Pannenhandy Samsung Galaxy Note 7 Qualitätsmängel führten zu Smartphone-Bränden

Am Montag will Samsung erklären, weshalb sein Smartphone Galaxy Note 7 brandgefährlich war - und wie so etwas künftig verhindert werden soll. Einiges ist bereits durchgesickert.

Samsung-Logo, Passant
AFP

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Das als neues Vorzeige-Smartphone gestartete Galaxy Note 7 wurde für Samsung zum Desaster. Dutzende Geräte überhitzten sich, einige fingen gar Feuer, die Mitnahme in Flugzeugen wurde verboten. Es gab schließlich nur einen Ausweg: Der Konzern nahm das Gerät vom Markt, startete eine milliardenteure Rückrufaktion - und eine Untersuchung, was zu den Problemen geführt hat.

Die Ergebnisse will der südkoreanische Konzern in der Nacht zum Montag auf einer Pressekonferenz in Seoul bekanntgeben. Das "Wall Street Journal" aber will von Insidern schon erfahren haben, was in dem Bericht steht: Demnach sind Qualitätsmängel bei den Akkus und in der Produktion an den Problemen schuld.

Samsung hat die Akkus für das Note 7 laut dem Medienbericht von zwei Firmen bezogen, die beide keine einwandfreie Ware lieferten. Von der Konzerntochter Samsung SDI habe Samsung Akkus bekommen, die nicht exakt den geforderten Maßen entsprachen, deshalb nicht perfekt in die Handys passten und sich überhitzen konnten. Eine solche Ursache war schon früh als Auslöser für die Brände vermutet worden.

Dass auch die Austauschgeräte, die nach den ersten Meldungen über überhitzte Note-7-Geräte verteilt wurden, gefährlich waren, ist offenbar auf die Eile zurückzuführen, mit der Samsung Ersatz für die zuerst ausgelieferten Akkus gesucht hat.

Das schnelle Hochfahren der Produktion solcher Akkus beim chinesischen Hersteller ATL habe zu Qualitätsproblemen bei der Herstellung geführt, heißt es. Was für Probleme es genau gab, kann das "Wall Street Journal" aber nicht erklären. Anfragen nach Stellungnahmen lehnten Samsung SDI und ATL der Zeitung zufolge ab.

Vertrauen zurückgewinnen

Es bleibt also abzuwarten, ob Samsung auf seiner Pressekonferenz Informationen vorlegt, die genauer beleuchten, welche Probleme die Note-7-Akkus plagten. Die Veröffentlichung des Berichts ist auch wichtig, weil der Konzern vermutlich Ende Februar auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona ein neues Oberklasse-Smartphone vorstellen wird, das Galaxy S8 heißen dürfte.

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Galaxy Note7: Samsung ist mit Rückrufen nicht allein

Die Galaxy-S-Serie ist mit ihren edlen und stets mit neuester Technik ausgestatteten Geräten seit Jahren eine zuverlässige Geldmaschine für Samsung und zeigt meist das zum jeweiligen Zeitpunkt technisch Machbare. Durch den Rückruf des Galaxy Note 7 hat das Image des Unternehmens jedoch gelitten. Um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, werden die Koreaner nun zeigen müssen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt und Maßnahmen ergriffen haben, damit sich diese nicht wiederholen.

