re:publica-Vortragstipps Wie gefährlich ist das Selbstvermessen?

Prothesen aus dem 3D-Drucker und Herzfehler-Alarm auf der Apple Watch: Medizinexperten befassen sich auf der re:publica mit den Möglichkeiten moderner Technik - und mit den Risiken. Drei Tipps für den Donnerstag.

Käufer der Apple Watch: Pulsmesser gehören bei modernen Smartwatches zum Standard
DPA

Käufer der Apple Watch: Pulsmesser gehören bei modernen Smartwatches zum Standard


Mit Fitness-Armbändern und Smartwatches können wir unsere Körperfunktionen so genau messen wie nie zuvor. Diese Daten senden wir massenweise an große Onlinekonzerne oder die Anbieter einzelner Fitness-Apps. Das kann ein großer Vorteil sein, da sich unser Gesundheitszustand detailliert analysieren und mit den Daten anderer Menschen vergleichen lässt.

Die digitale Gesundheitsrevolution bietet Ärzten die Möglichkeit, auf einen riesigen Datenpool zurückzugreifen, um Krankheiten zu erforschen und neue Heilmittel zu entwickeln. Doch die Gesundheitsdaten sind auch mit das Privateste, was ein Mensch übermitteln kann, die Onlinekonzerne tragen eine große Verantwortung. Auf der Berliner Netzkonferenz re:publica sprechen am Donnerstag Wissenschaftler und Mediziner über die Chancen und Risiken des digitalen Gesundheitswahns.

Die Chefredakteurin des Medizinportals "Medscape", Shari Langemak, kündigt ihren Vortrag (10.30 Uhr, Englisch, Stage 10) damit an, dass die digitale Innovation auf dem Gesundheitsmarkt durchaus dazu führen könne, dass unsere Lebenserwartung verlängert wird und viele Krankheiten besiegt werden.

Doch Langemak warnt auch vor der Gefahren des Fortschritts. Sie wirft die Frage auf, ob die Patienten künftig nicht mit den Kontrollmöglichkeiten überfordert sein werden - oder gar die Kontrolle über ihre medizinischen Daten verlieren. Die Medizinexpertin will keine fertigen Antworten liefern, sondern eine Diskussion darüber anregen, ob man wirklich wissen will, an welcher Krankheit das ungeborene Kind leiden und an welcher Krankheit man selbst sterben könnte.

Prothesen aus dem 3D-Drucker

Andrew Lamb erklärt in seinem Vortrag (11.15 Uhr, Englisch, Stage 10), wie die moderne Technik in Katastrophengebieten eingesetzt wird. Lamb spricht über Erfahrungen der Hilfsorganisation Field Ready, die medizinische Ausrüstung direkt im Krisengebiet produziert.

Im vergangenen Jahr haben die Helfer bereits ihre Ausrüstung im Inselstaat Haiti getestet. Das Land wurde 2010 von einem schweren Erdbeben erschüttert, die Bevölkerung leidet noch immer an den Folgen der Katastrophe. Andrew Lamb berichtet unter anderem darüber, wie die Organisation dort 3D-Drucker einsetzt, um medizinische Hilfsmittel wie Prothesen direkt in Krisengebieten zu produzieren.

Der Industriedesigner Marco van Beers (15 Uhr, Englisch, Stage 10) sieht große Chancen darin, dass sich die Technik mit unserem Körper verbindet. Er geht davon aus, dass die Apple Watch in ein paar Jahren den Nutzer warnen wird, sobald der Pulsmesser etwa einen Herzfehler erkennt.

Doch wie nah sollten Menschen die Technologie an sich heranlassen? Dürfen Softwareentwickler und Designer in die Natur eingreifen? Das sind Fragen, die Marco van Beers thematisieren wird.

jbr



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stelzenlaeufer 07.05.2015
1.
Aber Hauptsache über die NSA aufregen und sich dann die Überwachung freiwillig ins Haus holen...
silenced 07.05.2015
2.
Das ganze Problem an diesen Überwachungen der Körperfunktionen: Was genau weiß denn der Mensch darüber wie der Mensch wirklich funktioniert? Ich wage zu behaupten: Viel zu wenig. Dieser Selbstüberwachungs- und Optimierungswahn wird in die Hose gehen. Soviel zusätzlicher (Freizeit-)Streß ist nicht gut für Körper und Geist.
Aase 07.05.2015
3. Vollüberwachte
Zitat von stelzenlaeuferAber Hauptsache über die NSA aufregen und sich dann die Überwachung freiwillig ins Haus holen...
Diejenigen, die sich vollüberwachen, regen sich vermutlich nicht über die nsa auf; die Selbstüberwacher/innen wollen ja bei dem Überwachen mitmachen.
Aase 07.05.2015
4. Das Verstehen.
Zitat von silencedDas ganze Problem an diesen Überwachungen der Körperfunktionen: Was genau weiß denn der Mensch darüber wie der Mensch wirklich funktioniert? Ich wage zu behaupten: Viel zu wenig. Dieser Selbstüberwachungs- und Optimierungswahn wird in die Hose gehen. Soviel zusätzlicher (Freizeit-)Streß ist nicht gut für Körper und Geist.
Meiner Meinung nach geht es denjenigen, die sich selber überwachen, gar nicht darum, Prozesse zu verstehen, sondern einfach mitzumachen. Darum geht es.
titeroy 07.05.2015
5. quatsch
Zitat von AaseDiejenigen, die sich vollüberwachen, regen sich vermutlich nicht über die nsa auf; die Selbstüberwacher/innen wollen ja bei dem Überwachen mitmachen.
Ich mache das seit 1995 und ohne Daten irgendwohin hochzuladen. Das bringt ja nun keinen echten Mehrwert. Und ich bin sicher da bin ich nicht der einzige der das zar tut, aber nicht teilt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.