Raspberry Pi-Projekt So basteln Sie sich einen W-Lan-Drucker

Einfache Drucker mit USB-Anschluss sind erschwinglich, haben aber selten eine Netzwerkschnittstelle. Das ist unpraktisch, wenn mehrere Computer diesen Drucker nutzen sollen. Eine günstige Lösung: Sie installieren den Billigrechner Raspberry Pi als Druckserver.

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In fast jedem Haushalt teilen sich heute mehrere Laptops und PC einen Drucker. Hängt dieser Drucker an einem der Computer, kann man nur ausdrucken, wenn der Rechner auch eingeschaltet ist. Dabei ginge es viel einfacher: Der Drucker ist im W-Lan online, erreichbar für jeden Computer im Heimnetz. Das geht auch mit einem günstigen USB-Drucker - etwas Bastelarbeit vorausgesetzt.

In dieser Anleitung steht, wie man einen eigenen Druckserver aufsetzt. Das Projekt ist etwas für Bastler mit Vorerfahrung. Sie brauchen:

  • Linux-Kenntnisse,
  • den Raspberry Pi Minirechner mit W-Lan-Modul (hier unser Konfigurationsbeispiel, das etwa 65 Euro kostet),
  • einen Drucker mit USB-Anschluss,
  • das passende USB-Kabel,
  • etwa zwei Stunden Zeit.

Diese gekürzte Anleitung aus dem Buch "Coole Projekte mit Raspberry Pi" erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihren eigenen Druckserver bauen:

Erstens: Software herunterladen und installieren

Für den Einsatz eines Druckers unter Linux hat sich das Common Unix Printing System (CUPS) durchgesetzt. Hier ist der Druckvorgang aufgeteilt. Es gibt in einen Druckclient (sortiert die Aufträge und leitet sie weiter) und den Druckserver, der das eigentliche Drucken erledigt. Dazu gehören außer den klassischen CUPS-Paketen wie cups, cups-pdf, cups-driver-gutenprint auch jene, die für die Kopplung der Hardware die klassischen Treiber bereitstellen.

Bei der Vielzahl der verfügbaren und unterstützten Drucker werden auch entsprechend viele Treiber auf dem Raspberry Pi installiert. Installieren Sie CUPS über die Kommandozeile mit folgenden Befehlen:

sudo bash
apt-get install foomatic-db foomatic-db-engine foomatic-filters
apt-get install cups cups-pdf cups-driver-gutenprint

gutenprint ist eine Treibersammlung von Druckerherstellern, die nach der Installation mit Ghostscript, CUPS, Foomatic und GIMP verwendet werden kann. Für Besitzer eines Druckers von Hewlett-Packard ist die Installation des hplip-Pakets notwendig:

sudo apt-get install hplip
sudo apt-get install pycups python2 python-cups

Anschließend installieren Sie, falls noch nicht vorhanden, die Skriptsprache Python sowie den Connector pycups bzw. python-cups, der für die Nutzung der CUPS-1.2-API in Python-Programmen zuständig ist und somit Python-basierten Programmen das Drucken erlaubt.

Zweitens: Drucker mit CUPS koppeln

Erfolgreich installiert: Die Konfigurationstartseite von CUPS auf dem Raspberry ist aktiv
Franzis Verlag

Erfolgreich installiert: Die Konfigurationstartseite von CUPS auf dem Raspberry ist aktiv

CUPS besitzt einen integrierten Webserver, der über Port 631 zu erreichen ist und für das Einrichten und Verwalten der Drucker genutzt wird. Die CUPS-Admin-Seite ist naturgemäß unter derselben IP-Adresse erreichbar wie der Raspberry Pi. Wer keinen DNS-Server im Heimnetz betreibt oder einfach diese IP-Adresse vergessen hat, der holt sie sich auf der Konsole des Raspberry Pi per ifconfig-Befehl.

