Zum Geburtstag von Robert Moog: Google Doodle macht den Browser zum Synthesizer

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Robert Moog, der Erfinder des modernen Synthesizers, wäre heute 78 Jahre alt geworden. Google feiert den Tag mit dem virtuellen Nachbau eines typischen Moog-Musikinstruments, mit dem man spielen, Sounds verändern und sogar aufnehmen kann.

Google Doodle: Robert Moog und seine Synthesizer Fotos

Unter Musikern ist Robert Moog eine Legende. Nicht etwa, weil er ein toller Musiker war, sondern, weil er tolle Instrumente entwickelt hat. Moog gilt als Erfinder des kommerziellen Synthesizers. Seine Sounds haben den Klang der Popmusik jahrzehntelang bestimmt, sind bis heute legendär. Am Mittwoch wäre der 2005 verstorbene Moog 78 Jahre alt geworden. Ein Datum, das Google mit einem besonderen Doodle auf seiner Homepage feiert: Dem virtuellen Nachbau eines analogen Moog Synthesizers, inklusive einer virtuellen Vierspur-Tonbandmaschine, mit der man aufnehmen kann, was man in die Tasten klimpert.

Kommentare im Netz zeigen, wie gut das gelungen scheint. "Google übertrifft sich selbst", schreibt "Wired". "Ein unglaublicher analoger Synth", wertet "Gizmodo". Und bei Twitter reichen die Äußerungen von "Das absolut coolste #Doodle ever" über "Groooooooßartig!" und "MOOGLE Synth is great" bis zu der nett gemeinten Feststellung: "Google vernichtet Millionen von Arbeitsstunden mit dem spielbaren Doodle zum Geburtstag von Robert Moog".

Die Grundlage für seine Karriere legte der damals 19 Jahre alte Robert Moog 1953, als er Theremin-Bausätze herstellte. Den Klang des Theremins kennt man seither aus vielen B-Movies jener Zeit, in denen das klagend säuselnde Instrument stets die Ankunft von Aliens oder Bösewichten ankündigte. Der große Erfolg kam aber mit dem Minimoog, einem für damalige Verhältnisse sehr kompakten Synthesizer, der Sound von Bands wie Kraftwerk, Pink Floyd, den Beatles und vielen anderen prägte. Auch DER SPIEGEL widmete dem neuen Instrument damals einen Artikel. Den typischen Moog-Sound versucht das Google-Doodle jetzt nachzubilden.

Viel muss man nicht von der Materie verstehen, um dem virtuellen Synthesizer Töne zu entlocken. Einen winzigen Augenblick braucht er, um betriebsbereit zu werden, aber dann kann es auch schon losgehen. Beim echten analogen Vorbild dauert das länger, denn dort müssen die Schaltkreise erst auf Betriebstemperatur kommen, um zuverlässig die Stimmung halten zu können.

Browser-Musiker haben dann die Wahl, die Klaviatur entweder mit der Maus zu bedienen oder auf der Computertastatur zu spielen. Richtig gut funktioniert letzteres leider nur auf US-Tastaturen. Beim deutschen Tastatur-Layout funktionieren nur die Zahlentasten, welche die weißen Tasten auf der Klaviatur repräsentieren. Im US-Layout lassen sich weiße und schwarze Tasten auf Zifferntasten und der oberen Buchstabenreihe spielen.

Ohnehin ist der Umfang der Klaviatur des Google-Doodle-Synthesizers auf zwei Oktaven beschränkt. Und er kann, ganz wie sein Vorbild aus den siebziger Jahren, stets nur einen Ton gleichzeitig abspielen, ist also monofon. Vor allem aber klingt er dem Original tatsächlich erstaunlich ähnlich.

Nicht alles läuft rund

Genau wie beim Original kann man an einer Vielzahl von Knöpfen drehen, um den Klang zu formen. Synthesizer-Experten werden sich wohl erschließen können, was es mit den Oszillatoren, Filtern und Hüllkurven auf sich hat. Allen anderen sei ein Blick auf das Erklär-PDF von Moog und den Blog-Eintrag bei Google empfohlen.

Dort findet man auch Hinweise, wie sich der Vierspurrekorder verwenden lässt, den Google dem virtuellen Synth zu Seite stellt. Mit dem kann man bis zu vier Stimmen nacheinander aufnehmen und so ganze Musikstücke allein zusammenbasteln. Per Klick auf das Link-Symbol auf dem Recorder kann man sich einen Netzadresse mit der jeweiligen Aufnahme erzeugen lassen, die man weitergeben und im Netz posten kann

Wirklich zuverlässig funktionierte das bei unseren kurzen Tests allerdings nicht. Immer wieder hängte sich das Doodle mitten in einer Aufnahme auf, verstummte und ließ sich keine weiteren Töne entlocken.

