Yotaphone 2 im Test Putins Lieblings-Smartphone hat zwei Bildschirme

Für das Yotaphone interessiert sich sogar Wladimir Putin. Die Neuauflage des russischen Handys überzeugt im Test mit einem zusätzlichen E-Ink-Touchscreen und solider Technik. Was dem Yotaphone 2 am Ende schadet, ist sein Preis.

Von und

SPIEGEL ONLINE

Für Wladimir Putin ist das neue Yotaphone eine große Sache. Als Russlands Präsident im November China besuchte, schenkte er seinem Amtskollegen Xi Jinping ein Yotaphone 2, ein Modell des Telefons, das der russische Hersteller am Mittwochabend in London der Welt präsentiert. Wie viel Freude Chinas Präsident damals an dem Gerät hatte, ist unbekannt - noch bis kurz vor der offiziellen Markteinführung wurde nämlich an der Software des neuen Modells gefeilt. Ob man denn da kooperiere, fragte Xi Jinping Putin. "Werden wir", antwortete der - zusammengebaut werden die neuen Yotaphones in der Nähe von Shanghai.

Für Putin ist das Handy heimischer Herkunft ein wichtiges Symbol. Russlands Präsident sagt immer wieder, man müsse sich von der US-dominierten Digitalbranche unabhängig machen, sogar ein russisches Betriebssystem ist geplant. Firmenchef Vladislav Martynov betont im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zwar ausdrücklich, Yota Devices sei ein unabhängiges Unternehmen, finanziert von privaten Investoren. Tatsächlich aber gehört zu den Geldgebern der Staatsfonds Rostec, dessen Ziel es ist, die "Modernisierung der russischen Wirtschaft" zu befördern. Ob das Yotaphone dabei helfen kann?

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Russisches Yotaphone 2: Das Handy mit den zwei Bildschirmen
Als wir vor einem Jahr das erste Modell testeten, wich anfängliche Begeisterung über die gute Idee schnell Ernüchterung. Das Konzept klang gut: Auf einem stromsparenden E-Ink-Display auf der Rückseite sollte man oft benötigte Informationen einsehen können, ohne den energiehungrigen vorderen Schirm einschalten zu müssen. Das Resultat sollten deutlich längere Akkulaufzeiten als bei herkömmlichen Smartphones sein.

Leider wurden diese Versprechen nicht eingelöst: Der rückwärtige Schwarz-Weiß-Bildschirm hatte eine sehr grobe Auflösung, W-Lan und Mobilfunknetz funktionierten nur sehr unzuverlässig, und die Bedienung des E-Ink-Displays war hakelig, weil es keinen Touchscreen hatte. Auch von verbesserten Akkulaufzeiten war nichts zu spüren. Das erste Yotaphone sei ja auch nur ein "proof of concept" gewesen, sagt Unternehmenschef Martynov heute, man habe damit "Feedback von überall auf der Welt" einholen wollen. Die so identifizierten Probleme werde das neue Yotaphone 2 beheben.

Und wenn man es zum ersten Mal in die Hand nimmt, hat man auch sofort das Gefühl, die russischen Entwickler hätten bei diesem Modell einiges besser und richtig gemacht.

Elektronische Tinte ist träge

Zunächst einmal sieht das zweite Yotaphone gut aus, ist schlank und überall abgerundet. Sein Vorgänger war ein kantiger Klotz, bei dem die rückwärtige Kamera unten statt wie gewohnt oben angebracht war. Der neue Farbbildschirm ist fünf Zoll groß und zeigt Full-HD-Auflösung (1920 x 1080) an. Seine Technik stammt von Samsung, Farben wirken kräftig, Kontraste stark und Schwarz ist wirklich schwarz.

Vor allem aber hat Yotaphone das E-Ink-Display verbessert. Mit 960 x 540 Bildpunkten zeigt es doppelt so viele Pixel an wie sein Vorgänger, kann deshalb kleine Schriften und Fotos besser wiedergeben. Der Bildschirm ist jetzt ein Touchscreen, kann also komplett mit Fingergesten bedient werden, so wie das Farbdisplay vorne auch. Weil elektronische Tinte sehr träge ist, reagiert er aber viel langsamer, als man es gewöhnt ist.

