Reaktionen auf das iPhone 4 Viermal mehr Pixel, doppelt so viel Schmutz

Apples neues Handy, da sind sich fast alle Beobachter einig, wird ein großer Wurf. Nur wenige Stimmen melden sich mit Kritik zu Wort, bemängeln etwa die eingeschränkte Videofunktion. Nur einem fiel auf, weshalb man beim iPhone 4 künftig noch öfter zum Putztuch greifen muss.

iPhone 4: Höhere Bildschirm-Auflösung, zwei glänzende Glasflächen
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iPhone 4: Höhere Bildschirm-Auflösung, zwei glänzende Glasflächen

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Wer die Keynote von Steve Jobs am Montagabend live erleben wollte, musste entweder von Apple eingeladen worden sein oder tief in die Tasche greifen. 1599 Dollar kostete eine Eintrittskarte, die außerdem den Zugang zu den Veranstaltungen der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC beinhaltet. Viel Geld, könnte man meinen und doch dauerte es nur wenige Tage, bis Apple alle 5200 Tickets für diese Veranstaltung losgeworden war.

Das Medienaufgebot war wie immer gewaltig. Springers "Bild" und "Welt" waren ebenso mit Reportern vor Ort wie "New York Times" und "Wall Street Journal". Und natürlich waren Hightech-Journalisten und Blogger zu Hunderten angereist. Engadget etwa hatte zwei Mitarbeiter zu der Show geschickt, Techcrunch gleich drei: Zwei tippten im Akkord in die Tasten, während ein Dritter Fotos machte und gleichzeitig ins Netz stellte. Nur die Blogger von Gizmodo waren nicht mit dabei. Sie waren nicht eingeladen worden, sind bei Apple offenbar in Ungnade gefallen, seit sie den berühmten verlorenen Prototypen des iPhone 4 gekauft und darüber berichtet hatten.

Eine Live-Übertragung der Veranstaltung gab es, wie seit Jahren, nicht. Welche absurden Blüten diese Einschränkung seitens Apple mittlerweile treibt, bekam Steve Jobs selbst zu spüren. Als er mit einem vorbereiteten iPhone dessen Internetfähigkeiten und den neuen Bildschirm demonstrieren wollte, bekam er keine Verbindung, das Netz war zusammengebrochen.

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iPhone 4: Steve Jobs stellt das neue Apple-Handy vor
Den Grund für die Malaise hatten seine Techniker schnell gefunden: Insgesamt 570 drahtlose Netzwerke seien im Veranstaltungsraum gerade aktiv, erklärte Jobs nach einigen Minuten, bat darum, man möge doch die Notebooks zuklappen, damit er mit seiner Präsentation fortfahren könne. Die soziale Kontrolle funktionierte dabei hervorragend. Wer unverdrossen in die Tasten tippte, erntete böse Blicke seiner Sitznachbarn. Selbst die Engadget-Vertreter schalteten schließlich auf ihre Handys um, zumindest für ein paar Minuten. Doch schon das reichte aus, um den Rest der Jobs-Show problemlos über die Bühne gehen zu lassen.

Künftig muss man mehr putzen

Im Anschluss an Jobs Vorstellung gab es für die Presse Gelegenheit, das neue Handy zumindest kurz in die Hand zu nehmen. Engadgets erstes Urteil fällt dabei knapp und eindeutig aus. " Es ist unheimlich sexy", schreiben die Tech-Blogger. Vor allem sei es "schockierend dünn", so dass ein iPhone 3GS dagegen aufgeblasen wirke, der Bildschirm sei der beste, den sie jemals angeschaut hätten. Und auch für den neuen A4-Prozessor haben sie Lob, beschreiben, dass vor allem die Kamera-Anwendung damit viel schneller arbeite, schnellere Schnappschüsse ermögliche.

