Galaxy Note 9 Samsungs Luxus-Smartphone im Test

Ein hervorragender Bildschirm, bis zu 512 Gigabyte Speicher, ein Plastikstift als Fernbedienung: Beim neuen Note 9 hat Samsung viel bei sich selbst abgeguckt. Der Preis erinnert hingegen eher an die Konkurrenz.

SPIEGEL ONLINE

Von


Vor ein paar Jahren hätte man ein Smartphone wie das neue Galaxy Note 9 noch als riesig bezeichnet. Aber die Perspektive hat sich verschoben. Mit einer Bildschirmdiagonale von 6,4 Zoll ist das Note 9 nur einen Hauch größer als etwa ein Google Pixel 2 XL oder ein Galaxy Note 8. Mit einem Preis von bis zu 1249 Euro ist es allerdings auch erheblich teurer als diese beiden Geräte. Lohnt sich die Investition?

Auf den ersten Blick ganz sicher, denn der gilt dem Bildschirm. Und der ist schlicht und einfach hervorragend. Mit 2960 x 1440 Pixeln ist seine Auflösung so hoch, dass mit bestem Willen keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennbar sind. Wenn das Bildmaterial es hergibt, wie etwa bei manchen Netflix-Filmen, brilliert er mit einem sehr großen Kontrastumfang und kräftigen, aber nicht übertrieben wirkenden Farben.

Und auch Leistung bietet das Note 9 mehr als genug. In seinem Achtkernprozessor schuften vier Rechenkerne mit bis zu 2,7 Gigahertz (GHz), die übrigen vier mit sparsameren 1,7 GHz. In Testprogrammen wie etwa Geekbench 4 reicht es damit nicht bis an den Spitzenplatz, das iPhone X liegt bei diesen Messungen noch deutlich vor dem Note 9. An Apples A11 Bionic-Prozessor kommt derzeit kein anderer Smartphone-Chip vorbei.

Dafür ist die Ausdauer beachtlich. Beim Abspielen eines Full-HD-Films in Dauerschleife ging dem Note 9 erst nach mehr als 15 Stunden die Puste aus. In der Praxis und bei durchschnittlicher Nutzung reichte das für knapp zwei Tage.

In einer anderen Disziplin legt Samsung mit dem Note 9 die Messlatte deutlich höher: Während das Basismodell mit - in den meisten Fällen ausreichenden - 128 Gigabyte (GB) Speicher bestückt ist, kann man es auch mit 512 GB bestellen. Da es außerdem einen entsprechenden Steckplatz hat, lässt es sich mit den derzeit verfügbaren Speicherkarten um weitere 512 GB auf bis zu ein Terabyte aufrüsten. Fürs Image mag das gut sein und für Samsung ein gutes Argument in der Werbung. Sinnvoll nutzen kann so viel Speicher im Smartphone im Moment wohl niemand.

Freiheit für den Stift

Das sieht bei dem für Smartphones der Note-Serie typischen Stift anders aus. Bei früheren Versionen waren dessen Möglichkeiten noch auf das offensichtliche beschränkt: Zeichnen, Malen, Schreiben und ein paar Extras, etwa Screenshots machen. All das ging aus technischen Gründen nur direkt auf dem Bildschirm und war im Grunde auch nur interessant, wenn man gerne handschriftliche Notizen macht oder zeichnet.

Notiz auf dem Galaxy Note 9
SPIEGEL ONLINE

Notiz auf dem Galaxy Note 9

Der Stift des Note 9 bietet nun eine Funktionalität mehr: In ihm stecken ein winziges Bluetooth-Modul und ein kleiner Kondensator (so etwas Ähnliches wie ein Akku), die ihn in Grenzen unabhängig vom Bildschirm machen. Allzu viel lässt sich damit noch nicht anfangen, aber immerhin lassen sich ein paar Funktionen von einigen Apps jetzt mit dem Stift fernsteuern. So kann man damit beispielsweise die Kamera auslösen, eine Powerpoint-Präsentation oder eine Bildershow steuern.

Beim Test verlor der Stift dabei aber gelegentlich die Verbindung zum Handy und musste zum Verbinden wieder ins Gehäuse eingeschoben werden. Die Möglichkeiten sind dadurch begrenzt, dass man nur eine Taste auf dem Stift nutzen kann, indem man sie wahlweise einmal oder zweimal drückt, um etwa ein Bild vor- oder zurück zu gehen.

Bekannte Kameras mit einigen Besonderheiten

Viel mehr Möglichkeiten bieten die Kameras. Selfies macht man mit einer 8-Megapixel-Kamera, die dank Blende F1,7 auch bei wenig Licht gut funktioniert. Alles andere als sich selbst fotografiert man mit dem Kameradoppel auf der Rückseite. Denn dort stecken dieselben 12-Megapixel-Kameras wie im Galaxy S9+, die einige sinnvolle Besonderheiten aufweisen.

Fotostrecke

19  Bilder
Tolle Kamera, viel Ausdauer, stolzer Preis: Samsung Galaxy S9 im Test

So verfügt die Weitwinkelkamera über eine variable Blende. Bei Tageslicht und hellem Kunstlicht wird diese mechanisch auf F2,4 verengt, bei wenig Licht auf F1,5 geöffnet. So können bei viel Licht viele Details eingefangen werden und scharfe, kontrastreiche Bilder entstehen. Am Abend gelingen einem trotzdem noch gute Aufnahmen, so lange sich das Motiv nicht zu schnell bewegt.

