Oculus Rift Diese Brille lässt die Realität blass erscheinen

Schon die erste Version der Computerbrille Oculus Rift hatte begeistert. Jetzt hat das Unternehmen auf der CES ein verbessertes Modell vorgestellt. Wir hatten in Las Vegas Gelegenheit, mit dem Hightech-Gadget in eine virtuelle Realität einzusteigen.

SPIEGEL ONLINE

Aus Las Vegas berichtet


Immer wenn mir Leute, die sie schon ausprobiert hatten, von der Datenbrille Oculus Rift erzählten, hörte ich dieselbe Begeisterung. 2013 wurde das damals noch sehr klobige Gerät als die wichtigste Hardware-Innovation der Spielemesse E3 bezeichnet. Das Gadget wird wie eine Skibrille über die Augen gestülpt, verfügt über zwei winzige Bildschirme. Spezielle Linsen sorgen dafür, dass deren Bilder gezielt nur mit jeweils einem Augen zu sehen sind. So lässt sich ein realistischerer 3-D-Effekt erzeugen, als man ihn von Kinos und 3-D-Fernsehern kennt.

Außer der Begeisterung für die neue Technik gab es auch Kritik. Die Auflösung der Bildschirme betrug 1280 x 720 Pixel, lag damit deutlich unter der von Full-HD-Fernsehern. Außerdem hatten die Geräte Probleme damit, die Videobilder schnell genug zu berechnen, so dass vor allem bei schnellen Bewegungen Unschärfen entstanden. Manche Tester beklagten zudem ein Unwohlsein, das sich nach einigen Minuten Nutzung einstellte, ein Effekt, den ich vor Jahren bei der Cinemizer-Datenbrille bemerkte.

Auf der CES zeigt Oculus nun in einem Hinterzimmer eine neue Version der Rift. Sie soll die Probleme lösen. Eine neue Funktion soll zudem das Spielen realistischer und einfacher machen: Die neue Rift arbeitet mit einer Kamera, die die Bewegungen der Brille und damit die des Nutzers im Raum erkennt und die Darstellung der virtuellen Realität entsprechend anpasst. Positional Tracking nennt Oculus das.

Außerdem zeigt die neue Version Full-HD-Auflösung und soll so schnell sein, dass Verzögerungen und Schlierenbilder Vergangenheit sind.

Ab in den Pilotensitz

Als ich die neue Rift aufsetze, habe ich das Gefühl, als würde die Welt um mich herum ausgeblendet und gegen einen parallele Realität eingetauscht. Ich befinde mich plötzlich in einer großen Höhle, durch die Lavaströme fließen. Im Zentrum steht ein riesiges Monster, weiter unter laufen kleine Figuren durch die Gegend. Die Grafik endet nirgends. Egal wohin ich schaue, überall sind die Wände der Höhle zu sehen, auch wenn ich nach hinten schaue.

Die Szenerie verändert sich vollkommen natürlich im Einklang mit meinen Bewegungen, sichtbare Verzögerungen oder Unschärfen gibt es nicht. Trotzdem ist das Bild nicht ganz perfekt. Trotz Full-HD-Auflösung kann ich Pixel erkennen. Doch nach wenigen Minuten fällt mir das aber kaum noch auf.

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Computerbrille: Das neue Modell der Oculus Rift
Nach einigen Minuten in der Höhle starten die Entwickler ein neues Programm, und ich sitze in Pilotensessel eines Raumschiffs. Beim Umschauen stelle ich fest, dass das Dach meines Cockpits mal wieder geputzt werden sollte. An den Rändern der Glasscheiben sind Schmutzspuren zu sehen. Die Anzeigen der beiden Bildschirme links und rechts von meinem Sitzplatz kann ich nur ablesen, wenn ich mich zu ihnen herunterneige. Das Positional Tracking funktioniert.

Spiele als Türöffner

Einige Minuten und eine kleine Weltraumschlacht später setze ich die Brille widerwillig ab. Die Illusion, mitten im Geschehen und in einer anderen Welt zu sein, war beeindruckend. Ein Gefühl von Seekrankheit, wie ich es bei ähnlichen Geräten erfahren habe, spüre ich nicht. Auch das Gewicht der Rift war nicht störend. Nur dort, wo der Schaumstoff der Brillenumrandung auf meinem Gesicht aufgelegen hat, bin ich etwas verschwitzt.

Aber das lässt sich ändern, denn auch in der neuen Version ist die Rift noch ein Prototyp. Das endgültige Produkt, sagt mir Oculus-Manager Aaron Dean Davies, könne ganz anders aussehen. Wann es so weit sein wird, ist unklar. So gut die VR-Brille jetzt schon sein mag, die Entwickler haben noch viel vor. 70 Leute arbeiten derzeit in drei Büros an dem Projekt, und Davies lässt keinen Zweifel daran, dass es bald noch mehr sein werden.