In diesem Beispiel ist der Raspberry Pi über 192.168.123.28 erreichbar - in der Konfigurationsdatei wurde Port 631 festgelegt.

Darauf folgt: Mit der Eingabe von 192.168.123.28:631 in die Adresszeile des Webbrowsers kommen sie an jedem Rechner im Heimnetz zur CUPS-Übersichtsseite auf dem Raspberry Pi.

Die Registerkarte Verwaltung: Das ist bei der CUPS-Konfiguration die erste Anlaufstelle. Dort geben Sie den mit dem Raspberry Pi gekoppelten Drucker für die Computer im Heimnetz frei
Franzis Verlag

Die Registerkarte Verwaltung: Das ist bei der CUPS-Konfiguration die erste Anlaufstelle. Dort geben Sie den mit dem Raspberry Pi gekoppelten Drucker für die Computer im Heimnetz frei

Jetzt navigieren Sie zum Register Verwaltung und geben dort den noch hinzuzufügenden Drucker frei. Jeder, der diese Admin-Seite aufruft, darf grundsätzlich alle Aktionen durchführen.

Möchten Sie einen Drucker hinzufügen, erscheint beim Ändern eine Passwortabfrage. Dafür haben Sie vorhin bei der Einrichtung einen entsprechenden Benutzernamen angegeben, der auch Mitglied der Linux-Gruppe lpadmin dem Raspberry Pi ist.

In diesem Beispiel gab es den Raspberry Pi-Benutzer pi sowie den neu angelegten Benutzer mit dem Namen printer, der ebenfalls der Gruppe lpadmin zugefügt wurde.

Für die Authentifizierung gegenüber CUPS nutzen Sie den Benutzer pi und – falls noch nicht geändert – das Standardpasswort  raspberry.  Haben Sie einen eigenen Benutzer für diesen Zweck eingerichtet, der Mitglied der  lpadmin -Gruppe ist, ist dies der Anlass, ihn zu nutzen.
Franzis Verlag

Für die Authentifizierung gegenüber CUPS nutzen Sie den Benutzer pi und – falls noch nicht geändert – das Standardpasswort raspberry. Haben Sie einen eigenen Benutzer für diesen Zweck eingerichtet, der Mitglied der lpadmin-Gruppe ist, ist dies der Anlass, ihn zu nutzen.

Setzen Sie dort das Häkchen bei Freigeben von Druckern, welche mit diesem System verbunden sind, und klicken Sie zum Übernehmen auf die Schaltfläche Einstellungen ändern. Anschließend erwartet die Webseite eine erneute Bestätigung der Änderung.

Lassen Sie sich von der eventuell vorher erscheinenden Meldung "Das Sicherheitszertifikat der Webseite ist nicht vertrauenswürdig" nicht einschüchtern - an der IP-Adresse sehen Sie, dass dies Ihr Druckserver ist. Deshalb klicken Sie auf Weiter / Trotzdem fortfahren. Nun haben Sie sich gegenüber CUPS ordnungsgemäß authentifiziert und können sich auf der Konfigurationsseite den oder die im Heimnetz verfügbaren Drucker für CUPS einrichten.

Drittens: Drucker im Heimnetz zu CUPS hinzufügen und einrichten

Wer einen Drucker mit USB-Schnittstelle besitzt, kann ihn nun im Raspberry Pi einstecken und einschalten. Dank des Raspberry Pi haben Sie einen kostengünstigen Printserver im Heimnetz, den Sie nun von allen Computern aus zu Hause nutzen können. CUPS unterstützt auch andere Druckerarten:

  • direkt per USB am Raspberry Pi angeschlossene Drucker,
  • an anderen Computern im Heimnetz angeschlossene und dort freigegebene Drucker,
  • klassische Netzwerkdrucker im Heimnetz, die einen eigenen Printserver eingebaut haben und ebenfalls über eine IP-Adresse erreichbar sind.