Auf dem Zweitbildschirm geht (fast) alles

Was das im Alltag bedeutet, merkt man, wenn man versucht, auf dem E-Ink-Display eine Telefonnummer einzutippen: Manchmal erscheint gar keine Ziffer, manchmal sind es gleich zwei. Trotzdem: Dank Touchscreen ist das E-Ink-Display jetzt sinnvoll nutzbar. Man kann sich auf frei konfigurierbaren Pausenbildschirmen nicht nur beispielsweise die Uhrzeit und das Wetter anzeigen lassen, sondern richtig damit arbeiten. Oder, wie Martynow begeistert betont, ohne Angst um den Akku Schach darauf spielen.

Technische Daten

Hersteller Yota Devices
Modell Yotaphone 2
Maße (Millimeter) 145 x 69 x 9
Gewicht 145 Gramm
Sprechzeit Bis zu 41,8 Std.
Standby Bis zu 17 Tage
Display-Diagonale 5 Zoll
Display-Auflösung vorne/hinten 1920 x 1080 / 960 x 540
Prozessor 2,2 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 2 GB
Massenspeicher 32 GB
Speichererweiterung Nein
Kamera (hinten/vorne) 8 Mpx / 2,1 Mpx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0
Betriebssystem Android 4.4
Besonderheiten E-Ink-Display, drahtlose Ladefunktion
Preis 700 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben.

Auch YotaRSS, ein Newsreader auf Basis der populären App Feedly funktioniert darauf problemlos. Auch den Webbrowser Chrome, kann man auf der Rückseite benutzen. Völlig fehlerlos klappt das allerdings nicht. So zeigte er im Test auf der Rückseite auch mal eine Webseite an, die wir auf dem vorderen Display schon geschlossen hatten.

Strom braucht es schon

Selbstverständlich kann man auf dem E-Ink-Schirm auch E-Mails lesen und theoretisch sogar Antworten schreiben. Wäre da nicht das Problem des trägen Bildschirms. Diese Trägheit spürt man auch, wenn man Apps auf dem Zweitbildschirm benutzt. Das geht, aber es fühlt sich zäh an. Dafür funktioniert das E-Ink-Display bei hellem Umgebungslicht besser als ein herkömmlicher Handy-Bildschirm.

Nutzt man den Farbbildschirm, merkt man, dass das Yotaphone 2 auf recht potenter Hardware aufgebaut ist. Das Leistungsmessprogramm Geekbench 3 attestiert ihm eine Rechenleistung ähnlich Samsungs Galaxy S5, auch die Qualität der Kamera ist recht gut.

Dass sich der E-Ink-Bildschirm positiv auf die Akkulaufzeit auswirkt, hat sich während unseres Tests nicht bestätigt. Nach einem Arbeitstag musste das russische Handy an die Steckdose. Martynow zufolge soll es nur mit dem E-Ink-Display in Betrieb bis zu hundert Stunden reines Lesen erlauben. Ob das wirklich funktioniert, konnten wir in der Kürze der Zeit nicht testen. Im "Yota Energy Mode" mit reduziertem Funktionsumfang gibt auch Martynow nur eine Akkulaufzeit von "bis zu zwei Tagen" an. Theoretisch soll sich das Gerät auch drahtlos aufladen lassen, vermutlich auf Basis des Qi-Standards.

Schade ist auch, dass sich der Speicher nicht erweitern lässt: Das Yotaphone 2 gibt es ausschließlich in einer einzigen Ausführung mit 32 Gigabyte, das muss reichen. Aber vielleicht ist es auch besser so, denn Speicherkarten würden die Kosten für das Gerät nur noch weiter nach oben treiben.

