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Polizeitechnik Spot an, Kamera läuft

Im Fußball wird seit Jahren über die Einführung des Videobeweises diskutiert. Im wahren Leben könnte er Wirklichkeit werden. Erste US-Polizisten sollen nun mit Kopf-Kameras ausgerüstet werden. Hergestellt werden sie von der Firma, die auch die umstrittenen Taser produziert.


Am Abend des 3. März 1991 stellten Polizisten in Los Angeles nach wilder Verfolgungsjagd einen offenbar angetrunkenen Fahrer. Doch die Festnahme eskalierte: Erst gab es ein Handgemenge, dann eine Prügelorgie mit Schlagstock. Mehr als 50-mal schlugen die Polizisten auf Rodney King ein, was man im Prozess nachzählen konnte: Der Vorfall war von einem Unbeteiligten mit einer Videokamera gefilmt worden. Als die Polizisten trotzdem freigesprochen wurden, kam es zu schweren Unruhen, mindestens 53 Menschen wurden dabei getötet, der Sachschaden belief sich auf rund eine Milliarde Dollar.

Der Fall ist längst Legende, der Videobeweis im Alltag von und vor allem gegen Polizisten Standard: Anders als 1991 ist es heute nichts Ungewöhnliches mehr, dass Passanten eine Videokamera griffbereit haben. Denn in fast jedes Handy ist eine Kamera integriert. So landen Videobeweise echter oder vermeintlicher Polizeibrutalität regelmäßig bei YouTube, in den Nachrichten, auf speziellen Web-Seiten, die das alles dokumentieren wollen. Das schafft eine Menge Druck.

Unter Druck steht auch die Firma Taser, gerade weil ihre Geschäfte prächtig gehen. Taser ist Entwickler und Hersteller der meistverkauften Elektroschockwaffen, Ausrüster zahlreicher Polizeibehörden. Die Taser-Waffen gelten als nicht tödliche Werkzeuge, sie lähmen ihr Ziel mit starken Stromstößen oder quälen es im sogenannten Kontaktmodus mit kurzen, schmerzhaften Impulsen.

Taser sind Waffen, die sanfter sind als Schusswaffenprojektile, die Gewebe zerfetzen, Menschen verletzen oder töten, zum anderen aber auch gut geeignet, Menschen - berechtigt oder nicht - starke Schmerzen zuzufügen. In den Augen vieler Kritiker sind sie elektrische Knüppel, die weniger Spuren hinterlassen als der Hieb mit dem Gummischlagstock. Rund 300 Menschen sollen in den fünf Jahren ab 2003 an Taser-Schocks gestorben sein.

Selbstverteidigung oder Überwachung?

Jetzt liefert Taser ein neues Produkt, mit dem sich mancher Streitfall, ob ein Taser-Einsatz berechtigt war oder nicht, in Zukunft wird klären lassen: Mit Kopf-Kameras sollen US-Polizisten künftig ihren eigenen Videobeweis erstellen können.

Axon heißt das System, das in einem ersten Modellversuch von der Polizei in San José ausgetestet wird. 18 Beamte werden die Kameras zunächst tragen, sollen ab sofort jede Amtshandlung dokumentieren. Am Ende der Schicht kommt die Kamera, die hinter dem Ohr klemmt wie ein Freisprech-Headset, in eine Dockingstation, wo sie alle Mitschnitte in eine Videodatenbank überspielt werden.

Science-Fiction-Filmer haben das seit Jahren vorhergesehen. In ihren Filmen sehen wir immer wieder Einsätze von Soldaten oder Polizisten aus der Ich-Perspektive. Paul Verhoevens "RoboCop" trieb das schon 1987 auf die Spitze, machte den Polizisten zum Cyborg aus Mensch- und Maschinenteilen: Seine Augen sind Kameras. Auch Tom Cruise und seine Polizistenkollegen dackeln 2002 in Steven Spielbergs "Minority Report" mit Helmvisieren durch die Gegend, die nicht nur aufzeichnen, sondern auch das Realbild per Augmented Reality mit Zusatzinformationen ergänzen.

So weit ist man in San José längst noch nicht. Die Überwachungskamera am Kopf der Polizisten ist ein Anfang, der Sicherheit schaffen soll. Die Polizeibehörden hoffen, dadurch Handlungssicherheit zu gewinnen - und Polizeikritiker hoffen, dass die Dauerüberwachung Beamte dazu anhält, sich gesetzeskonform und weniger ruppig zu verhalten. Zwar muss der Beamte die Kamera über einen Schalter aktivieren, damit diese mit der Aufzeichnung beginnt. Sollte der Einsatz aber zum Standard werden, würde eine nicht aufgezeichnete, eskalierte Amtshandlung tendenziell wohl eher gegen den Polizisten interpretiert werden - das dürfte motivieren.

Noch ist das alles ein Test, ein Modellversuch, von Taser im Alleingang finanziert. Sollte sich das System bewähren, würde es zu einem lukrativen Geschäft: 5700 Dollar pro Polizist soll der Dreijahresvertrag für das System dann kosten. Was billiger wäre, als in den USA vor Gericht gezerrt und erfolgreich verklagt zu werden.

