Puzzlephone Das nächste Bausatz-Handy kommt aus Finnland

Das finnische Start-up Circular Devices hat ein Smartphone vorgestellt, das jedermann selbst aufrüsten und reparieren können soll. Mit dem Puzzlephone genannten Gerät macht das Unternehmen Google Konkurrenz. Doch noch haben die Kalifornier Vorsprung.

Selbermachen: Sein Puzzlephone soll jeder Kunde selbst zusammenstecken
Circular Devices

Selbermachen: Sein Puzzlephone soll jeder Kunde selbst zusammenstecken


Espoo - Googles modulares Smartphone Project Ara bekommt Konkurrenz. Das finnische Start-up Circular Devices hat mit dem Puzzlephone seinen eigenen Entwurf eines modularen Smartphones vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine offene Plattform, die es Herstellern ermöglichen soll, eigene Module zu entwickeln, aus denen Endkunden wiederum ein ganz persönliches Gerät zusammenbauen können.

Neben der Wahlfreiheit für den Kunden soll auch der Umweltaspekt im Fokus der Entwicklung stehen. Ist ein Bauteil veraltet oder fällt es aus, muss aufgrund der Modulbauweise nicht gleich das komplette Smartphone ersetzt werden, sondern man kann gezielt das defekte Teil ersetzen.

Das finnische Gerät besteht aus drei zentralen Bauteilen. Das Spine genannte Rückgrat des Puzzlephones enthält das Display, Standard-Hardware wie Lautsprecher, Ladestecker oder Mikrofon und Anschlüsse. An seiner Rückseite sind Aufnahmebuchten für die beiden anderen Bauteile Heart (Batterie und Sekundärelektronik) und Brain (Prozessor, Speicher, Kamera und andere Hardware).

Laut Hersteller sollen aufgrund dieser Kombinationsmöglichkeiten verschiedene Größen und Preisklassen auf Basis ein- und desselben Grundkörpers möglich sein. Wie das Techblog "The Verge" berichtet, soll zunächst ein Betriebssystem auf Android-Basis zum Einsatz kommen.

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Modulare Handys: Lego-Telefone von Google

Das Projekt wird unter anderem vom Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration unterstützt und ist eine etwas vereinfachte Herangehensweise an modulare Elektronik. Im Vergleich zu Googles Project Ara oder dem 2013 vorgestellten Phonebloks-Projekt kommt es mit weniger Bauteilen aus. Tests an Prototypen sollen noch in diesem Monat beginnen. Mit ersten auslieferbaren Geräten rechnet das Unternehmen gegen Ende 2015.

Google hingegen hat im April angekündigt, dass im Januar 2015 ein marktreifes Project-Ara-Gerät vorgestellt werden soll. Den Preis gab das kalifornische Unternehmen mit rund 50 Dollar, umgerechnet etwa 36 Euro, an. Zum Preis des Puzzlephone gibt es noch keine Angaben.

mak/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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gultimore 02.12.2014
1. Noch nie PC aufgerüstet
Obwohl man beim PC viel basteln kann und ich mir Einzelteile immer selbst gekauft und zusammengebaut habe, habe ich noch nie Teile ersetzt und neu gekauft. Bei mir wurde es dann immer ein komplett neuer PC und der alte ging dann an Verwandte, denen der immer noch gut genug war. Ich selber kenne keinen, der nur einzelteile beim PC ausgetauscht hat. Wenn die Grafikkarte veraltet war, war es meist die CPU auch und dann musste eh ein neues Motherboard her. Zum wegschmeißen waren die Teile immer zu schade und so wurde der komplette PC entweder verschenkt oder verkauft. Genau das gleiche erwarte ich beim Handy. Wenn ich mein S2 anschaue, dann muss da alles neu, damit es wieder aktuell ist. Mit einer neuen Kamera usw. ist es da nicht getan. Von daher habe ich von anfang an nicht verstanden, wafür man ein modulares Handy braucht. Es wird dadurch zwangsläufig globiger, weil ein Handy mit nicht wechselbaren Komponenten viel platzsparender designed werden kann. Und darum gehts mir hauptsächlich. Platzsparend, damit es nicht in der Hosentasche stört.
melaw 02.12.2014
2. Schon oft PC aufgerüstet
Werter gultimore, was wollen Sie der Allgemeinheit sagen? PCs und auch Laptops lassen sich problemlos aufrüsten. Netzteil, Gehäuse, Festplatten, optische Laufwerke machen locker mehrere Aufrüstungen mit. CPU und Grafikkarte lassen sich auch getrennt aufrüsten. Gemäß der persönlichen Bedürfnisse. Ist dann ein Sprung zu einer neuen Platform (CPU, Mainboard, Speicher) nötig, kann der Rest der Komponenten einfach mit. Günstig kaufen, bei Bedarf aufrüsten, mit Teilen, die andere Menschen wiederum loswerden wollen. Und Ihr S2 hat eine sehr gute Kamera, könnte aber ein zeitgemäßeres Display erhalten. Nicht jeder benötigt einen schnellen Prozessor, würde vielleicht lieber einen größeren Akku haben. Ein modulares Handy wäre doch toll. Nicht zuletzt muss man ja keinen Elektroschrott generieren, nur weil eine Komponente neu muss!
brille000 02.12.2014
3. Wieder so 'ne Idee ...
... für Yuppies oder solche, die da meinen etwas sinnvolles da zusammenzubasteln. Leider macht das aber unterm Strich keinen Sinn, denn heutzutage will der Nutzer genau das, was technisch möglich ist und zwar alles. In grossen Stückzahlen gefertigt, kosten die einzelnen "Baugruppen" jede für sich auch nicht die Welt. Welchen Nutzen hätte man dann? Zusätzlich muss man ein entsprechendes Chassis haben, welches auch die Kontaktierung zwischen den einzelnen Modulen herstellt. Wie sollen denn die Module kostengünstig vertrieben werden? Man bekommt doch schon heute kaum noch Ersatzteile für technische Geräte. Das Ganze ist doch wieder bloss 'ne Luftnummer ... .
Gluehweintrinker 02.12.2014
4. Hosentasche vs. Ressourcenverbrauch
Wir haben bereits heute ein Tempo beim Verbrauch seltener Rohstoffe erreicht, dass es nur noch eine Frage weniger Jahre ist, bis Sie ihr Mobiltelefon hüten und auch reparieren werden wie einen Schatz. Zur Zeit bemühen wir uns nämlich null darum, irgendetwas zu produzieren, das reparabel wäre. Wie man an viele. Konkurrenzmodellen sieht, bedeutet zum Beispiel ein austauschbarer Akku keineswegs Klobigkeit (mit k übrigens). Und sollte ein Modulphone einen Millimeter dicker sein als Ihr Galaxy S2, keine Sorge... die Hosentasche wird deswegen nicht platzen.
dliblegeips 02.12.2014
5. Samsung S2
Das wichtigste kann man bei vielen Smartphones aufrüsten so auch beim Samsung S2: Akku und Speicher. Den Rest wird man eher nicht wechseln. Sogar ein kaputtes Display kann man mit Teilen von Ebay austauschen. Ich denke dies ist auch das Problem des Puzzlephone. Die Zielgruppe die so ein Telefon interessieren könnte kann das wichtigste schon selbst reparieren/aufrüsten. Und der grosse Rest interessiert sich gar nicht dafür.
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