"Rockiger Satchbook" im Test: Hier läuft Linux auf dem Laptop

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Ein Notebook mit dem kostenlosen Ubuntu-Linux statt Windows oder OS X, das verheißt Computerspaß für kleines Geld. Ein deutsches Start-up will diesen Traum erfüllen. Kann das klappen?

Lust auf Linux: Das Rockiger Satchbook Fotos
SPIEGEL ONLINE

Linux-Fans haben es nicht immer leicht. Schon gar nicht, wenn sie einen Mobilrechner benutzen wollen. Denn Linux-Komplettrechner sind selten zu finden, der Eigenbau kompliziert und bei Laptops geradezu unmöglich. Meist müssen sie also zu Windowsrechnern von der Stange greifen und ein nicht benötigtes Microsoft-System bezahlen. Rechner ohne Betriebssystem gibt es zwar, aber ziemlich selten. Eine Alternative und gleichzeitig eine Seltenheit ist das Satchbook, ein Linux-Laptop mit vorinstalliertem Ubuntu-Betriebssystem.

Auf die Idee, einen Mobilrechner mit einem fertig konfigurierten und sofort lauffähigen Ubuntu-Betriebssystem, aktuell in der Version 11.10, anzubieten, ist Marco Laspe gekommen. Der Linux-Enthusiast aus Wiesbaden kennt die Probleme vieler Linux-Anwender. Vor allem wer die kostenlose Software auf einem Notebook benutzen will, steht oft vor dem Problem, dass nicht für jede PC-Komponente passende Linux-Treiber verfügbar sind, schon gar nicht für spezielle Laptop-Komponenten.

Unter dem Markennamen Rockiger bietet Laspe nun zwei Varianten des Satchbook an, eine 13-Zoll-Version ab 849 Euro und ein 15-Zoll-Modell ab 789 Euro. Die Grundkonfigurationen ist bei beiden nahezu identisch, basiert auf einem Intel Core-i5-Prozessor mit 2,5 GHz, 4 GB Arbeitsspeicher und einer 500 GB Festplatte. Der 15-Zöller hat außerdem einen DVD-Brenner eingebaut. Mit optionalen Komponenten wie etwa einem SSD-Speicher lässt sich der Preis bis auf 2519 Euro steigern. Unser 13-Zoll-Testgerät mit acht GB Arbeitsspeicher und entspiegeltem Bildschirm hat einen Listenpreis von 1099 Euro.

Der Stromklotz

Ein Schnäppchen ist das Satchbook damit nicht, trotz des kostenlosen Betriebssystems. Ein ähnlich ausgestattetes Notebook aus Acers TimelineX-Serie beispielsweise ist im Onlinehandel 250 Euro billiger zu bekommen. Die Hardware des Satchbook stammt von dem taiwanesischen Notebookhersteller Compal, der das Gerät unter der Bezeichnung PBL00 anbietet. Viel Mühe, das Notebook ansprechend zu gestalten, hat sich Compal leider nicht gegeben. Teile von Gehäuse und Bildschirm sind aus schwarzem Hochglanzplastik hergestellt, das schnell verschmutzt und einen billigen Eindruck macht. Das trifft auch auf den Displaydeckel zu, dessen Plastik in Aluminiumoptik gestaltet ist. Darauf aufgeklebt ist eine dicke Platte mit dem Rockiger-Logo, die besser aussähe, würde sie nicht so arg hervorstehen.

Beim Auspacken macht das Satchbook noch den Eindruck, unerwartet schlank zu sein. Sobald man dem klobigen Akkuklotz an der Rückseite aufsteckt, ist das leider vorbei. Der Stromspeicher macht das Satchbook nicht nur erheblich schwerer, er sorgt auch dafür, dass es stets leicht angewinkelt auf dem Tisch steht. Aber das kann man durchaus positiv sehen, viele Anwender mögen es, wenn die Tastatur leicht zu ihnen geneigt steht.

Mittelstrecke ja, Langstrecke nein

Das Energiemanagement und die Kühlung könnten noch verbessert werden. Selbst im Leerlauf pustet der Gehäuselüfter unüberhörbar warme Luft aus dem Rechner. Sobald der Prozessor etwas zu tun bekommt, dreht der Luftquirl weiter auf. Schon das Öffnen der Systemeinstellungen provoziert eine Anhebung der Drehzahl, die aber meist nach wenigen Minuten wieder reduziert wird. Offenbar reagiert das Energie- und Lüftermanagement sehr schnell auf Erhöhungen der Prozessorlast, will eventuell anfallende zusätzliche Wärme sofort hinauspusten. Da die zusätzliche Belastung beim Programmstart aber nur sehr kurz andauert, könnte vermutlich auch eine weniger empfindliche Lüftersteuerung den zusätzlichen Wärmestrom abfangen.

Als Entschädigung für den andauernden Lüfterlärm liefert das Notebook ausreichend Leistung für so ziemlich jede Anwendung. Im Test lahmte es weder bei Verwendung des vorinstallierten Office-Pakets LibreOffice, noch bei prozessorlastigen Musikanwendungen. Manche, wie etwa das Sequenzerprogramm MusE, verweigerten sich allerdings, starteten erst gar nicht. Hier spielt allerdings der klobige Akkublock seine Stärken aus und lieferte im Durchschnitt für vier Stunden Energie. Das ist nicht sensationell, aber ein durchaus brauchbarer Wert. Das Satchbook ist eben kein Laptop für den Dauereinsatz an einem langen Arbeitstag fernab von Steckdosen.