Die Wahl des Browsers mag dabei einen Einfluss auf das Klangergebnis haben. Laut Google wird der Sound des Robert-Moog-Doodles nur im Google-Browser Chrome direkt von einem sogenannten Web-Audio-API, also nach HTML5-Standard erzeugt. In anderen Browsern laufe das Doodle dagegen in Adobe Flash. Einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Versionen konnten wir nicht feststellen. Wohl aber, dass die Chrome-Version auf unserem Test-PC nur stotternde Töne von sich gab, während sie auf einem älteren Macbook in Chrome vollkommen rund lief.

Per App weitermachen

Trotz solcher kleinen Probleme muss man die Arbeit der Entwickler loben, die es geschafft haben, mit vergleichsweise geringem Aufwand, einen gut klingenden Software-Synthesizer, der wirklich nach Moog klingt, in die Browser hineinzuprogrammieren. Nur vier Monate hatte Google-Programmierer Joey Hurst Zeit, das Doodle zu entwickeln, nachdem ihn Googles Doodle-Chef Ryan Germick, ein erklärter Moog-Fan, zu dem Projekt animiert hatte. Dabei durfte Hurst nur jene 20 Prozent seiner Arbeitszeit einsetzen, die jedem Google-Mitarbeiter für eigene Projekte zur Verfügung stehen, wie er "Mashable" verriet.

Ohne die tatkräftige Unterstützung des Synthesizer-Herstellers Mooghätte das wohl nicht geklappt. Mittlerweile aber wandelt sich die Firma vom Hardware-Hersteller zum Software-Unternehmen und bietet den Sound seiner Synthesizer auch als App an. Zur Feier des Moog-Geburtstags - und ganz sicher, um den erwartbaren Hype um das Google-Doodle auszunutzen - gibt es die Animoog-App bis zum 29. Mai zum Sonderpreis: 79 Cent kostet bis dahin die iPhone-Version, 7,99 die iPad-Variante. Ein guter Deal für Knöpfedreher und Analogklang-Liebhaber.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Mein Chrome mag es nicht ...
papene 23.05.2012
Zitat von sysopRobert Moog, der Erfinder des modernen Synthesizers, wäre heute 78 Jahre alt geworden. Google feiert den Tag mit dem virtuellen Nachbau eines typischen Moog-Musikinstruments, mit dem man spielen, Sounds verändern und sogar aufnehmen kann. Robert Moog bekommt von Google ein Doodle - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,834630,00.html)
... ausgerechnet; der tagesaktuelle Chrome (Win7) gibt keinen Ton von sich ;) Die anderen aktuellen Browser (FF, Opera, IE) tun, was sie sollen, und am flüssigsten - der IE. Ulkig. Ein guter Freund hatte so ein Originalding, insofern sollte ich dem Doodle was entlocken können. Aber ohne Tastatur wirds nix. Schade. Gewinn' ich eben nichts ;)
2. Klasse Leistung, Herr Kremp!
Ha.Maulwurf 23.05.2012
In einem Artikel zu einem Google Doodle Apple Werbung unterzubringen, ist schon eine großartige Leistung. Wann gibts in der Netzwelt mal Artikel von objektiven Journalisten, die kritische Distanz wahren?
3.
chrome_koran 23.05.2012
In Safari (Mac OS X Lion) geht problemlos. Vorausgesetzt Flash ist aktiviert, denn HTML5 scheint dem Browser Chrome vorbehalten zu sein (der dann aber auf dem MacBook Pro mal wieder ganz schön moogt). Wer Click2Flash am laufen hat, weiß erst einmal keine Lösung, denn es wird in diesem Fall kein entsprechendes "Wasserzeichen" eingeblendet. Spielen können Sie mit den Zifferntasten oberhalb der Buchstaben, allerdings nur ganze Töne. Sicher gibt es auch ein Trick, um an die black keys zu kommen. Aber auch so gehen schon mal nette Glissandi :)
4.
neu_ab 23.05.2012
Google habe ich rausgeworfen aus dem Browser als Standardsuchmaschine. Keinen Bock mehr auf den Verein. Die Suchttreffer waren auch meist nur Müll, hinzu kamen dauernde, nicht verlangte "Korrekturen" meiner Eingaben. Jetzt nutze ich BING, da funktioniert es einfach besser. & "Google Doodle" können sich die Herren Turnschuhmilliardäre dort reinstecken, wo auch ohne Synthesizer gelegentlich Töne produziert werden.
5. Herr Maulwurf ...
Jörg Starkmuth 23.05.2012
Was ist daran Werbung? Nur Synthesizer-Freaks dürften sich sich für diesen Artikel interessieren - und für die dürfte der Hinweis auf das Sonderangebot durchaus interessant sein, denn diese Apps kosten regulär deutlich mehr. Und wenn überhaupt, ist es (wie der ganze Artikel) Werbung für Moog, nicht für Apple. Dass Moog mit seinen Apps leider nur Apple-Geräte unterstützt, ist schade, aber nicht Schuld des Autors.
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