mak



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
sikasuu 20.01.2017
1. Plötzliches Hochfahren der Produktion führte zum Brand!
Da wird einem doch ganz Anders, wenn man an die viel komplexeren HOCHSTROM-Anwendungen anderer, HEUTE massiv "gehypter" Produkte mit LI-ON Akkus denkt, die "in 3-10 Jahren in > 100.000 Stückzahlen den Markt aufrollen werden! " (O-Ton, wer findet den Sprechen) :-) . Nun ja, BOING hatte mit LI-ON Akkus Probleme, das ist ja kein Hinterhofbetrieb, Quereinsteiger in seiner Branche, Samung's EIGENE Tochterfirma & auch ein Fremdhersteller der als Spezialist galt..... . Ein simpeles "Maßproblem" (der Akku war einen Hauch zu groß) sollte er Auslöser gewesen sein? . Wenn noch nicht einmal bei solchen "Kleinanwendungen" betriebssicher gebaut/geprüft werden kann, wie stellt man das bei Großserienfertigung in noch ungeahnten Stückzahlen sicher. Ohne jetzt "Verschwörungstheorien" zu klopfen, das systemische Problem "Durchgehen" von LI-ON Akkus halte ich für noch nicht oder nur sehr unvollkommen gelöst! . Solche Nachrichten&Ereignisse wecken "richtig Vertrauen" in die Anwendungen mit "Li-ON Batterien" für die Zukunft:-(( .
steinbock8 20.01.2017
2. das sind die Zeichen der Zeit
schnell schnell schnell und Umsatz Umsatz Umsatz ist die Prämisse die Qualität bleibt zwangsläufig auf der Strecke das Problem ist weltweit zu beobachten die begrenzte Haltbarkeit wird ebenfalls eingebaut auch in Deutschland
radnomade 21.01.2017
3. gwaenchanh-ayo! heißt dafür die Devise in Korea
gwaenchanh-ayo! bedeutet soviel wie "alles in Ordnung" oder "es wird schon irgendwie gehen". Mit welchem Starrsinn hier diese Devise in Südkorea verfolgt wird ist schon abartig. Man schaut zwar sehr gerne auf die technischen Errungenschaften aus dem Westen und findet Sachen "Made in Germany" auch ganz toll, aber wenn es dann darum geht hier etwas umzusetzen, dann greift man lieber auf den billigsten Murks zurück den man dafür verwenden kann. Gut, das gilt nicht 100% auf alles, denn Produkte die sie erfolgreich exportieren möchten, wie Autos oder auch Smartphones, erhalten dann zwangsläufig mehr Qualitätsbewusstsein. Das man dann aber doch gerne wieder auf alte Gewohnheiten zurück kommt, zeigt das Galaxy Note 7 Debakel nun aber nur zu gut. Korea bitte versteh mich aber nicht falsch! Ich liebe das Land wirklich sehr, ich wünsche mir aber nur das ihr es schafft, ein grundlegendes Qualitätsbewusstsein in der Gesellschaft zu verankern und diese auch umzusetzen.
syracusa 21.01.2017
4.
Zitat von sikasuuDa wird einem doch ganz Anders, wenn man an die viel komplexeren HOCHSTROM-Anwendungen anderer, HEUTE massiv "gehypter" Produkte mit LI-ON Akkus denkt, die "in 3-10 Jahren in > 100.000 Stückzahlen den Markt aufrollen werden! " (O-Ton, wer findet den Sprechen) :-) . Nun ja, BOING hatte mit LI-ON Akkus Probleme, das ist ja kein Hinterhofbetrieb, Quereinsteiger in seiner Branche, Samung's EIGENE Tochterfirma & auch ein Fremdhersteller der als Spezialist galt..... . Ein simpeles "Maßproblem" (der Akku war einen Hauch zu groß) sollte er Auslöser gewesen sein? . Wenn noch nicht einmal bei solchen "Kleinanwendungen" betriebssicher gebaut/geprüft werden kann, wie stellt man das bei Großserienfertigung in noch ungeahnten Stückzahlen sicher. Ohne jetzt "Verschwörungstheorien" zu klopfen, das systemische Problem "Durchgehen" von LI-ON Akkus halte ich für noch nicht oder nur sehr unvollkommen gelöst! . Solche Nachrichten&Ereignisse wecken "richtig Vertrauen" in die Anwendungen mit "Li-ON Batterien" für die Zukunft:-(( .
Kleine Akkus in Smartphones stellen die ultimative Herausforderung für die Akkuproduktion und für deren Geräteeinbindung dar. Dagegen sind große Akkus wie für Elektroautos geradezu primitiv. Das fängt damit an, dass es bei Anwendungen wie für Smartphones auf das alelrletzte Fitzelchen Akkukapazität ankommt. Die Smartphone-Akkus haben meist eine mindestens 30% höhere Energiedichte als die Akkus der Elektrroautos, bzw sogar 100% mehr als beispielsweise der bis vor wenige Wochen verkaufte Renault Zoe. Dann kommt es bei Akkus in Smartphones auf das letzte Fitzelchen Platz an, weil man Smartphones schmal bauen will. Für ein Kühlsystem, wie es alle in E-Autos verbauten Akkus haben, ist im Smartphone kein Platz. Ihre Befürchtungen sind also für einen Laien verständlich, sind aber grundlos.
5b- 21.01.2017
5. Samsung Mobiltelefone, Corporate Design
Mein erstes und einziges Samsung Mobiltelefon war das weltweit erste Handy mit polyphonen Klingeltönen. Man möge mir verzeihen, dass ich die Typenbezeichnung nicht mehr weiß, es ist aber auch schon lange her und war ein Geschenk. Das einzig gute an dem Handy waren die Klingeltöne und die waren nicht einmal so gut. Die Menüführung war unvorstellbar schlecht—rein garnicht intuitiv, eher das Gegenteil. Die Formsprache war unausgereift, die Farbgebung (Chrom-Schwarz) einfallslos. Es kam wie ein schlecht gekneteter Klumpen daher. Es hatte überdies eine mehrfarbige LED, die unheimlich mit ihrem Farbenspiel nervte. Ich war so abgetan von dem Gerät, dass ich mir seither nur ein externes DVD-Laufwerk und eine SSD von dem Hersteller gekauft habe. Mit Abscheu habe ich festgestellt, dass Samsung das absolut unsinnige Corporate Design hat, welches Knopflosigkeit vorgibt. Es ist schon beschämend, dass es einen großen Elektronikkonzern gibt, der MP3 Player ohne mechanische Tasten herstellt. Alles muss unbedingt mit berührungsempfindlichen Flächen versehen sein. Das macht bei einem MP3 Player für die Hosen-/Jackentasche rein überhaupt keinen Sinn. Es sind keinerlei Tasten blind erfüllbar. Man muss den MP3 Player aus der Tasche nehmen um mal schnell die Lautstärke zu ändern oder zum nächsten Musikstück zu springen. Getoppt hat Samsung dies mit Fernsehern. Ein Fernseher ist bei seiner Hauptaufgabe, dem Filme-Schauen, in einer dunklen Umgebung. Da bringen einem Touch-Tasten am Gerät reichlich wenig, wenn sie nicht nur nicht beleuchtet aber dazu noch so elegant und filigran beschriftet sind, dass man keine Ahnung hat wo sie nun sein sollen. Die wenigen Male, die man einen Fernseher am Gerät bedienen will, sollte man die nötigen Tasten doch auch auffinden können ohne die Atmosphäre zu stören. Berührungsempfindliche Tasten machen überall dort keinen Sinn, wo es sinnvoll ist, dass man Tasten blind bedienen kann. Eine solche Situation findet man bei fast jedem audio-visuellen Gerät. Schlimm genug, dass Apple dem Homebutton entfernt hat—es ist kein Knopf mehr, sondern ein berührungsempfindlicher Taster, tasten, nicht drücken—doch wenigstens kann man den neuen noch erfühlen. Mich hat es gewundert, dass Samsung so erfolgreich mit seinen Smartphones war. Es liegt wohl sehr daran, dass Samsung das Betriebssystem nicht selbst entwickelt hat. Samsung ist kein Sony.
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