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Kameratest Ricoh GR: Spiegelreflex-Qualität, leicht wie zwei Schokotafeln

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Ricoh GR: So fotografiert die Kompaktkamera Fotos
SPIEGEL ONLINE

Das Gehäuse ist 215 Gramm leicht und klein genug für die Hosentasche, der Bildsensor so groß wie der in Spiegelreflexkameras. Die Ricoh GR ist eine außergewöhnliche Kamera und deutlich günstiger als die Konkurrenz. Der Test zeigt, wie gut die Kleine fotografiert.

Der Ricoh GR sieht man nicht an, dass im Inneren ein Bildsensor arbeitet, wie man ihn sonst in großen Spiegelreflexkameras findet. Die GR ist so hoch und breit wie ein Smartphone und wiegt nur etwas mehr als 200 Gramm. Die Kamera passt locker in die Hosentasche, liefert aber auch bei wenig Licht Aufnahmen mit wenig Bildrauschen, in denen feine Details erhalten sind.

Mit der Mischung aus großem Sensor, kleinem Gehäuse und Weitwinkelobjekt macht die Ricoh GR vor allem Nikon Konkurrenz. Der Fotokonzern hatte im Frühjahr eine ähnliche Kamera veröffentlicht, die Coolpix A. Die neue Ricoh ist allerdings deutlich leichter und schon zum Start 180 Euro billiger als die seit vier Monaten erhältliche Nikon.

Das gefällt: Gewicht, Sensor, Bedienung

Bildqualität: Die Aufnahmen der Ricoh GR haben eine verblüffende Qualität für eine Kamera dieser Größe. Auch bei Aufnahmen in der Dämmerung mit hoher ISO-Empfindlichkeit (1600) sind auf den Aufnahmen feine Details deutlich abgebildet, zum Beispiel Sandkörner oder kleine Bläschen in der Gischt. Das Bildrauschen ist gering und auch in der 100-Prozent-Ansicht nicht als störend auszumachen. Was Details und Rauschen angeht, sind die Aufnahmen der Ricoh GR im Raw-Format mit bloßem Auge nicht von denen der Nikon Coolpix A zu unterscheiden. Die Labortests von Digitalkamera.de bestätigen den Seheindruck.

Signal-Rauschabstand der Ricoh GR: Je größer der Wert, desto deutlicher ist das Signal und desto geringer ist das störende Rauschen Zur Großansicht
digitalkamera.de

Signal-Rauschabstand der Ricoh GR: Je größer der Wert, desto deutlicher ist das Signal und desto geringer ist das störende Rauschen

Gehäuse: Die Ricoh GR ist leichter als die Nikon Coolpix A. Es sind zwar nur gut 80 Gramm weniger, doch unterwegs ist der Unterschied spürbar. Die Ricoh GR hält man beim Gehen mühelos lange Zeit in einer Hand oder steckt sie in die Hosentasche. Eine automatische Sperre verhindert, dass sich das Moduswahlrad dabei verstellt. Die etwas größere und schwerere Nikon steckt man eher in die Tasche. Trotz des schlanken Gehäuses liegt die Ricoh GR sehr gut in der Hand, dank einem gummierten Griff und der leicht aufgerauten Gehäuseoberfläche.

Bedienung und Funktionsvielfalt: Am Gehäuse der GR sind acht einfache Knöpfe, ein Wippschalter, ein Hebelschalter, eine Vier-Wege-Wippe, ein Drehrad und ein Moduswahlrad angebracht. Das ist mehr als genug, um nahezu alle Funktionen der Kamera über spezielle Knöpfe direkt aufzurufen, anstatt lange durch Bildschirmmenüs zu blättern. Viele der Schalter lassen sich nach persönlichen Vorlieben mit Einstellungen belegen. In all diese Möglichkeiten muss man sich allerdings einarbeiten. Die vielen Einstellhilfen der Ricoh GR sind auch dem enormen Funktionsumfang geschuldet - Belichtungsreihen, Intervallaufnahmen, Fixfokus in Stufen.

Autofokus: Die Ricoh GR fokussiert deutlich schneller und zuverlässiger als ältere Ricoh-Digitalkameras mit vergleichbarem Sensor. Bei Tageslicht erscheint der Autofokus etwas schneller als der der Nikon Coolpix A (das bestätigt der Labortest von Digitalkamera.de). Bei Dämmerung sucht die Software der Ricoh GR bisweilen etwas länger die korrekte Einstellung. Die Kamera ist schnell genug, um sie bei Tag auf der Straße einzuschalten, zu fotografieren und sicher sein zu können, dass das Motiv erfasst und scharf abgebildet wird.

