für 1200 Euro.

Gut bei wenig Licht - Panasonic Lumix LX100

Nutzt nur drei Viertel des Sensors aus: Panasonic Lumix LX100
Panasonic

Nutzt nur drei Viertel des Sensors aus: Panasonic Lumix LX100

Panasonic setzt auch bei den Kompakten immer mehr auf große Sensoren. So kommt das 115 x 66 x 55 Millimeter kleine Top-Modell Lumix LX100 jetzt mit einem Sensor, wie er sonst in Micro-Four-Thirds-Systemkameras zu finden ist. Das lichtstarke Leica-Zoomobjektiv 1,7-2,8 mit Brennweiten von 24 bis 75 Millimeter und Bildstabilisator vergrößert den Spielraum bei wenig Licht.

Die LX100 nutzt nur zwölf der 16 Megapixel des Sensors. Dadurch bleibt am Rand genügend Platz, um unabhängig vom gewählten Seitenverhältnis - 4:3, 3:2 oder 16:9 - jeweils den vollen Weitwinkel ohne Beschnitt nutzen zu können.

Weitere Highlights sind der große elektronische Sucher mit 2,8 Millionen Bildpunkten und der schnelle Autofokus. Er arbeitet nach einem neuen Verfahren, das Panasonic DFD nennt. Er errechnet aus zwei unterschiedlich fokussierten Bildern die richtige Entfernungseinstellung. Die FX100 kommt im Oktober, der Preis ist noch offen.

Kamera mit Android - Panasonic SmartCamera CM1

Smartphone und Fotoapparat in einem: Panasonic SmartCamera CM1
Panasonic

Smartphone und Fotoapparat in einem: Panasonic SmartCamera CM1

Was aussieht wie ein Smartphone, ist die erste Kamera in diesem Format mit einem 1-Zoll-Sensor. Es ist der gleiche wie im Superzoom-Topmodell FZ1000. Der 133 x 68 x 15 Millimeter kleine Kamera-Smartphone-Zwitter kommt mit 2,8/28 Millimeter Leica-Optik, riesigem 4,7-Zoll-Display und Android 4.4-Betriebssystem.

Die CM1 bietet automatische und manuelle Belichtungseinstellungen per drehbarem Objektivring und Quick-Menü, kann Fotos als RAW-Daten speichern und macht Videos in 4K-Auflösung. W-Lan, NFC, Bluetooth und GPS sind auch an Bord, ebenso wie ein Telefonmodul. Der interne Speicher ist 16 GB groß.

Im November soll die CM1 in den Handel kommen.

Fotosensor wie ein Farbfilm - Sigma DP1 Quattro

Die DP1 Quattro mit 2,8/19-Millimeter-Weitwinkeloptik (28-Millimeter-Kleinbildäquivalent) ist Sigmas zweites Modell mit dem neuen Foveon Drei-Schichten-Sensor. Die neue Generation dieses Sensors im APS-C-Format bietet eine maximale Auflösung von 29 Megapixel (5424 x 3616).

Der X3 genannte Sensor arbeitet im Prinzip ähnlich wie früher der Film mit je einer rot-, grün- und blauempfindlichen Schicht. So kann er - anders als übliche Sensoren mit ihrer RGB-Maske - zu jedem Pixel die vollständige Farb- und Helligkeitsinformation liefern. Neben der hohen Auflösung verspricht Sigma damit besonders exakte Tonwertabstufungen und naturgetreue Farben.

Sigma DP1 Quattro: Zu jedem Pixel Farb- und Helligkeitsinformationen
Sigma

Sigma DP1 Quattro: Zu jedem Pixel Farb- und Helligkeitsinformationen

Bei Tests der schon lieferbaren DP2 Quattro mit 2,8/30-Millimeter-Standardoptik (45-Millimeter-Kleinbildäquivalent) konnte der Sensor vor allem bei Aufnahmen im RAW-Format und bei ISO 100 überzeugen. Bei JPEG-Formaten und höheren Empfindlichkeiten gelang ihm das weniger. Einen Preis für die DP1 Quattro nannte Sigma noch nicht.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
yaba 16.09.2014
1. Irreführung von Panasonic
"Die LX100 nutzt nur zwölf der 16 Megapixel des Sensors. Dadurch bleibt am Rand genügend Platz, um unabhängig vom gewählten Seitenverhältnis - 4:3, 3:2 oder 16:9 - jeweils den vollen*Weitwinkelohne Beschnitt nutzen zu können." "ohne Beschnitt"? Das heisst doch eher, dass die Panasonic immer beschneidet um am Rand Reserven zu haben. Diese Kamera dann als MFT Sensor anzupreisen ist Irreführung.
georg69 16.09.2014
2. E-pl7
Die Kamera im Aufmacherbild ist gar keine Kompaktkamera, sondern die neue Pen Systemkamera E-PL7 von Olympus. :-)
lightstorm66 16.09.2014
3. Revolution
Spiegel Online hat wohl die Revolution anscheinend übersehen und zwar die Samsung NX1 mit 28 Megapixeln auf dem bislang ersten BSI-CMOS im APS-C-Format.
Palisander 16.09.2014
4. Wie fast bei allen Trends
ist die Industrie mal wieder gefühlte 5 Jahre zu spät. Als ich 2009 nach einer vernünftigen Kamera in Retrooptik suchte, damals war die Iphone Camera einfach ungenügend, gab es nur wenige bis keine Modelle. Eigentlich kamen nur Leica und Panasonic in Frage. Heute gibt es die Retrooptik an allen Ecken und Enden und mein Telefon macht doch die besseren Bilder. Jedenfalls für das was ich so wegknipse. Überflüssiger und viel zu später Artikel.
yaba 16.09.2014
5.
Zitat von lightstorm66Spiegel Online hat wohl die Revolution anscheinend übersehen und zwar die Samsung NX1 mit 28 Megapixeln auf dem bislang ersten BSI-CMOS im APS-C-Format.
Hm, als Kompaktkamera würde ich die NX1 nicht gerade bezeichnen.
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