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Android-Alternative Sailfish: Gratis-Software soll alte Handys modernisieren

Aus Barcelona berichtet

Gratis-Software: So sieht Sailfish OS aus Fotos
Matthias Kremp

Sailfish OS heißt ein neues Betriebssystem aus Finnland. Es soll ältere Smartphones auffrischen und ist für alte Android-Geräte eine echte Alternative zu Googles System. Sailfish soll bald für viele Smartphones verfügbar sein - kostenlos.

Das alternative Betriebssystem Sailfish OS könnte bald auf vielen Smartphones laufen. Ende April werde man eine Version der Software herausbringen, die sich auf vielen unterschiedlichen Handys anstelle von Googles Android installieren lässt, sagt Tomi Pienimäki, Chef der finnischen Firma Jolla SPIEGEL ONLINE. Die Installation soll so einfach sein, dass jedermann ein altes Android-Gerät durch das Finnen-System auffrischen kann.

Gerüchte, dass die kleine Firma ihre vielbeachtete Software bald für fremde Handys verfügbar machen könnte, hatte es schon im Vorfeld des Mobile World Congress gegeben. Harri Hakulinen, Chefentwickler von Jolla, hatte Mitte Februar getwittert: "Vielleicht ist es nicht schlau, wenn ihr euer altes Samsung gegen ein neues Lumia tauscht, denn bald könntet ihr dafür Sailfish OS bekommen."

Genauere Angaben wollte er allerdings nicht machen. Das hat jetzt sein Chef übernommen. Demnach wird Jolla zunächst einen sogenannten Launcher für Android veröffentlichen. Das ist eine Software, die den Homescreen des Handys übernimmt, Apps startet. Etwa vier Wochen später soll dann das eigentliche Betriebssystem frei zur Verfügung stehen.

Auf der Handymesse Mobile World Congress in Barcelona zeigten die finnischen Entwickler diverse Smartphones, auf denen das neue Betriebssystem schon läuft. Darunter sind Geräte von Samsung, Sony und weiteren Herstellern. Auch ein Nexus-7-Tablet haben die Programmierer vorbereitet, weisen jedoch drauf hin, dass die Software noch nicht für Tablets optimiert sein.

Beim Ausprobieren fällt trotzdem auf, dass die neue Sailfish-Software auch auf älteren Handys sehr geschmeidig läuft. Natürlich lässt sich in so kurzer Zeit kein abschließendes Urteil fällen, doch schnell wird klar, dass Sailfish OS selbst auf vergleichsweise leistungsschwachen Geräten keine Probleme hat. Die Software läuft ruckelfrei, zeigt keine Grafikfehler oder ähnliches.

Jolla braucht Marktanteile

Viele Hersteller von Android-Smartphones bieten nach einiger Zeit keine Android-Updates mehr für die Altgeräte an. Sie wollen neue Hardware verkaufen und vernachlässigen die Pflege aussortierter Geräte. Sailfish OS könnte für diese Geräte eine Möglichkeit sein, alte Hardware mit neuen Funktionen und sicherer Software auszurüsten.

Ohnehin seien Android, Windows Phone und iOS längst veraltet, lästert Pienimäki. Android sei ursprünglich nicht einmal als Mobil-Betriebssystem entwickelt worden. Und so sei sein Sailfish OS das einzige moderne Handy-Betriebssystem auf dem Markt. Und das einzige, das echtes Multitasking beherrsche und trotzdem Strom spare.

Damit umzugehen kann durchaus Spaß machen, wenngleich man sich fragen muss, wie sinnvoll bestimmte Funktionen sind. Das Multitasking ermöglicht es beispielsweise, im Hintergrund ein YouTube-Video laufen zu lassen, während man gleichzeitig Nachrichten liest. Ein wohl eher hypothetischer Anwendungsfall.

Jolla braucht Marktanteile. Bisher gibt es das Betriebssystem, das ehemalige Nokia-Mitarbeiter aus dem Linux-basierten Meego entwickelt haben, nur auf dem Jollaphone. Dieses Handy hat die Firma rund um ihre Software herum entwickelt. Das Jollaphone bietet weder aufregende Technik noch ein besonders gelungenes Design. Zahlen darüber, wie viele Telefone seine Firma schon verkauft hat, will Pienimäki nicht herausgeben. Im Vergleich mit global aktiven Konzernen wie Samsung dürfte die Zahlen verschwindend gering sein.

