Von Reinhard Eisele
Digitale Spiegelreflexkameras, die über Ausstattungsmerkmale verfügen, mit denen ein bewusstes Fotografieren möglich ist, beginnen in einer Preisgrößenordnung ab rund 500 Euro. Ich empfehle folgende Auswahlkriterien:
Pixelanzahl und Sensorformat: Wie hoch die Auflösung sein sollte, hängt davon ab, was mit den Fotos geschehen soll. Wer in Magazinen oder Kalendern veröffentlicht, also mit dem Druck im Offsetdruckverfahren rechnet, verwendet eine Kamera mit wenigstens 12 Megapixeln und einem Vollformatsensor. Hier ist eine gute Druckwiedergabe bis zum DIN-A3- Format (Doppelseite) möglich. Kameras ab circa 17 Megapixel eignen sich für diesen Zweck noch besser, denn ab dieser Dateigröße lassen sich aus den Fotos problemlos Riesenposter in Topqualität herstellen.
Daneben spielt das Sensorformat eine wichtige Rolle: Ein Vollformatsensor (24x36 mm), den teurere Kameras verwenden, liefert die besten Ergebnisse. Gegenüber den kleineren APS-C-Formaten (zum Beispiel 22,2x14,8 mm) zeichnet sich der Vollformatsensor durch hochauflösende Ergebnisse und ein wesentlich geringeres Rauschen bei hoher Lichtempfindlichkeit ab ISO 400 aus. Ein weiterer Vorteil des Vollformatsensors - und damit der größeren Datenmenge - ist die Möglichkeit, die endgültigen Motive erst durch die Wahl eines Bildausschnitts festzulegen. Je größer das Ausgangsformat ist, desto "enger" kann der Ausschnitt gewählt werden, ohne dabei einen allzu großen Qualitätsverlust zu hinnehmen zu müssen.
Für Fotoabzüge im mittleren Format reichen weniger Pixel sowie ein kleineres Sensorformat. Bis zum Format DIN A3 (ca. 30x40 cm) oder DIN A2 (ca. 40x60 cm) bringen acht Megapixel gute Ergebnisse. Allerdings hängt dies von der gewählten ISO-Zahl und der Qualität des Vergrößerungsverfahrens ab. Für die Betrachtung mit Hilfe eines Beamers oder auf dem Bildschirm genügen weniger Pixel.
Stabilität: Hohe Gehäusestabilität ist wichtig, denn in hektischen Situationen auf Märkten, Veranstaltungen, bei Festen oder auf Basaren, kommt es öfters vor, dass man angerempelt wird, schlimmstenfalls fällt die Kamera zu Boden. Ideal, aber teuer sind Kameras mit einem stabilen Chassis aus Magnesiumlegierung.
Feuchtigkeits- und Staubschutz: Manche Gehäuse - leider meist nur die teureren - sind so robust verarbeitet, dass Feuchtigkeit und Feinstaub keine Chance haben. Wichtig ist das sowohl in tropischen Regionen zur Regenzeit als auch auf Segeltörns, denn Spritzwasser - besonders salzhaltiges - bedeutet schnell das Aus für die Kamera.
Vorsichtig sein sollte man auch auf Safaris oder Wüstentouren: Ohne verschärfte Vorsichtsmaßnahmen verstauben hier Kamera und Objektiv mit ziemlicher Sicherheit - manchmal reicht dafür schon eine winzige Reißverschlussöffnung der Kameratasche.
Display: Ein möglichst großes Display hilft auf Reisen bei den oft schwierigen Lichtverhältnissen zwar (manchmal zu hell, manchmal zu dunkel). Die Livebild-Funktion ist dagegen hin und wieder ganz komfortabel (zum Beispiel bei sehr tiefem Kamerastandpunkt), aber nicht unbedingt notwendig.
Blenden- oder Zeitautomatik: Diese sollte man wahlweise einstellen können. Bei schnellen Motiven ist die Zeitvorwahl, bei Landschafts- oder Porträtaufnahmen die Blendenvorwahl sinnvoll. Von einer Programmautomatik halte ich nicht allzu viel, da man sich auf diese Weise das nicht bewusste Fotografieren angewöhnt und der Kamera das Denken überlässt.
