Rechenzentren Wer die meisten Server hat

Wie viele Server braucht man, um PC-Chips zu entwickeln, wie viele, um ein soziales Netzwerk zu betreiben? Ein Fachmagazin hat zusammengestellt, wie die Infrastruktur von IT-Unternehmen aufgestellt ist und daraus eine anschauliche Grafik gemacht. Die ist hübsch anzusehen, verschweigt aber vieles.

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Viel hilft viel, lautet eine vielzitierte Volksweisheit. Aber wie viel hilft wirklich? Wenn es um Server geht, schienen sich zumindest die großen Computer- und Internetfirmen einig zu sein: So viel wie möglich. Diesen Eindruck erweckt zumindest ein Schaubild, das die Redakteure des Webhosting-Magazins Intac zusammengestellt haben.

Die ausgesprochen unhandlich formatierte Grafik zeigt sehr deutlich, wer die ganz großen Serverfarmen hat und welche Firmen die meisten Computer in ihren Rechenzentren versammelt haben. Die Daten dafür stammen von der Website Data Center Knowledge, einer Nachrichtenseite, die sich ganz dem Thema Rechenzentren verschrieben hat.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Server-Experten gefragt: " Wer hat das größte Rechenzentrum der Welt?" Natürlich hatte Data Center Knowledge auch die Antwort parat: Das Lakeside Technology Center in Chicago sei das. Hineingebaut in ein historisches Druckereigebäude bietet es auf mehr als 100.000 Quadratmetern Platz genug für die Rechneranlagen von 70 Mietern, die gemeinsam einen Strombedarf von 100 Megawatt haben und die Anlage zum zweitgrößten Stromkunden der Region machen. Mehr Energie benötigt nur der gewaltige O'Hare-Fughafen mit seinen sieben Landebahnen und vier Terminals.

Wer hat die meisten?

Doch selbst das dürfte wenig sein, verglichen mit dem, was einige der Firmen, die Intac in seiner Übersichtsgrafik aufführt, an Energie verbraten. Denn allein Chip-Hersteller Intel wird dort mit sagenhaften 100.000 Servern gelistet, dominiert das Schaubild zunächst in Farbe und Größe. Direkt darunter: Der Webhoster 1&1 Internet mit seinen 70.000 Rechnern, auf denen Millionen Web-Seiten lagern. Da nimmt sich der Serverpark von Facebook fast schon bescheiden aus. 30.000 Computer reichen aus, um die 350 Millionen Mitglieder des sozialen Netzwerks miteinander zu verbinden.

Scrollt man dann aber weiter nach unten, kommen nicht nur jene Firmen, deren Serversammlungen man schon fast unter "ferner liefen" abklassifiziert (AT&T, 20.268 Server), sondern auch ein langes, ein sogar sehr langes hellgelbes Feld, das mehr als doppelt so viel Platz einnimmt wie der ganze Rest. Das ist Google. Mehr als eine Million Server, schätzt Data Center Knowledge, stehen im Dienst der Suchmaschine und ihrer Ableger.

Umgerechnet wären das rund zwei Prozent der weltweit genutzten Server, doch auch das ist nur eine Schätzung. Denn so plakativ sie ist, zeigt die Grafik von Intac doch nicht die ganze Wahrheit, sondern nur einen Ausschnitt davon. Denn etliche der ganz Großen fehlen in der Liste, weil sie nicht verraten, wie viele Server sie einsetzen. Mehr als je 50.000, schätzen die Experten, werden es wohl sein, bei Firmen wie Amazon, Microsoft und HP.

Nicht die Menge zählt

Über die tatsächliche Rechenleistung, die den Firmen aus ihren vielen Servern zur Verfügung steht, sagt die Grafik übrigens gar nichts aus, lässt bestenfalls eine grobe Schätzung zu. Google und auch 1&1 beispielsweise haben vor allem deshalb so viele Rechner, weil sie in ihren Rechenzentren viele kleine PC zusammenschalten. Da, wo wirklich gewaltige Rechenleistung schnell abrufbar gebraucht wird, werden dagegen meist spezialisierte Riesen-Rechner aufgebaut.

So wie im Forschungszentrum Jülich etwa, das mit seinem Supercomputer vor einem Jahr auf den dritten Platz der schnellsten Rechner der Welt kam. Das Jugene genannte IBM-Konstrukt versammelt in 72 Schränken 72.000 Prozessoren und 144 Terabyte Arbeitsspeicher. Umgerechnet, so die Forscher im Mai 2009, entspricht das der Kapazität von 150.000 PC - liefert also mehr Rechenleistung als sie beispielsweise Intel zur Verfügung steht.

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