Die zweite Kamera im Rücken des Note 9 hat dagegen eine feste Blende von F2,4, ist dafür mit Teleobjektiv und zweifacher Vergrößerung bestückt. Genau wie beim S9+ sollte man bei Dunkelheit deshalb lieber auf die Zoomfunktion verzichten, weil das Weitwinkelobjektiv dann eine deutlich höhere Bildqualität liefert.

Warnung bei verschmiertem Objektiv

Gegenlichtaufnahme des Galaxy Note 9
SPIEGEL ONLINE

Gegenlichtaufnahme des Galaxy Note 9

Der einzige Unterschied der Kameras gegenüber dem Galaxy S9+ sind ein paar Erweiterungen der Kamerasoftware. So soll die App beispielsweise warnen, wenn das Objektiv verschmiert ist und darauf hinweisen, wenn jemand auf einem Porträtfoto blinzelt. Beides haben wir im Test erlebt.

Desweiteren bewirbt Samsung eine als Szenenoptimierung bezeichnete Funktion, die Motive erkennen und die Kamera entsprechend einstellen soll. Im Test hat das oft funktioniert, aber nicht immer. Die Unterschiede zu Aufnahmen ohne diese Funktion waren nicht immer deutlich, insgesamt waren die optimierten Fotos aber besser.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Hochwertige Verarbeitung

Sehr gute Kameras

Gute Ausdauer

Speicher erweiterbar

Zeichenstift S-Pen

Teuer

Das Galaxy Note 9 wirkt wie aus dem Smartphone-Baukasten: Ein bisschen Galaxy Note 8, ein paar Teile aus dem Galaxy S9+, ein verbesserter Stift und ein wenig neue Kamerasoftware, fertig. Herausgekommen ist Samsungs bisher bestes - leider auch teuerstes - Smartphone. Die Basisversion kostet 999 Euro, das Modell mit 512 GB 1249 Euro. Solche Preise hat man bisher nur Apple zugetraut.

Als Gegenwert bekommt man hervorragende Kameras, einen sehr guten Bildschirm, sehr gute Akkulaufzeit, potenziell gewaltigen Speicher und eben einen Stift. Wer den nicht braucht, sollte lieber zum Galaxy S9+ greifen, dessen Straßenpreis mittlerweile auf unter 700 Euro gesunken ist. Ein ähnlicher Preisverfall ist auch beim Note 9 zu erwarten.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
harryhorst 14.08.2018
1. Technisch sicher gut.
Aber wozu 1000 Euro ausgeben, wenn ich nichtmal den Akku wechseln kann. Dadurch ist schon beim Kauf die Lebensdauer deutlich limitiert. Es ist schon seltsam, dass die meisten sogenannten Tester dieses Knock-Out-Kriterium gar nicht erwähnen. Auch das Fehlen einer heute schon weit verbreiteten zweiten SIM-Karte wird nicht erwähnt.
didi2212 14.08.2018
2. Teuer?
Immer noch 320 Euro günstiger als ein iphone X mit 256 GB Speicher.
kissi1 14.08.2018
3. Naja
Zitat von harryhorstAber wozu 1000 Euro ausgeben, wenn ich nichtmal den Akku wechseln kann. Dadurch ist schon beim Kauf die Lebensdauer deutlich limitiert. Es ist schon seltsam, dass die meisten sogenannten Tester dieses Knock-Out-Kriterium gar nicht erwähnen. Auch das Fehlen einer heute schon weit verbreiteten zweiten SIM-Karte wird nicht erwähnt.
wenn ich mir die aktuellen Top-Smartphones so ansehe und deren Verkaufszahlen, dann sind Sie mit diesem KO Argument relativ alleine auf weiter Flur. Die allermeisten scheint das überhaupt nicht zu stören. Mich übrigens auch nicht. Denn dank Powerbank und Co. habe ich nie Akkuprobleme.
frenchie3 14.08.2018
4. @3 Auch eine Lösung, die Piwerbank
Aber ich beispielsweise kaufe mir kein sauteures Handy um hinterher einen separaten Akku rumzuschleppen. Kein Wechselakku und keine separate Speicherkarte ist für mich no go. Jeder hat so seine Prioritäten
genauerschauer 14.08.2018
5.
Zitat von harryhorstAber wozu 1000 Euro ausgeben, wenn ich nichtmal den Akku wechseln kann. Dadurch ist schon beim Kauf die Lebensdauer deutlich limitiert. Es ist schon seltsam, dass die meisten sogenannten Tester dieses Knock-Out-Kriterium gar nicht erwähnen. Auch das Fehlen einer heute schon weit verbreiteten zweiten SIM-Karte wird nicht erwähnt.
Ein wechselbarer Akku macht die Geräte dicker. Ist leider so. Aber ein Tausch wird wahrscheinlich um die 60 Euro oder so kosten. Das sind dann keine 5% vom Neupreis. Keine 6 Monate, und das Gerät kostet die Hälfte. Ich frage mich nur, wer diese Riesenteile mit sich rumschleppen mag. Aber ohne Nachfrage kein Produkt. Für den Preis kriegt man schon einen richtig potenten Laptop :-) Das mit der zweiten Sim sehe ich ähnlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.