Alle Typen werden mit den gleichen Schritten bei CUPS eingerichtet. Wichtig ist lediglich, dass der oder die Drucker angeschaltet und direkt oder indirekt über das Heimnetzwerk erreichbar sind.

Lassen Sie zunächst die Suche im Heimnetz nach verfügbaren Druckern anlaufen. Durch das Klicken auf die Schaltfläche Verfügbare Drucker auflisten werden bereits viele Geräte automatisch gefunden.

Drucker im Heimnetz gefunden: Egal ob lokal am Raspberry Pi oder im Netzwerk – per Klick auf die Weiter-Schaltfläche kommen Sie zum nächsten Schritt
Franzis Verlag

Drucker im Heimnetz gefunden: Egal ob lokal am Raspberry Pi oder im Netzwerk – per Klick auf die Weiter-Schaltfläche kommen Sie zum nächsten Schritt

Nun klicken Sie auf die Weiter-Schaltfläche und wählen den Treiber des gefundenen Druckers aus. In der Regel sollten diese bereits im CUPS-Paket enthalten sein. Nach wenigen Augenblicken erscheint eine ganze Reihe verfügbarer Treiber.

Treiber gefunden: Markieren Sie den gewünschten Treiber und klicken Sie auf die Schaltfläche  Drucker hinzufügen
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Treiber gefunden: Markieren Sie den gewünschten Treiber und klicken Sie auf die Schaltfläche Drucker hinzufügen

Oftmals werden für ein Modell mehrere Treiber aufgelistet - welcher davon die beste Druckqualität und Leistung bringt, ist womöglich ein Erfahrungswert. Nun ist der Drucker der CUPS-Konfiguration hinzugefügt, doch druckt er auch? Den Testdruck können Sie im Register Drucker beim jeweiligen Drucker über das Ausklappfeld Wartung mit der Option Testseite drucken starten.

Druckerübersicht: Wählen Sie  Testseite drucken  aus, um zu sehen, ob der Drucker via Raspberry auch wirklich genutzt werden kann
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Druckerübersicht: Wählen Sie Testseite drucken aus, um zu sehen, ob der Drucker via Raspberry auch wirklich genutzt werden kann

Kommt in wenigen Minuten aus dem angeschlossenen Drucker eine Testseite zum Vorschein, haben Sie CUPS erfolgreich eingerichtet.

Viertens: Raspberry Pi-Printserver als Netzwerkdrucker für alle

Systemsteuerung/Drucker: Klicken Sie in der Menüleiste auf  Drucker hinzufügen , um einen CUPS-Netzwerkdrucker einzurichten.
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Systemsteuerung/Drucker: Klicken Sie in der Menüleiste auf Drucker hinzufügen, um einen CUPS-Netzwerkdrucker einzurichten.

Um den eingerichteten CUPS-Drucker des Raspberry Pi im Heimnetz für alle Computer in Betrieb zu nehmen, ist die Installation eines Netzwerkdruckers notwendig. Unter Windows wählen Sie dafür in der Systemsteuerung den Punkt Drucker aus und klicken im Menübereich auf Drucker hinzufügen, um den Druckerinstallationsassistenten zu starten.

Außer einem normalen, lokalen Drucker steht auch die Option Einen Netzwerk-, Drahtlos- oder Bluetoothdrucker hinzufügen zur Verfügung. Klicken Sie auf die Windows-Netzwerkfreigaben der angeschlossenen PC, um die Freigaben zu sehen.

Alternativ können Sie auch auf Der gesuchte Drucker ist nicht aufgeführt klicken und über Durchsuchen den freigegebenen Drucker von Hand auswählen.

