Produktfälscher in China: Viagra-Fahnder jagen Apple-Piraten

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Apple hat ein Problem in China: Über Jahre hat es der Konzern versäumt, gegen Produktpiraten und Fälscher vorzugehen. Botschaftsdepeschen zeigen, wie der Konzern radikal umschwenkte, um Nachahmer abzuwehren. Unter anderem stellte Apple Ermittler ein, die früher Viagra-Kopierer aufspürten.

HiPhone 5: Apples neues Handy, als Kopie schon erhältlich Fotos
REUTERS

Hamburg - Erfahrene Spezialisten, die zuvor nach Viagra-Kopien fahndeten, sollen Apple im Kampf gegen Produktpiraten in China verteidigen. Das geht aus einer der US-Botschaftsdepeschen hervor, die WikiLeaks zugespielt worden waren und die jetzt im Original veröffentlicht worden sind. Dem Dokument zufolge hatte der US-Konzern den chinesischen Markt und vor allem die Hersteller illegaler Produktkopien lange ignoriert.

Bisher hatten Medien wie der SPIEGEL zwar über den Inhalt der WikiLeaks-Dateien berichtet, dabei aber die Namen der Beteiligten ausgespart, um Informanten zu schützen. Nachdem die Dateien nun versehentlich im Original verteilt wurden, mehren sich Berichte, die auf Informationen aus diesem Material basieren. Unter anderem beschreibt Flightglobal.com, wie die US-Regierung eine große Lieferung von Airbus-Flugzeugen nach Syrien verhinderte. Am Dienstag schließlich brachte der Nachrichtensender CNN einen Artikel über Apples Bemühungen, der Raubkopien aus Asien Herr zu werden.

Der von CNN zitierten Botschaftsdepesche aus dem September 2008 zufolge, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, hat der US-Konzern erst 2008 mit dem Aufbau einer Abteilung begonnen, die sich um die Verfolgung illegaler Kopien von Apple-Produkten kümmern sollte. Zu diesem Zeitpunkt, so wird in dem Papier vermutet, seien fast alle in China als Apple-Produkte verkauften Geräte Nachbauten gewesen.

Erst mal die Marke anmelden

Apple engagierte ein Team erfahrener Experten unter der Führung von Don Shruhan. Zuvor hatten Shruhan und sein Team fünf Jahre lang für den Pharmakonzern Pfizer in China nach Firmen gefahndet, die das Potenzmittel Viagra fälschten und Imitationen zu Schleuderpreisen auf den Markt warfen.

In ihrem Bericht beziehen sich die Autoren der Depesche mehrmals direkt auf Shruhan. So soll er gesagt haben, er habe bei seinem Amtsantritt als Senior Director of Security für den asiatisch-pazifischen Raum bei Apple quasi bei Null anfangen müssten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen den asiatischen Markt offenbar derart vernachlässigt, dass Shruhan erst einmal Apples Markenrechte in China und Hongkong anmelden musste.

Ein Labor zur Echtheitsprüfung

Im Rahmen seiner Analysen stellte der neue Sicherheitschef fest, dass in Asien täuschend echte Kopien, vor allem von iPods und iPhones, gehandelt werden. Deren Authentizität führt er darauf zurück, dass beispielsweise Original-Grußformen aus den Fabriken von Apples Zulieferern gestohlen und andernorts für die Herstellung von Kopien genutzt werden. Diese würden zwar aussehen wie die Originale, enthielten aber oft zweitklassige Hardware.

Tatsächlich seien die Kopien oft so gut, dass Shruhan sich Gelder für ein forensisches Labor bewilligen ließ, in dem Produkte auf ihre Echtheit überprüft werden sollen.

Die Autoren der Botschaftsdepesche finden keine guten Worte für chinesische Beamte. So würden die Zollbehörden in Hongkong Exportgüter nicht kontrollieren, um den Verkehr nicht aufzuhalten. In Peking wiederum hätten die Strafverfolgungsbehörden zwar ihre Mitarbeit zugesagt, würden aber nicht wirklich aggressiv vorgehen, sondern nur die Früchte dessen ernten, was Shruhan und seine Abteilung ermittelt hätten.