Vorteile und Nachteile

Innovatives Konzept

Guter Farbbildschirm

Touchscreen auch auf der Rückseite

Rückseitiges Display immer ablesbar

Speicher nicht erweiterbar

E-Ink-Touchscreen sehr träge

Hoher Preis

Nur mittelmäßige Akkulaufzeit

Fazit

Mit 700 Euro ist das Yotaphone 2 nicht ganz billig, kostet so viel wie ein Galaxy S5 oder ein iPhone 6. Das russische Smartphone ist ein gutes Android-Handy mit einem originellen Feature für spezielle Bedürfnisse, dem E-Ink-Schirm. Auf Augenhöhe mit den Geräten von Samsung und Apple ist es nicht.

Yotaphone 2: Das neue Modell des russischen Technikherstellers ist gegenüber seinem Vorgänger erheblich attraktiver geworden. Es ist ...

... deutlich schlanker, leichter und insgesamt runder gestaltet. Dafür ist es auch etwas größer und deutlich teurer - 700 statt 500 Euro - geworden.

Statt Akkudeckel: Das Unterscheidungsmerkmal der Yotaphones gegenüber herkömmlichen Handys ist der E-Ink-Bildschirm auf der Rückseite. Er ist ...

... beim Yotaphone 2 (l.) größer geworden und hat eine viermal höhere Auflösung als beim Yotaphone.

Das Zusatz-Display kann auf vielfältige Weise genutzt werden, beispielsweise, um dauerhaft den Ladezustand des Akkus anzuzeigen. man kann es ...

... aber auch als Fernsteuerung für den Musik-Player das Smartphones nutzen.

Im Ruhezustand ist auch das E-Ink-Display gesperrt. Um es nutzen zu können, muss man es mit einem Fingerwisch vom Schlüsselsymbol aus entsperren.

Naheliegend: E-Ink ist die Display-Technik der E-Reader. Also kann man da Yotaphone prima zum Lesen benutzen.

Spielkram: Yota Devices liefert das Gerät mit drei angepassten Spielen aus: Sudoku, Dame und Schach.

Geht alles: Auch Webseite oder RSS-Reader kann man auf dem E-Ink-Display benutzen.

Schwarz-Weiß-Funk: Auch Telefongespräche lassen sich vom rückwärtigen Bildschirm aus einleiten. Wegen der Trägheit des Bildschirms, muss man die Nummer aber sehr gemächlich eintippen.

Wackelig: Wie beim ersten Modell ist die Sim-Karten-Schublade in eine der Bedientasten integriert. Die Konstruktion macht einen wenig robusten Eindruck.

Was war, das bleibt: Das E-Ink-Display zeigt deutliche Nachleuchteffekte, Symbole, Schrift und Bilder sind oft noch lange nach dem Umblättern auf einen neue Seite als Geisterbilder zu erkennen.



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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
gonzotheold 03.12.2014
1. Lesbarkeit
Leider fehlt im Artikel der für mich entscheidende Vorteil der E-Ink - die deutlich bessere Lesbarkeit bei Sonnenlicht. Gerade als Navigationsgerät auf dem Rad ein enormer Vorteil. Ich habe die Hoffnung, dass die Idee gut genug ist um von anderen Herstellern kopiert zu werden. Kann mir nicht vorstellen, dass es nicht möglich sein soll das flüssig hinzubekommen. Zumal die Touchfolie ja nichts mit dem EInk zu tun hat.
ChristianStöcker 03.12.2014
2. E-Ink-Display
Da haben Sie möglicherweise einen Satz überlesen: "Dafür funktioniert das E-Ink-Display bei hellem Umgebungslicht besser als ein herkömmlicher Handy-Bildschirm."
andreasbergamo 03.12.2014
3. Besser als Spy-Phones made in USA oder deren Komplizen.
Naechstes Jahr wird es den ersten russischen Computer geben der ohne westliche Spionage-Implantate auf den Markt kommt. Hier interessiert mich auch nicht der Preis - wer will sich schon abhoeren lassen.
adal_ 03.12.2014
4.
Gute Idee. Ich wundere mich schon lange, warum es keine Handys und Tablets mit 2. (e-ink-) Bildschirm gibt. Es gibt sinnlosere Features als gute Lesbarkeit und Energieersparnis.
lieber_incognito 04.12.2014
5.
Gut, dass man das Gerät in China montieren lässt. Die bringen dann das gleiche Ding in einem Jahr für 300€ auf den Markt.
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