Positionsprotokolle: So schützen Sie Ihre iPhone-Daten

Von Matthias Kremp

Apple unter Big-Brother-Verdacht: iPhone und iPad protokollieren stets, wo man wann war. Die Aufzeichnungen werden unverschlüsselt gespeichert. Wir zeigen, wie man diese Daten auf einer Weltkarte ansehen kann - und wie man sie gegen fremden Zugriff sichert.

iPhone-Positionsprotokolle: So schützen Sie Ihre Daten vor fremden Blicken
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Hamburg - Apples Mobil-Gadgets schreiben mit. Egal ob iPhone oder iPad: Offenbar legen alle iOS-Geräte, die sich mit Mobilfunknetzen verbinden können, Aufzeichnungen darüber an, wo und wann man sie benutzt hat. Grundsätzlich werden diese Informationen auf den Geräten selbst gespeichert, gelangen aber unverschlüsselt auf jeden Rechner, auf dem man sein iGerät mit Apples Multimedia-Software iTunes synchronisiert. Das gesamte Bewegungsprofil der letzten drei Monate wird im Telefon gespeichert. Datenschützer sind alarmiert und fordern sofortige Aufklärung.

Bislang ist unklar, weshalb Apple die Positionsdaten überhaupt aufzeichnen lässt und wozu sie dienen sollen. Auch die Frage, ob die Daten womöglich an Apple übertragen werden, ist noch ungeklärt. Eine Stellungnahme des Unternehmens steht am Donnerstagmittag noch immer aus. Die offensichtliche Gefahr, die von der massiven Speicherung ausgeht, ist die Offenheit der Daten für jedermann, der sich Zugriff zu dem Computer oder dem iPhone verschafft. Mit wenigen Mausklicks lässt sich die Datenbank auf einen Rechner übertragen und auswerten - auch ohne Zustimmung des Besitzers.

Das könnte für Privatdetektive interessant sein, für eifersüchtige Ehegatten oder auch für gutorganisierte Einbrecher, die gerne genau wissen möchten, wann jemand üblicherweise das Haus verlässt. Oder natürlich für Strafverfolger - das iPhone macht unabhängig von der lokalen Gesetzeslage seine eigene Vorratsdatenspeicherung.

Der Computer-Forensiker Alex Levinson schrieb in einem Buch, das schon im Dezember 2010 auf den Markt kam, die Positionsdatei sei "eine der forensisch reichhaltigsten Dateien, die ein Analyst benutzen kann". Nur, dass das damals offenbar niemand so richtig wahrnahm. Erst die Datenvisualisierung der IT-Forscher Alasdair Allan und Pete Warden löste jetzt einen Skandal aus.

Die nötigen Schritte zum Schutz der Daten

Abgelegt sind die Datensätze, Ortsdaten und die dazu passenden Datums- und Uhrzeitangaben in einer kryptisch betitelten Datenbank, mit der man als Normalanwender erst einmal nichts anfangen kann. Erst die Macintosh-Software "iPhone Tracker", die Allan und Warden nun ins Netz stellten, lässt den Umfang der erfassten Daten erahnen. Die Software visualisiert die Aufzeichnungen auf einer Karte. So kann man sich recht detailliert ansehen, welche Ortsangaben das Handy gespeichert hat (siehe Video).

Die Frage ist nun: Wie kann man sich als Nutzer schützen? Fremde Zugriffe auf die Informationen kann man unterbinden, indem man die Backup-Datenbank, die Apples Synchronisationssoftware iTunes beim Datenabgleich des iPhones mit dem Computer anlegt, verschlüsselt. Dazu muss man im Übersichtsbildschirm von iTunes das Symbol des iPhones anklicken und dann unter Übersicht/Optionen den Menüpunkt iPhone-Backup verschlüsseln auswählen. Es öffnet sich ein Fenster, in dem man das gewünschte Passwort eingeben kann.

Hier ist Vorsicht geboten. Auf Macs wird dem Nutzer an dieser Stelle angeboten, das gerade vergebene Passwort im sogenannten Schlüsselbund zu sichern. Dieser Schlüsselbund ist eine Datei, in der auf Macs Zugangsdaten zu verschiedenen Diensten abgelegt werden. Das ist einerseits sehr praktisch, weil man auf diese Weise beispielsweise E-Mail-Passwörter nicht bei jeder Mailabfrage selbst eingeben muss. Im Fall der iPhone-Backup-Datenbank sollte man auf diesen Komfort aber lieber verzichten, weil die sorgsam verschlüsselte Datei ansonsten automatisch geöffnet würde, auch wenn man nicht selbst vor dem Mac sitzt.

Alles oder nichts

Wichtig ist dabei eines: Die Positionsdatenbank auf dem iPhone selbst bleibt auch bei dieser Maßnahme unverschlüsselt. Sie lässt sich mit ein bisschen Know-how leicht auslesen. Wem also sein Handy gestohlen wird oder nur kurz abhandenkommt, der muss damit rechnen, dass ein Bewegungsprofil von ihm in Umlauf geraten könnte - kombiniert mit all den vielen höchst persönlichen Informationen, die auf einem Smartphone in der Regel ohnehin gespeichert sind.