Drucker gefunden: Sind der Hersteller und das gewünschte Modell gefunden, werden nach Klick auf die  OK -Schaltfläche die Treiber geladen und unter Windows installiert
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Drucker gefunden: Sind der Hersteller und das gewünschte Modell gefunden, werden nach Klick auf die OK-Schaltfläche die Treiber geladen und unter Windows installiert

Im folgenden Dialog tragen Sie bei Freigegebener Drucker über Namen auswählen die Adresse des Raspberry Pi/CUPS-Servers ein:

http://<IP-Adresse-Raspberry>:631/printers/<Druckerbezeichnung-bei-CUPS-Konfiguration>

In diesem Beispiel nutzen wir

http://192.168.123.28:631/printers/HP_LaserJet_2100_Series

Nach dem Klick auf Weiter sucht Windows nach verfügbaren Treibern - und zwar vom Raspberry Pi: Hier verbindet sich der Installationsmechanismus und bietet die entsprechenden Treiber zur Auswahl an. In diesem Fall wählen Sie zunächst den Hersteller und anschließend im rechten Fenster unter Drucker das entsprechende Druckermodell aus.

Anschließend lässt sich auf Wunsch noch die Bezeichnung des Druckernamens anpassen.

Kosmetik für Windows: Wen der ziemlich lange Freigabename stört, der kann ihn unter Windows nach seinem Geschmack anpassen
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Kosmetik für Windows: Wen der ziemlich lange Freigabename stört, der kann ihn unter Windows nach seinem Geschmack anpassen

Hat CUPS die entsprechenden Treiber für den Netzwerkdrucker aktiviert, klicken Sie auf Weiter. Nun können Sie eine Testseite drucken.

Drucker erfolgreich installiert: Nach dem Druck der Testseite klicken Sie auf die Schaltfläche  Fertig stellen , um die Installation des Druckers abzuschließen
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Drucker erfolgreich installiert: Nach dem Druck der Testseite klicken Sie auf die Schaltfläche Fertig stellen, um die Installation des Druckers abzuschließen

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus dem Buch "Coole Projekte mit Raspberry Pi" von E. F. Engelhardt.
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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Dortfred 15.09.2013
1. Printer Sever
Man bekommt doch einfache USB-Druckerserver für nicht mal 20,- EUR. Wozu da basteln?
dalethewhale 15.09.2013
2. Schon aufwendig
für das erreichte.
infoseek 15.09.2013
3. Stimmt nicht
Zitat von DortfredMan bekommt doch einfache USB-Druckerserver für nicht mal 20,- EUR. Wozu da basteln?
Ach - wo? Einfache USB-Printserver mit WLAN, die bedingt brauchbar sind, gibt's ab ca. 40 Euro - und meine Erfahrungen mit dieser Preisklasse sind eher unerfreulich. In der Regel hat man damit mehr Ärger als Nutzen. Für einen fertigen Printserver mit der Funktionalität dieses Pi-Servers müssen Sie jedoch wesentlich mehr ausgeben.
Sergeij 15.09.2013
4. Airprint für Apple-Geräte.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEinfache Drucker mit USB-Anschluss sind erschwinglich, haben aber selten eine Netzwerkschnittstelle. Das ist unpraktisch, wenn mehrere Computer diesen Drucker nutzen sollen. Eine günstige Lösung: Sie installieren den Billigrechner Raspberry Pi als Druckserver. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/projekt-fuer-den-raspberry-pi-so-basteln-sie-sich-einen-w-lan-drucker-a-921851.html
Ergänzend sei noch erwähnt, dass CUPS seit einiger Zeit Airprint unterstützt. Mit den im Artikel beschriebenen Einstellungen sollte der Drucker im Druckdialog eines iPhones oder iPads auswählbar sein. Weiterhin sei noch angemerkt, dass das Drucken graphiklastiker Inhalte (wie z.B. Bilder oder Webseiten) aufgrund der 'schwachbrüstigen' Hardware durchaus etwas länger dauern kann.
BoMoUAE 15.09.2013
5. W-LAN Printserver
Selbst bessere W-LAN Printserver sind billiger zu kaufen... Diese Bastelanleitung ist ziemlich unnuetz...
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