Jolla hat das typische Problem eines Newcomers in der Branche: Ist die Verbreitung gering, will kaum jemand Apps für ein neues System entwickeln. Gibt es keine Apps, kauft niemand die Geräte.

Jolla versucht diese Hürde zu senken, indem man im Sailfish OS Android-Apps abspielen kann. Doch den Google Play Store darf die Firma weder mit ihren Handys noch mit seiner Software ausliefern, weil Google dies nur für echte Android-Handys erlaubt. Also muss man sich über Drittanbieter wie den russischen Yandex-Store mit Apps versorgen. Das Angebot ist verglichen mit dem von Google gering. Doch damit müsse man sich als Anwender nicht zufriedengeben, erklärt der Firmenchef. Schließlich sei es gar nicht schwer, den Play Store nachträglich zu installieren. Man müsse nur bei Google die entsprechenden Suchbegriffe eingeben und würde sofort leicht nachvollziehbare YouTube-Tutorials bekommen.

Wer noch ein veraltetes Android-Smartphone in der Schublade liegen hat, wird das vielleicht bald selbst ausprobieren können.

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1.
benutzer8472 26.02.2014
Ich hoffe wirklich sehr, dass dieses OS ein Erfolg wird und die Smartphonehersteller schwarz auf weiss (oder eher rot auf weiss) sehen, wie vernuenftige User sie dafuer abstrafen, dass sie aeltere (also 2 Jahre alte..) Telefone nicht mehr mit Updates versorgen und die Menschen so noetigen, ihren neuen Mist zu kaufen.
2. Ex und hopp nach 24 Monaten
SPONaqua 26.02.2014
Für den deutschen Markt ist das eher sinnlos, da Smartphones nach 2 Jahren entsorgt werden. Ich sehe das immer wieder in den Zügen, mit denen ich unterwegs bin: das Smartphone wird weiterbetrieben bis zum bitteren Ende. Egal, ob die Frontscheibe gesprungen ist oder nicht. Nach zwei Jahren landet es einfach im Müll und wird gegen ein vom Mobilfunkbetreiber subventioniertes neues Smartphone ersetzt. Wo ist da der Ansatz von "Sailfish"?
3. Multitasking sinnlos?!
Dieter2000 26.02.2014
Der Autor scheint nicht gerade das Internet in der Art und Weise zu nutzen, wie es viele Menschen da draussen machen. Youtube im Hintergrund laufen zu lassen ist mehr als wünschenswert! Das Portal dient nicht nur dazu Videos zu gucken, sondern auch hervorragend zum Musik hören. Und wenn man Musik hört, braucht man die APP nicht im Vordergrund...eine Sache die bei Android verdammt nervig ist!
4. multitasking
o.schork 26.02.2014
kann schon sinnvoll sein, z.b. wenn man auf einer streaming-site ist und gleichzeitig mal eine nachricht schreiben oder den translator benutzen möchte.
5. Überhaupt kein hypothetischer Anwendungsfall
pascal.fischer.74 26.02.2014
Zitat: "Das Multitasking ermöglicht es beispielsweise, im Hintergrund ein YouTube-Video laufen zu lassen, während man gleichzeitig Nachrichten liest. Ein wohl eher hypothetischer Anwendungsfall. " Das ist keineswegs hypothetisch! Ich ärgere mich z.B. bei Android jedes mal, dass ich z.B. keine Musik auf YouTube hören kann und zwischendurch mal schnell eine SMS zu schreiben, mal ein paar Nachrichten zu lesen, etc. Was bei Android nicht funktioniert, funktioniert bei Sailfish OS/Jolla problemlos. Und selbst bei Dingen, die man selbst nie braucht, weiß man ja nie, ob andere das auch nicht brauchen. Unterschiedliche Menschen nutzen ihr Gerät auch unterschiedlich. Technisch ist Sailfish OS / Jolla auf jeden Fall das am weitesten entwickelte System auf dem Markt. Und auch bei der Bedienung gibt es einige interessante neue Ansätze. Man merkt halt, dass es von ehemaligen Nokia-Entwicklern stammt, die Nokia früher groß gemacht haben und dann das Unternehmen verlassen haben, als die falschen Leute Entscheidungsmacht bekamen und die falschen Entscheidungen getroffen haben. Es gibt immer noch eine rege Open-Source-Community, die an MeeGo gearbeitet haben und jetzt den Nachfolger unterstützen. Ob das erfolgreich sein wird, hängt leider auch von vielen anderen Faktoren ab. Aber technisch und von der Bedieung her ist das im Moment das am weitesten entwickelte System.
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