Belichtungsmessung: Ideal für Reisen ist eine Kamera, die verschiedene Belichtungsmessmethoden anbietet. Sowohl Mehrfeldmessung als auch Spotmessung sollten zur Verfügung stehen - was aber mittlerweile die allermeisten DSLRs bieten.
Bildstabilisator: Ein kameraintegrierter Bildstabilisator, der das Verwackeln verhindert, ist zwar bequem, aber nicht unbedingt notwendig. Bei kürzeren Brennweiten reicht in der Regel eine ruhige Hand. Bei langen Brennweiten ab 180 Millimetern bevorzuge ich Objektive mit integriertem Stabilisator.
Schärfentiefeprüfung: Diese Funktion bietet besonders in der Landschafts- und Architekturfotografie Vorteile. Deshalb sollte sie vorhanden sein - entweder in Form eines Abblendhebels oder einer Abblendtaste, zuweilen auch Schärfentiefetaste beziehungsweise -hebel genannt.
Sensorreinigung: Je öfter man das Objektiv wechselt, desto größer ist die Chance, dass Staubpartikel den Sensor verschmutzen und dann als "Schmutzpunkte" das Bild übersäen. Eine automatische Sensorreinigung hilft enorm.
Bildfolge: Die Anzahl der Bilder, die eine Kamera pro Sekunde aufnehmen kann, variiert je nach Einstellung (in JPEG-Einstellung mehr, in RAW-Einstellung weniger), was aber in erster Linie bei der Sport- und Actionfotografie eine Rolle spielt. In der Reisefotografie hilft eine schnelle Bildfolge dagegen vielleicht einmal bei Festen oder Umzügen; als Kriterium steht sie für mich aber nicht im Vordergrund.
Geotagging: Die Integration der geografischen Koordinaten des Motivs in die Exif-Datei des jeweiligen Bildes macht vor allem dann Sinn, wenn man sich bei langen Reisen die oft nervigen Notizen sparen möchte oder seine Bilder bei Google Earth oder Flickr einstellen will. Hier ist jedoch eine intensive Recherche über die entsprechende Hard- und Software notwendig, denn nicht alle Modelle bieten die Möglichkeit, diese Daten auch im RAW-Format (dabei werden sämtliche Bilddaten verlustfrei erhalten) abzuspeichern. Oft werden diese Daten nur im JPEG-Format (komprimiert) hinterlegt. Sowohl Kamerahersteller als auch Freeware-Unternehmen (zum Beispiel GeoSetter) haben den Trend erkannt und überbieten sich zurzeit mit Neuerungen auf dem Markt.
Zweitgehäuse
Jede Kamera kann ausfallen. Ein Zweitgehäuse mitzunehmen ist deshalb wichtig - gerade im Zeitalter der "Nur-noch-Elektronik" und vor allem, wenn die Reise in klimatisch extremere Gegenden führt.
In Zeiten der analogen Fotografie reichte als Ersatz noch eine "abgespeckte" Kamera - der Film war die Basis. Dieselben Objektive und der gleiche Film lieferten gleich gute Ergebnisse. Heute entscheiden dagegen Auflösung und Sensor über das "Look and Feel" eines Bildes. Deshalb nützt es wenig, als Erstkamera zum Beispiel eine 17-Megapixel-Kamera mit Vollformatsensor einzusetzen und als "billiges" Zweitgehäuse eines mit APS-C-Sensor und acht Megapixeln zu verwenden. Dies ergibt einfach zu unterschiedliche Ergebnisse.
40 Grad, lange Fußwage, klapperige Busse - welche Fotoausrüstung schleppt man auf solchen Reisen mit? Im zweiten Teil des Ratgebers klärt Eisele am Sonntag auf, welches Zubehör man wirklich braucht.
Der Artikel ist im Sonderheft Digitale Fotografie des Fachmagazins "c't"erschienen. Ein Inhaltsverzeichnis des Hefts finden Sie hier, der Heise-Verlag bietet auch eine Bestellmöglichkeit.
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