Einen Nachteil der neuen Rückseite, die jetzt wie die Front auch von einer Glasscheibe abgedeckt wird, hat " Wired"-Redakteur Brian Chen entdeckt: Während man bisher nur auf der Vorderseite mit Fingerschmutz zu kämpfen hatte, muss man nun auch den Rücken des Geräts regelmäßig reinigen.

Hat die Konkurrenz aufgeholt?

Kritiker, die schon aufgrund der technischen Daten etwas an dem neuen Handy auszusetzen haben, findet man dagegen kaum. Der Handy-Blog Mobile Mentalism etwa ätzt, Jobs Behauptung, das iPhone 4 sei "der größte Fortschritt seit der Einführung des ersten iPhone", sei "offensichtlich falsch". Die neuen Funktionen seien zwar gut, aber sie seien auch "derzeit typisch für fast alle besseren Smartphones". Gegenüber seinem Vorgänger allerdings sei das iPhone 4 durchaus ein Fortschritt, wenn auch nur ein kleiner.

Auch an der Benutzerführung habe sich nichts Signifikantes getan. Kein gutes Haar lässt Mobile Mentalism aber vor allem an die Videochat-Funktion FaceTime. Videotelefonie per UMTS gebe es schließlich schon seit sieben Jahren in vielen Handys und habe dennoch keinen Durchbruch gebracht. Apple habe diese Alt-Technik nur noch weiter verkrüppelt, indem sie auf dem iPhone nur per W-Lan funktioniert.

Unterm Strich sei das iPhone 4 zwar ein gutes Handy, aber eben auch nicht mehr. Es sei jetzt so gut wie beispielsweise das Xperia X10 von Sony Ericsson, habe nur einen besseren Bildschirm. Apple setze damit nicht mehr selbst die Agenda, sondern folge den Innovationen anderer und verbreite mit FaceTime einen Rauchschleier, der suggerieren soll, dass das iPhone 4 mehr sei als es tatsächlich ist. Im Vergleich zu früheren Modellen, so der Schluss, habe das neue Modell seinen Vorsprung zur Konkurrenz verloren.

Ein Jahr Vorsprung vor der Konkurrenz

Analysten freilich sehen das anders. In der " New York Times" etwa kommt Tim Bajarin von Creative Strategies zu Wort, der in dem neuen Modell "das beste Smartphone" sieht, das Apple "ein Jahr Vorsprung vor der Konkurrenz - wenn nicht mehr" bringe. Ähnlich euphorisch äußert sich Charles Wolf. "Ich glaube, Videochat wird etwas, wodurch sich das iPhone von der Konkurrenz unterscheidet", sagte der Needham & Company-Analyst.

Worüber sich mangels Erfahrung bisher allerdings niemand geäußert hat, ist eine jener Fähigkeiten des iPhone 4, die vor allem Nutzer aktueller oder älterer iPhones interessieren dürfte: die verlängerte Akku-Laufzeit. Bis zu 40 Prozent länger als bisher soll das iPhone 4 ohne Steckdose auskommen. Der Grund hierfür ist aber nicht etwa ein größerer Akku, sondern Apples A4-Prozessor.

Derselbe Chip kommt schon im iPad zum Einsatz, sorgt dort nicht nur für gute Leistung, sondern vor allem für lange Laufzeiten. Selbst beim Videogucken hält das Apple-Tablet zehn Stunden auf Akkustrom durch. Dieselbe Ausdauer soll nun endlich auch das iPhone erreichen. Bisher musste man zu Stromspar-Tricks oder Zusatzakkus greifen, um ein iPhone über einen langen Tag voller Telefonate und Web-Sessions zu bringen. Für dieses Extra an Laufzeit dürfte wohl mancher Bestandskunde seinen Vertrag verlängern, um an ein iPhone 4 zu kommen.