Damit kennt sich auch die Polizei in San José aus: Sie steht öffentlich unter Druck, seit zwei Beamte im September dabei gefilmt wurden, wie sie einen Studenten aus Vietnam offenbar gezielt quälten. Einer schlug mehr als zehnmal mit einem Metallschlagstock auf den 20-Jährigen ein. Sein Kollege besorgte den Rest: Er schockte ihn mit einem Taser im Kontaktmodus.

Der Fall wird vor Gericht gehen. Die Polizeibehörde versichert, der Kamera-Versuch sei keine Reaktion darauf.

mit Informationen der AP

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insgesamt 16 Beiträge
mw1812 30.12.2009
Vielleicht werden dann endlich die bisherigen "Beweise" für Polizeigewalt Geschichte: Ruckelige, gerade vom jeweiligen "Opfer" passend zusammengeschnittene Handkamera-Videos, mit denen auf Youtube vor der bösen [...]
Vielleicht werden dann endlich die bisherigen "Beweise" für Polizeigewalt Geschichte: Ruckelige, gerade vom jeweiligen "Opfer" passend zusammengeschnittene Handkamera-Videos, mit denen auf Youtube vor der bösen Polizei gewarnt wird. Vielleicht kann man sich endlich solche "Vorfälle" in ganzer Länge ansehen, ohne dass der Anfang vor der Handgreiflichkeit fehlt... Arme Antifa.
smokeonit 30.12.2009
nur komisch das in D kein Streifenwagen mit Video ausgestattet wird (ohne Autobahn Videowagen natürlich). Und selbst wenn das passieren würde, würden die Videos nicht veröffentlicht... wird doch bei der dt. alles unter den Teppich [...]
nur komisch das in D kein Streifenwagen mit Video ausgestattet wird (ohne Autobahn Videowagen natürlich). Und selbst wenn das passieren würde, würden die Videos nicht veröffentlicht... wird doch bei der dt. alles unter den Teppich gekehrt da die Videos nicht an die Öffentlichkeit gelangen würden... solange Beamten kein Dienstnummer tragen MÜSSEN, solange wird soch bei der Transparenz nichts ändern... und selbst untersuchen sollten sich die Herren Beamten schon gar nicht...!
unterländer 30.12.2009
Hmm, wer dann? Können Sie mir irgendeinen Menschen auf dieser Welt nennen, der völlig über jeden Verdacht erhaben wäre, parteiisch zu ermitteln? Aber möglicherweise sehen Sie angebliche(!) Parteilichkeit nur als [...]
Zitat von smokeonitnur komisch das in D kein Streifenwagen mit Video ausgestattet wird (ohne Autobahn Videowagen natürlich). Und selbst wenn das passieren würde, würden die Videos nicht veröffentlicht... wird doch bei der dt. alles unter den Teppich gekehrt da die Videos nicht an die Öffentlichkeit gelangen würden... solange Beamten kein Dienstnummer tragen MÜSSEN, solange wird soch bei der Transparenz nichts ändern... und selbst untersuchen sollten sich die Herren Beamten schon gar nicht...!
Hmm, wer dann? Können Sie mir irgendeinen Menschen auf dieser Welt nennen, der völlig über jeden Verdacht erhaben wäre, parteiisch zu ermitteln? Aber möglicherweise sehen Sie angebliche(!) Parteilichkeit nur als "böse" an, wenn sie aus der verhassten Polizistenecke kommt?
berliner_kind_79 30.12.2009
http://www.youtube.com/watch?v=FH0AthA4UI0 anhören & nachdenken, das lied ist schon "uralt" für meine verständnisse aber dennoch aktuell wie nie(1995. Zitat: "Beschützer des Volkes - knüppelt das Volk [...]
http://www.youtube.com/watch?v=FH0AthA4UI0 anhören & nachdenken, das lied ist schon "uralt" für meine verständnisse aber dennoch aktuell wie nie(1995. Zitat: "Beschützer des Volkes - knüppelt das Volk nieder, auf die typisch bayrische Art - wenn es nur etwas erwidert!" Finde jeder Cop sollte eine nicht abschaltbare Kamera am Helm haben, die IMMER alles sendet was um den Herrn Wachtmeister passiert, 99% sind sicherlich trash und nicht gerade wichtig, aber der 1 % Punkt, der ist in der Tat eventuell Lebenswichtig, siehe Tenessee oder wie der Messerstecher hiess den man erstmal zum Sieb umfunktionieren musste, damit er Ruhe gab. Frohes Neues aus Berlin!
Georg3115 30.12.2009
Hallo, ich weiß nicht wie es anderen geht, aber für mich erscheint 1 Milliarde Dollar etwas viel. Ist die Zahl tatsächlich korrekt?
Hallo, ich weiß nicht wie es anderen geht, aber für mich erscheint 1 Milliarde Dollar etwas viel. Ist die Zahl tatsächlich korrekt?
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