Die Lust am Linux

Stattdessen ist es ein wunderbar leichter Einstieg in Linux. Nach der ersten Anmeldung läuft das System einfach, genau so wie man es von einem Komplett-PC erwarten würde. Sicher, egal ob man Windows- oder Mac-Anwender ist, man muss sich umgewöhnen. Von der Komplexität früherer Unix- oder Linux-Systeme ist beim installierten Ubuntu aber glücklicherweise nichts zu sehen. Wer sich nicht damit beschäftigen möchte, bekommt weder das Dateisystem noch Festplattensymbole oder Ordner zu sehen. Stattdessen gibt es eine Schnellstartleiste, in der häufig verwendete Programme abgelegt werden. Und vor allem das sogenannte Dash, das an Apples Launchpad erinnert, sich über den Desktop legt und Programme als große Symbole und nach Typ sortiert zum Anklicken anbietet.

Fast alles, was man im Alltag braucht, ist vorinstalliert: Webbrowser, E-Mail-Software, Bildbetrachter und Musikabspieler. Nachschub bekommt man über das Ubuntu Software Center, das ähnlich funktioniert wie der Android Marketplace und einen Mix aus kostenloser und kostenpflichtiger Software anbietet. Für den Musik-Einkauf stehen im Banshee-Medien-Player unter anderem Amazons MP3-Shop und der Ubuntu One Music Shop bereit.

Mangel riskiert man also nicht, wenn man sich dazu entschließt, statt eines Windows-Notebooks Rockigers Linux-Laptop anzuschaffen. An guter Gratis-Software fehlt es unter Ubuntu wahrlich nicht. Ob es sich lohnt, dafür ein Satchbook anzuschaffen, ist eine andere Frage. Die Idee ist gut, die Software auch, nur die Hardware kann nicht überzeugen. Wie man es auch dreht und wendet, optisch wirkt der Laptop billig und nervt akustisch mit seinem dauernd drehenden Lüfter. Dass er dafür nicht einmal günstig ist, verleidet ein wenig die Lust am Linux.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Wie bitte?
Smith 30.01.2012
Laptops ohne Betriebssystem sind selten? Was für ein Bullshit, Entschuldigung aber anders kann man es nicht ausdrücken. Da vor allem Linuxuser zu den klügeren und informierteren PC Nutzern zählen werden diese durchaus einen der Millionen Online Shops finden wo es Laptops ohne OS gibt...
2. Warum?
haspelbein 30.01.2012
Zitat von sysopEin Notebook mit dem kostenlosen Ubuntu-Linux statt Windows oder OS X, das verheißt Computerspaß für kleines Geld. Ein deutsches Start-up will diesen Traum erfüllen. Kann das klappen? http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,811764,00.html
Bei meinen letzten Laptops lief Ubunto 9,10 und 11 eigentlich immer problemlos. Entweder als "dual boot" oder zum booten ueber die externe Festplatte meines Firmenlaptops. Sowohl bei Dell, Compaq und HP hatte ich keine Kompatibilitaetsprobleme, die sich nicht innerhalb von 1-2 Stunden beheben liessen. Um ganz ehrlich zu sein, mag ich sogar die Option, im Zweifelsfalle Windows booten zu koennen. Daher reizt mich ein solcher Laptop kaum.
3.
Meckerhexe 30.01.2012
Zitat von sysopEin Notebook mit dem kostenlosen Ubuntu-Linux statt Windows oder OS X, das verheißt Computerspaß für kleines Geld. Ein deutsches Start-up will diesen Traum erfüllen. Kann das klappen? http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,811764,00.html
Marktlücke? Wohne eher ländlich und unser Computershop im Nachbarort hat Notebooks mit vorinstalliertem Ubuntu-Linux vorrätig. Und zwar mit preisgünstiger und guter Hardware. Hab mich für eine bekanntes Markengerät entschieden und das gab es auch noch 20 Euro günstiger als das beste Internetangebot (Begründung mangelnde Nachfrage !). Etwas schwieriger wurde es bei unserem Wunsch ein zweites Notebook mit vorinstalliertem Linux UND Windows zu erwerben. Das war dann nicht mehr vorrätig und musste erst "gebastelt" werden. Da es aber auch in 24 Stunden lieferbar war, kann ich dem im Artikel genannten Start-Up nur guten Erfolg wünschen. Denn es gibt offenbar bereits effektive Konkurrenz. ;-)
4. Wer braucht das?
jfpublic 30.01.2012
... wäre ich in einer Zeitmaschine und würde 1992 starten, dann wäre das sicher eine beachtenswerte Idee.
5. Warum mehr als 800 Euro für ein Linux Notebook ausgeben?
Rudi Rakete 30.01.2012
Zitat von sysopEin Notebook mit dem kostenlosen Ubuntu-Linux statt Windows oder OS X, das verheißt Computerspaß für kleines Geld. Ein deutsches Start-up will diesen Traum erfüllen. Kann das klappen? http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,811764,00.html
Es ist mir ein Rätsel wie rockiger auf den Preis kommt. Recherchiere ich in den Onlineshops renommierter Anbieter, dann finde ich dutzende bessere Angebote mit ausgefeiltem Design, ausgeklügeltem Kühlsystem und langer Laufzeit für weniger als 700 Euro. Ob das nun von der Firma mit dem angebissenen Apfel stammt oder Ultrabook oder sonstwie heißt ist egal. Wer unbedingt will kann ja auch das mitgelieferte Betriebssystem verzichten und Linux drauf spielen. Vielleicht könnte ja jemand, der wirklich Ahnung von der Materie hat den Artikel "überarbeiten".
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