Auslöseverzögerung der Coolpix A: Werte unter 0,3 Sekunden sind gut bis sehr gut, bis etwa 0,6 Sekunden sind sie befriedigend Zur Großansicht
digitalkamera.de

Auslöseverzögerung der Coolpix A: Werte unter 0,3 Sekunden sind gut bis sehr gut, bis etwa 0,6 Sekunden sind sie befriedigend

Erweiterbarkeit: Ein Vorteil der Ricoh GR ist die leichtere Erweiterbarkeit im Vergleich zu Coolpix A. Mit einem speziellen Vorsatz zum Aufschrauben (ca. 60 Euro) kann man an der GR alle möglichen Filter mit 49 Millimetern Durchmesser anbringen. So kann man zum Beispiel mit einem Polfilter Reflexionen auf Glas vermeiden.

Nicht so gut: spezielles Objektiv, manuelles Fokussieren, Ladegerät

Objektiv: Das Gehäuse der GR ist trotz des großen Sensors so kompakt, weil ein spezielles Objektiv eingebaut ist. Die Festbrennweite mit moderatem Weitwinkel nimmt nicht so viel Platz ein, wie ein Zoomobjektiv für diesen Sensor es täte. Die feste Brennweite ist der Preis, den man für den großen Sensor und das kompakte Gehäuse zahlt. Dabei ist das Objektiv überhaupt nicht schlecht. Im Gegenteil: Die Auflösung ist hoch und fällt zum Bildrand nicht übermäßig stark ab. Durch den geringen Mindestabstand zum Motiv im Makromodus (zehn Zentimeter) und die große Sensorfläche gelingen beeindruckende Nahaufnahmen mit verschwimmendem Hintergrund und deutlich hervorgehobenen Details vorne. Für Nahaufnahmen von Tieren im Zoo ist die Ricoh GR mangels Zoom allerdings wirklich nichts.

Manueller Fokus: Die Handhabung ist zwar insgesamt sehr gut, doch einige Details sind nicht perfekt umgesetzt. Bei manuellem Fokussieren kann man mit dem Drehrädchen der Ricoh GR nicht so schnell präzise scharf stellen wie beispielsweise mit dem Fokussierring am Objektiv der Nikon Coolpix A.

Ladegerät: Ricoh liefert kein Ladegerät mit, man muss den Akku der Ricoh GR in der Kamera aufladen. Für einen Zweitakku muss man sich also Zubehör kaufen - das ist ärgerlich bei einer derzeit immerhin 729 Euro teuren Kamera.

Vorteile, Nachteile, Fazit

hohe Bildqualität

detailreiche, rauscharme Aufnahmen bei wenig Licht

leicht und kompakt

gute Handhabung

Filter nutzbar

schneller Autofokus

festes verbautes Weitwinkel-Objektiv

Fazit: gut für Reisen und günstiger als die Coolpix A

Die Ricoh GR ist eine spezielle Kamera. Viele Einsteiger dürften eine Zoomfunktion vermissen, auch die gute, aber Einarbeitung erfordernde Handhabung ist nichts für jedermann. Ein Nischenmodell ist die GR aber nicht. Sie ist eine gute Kamera für Touren - leicht, auch nachts einsetzbar, gut für Landschafts- und Naturaufnahmen geeignet.

Wer sich für Fotografie interessiert, Aufnahmen mit Schärfentiefe, längeren Verschlusszeiten und Filtern gestalten will, kann von einer Kompaktkamera auf die GR umsteigen. Zum Zoomen bei Tageslicht taugt die alte Kompakte als Zweitkamera weiterhin, für anspruchsvoller gestaltete Aufnahmen nutzt man die Ricoh GR. Im Vergleich mit der Nikon Coolpix A gewinnt die GR derzeit: Sie ist leichter und günstiger, der Fokussierring der Coolpix A fällt da nicht so ins Gewicht.