Und er lässt durchblicken, dass die Firma noch an weiteren Produkten arbeitet. Welche das sind, will er nicht verraten. Aber man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass die Brille beispielsweise gut durch ein paar Handschuhe ergänzt werden könnte, die die Bewegungen des Spielers in die virtuelle Realität bringen. So könnte man in den Spielewelten seine Arme sehen und damit virtuelle Gegenständen berühren. Wann es so weit sein wird, bleibt vorerst unklar. Weder einen Zeitplan zur Markteinführung noch einen möglichen Preis will Davies preisgeben.

Doch wenn es so weit ist, da kann man sicher sein, wird die Rift verändern, wie wir spielen. Die Spielebranche könnte ein Türöffner sein. Sollte sich die Cyber-Brille wirklich etablieren, werden auch andere Branchen die Möglichkeiten der Technik nutzen. Denkbar wäre etwa die Verwendung in Konstruktionsabteilungen, in Museen bei der Ausbildung von Ärzten.

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
xxbigj 10.01.2014
1. optional
Na endlich mal eine richtige Weiterentwicklung nach Jahren des Stillstandes. Wenn die Oculus Rift ausgreift ist. Sind Spiele Konsolen wie PS4,XBox360, vergleichbar, wie der erste graue Game-Boy!:) Drauf kann man sich freuen:) Am Anfang wahrscheinlich unbezahlbar, aber bestimmt in 5 Jahren oder so. Toll!
kioto 10.01.2014
2. Perry Rhodan läßt grüßen
Als ich als Kind vor 50 Jahren PR las, klaute er gerade den Arkoniden das Beiboot ihres Kreuzers, der auf dem Mond havarierte, weil die Besatzung zu sehr ins Videospiel vertieft war und deswegen auch keine Lust mehr hatte, das Schiff zu reparieren. Hoffentlich gehts uns nicht mal genauso. mfg Kioto
Hupert 10.01.2014
3.
Zitat von xxbigjNa endlich mal eine richtige Weiterentwicklung nach Jahren des Stillstandes. Wenn die Oculus Rift ausgreift ist. Sind Spiele Konsolen wie PS4,XBox360, vergleichbar, wie der erste graue Game-Boy!:) Drauf kann man sich freuen:) Am Anfang wahrscheinlich unbezahlbar, aber bestimmt in 5 Jahren oder so. Toll!
Sie soll eben gerade von Anfang an nicht unbezahlbar sein. Angepeilt war der Preis eines ordentlichen 3D fähigen Monitors also um die 400 Euro. Ich bin jedenfalls äußerst gespannt....
dod1977 10.01.2014
4.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINESchon die erste Version der Computerbrille Oculus Rift hatte begeistert. Jetzt hat das Unternehmen auf der CES ein verbessertes Modell vorgestellt. Wir hatten in Las Vegas Gelegenheit, mit dem Hightech-Gadget eine virtuelle Realität einzusteigen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/realistische-3-d-effekte-mit-der-computerbrille-oculus-rift-a-942834.html
Kleine Anmerkung: Die Rift, auch die erste Entwicklerversion, nutzt nur ein Display und nicht wie geschrieben derer zwei. Das Display ist entsprechend größer und löste beim Dev-Kit insgesamt mit 1280 x 800 Pixeln auf, so dass für jedes Auge nur etwas weniger als die Hälfte dieser Auflösung übrig blieb. Die aktuelle "Crystal Cave"-Version löst mit 1920 x 1080 Pixeln auf, das aber auch wieder insgesamt für das komplette Display. Die verpixelt wirkende Grafik rührt also wieder von der vergleichsweise geringen Auflösung pro Auge her. Und natürlich von der Nähe des Auges zum Display, was durch die Linsen noch verstärkt wird. Perfekt wäre wohl erst ein 4K-Display, mir würde nach den bereits beeindruckenden Erfahrungen mit dem Dev-Kit aber auch die FullHD-Version vollkommen reichen. Brillenträger, die sich jetzt fragen, ob sie die Rift besser ignorieren sollen, dürfen sich übrigens freuen: Es ist problemlos möglich, eine konventionelle Sehhilfe unter der Rift zu tragen. Alternativ lassen sich die Linsen aber auch so wählen, dass leichte Fehlsichtigkeiten bereits von der Videobrille selbst ausgeglichen werden.
raber 10.01.2014
5. Verminderung der Kommunikation als Folge
Hört sich toll an. Meine Befürchtung ist, dass die innermenschliche Kommunikation dadurch leiden wird da gegen äussere Einflüsse abgeschirmt wird die ein fanatischer Smart-Mobile oder Tablet Benutzer noch wahrnehmen kann.
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