Beeindruckende Bildeffekte Porträts wie gemalt

Verträumt-verspielte Frauenporträts: Fotografin Laura Helena Rubahn bearbeitet ihre Bilder aufwendig nach - und schafft so einen ganz eigenen Look. Das Fotomagazin "Docma" zeigt ihre Tricks.

Von "Docma"-Autor Olaf Giermann

Laura Helena Photography/ DOCMA

Der Bildstil von Laura Helena Rubahn fällt auf. Sinnlich, detailreich, verträumt, wie gemalt oder einfach nur schön, so könnte man ihre Bilder beschreiben. Was manchem Fotopuristen nicht gefallen dürfte, macht hier den Stil der Bilder aus: die intensive Bearbeitung. Rubahn spart nicht mit Farben, Filtern und Texturen. Doch das passt sehr gut zu ihren bevorzugten Motiven: inmitten von opulenten, detailreichen Blüten- und Blumenaccessoires arrangierte weibliche Modelle.

"Begonnen hat alles in der elften Klasse", erzählt die heute 25-Jährige. "Dort bekam ich zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera in die Hände, und plötzlich wusste ich genau, was ich werden wollte: Fotografin."

So entschloss sie sich, ihr Fachabitur im Bereich Gestaltung zu absolvieren. Dazu gehörte auch ein Jahrespraktikum bei einem Fotografen. Während dieser Zeit merkte sie schnell, dass das alltägliche Fotografengeschäft nicht so richtig zu dem passt, was sie anstrebte. "Ich möchte meine Kreativität ausleben", betont Rubahn. Dazu gehören für sie sowohl die Fotografie als auch die Bildbearbeitung.

Gefunden in
Nach dem Fachabitur zog sie aus dem Sauerland in die Kurpfalz, da sie in Heidelberg an der Berufsfachschule für Fotografie angenommen wurde. Unmittelbar nach dem Abschluss arbeitete sie zunächst in einem Fotobetrieb. Rubahn: "Und wieder merkte ich, dass dies absolut nicht meine Welt war. Ich konnte weder kreativ sein, noch lernte ich Neues dazu, da ich meist nur Passfotos schoss. So verfestigte sich meine Entscheidung, es selbstständig zu versuchen."

Also wagte sie 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit ihrem Unternehmen LauraHelena Photography legt sie den Schwerpunkt auf Workshops, Seminare und Trainings für Fotografen, und zwar im Bereich der Porträt-, Beauty- und Fashion-Fotografie. "Das alles war aber nur möglich, weil ich mit meinem Stil eine Nische bediene, die es nicht schon genau so gab und die auffiel", erzählt Rubahn.

Raw-Entwicklung

Schon in der Raw-Konvertierung lässt sich das Ausgangsmaterial etwas mehr in die künstlich-unwirkliche Richtung bringen. Hierzu dunkle ich im Bild zuerst die Lichter ab und setze dann die Tiefen hoch. Zudem verstärke ich den Kontrast bereits hier deutlich, denn ich liebe kontrastreiche Bilder. Interessante Strukturen betone ich durch das Anheben der Klarheit. Für meine meist farbexplosiven Bilder erhöhe ich fast immer die Dynamik auf Werte zwischen 20 und 30. Zudem nutze ich sehr gerne die Teiltonung, um dem Foto bereits vorab einen gewissen Look zu verleihen.

Porzellan-Haut

In Photoshop wende ich mich zuerst der Hautretusche zu. Mit den typischen Werkzeugen (Bereichsreparatur-Pinsel, Ausbessernwerkzeug und Kopierstempel) entferne ich zunächst Unreinheiten, die sich mit der anschließenden Abpudern- Methode nicht abmildern lassen würden. Für das Abpudern dupliziere und invertiere ich die Ebene, wandle sie in ein Smartobjekt um und setze sie in die Füllmethode Lineares Licht. Ich wende dann den Hochpass-Filter mit einem durch vier teilbaren Radius zwischen 8 und 24 an (hier: 16; 8 bei Ganzkörperfotos, 24 bei einem engen Porträt). Danach rufe ich den Gaußschen Weichzeichner auf und verwende ein Viertel des im Hochpass eingesetzten Radius' (hier: 4). Mit einer Maske beschränke ich den Glättungseffekt auf die Hautbereiche, bei denen er nötig ist. Das Ergebnis ist eine makellos reine, porzellanartige, aber nicht porenfreie Haut.

Kontrastanpassungen

Mit einer Kombination aus zwei Schwarzweiß- Verlaufsumsetzungen im Modus Weiches Licht und etwas Dogde & Burn sorge ich nun für strahlende Augen und gebe dem Bild mehr Tiefe. Die erste Verlaufsumsetzung wende ich auf dem gesamten Bild mit einer Deckkraft zwischen 30 und 50 Prozent an, die zweite nutze ich nur für die Augen, wobei ich das Augenweiß ausspare. Mit dem Abwedler-Werkzeug helle ich zu dunkle Stellen auf und arbeite die Strukturen heraus - das Auge beginnt zu glänzen. Ebenfalls mit Abwedler und Nachbelichter verstärke ich vor allem das Augen-Make-up und konturiere das Gesicht und den Körper. Dies macht ein guter Make-up-Artist meist schon im Vorfeld - nur verstärke ich diesen Effekt gerne. Dadurch wirken die Gesichtszüge feiner und ausdrucksstärker.