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Seite 1
_j_o_e_ 08.06.2010
1. Apple
Apple schafft es immer wieder. Analysten und Geeks berichten begeistert darüber, dass das neue iPhone Funktionen beherrscht, deren Fehlen seit Einführung des ersten iPhones bemängelt wird und die teilweise seit Jahren Standard im Smartphonebereich sind. Multitasking - whoooo. Eine LED Leuchte zur Aufhellung dunkler Szenen beim Photographieren - eine Revolution! Videotelefonie - welch Innovation! Zugegeben, die Hardware des neuen iPhones ist ungeheuer schick. Auch ist die Oberfläche von iOS immer noch state-of-the-art was fingerfreundliche Bedienung angeht. Trotz alledem muss Apple sich vor Android zunehmend in Acht nehmen. Die Entwicklungsgeschwindigkeit dieses Betriebssystems ist unglaublich schnell und die Hardware nimmt beständig zu - und kostet häufig bei gleicher oder besserer Ausstattung nur gut die Hälfte eines iPhones. Auch wird Apple vielen Kunden mit ihrer Strategie der vollkommenen Kontrolle des Contents und der Nutzung ihrer Hardware zunehmend suspekter. Passt Apple nicht auf, dürften sie bald einen Ruf als "hippes" Microsoft des neuen Jahrtausends genießen. Kaum ein Wettbewerber ist derart restriktiv und bevormundend unterwegs. _j_o_e_
chu84k4 08.06.2010
2. Ständige Apple Werbung ...
Die ständige Apple Werbung kann ich nicht mehr ertragen. Daher wird dies mein letzter Post und melde mich von diesem Portal jetzt ab. Es gäbe so viel interessantes über Technik und Netzwelt zu berichten, doch offensichtlich hat sich SPON Netzwelt auf ein einziges Thema und eine Firma fixiert. Reißerische Überschriften und Artikel ohne Inhalt sprechen mich nicht positiv an, im Gegenteil, sie ärgern mich, denn sie verblenden nur. SPON-Netzwelt erfüllt nicht mehr meine Erwartungen an ein neutrales, informatives, kritisches und hintergründiges Technik-Portal. Schade. Wiedersehen und schöne Grüße.
ruhrbuerger 08.06.2010
3. Saunaclub
Zitat: " Es ist unheimlich sexy", schreiben die Tech-Blogger. Ich empfehle allen Tech-Bloggern diese Version des iPhone einfach mal auszulassen und mit dem gesparten Betrag einen Tag im Saunaclub zu verbrigen um zu erfahren, was 'sexy' wirklich bedeutet!
HAL9000, 08.06.2010
4. Und weg ..
Zitat von chu84k4Die ständige Apple Werbung kann ich nicht mehr ertragen. Daher wird dies mein letzter Post und melde mich von diesem Portal jetzt ab. Es gäbe so viel interessantes über Technik und Netzwelt zu berichten, doch offensichtlich hat sich SPON Netzwelt auf ein einziges Thema und eine Firma fixiert. Reißerische Überschriften und Artikel ohne Inhalt sprechen mich nicht positiv an, im Gegenteil, sie ärgern mich, denn sie verblenden nur. SPON-Netzwelt erfüllt nicht mehr meine Erwartungen an ein neutrales, informatives, kritisches und hintergründiges Technik-Portal. Schade. Wiedersehen und schöne Grüße.
Ja, schade das nicht wie z.B. bei Heise und Wikipedia mehr Focus auf Dinge gelegt werden, die wirklich wichtig sind. Zum Beispile unter welcher Lizenz ein Produkt angeboten wird und ob die von der FSF anerkannt ist. Oder das der neue LUSER Kernel 2.36.99.87.44.1 gerade von Linus auf eine neue Floppy Disk geschrieben wurde.
m-pesch, 08.06.2010
5. ...
Zitat von ruhrbuergerZitat: " Es ist unheimlich sexy", schreiben die Tech-Blogger. Ich empfehle allen Tech-Bloggern diese Version des iPhone einfach mal auszulassen und mit dem gesparten Betrag einen Tag im Saunaclub zu verbrigen um zu erfahren, was 'sexy' wirklich bedeutet!
So ein Schweinkram ist nix für Apple User.
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