Nützlicher Nebeneffekt der iPhone-Backup-Verschlüsselung: Kauft man ein neues iPhone und überträgt seine Daten und Apps aus dem Backup vom alten auf das neue Gerät, werden sämtliche Passwörter mitübertragen. Ohne Passwortverschlüsselung müsste man alle Passwörter auf dem neuen Gerät manuell neu eingeben.

Die einzige Möglichkeit, die Aufzeichnung von Positionsdaten im iPhone generell zu unterbinden, besteht darin, im Telefon selbst in den Einstellungen unter Ortungsdienste die Erfassung von Positionsdaten komplett abzuschalten. Zwar kann man hier auch gezielt die Nutzung von Positionsdaten durch einzelne Apps unterbinden, dann wäre die Ortung per GPS und Mobilfunknetz aber generell weiter aktiv. Hier muss man sich derzeit also entscheiden, ob man Dienste wie Google Maps, Navigationssoftware oder lokale Suchdienste nutzen oder beispielsweise Fotos mit Ortsinformationen versehen will - oder ob man zugunsten der eigenen Privatsphäre lieber auf solchen Komfort verzichtet.

Mitarbeit: Christian Stöcker

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insgesamt 71 Beiträge
FastFertig 21.04.2011
Apple-User die sich plötzlich informieren und selbst um den Datenschutz kümmern sollen. Das macht doch sonst der Apple und der Jobs für sie. Wenn man etwas selbst machen soll, dann könnte man ja gleich ein Gerät für den halben [...]
Apple-User die sich plötzlich informieren und selbst um den Datenschutz kümmern sollen. Das macht doch sonst der Apple und der Jobs für sie. Wenn man etwas selbst machen soll, dann könnte man ja gleich ein Gerät für den halben Preis kaufen. Für Apple-User ist das Unverständlich. Private Daten sind doch egal, hauptsache es ist irgendwie schick und teuer. Die installieren sich doch absichtlich die Tracker App und geben dann gegenseitig an: Guck mal, hier war ich zum Frühstück in New York.
founder 21.04.2011
Zum erstenmal beneide ich die iPhone Besitzer um diese Superapplikation! Wo gibt es für mein Andorid eine App zum ständigen Aufzeichen der Postion, ohne daß die Akkulaufzeit darunter leidet.
Zum erstenmal beneide ich die iPhone Besitzer um diese Superapplikation! Wo gibt es für mein Andorid eine App zum ständigen Aufzeichen der Postion, ohne daß die Akkulaufzeit darunter leidet.
Dosengabel 21.04.2011
Gibt das jetzt wieder eine Schlagabtausch zwischen Apple-Liebhaber und Apple-Nicht-Liebhaber?
Gibt das jetzt wieder eine Schlagabtausch zwischen Apple-Liebhaber und Apple-Nicht-Liebhaber?
HtFde 21.04.2011
... der Artikel ist ein wenig halbgar gestrickt, so dass ein paar Fragen offen bleiben. (1) Normalerweise synchronisiert ein iPhone sich nicht mit jedem Rechner, an den man ihn anstöpselt. Zumindest bei mir kommt (bis ich das [...]
... der Artikel ist ein wenig halbgar gestrickt, so dass ein paar Fragen offen bleiben. (1) Normalerweise synchronisiert ein iPhone sich nicht mit jedem Rechner, an den man ihn anstöpselt. Zumindest bei mir kommt (bis ich das ausgehebelt habe) immer die Aussage, dass das iPhone mit einem anderen Rechner synchronisiert ist und ob man denn nun mit diesem synchronisieren möchte - Ergebnis ist dann erst mal Datenverlust. Sind die Bewegungsdaten dann auch weg oder überleben die - so wie z.B. die Apps - einen solchen Schwenk. (2) Der Schlüsselbund auf einem Mac ist usergebunden. Wer also halbwegs sauber *nicht* die komplette Familie mit demselben User laufen lässt, hat bei Speicherung im Schlüssel nur dann ein Problem, wenn er keinen Bildschirmschoner hat, der einem zum Anmeldescreen schickt, wenn er mal aktiv war - was eigentlich Standard sein sollte, sonnst könnte man sich die versch. User Accounts (und Sperren für den Nachwuchs) ja schenken. (3) Ansonsten stellt sich durchaus die Frage, warum das so intensiv gesammelt wird und noch dazu so leicht aus dem Backup herauszuklamüsern ist.
JeZe 21.04.2011
Die Naivität ist nur noch schwer zu ertragen: JEDES Handy macht seine eigene Vorratsdatenspeicherung, indem es Listen anlegt von getätigten und empfangenen Anrufen. Es speichert sämtliche SMS, Adressen, Kalendereinträge, [...]
Die Naivität ist nur noch schwer zu ertragen: JEDES Handy macht seine eigene Vorratsdatenspeicherung, indem es Listen anlegt von getätigten und empfangenen Anrufen. Es speichert sämtliche SMS, Adressen, Kalendereinträge, Mails, Fotos. Dass ein Handy jetzt auf einmal für einen Privatdetektiv interessant sein sollte, weil Bewegungsdataen DARAUF gespeichert sind, ist doch völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein Handy ist per Definition ein "personal Device", welches vertrauliche Daten enthält. So ist es konzipiert und so wird es benutzt. Warum die Bewegungsdaten sensibler sein sollen als vollständige Adressen und Kurznachrichten, will sich mir nicht ganz erschließen.
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  • Donnerstag, 21.04.2011 – 14:03 Uhr
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