Flare-Texturen

Um das ganze Bild gern märchenhafter und verträumter gestalten, setze ich die Leaks & Flairs-Stockfotos von Krolop & Gerst ein, die ich dem Bild im Modus Negativ multiplizieren überlagere und dann über gemalte Masken selektiv einblende. Zum einen erziele ich damit eine gewisse Lichtstimmung, zum anderen bewirke ich damit aber auch farbliche Veränderungen. In diesem Fall habe ich oben links ein wenig Licht gesetzt und unten rechts ein violettes Leak, welches die vor die Linse gehaltene Blüte zum Leuchten bringt. Das Foto erhält so eine magische Anmutung.

Verlaufsumsetzung

Schon bevor ich die Filter von Nik Software zur Bildstilisierung nutze, gebe ich dem Foto durch eine lilafarbene Verlaufsumsetzung im Modus Weiches Licht bereits einen ersten Farblook. In der Einstellungsebene Verlaufsumsetzung wähle ich dazu für die Tiefen eine Farbe zwischen Pink und Violett - für die Lichter wähle ich Weiß.

Gradationskurve

Danach verändere ich den Verlauf der Gradationskurve im Blau-Kanal, um dem Bild einen leichten Vintagelook zu verleihen. Dafür wechsle ich in den Blau-Kanal und ziehe dort den Schwarzpunkt der Kurve nach oben und den Weißpunkt nach unten, wodurch die Tiefen eine blaue und die Lichter eine gelbe Farbtonung erhalten.

Detail Extractor

Ab diesem Punkt verwende ich die Nik Collection von Google für den Feinschliff - vor allem die Filter des Plug-ins Color Efex Pro. Zuerst nutze ich den Detail Extractor, um Details hervorzuheben. Dort erhöhe ich auch die Sättigung etwas weiter. Ich wende den Filter auf eine neue, zusammengefasste Ebene an und maskiere den Effekt von der Haut des Models zu 70 Prozent aus.

Color Stylizer

Mit dem Color Stylizer bringe ich das Bild nun zu seinem fast finalen Farblook. Ich wende diesen Filter dabei nicht einfach auf eine einzige Ebenenkopie an, sondern nutze ihn auf mehreren Ebenen in unterschiedlichen Ebenen-Füllmethoden und lasse ihn per Ebenenmaske nur auf selektive Bildteile wirken. Bei diesem Bild kamen zwei Ebenen im Modus Multiplizieren - die vor allem für eine Abdunklung der Bildränder sorgen - und eine im Modus Normal zum Einsatz.

Ink-Filter

Um dem Farblook nun noch das I-Tüpfelchen aufzusetzen, nutze ich abschließend den Ink-Filter auf einer neu zusammengefassten Ebene. Die Füllmethode dieser Ebene setze ich auf Aufhellen, bei einer Ebenen-Deckkraft von 27 Prozent.

Gemälde-Effekt

Um das Bild nun wie ein Gemälde wirken zu lassen, nutze ich den Filter Rauschen reduzieren. Hierbei setze ich alle Werte auf 0 und nur die Stärke auf 10. Den Filter wende ich zwei Mal an - wobei ich beim zweiten Durchgang das Gesicht ausspare. Das Bild verliert dadurch natürlich an Schärfe, sieht aber danach ein wenig aus wie ein Ölgemälde.

Finale Schärfung

Zu guter Letzt schärfe ich nun mit dem Unscharf maskieren-Filter nach. Den Radius setze ich dafür auf 0,3 Pixel, die Stärke auf 500.

Zur Person
Nach ihrem Abschluss der Berufsfachschule für Fotografie in Heidelberg wagte Laura Helena Rubahn mit ihrem außer gewöhnlichem Bildstil direkt den Schritt in die Selbstständigkeit und vermittelt ihre Vorgehensweise inzwischen in Workshops und Seminaren.

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
cektop 04.07.2015
1.
Kreativität ist kein Wert an sich. Und über Geschmack lässt sich streiten, zum Glück;)
Knossos 04.07.2015
2. Schön, daß die Dame nicht nur macht, was sie will,
sondern auch kein Gewese um die Methode. Statt sich zum einzigartig zaubernden Genie zu verpuppen, teilt sie Einzelheiten der Bearbeitung mit, so daß andere denen der Stil gefällt, ihn technisch nachvollziehen können. Nur souverän und bodenständig Kreative sind so freigiebig. Weiter so Frau Rubahn; und viel Erfolg!
mangostin 04.07.2015
3.
Sehr hübsche Bilder. Alles was i.S. Fotografie von bekannten Standards abweicht ist schön, da es Abwechslung bietet..viel Erfolg der Dame für den weiteren Werdegang
bytemare 04.07.2015
4.
Der erste Kommentar zeugt gleich von Neid! Tolle Bilder!!!
Hamberliner 04.07.2015
5. Verklärte Totenbilder?
Die Bilder sehen aus, als ob sie dazu gedacht seien, dass man diese Mädchen nach ihrem Tod in verklärter Erinnerung behalten soll. D.h. man bekommt einen Schreck und denkt: sind die denn alle bei Autounfällen oder sonstwie auf tragische Weise ums Leben gekommen?
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