Von Matthias Kremp
Wenn der Galaxy S Wifi 4.2 auf meinem Schreibtisch liegt, werde ich von vorbei gehenden Kollegen oft gefragt: "Ist das das neue Samsung? Meine Antwort darauf klingt besserwisserisch: "Nein, das ist der neue Samsung."
Auch wenn das schlanke weiße Mobilgerät aussieht wie ein Handy, ist es keines, sondern bloß ein Multimediaplayer. Er ist eine Art iPod touch, nur nicht von Apple und mit iOS, sondern von Samsung und mit Android-Betriebssystem. Wobei letzteres von der ungewohnten Hardware und dem fehlenden GSM-Mobilfunk selbst verwirrt zu sein scheint und den Anwender nach Abschluss der Ersteinrichtung bei "bei Ihrem neuen Smartphone" willkommen heißt.
Und so ist es eben auch: Der Galaxy S Wifi 4.2 sieht aus und fühlt sich an wie ein Samsung-Smartphone. Mit seinem 1-GHz-Singlecore-Prozessor ist es gegenüber aktuellen Smartphones, die meist Dual- oder gar Quadcore-Chips nutzen, aber bescheiden ausgestattet. Das gilt auch für den Speicherplatz. Acht GB sind in dem Gerät fest verbaut und werden schnell knapp, da schon die vorinstallierten Spiele "Fifa 12" und "Need for Speed: Hot Pursuit" gut drei GB belegen. Gut also, dass man den Speicherplatz per microSD-Karte um bis zu 32 GB erweitern kann.
Kann gut klingen, wenn man nachhilft
Das 4,2-Zoll-Display ist mit 800 x 480 Bildpunkten ausreichend hochauflösend, sehr winkelstabil und erzeugt kräftige Kontraste und leuchtende Farben. An den beiden Schmalseiten des Bildschirms sind Lautsprecher angebracht, ähnlich wie beim Samsungs Galaxy Tab. Brauchbar ist deren Klang, schön ist er nicht. Dasselbe gilt für die mitgelieferten Ohrhörer, die wenig überzeugend klingen, möglichst schnell durch bessere Modelle ersetzt werden sollten.
Mit guten Ohr- oder Kopfhörern dagegen, liefert der Samsung einen ebenso guten Sound an seiner Kopfhörerbuchse ab. Videos spielte er im Test ruckelfrei ab, verweigerte sich aber einigen der Testdateien, da er nicht alle populären Formate wiedergeben kann. Wer mit DivX, Mpeg 4, H.263 und H.264 auskommt, wird sich daran nicht stören.
Die Software-Versorgung ist gesichert
Was die angepeilte jugendliche Zielgruppe eher nerven dürfte, sind die beiden Kameras. Mit 2 Megapixeln Auflösung bei der Rückenkamera und VGA (640 x 480) bei der Frontkamera kommt keine Begeisterung auf, die Schärfe könnte besser sein, die Farben knackiger.
Dafür liefert Samsung einen Schwung nützlicher Software mit. Eine Steuerungs-App für das integrierte UKW-Radio, und Kies Air, das den Datenabgleich mit dem PC per W-Lan ermöglicht. Fürs Wohnzimmer sind Samsungs AllShare-App zur Mediennutzung mit DLNA-kompatiblen Geräten sowie Smart View dabei, mit dem man das aktuelle TV-Bild vom Fernseher auf dem Handy anzeigen lassen können soll - wenn der Fernseher diese Technik beherrscht. Wem das nicht reicht, dem stehen gleich zwei Möglichkeiten offen, weitere Apps zu installieren: Googles Play-Store und der Samsung-App-Store.
Gegenüber einem Galaxy-Smartphone lässt dieser Mediaplayer also kaum etwas vermissen - außer natürlich der Telefonfunktion und der Möglichkeit, mobile Datennetze zu nutzen. Jugendlichen, denen die monatlichen Kosten für einen Mobilfunkvertrag zu hoch sind, mag das gefallen. Dafür müssen sie aber zumindest einmal tief ins Portemonnaie greifen. Beim Preis hat sich Samsung offenbar an Apple orientiert. Dessen iPod touch kostet in der 8-GB-Version 189 Euro, exakt so viel, wie Samsung für seinen Player haben möchte. Nur, dass man den Samsung-Player nicht über eine Software wie iTunes befüllen muss, sondern etwa MP3-Dateien einfach per drag & drop vom Rechner in ein Verzeichnis namens "Music" herüberziehen kann.
Ob es für Samsung allerdings eine weise Entscheidung war, jetzt noch in den Markt der Mediaplayer einzusteigen, muss man abwarten. Apples iPod-Absatz ist jedenfalls in den letzten Monaten drastisch zurückgegangen. Längst fischen Anbieter von Billig-Smartphones in diesen Gewässern.
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