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Kompakte Kameras mit großem Sensor: Ricoh GR, Nikon Coolpix A & Co.
Kamera Ricoh GR Nikon Coolpix A Fujifilm X100S Sigma DP2 Merrill
günstigster Preis * (mit / ohne Objektiv) 729 879 1199 762
Maße (Gehäuse) 11,7 x 6,1 x 3,5 11,1 x 6,4 x 4 12,7 x 7,5 x 5,4 12,1 x 6,67 x 5,92
Volumen (Gehäusell-
maße), cm³
249,795 284,16 514,35 477,78544
Gewicht (Gramm) 215 299 405 330
Objektiv 28mm, f/2,8 28mm, f/2,8 35 mm f/2 fest 45 mm, f/2,8
Naheinstell-
grenze (cm)
10 cm 10 cm 10 cm 28 cm
Auflösung (Megapixel) 16,2 16,2 16,3 15,3 / 46 (15,3 in drei Schichten)
Sensorgröße (cm²) 3,72 3,68 3,73 3,69
Megapixel pro cm² 4,35 4,4 4,37 4,15 / 12,46
Display (Diagonale Zoll / cm) 3 / 7,6 3 / 7,6 2,8 / 7,1 3 / 7,6
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 410.000 / 1.230.000 153.333 / 460.000 153.333 / 460.000 306.666 / 920.000
Besonderheiten kein Tiefpassfilter kein Tiefpassfilter kein Tiefpassfilter, Hybrid-Sucher Foveon-Bildsensor, kein Tiefpassfilter
* im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 9.7.2013)

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Spiegelreflex-Qualitaet?
An-On 16.07.2013
Worauf gruendet sich dieses Urteil? Im Text wird sie nur mit anderen Kompaktknipsen verglichen (und schneidet nicht schlechter ab, was bei dem Preis auch eine Frechheit waere). Vielleicht haette man jemanden schreiben lassen sollen, der sich mit sowas auskennt...
2. optional
derigel3000 16.07.2013
Ich als ewiger Hobbyknippser finde es ja immer wieder schön, wenn SPON sich mal die Technikermütze anzieht und etwas über Fotoapparate bringt.
3.
myonium 16.07.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDas Gehäuse ist 215 Gramm leicht und klein genug für die Hosentasche, der Bildsensor so groß wie der in Spiegelreflexkameras. Die Ricoh GR ist eine außergewöhnliche Kamera und deutlich günstiger als die Konkurrenz. Der Test zeigt, wie gut die Kleine fotografiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/ricoh-gr-im-test-leichte-weitwinkelkamera-mit-grossem-sensor-a-910136.html
Also mit einer "großen" Spiegelreflexkamera verbinde ich eindeutig einen Vollformatsensor (24x26 mm), das wären dann 8,64 cm^2 Sensorfläche. In der Tabelle sind aber nur 3,72 cm^2 angegeben, also nicht einmal die Hälfte. Das scheint mir eine ziemlich mickrige Spiegelreflex zu sein ...
4.
muellerthomas 16.07.2013
Zitat von myoniumAlso mit einer "großen" Spiegelreflexkamera verbinde ich eindeutig einen Vollformatsensor (24x26 mm), das wären dann 8,64 cm^2 Sensorfläche. In der Tabelle sind aber nur 3,72 cm^2 angegeben, also nicht einmal die Hälfte. Das scheint mir eine ziemlich mickrige Spiegelreflex zu sein ...
Ja, so mickrig wie etwa die Canon 50d...
5. Kann mir mal jemand erklären..
DasBrot 16.07.2013
Zitat von myoniumAlso mit einer "großen" Spiegelreflexkamera verbinde ich eindeutig einen Vollformatsensor (24x26 mm), das wären dann 8,64 cm^2 Sensorfläche. In der Tabelle sind aber nur 3,72 cm^2 angegeben, also nicht einmal die Hälfte. Das scheint mir eine ziemlich mickrige Spiegelreflex zu sein ...
...warum nicht in allen Kameras ausreichend große Bildsensoren verbaut werden? Wegen mir diese 8,64 cm².Sind die teuer oder selten oder was ist der Grund? Danke
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Fototechnik-Fachbegriffe
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Brennweite
Konrad Lischka
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.

Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.

Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe, und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).

Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.

Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.

Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Verschluss-/ Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.

Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.

Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Schärfentiefe
Konrad Lischka
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint - je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.

Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/2,3 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.

Einige Beispiele für Sensorgrößen:

- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²

Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Konrad Lischka
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.

Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.

Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos - je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.

Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.

Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
Bildrauschen
Konrad Lischka
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom. Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab:

- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.

- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.

- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.

Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.

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