Jeder darf Apple sein, so lange er Originale verkauft

In der Depesche kommt Apple auch nicht gut weg. Es heißt, Shruhan habe "lamentiert", dass Apples Anwälte über keinerlei Erfahrung in China verfügen würden. Zudem sei die Firma sehr zurückhaltend dabei, chinesische Standards im anwaltlichen Schriftverkehr einzuhalten und stehe mit ihrem lokalen Marketing noch ganz am Anfang.

Erklärungen, wie er diese Situation ändern wolle, sind von dem Sicherheitschef in der Botschaftsdepesche nicht zu finden. Nur Hinweise, dass es sicher schwerer werde, die Behörden zur Mitarbeit zu bewegen. Denn anders als bei Viagra würde es bei Apple nicht um gesundheitsrelevante Themen gehen.

Bisher, so scheint es, hat Shruhan mit dieser Einschätzung Recht behalten. Zwar sind die vier Apple Stores in China die Apple-Ladengeschäfte mit den größten Besucheraufkommen und Umsatz weltweit.

Doch in den vergangenen Wochen wurden mehrere Läden in China bekannt, die sich ohne Lizenz den Anschein gaben, Apple Stores zu sein. Geschlossen werden mussten allerdings nur zwei der fünf aufgedeckten Läden. Nicht, weil sie Apples Markenrechte verletzten, sondern weil sie keine gültige Betriebserlaubnis hatten. Ansonsten sei doch alles in Ordnung, begründeten die zuständigen Behörden, in den Geschäften würde schließlich Original-Apple-Ware verkauft.

Und inzwischen läuft es für Apple in China außerordentlich gut: Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsquartal hat Apple in China 3,8 Milliarden Dollar eingenommen. Und man kratze erst "an der Oberfläche", sagte Apple-Manager Tim Cook damals Analysten.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Das klingt komisch...
HappyLuckyStrike 30.08.2011
ich verstehe nicht, warum es ausgerechnet "Viagra-Fahnder" sind, die Steve Jobs und seine Spießgesellen (das sind ja wohl die "Apple-Piraten") verfolgen sollen ?
2. Grußformen?
LandfillMcLovin 30.08.2011
Ich denke unter der Überschrift "Ein Labor zur Echtheitsprüfung" muss es Gussformen heissen. Sonst macht der Satz nicht wirklich einen Sinn.
3. ...
MAC876 30.08.2011
Zitat von sysopApple hat ein Problem in China: Über Jahre hat es der Konzern versäumt, gegen Produktpiraten und Fälscher vorzugehen. Botschaftsdepeschen zeigen, wie der Konzern radikal umschwenkte, um Nachahmer abzuwehren. Unter anderem stellte Apple Ermittler ein, die früher Viagra-Kopierer aufspürten. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,783416,00.html
Eine Firma, welche vorher Pfitzer als Hauptkunden hatte hat einen Auftrag zur Verfolgung von Urheberrechtsvertzungen von Apple in China erhalten. Jemand der weiser war als ich je sein werde sagte einmal: ein Mensch, der für eine Sache zwanzig Wörter verwendet, welche man auch in zehn Wörtern sagen kann ist auch zu anderen Schlechtigkeiten fähig.
4. Schlechtigkeiten?
Bodenseemann 30.08.2011
Zitat von MAC876Eine Firma, welche vorher Pfitzer als Hauptkunden hatte hat einen Auftrag zur Verfolgung von Urheberrechtsvertzungen von Apple in China erhalten. Jemand der weiser war als ich je sein werde sagte einmal: ein Mensch, der für eine Sache zwanzig Wörter verwendet, welche man auch in zehn Wörtern sagen kann ist auch zu anderen Schlechtigkeiten fähig.
Spon Schreibt mit 10 Wörtern: "Unter anderem stellte Apple Ermittler ein, die früher Viagra-Kopierer aufspürten." Dann schreibst du mit genau 20 Wörtern: Und lamentierst dann Was willst du uns damit sagen? Das du zu Schechtigkeiten fähig bist? Warum so umständlich? BM
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