Pornografie-Verdacht Kobo schickt Tausende E-Books in Quarantäne

Der E-Book-Händler Kobo hat den Verkauf von selbstverlegten Büchern vorerst gestoppt. Im britischen Kobo-Angebot waren Bücher mit harter Pornografie aufgefallen.

E-Book-Reader (Symbolbild): "Unzumutbare Titel"
DPA

E-Book-Reader (Symbolbild): "Unzumutbare Titel"


Der kanadische E-Book-Hersteller und Buchhändler Kobo hat eine große Zahl von Buchtiteln aus seinem Angebot entfernt. Der Schritt folgte auf die Entdeckung von kinderpornografischen Inhalten. Die waren im Kinderbuchbereich von WH Smith aufgetaucht. Die größte britische Bücher- und Zeitschriftenkette lässt ihren E-Book-Store von Kobo befüllen.

Die fraglichen Titel stammen von kleinen Selbstverlegern, die den E-Book-Bereich zur Verbreitung nutzen. Bereits in der vergangenen Woche wurde laut einem Bericht der BBC bekannt, dass neben WH Smith auch Amazon, Barnes & Noble und weitere E-Book-Händler Titel anboten, die unter anderem Inzest, Vergewaltigung oder Sex mit Tieren zum Inhalt hatten.

Der Web-Auftritt von WH Smith ist derzeit geschlossen, anstelle der üblichen Seite erscheint nur ein Hinweistext: Das Unternehmen bemühe sich, die "unzumutbaren" Titel aus dem Programm auszusondern. Zum Schutz der Kunden und der Öffentlichkeit sei die Website offline geschaltet worden.

Bei Kobo selbst wurden die verdächtigen Titel nicht gelöscht, sondern vorerst aus dem Verkauf genommen und unter "Quarantäne" gestellt. Das Unternehmen erklärte am Dienstag, die Maßnahme diene der Lösung der Probleme. Dabei handele es sich keineswegs um Zensur. "Wir möchten die Reputation von Selbstverlegern an sich schützen", fügte ein Sprecher an. Es sei nur eine Minderheit von Autoren in die Angelegenheit verwickelt.

Dabei geht Kobo für den Geschmack mancher Autoren nicht sehr überzeugend vor. Einerseits unterziehe der Buchhändler Titel einer Überprüfung auf mögliche unzulässige erotische Titel. Gleichzeitig verbreite Kobo via Twitter Reklame für "Fifty Shades of Grey", ein Buch über Sadomasochismus. Von der Quarantäne-Aktion seien auch zahllose Nicht-Erotiktitel betroffen, die Maßnahmen von Kobo und WH Smith seien "panische Überreaktionen", so die Kritik eines betroffenen Autors.

meu



insgesamt 11 Beiträge
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niska 16.10.2013
1.
Zitat von sysopDPADer E-Book-Händler Kobo hat den Verkauf von selbstverlegten Büchern vorerst gestoppt. Im britischen Kobo-Angebot waren Bücher mit harter Pornografie aufgefallen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/pornografie-verdacht-kobo-schickt-e-books-in-quarantaene-a-928090.html
Es ist ja letztendlich seine Sache, was er verkaufen will. Aber zu behaupten, das sein keine Zensur ist doch albern. Natürlich ist es das.
mibigan@web.de 16.10.2013
2. Wenn die Bücher gegen die Nutzungsbestimmungen verstoßen,
ist eine Löschung keine Zensur. Die Zensur ist da bereits beim Formulieren der Nutzungsbestimmungen durchgeführt worden. Aber da man Hardcore, Vergewaltigungen und Tiersex auch nicht ohne Weiteres in normalen Buchläden findet, ist das Geschrei von wegen "Zensur" deutlich zu hoch gegriffen.
Trueless 16.10.2013
3. Dank Boox.to bin ich frei von propritären Shops!
Schade, dass Kundenbindung heute noch mit DRM vergrauelt wird. Aber was Film- und Musikindustrie lernen mussten, wird auch an den Büchern nicht vorbei gehen.
niska 16.10.2013
4.
Zitat von mibigan@web.deist eine Löschung keine Zensur. Die Zensur ist da bereits beim Formulieren der Nutzungsbestimmungen durchgeführt worden. Aber da man Hardcore, Vergewaltigungen und Tiersex auch nicht ohne Weiteres in normalen Buchläden findet, ist das Geschrei von wegen "Zensur" deutlich zu hoch gegriffen.
Die konkrete Umsetzung formulierter Zensur ist keine Zensur? Hä? Was hat das Angebot eines klassischen Buchladens, der von Printverlagen abhängig ist, mit dem Angebot eines E-Book-Stores zu tun, bei dem jeder frei veröffentlichen kann? Das soll ein Argument sein, warum Zensur hier keine Zensur sei? Mit dieser Logik kann man auch das Rauchen an der frischen Luft verbieten, weil man es unter Wasser schliesslich auch nicht kann...
jautaealis 16.10.2013
5. Kobo sollte sich lieber um Gewaltdarstellungen und -verherrlichungen kümmern!
Pornographie hingegen ist keinerlei Verbrechen und verstößt auch nicht gegen vernünftige, gemäßigte, verallgemeinerbare Sitten...
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