Neue Samsung-Smartphones Auf in neue Preisgalaxien

Samsung hat Smartphones vom Feinsten präsentiert: In den neuen Galaxy S10-Modellen steckt nur die beste Technik. Ein paar Ideen allerdings hatten andere auch schon.

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Aus London berichtet


Als Apple 2017 den zehnten Geburtstag des iPhones feierte, gönnten sich die Kalifornier ein Jubiläumsmodell, das iPhone X. Samsung geht noch einen Schritt weiter und hat am Mittwochabend in San Francisco gleich drei Jubiläums-Smartphones vorgestellt, das Galaxy S10, das S10+ und das S10e. Ich habe alle drei Modelle bereits vorab in London in die Hände bekommen.

Die Topmodelle dieser Dreierreihe sind das Galaxy S10 und das S10+. Nur zwei Dinge unterscheiden die beiden: Das S10 hat einen 6,1 Zoll großen Bildschirm, beim S10+ ist er 6,4 Zoll groß. Zudem hat das S10 eine einfache Selfie-Kamera, während beim S10+ zusätzlich ein Tiefensensor eingebaut ist. Letzterer dient dazu, bei Selfies einen sogenannten Bokeh-Effekt zu erzeugen, also den Hintergrund unscharf erscheinen zu lassen. Beim ersten Ausprobieren hat das recht gut geklappt.

Ein Highlight im Wortsinne sind die Bildschirme der beiden Jubiläums-Samsungs, denn sie können sehr hell leuchten. Davon könnte zum einen die Lesbarkeit bei Sonnenlicht profitieren, was ich im Londoner Winterwetter nicht nachprüfen konnte. Zum anderen lässt sich damit die Darstellung von HDR-Filmen verbessern, die man mit dem Galaxy S10 und dem S10+ nicht nur bei Netflix und Amazon Prime Video anschauen, sondern mit der eingebauten Kamera auch selber aufnehmen kann.

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Galaxy S10: Das sind die neuen Samsung-Smartphones

Die Auflösung der Selfie-Kamera beträgt bei beiden 10 Megapixel, was gut, aber für Selfies nicht entscheidend ist. Wichtiger ist, dass ihre Lichtempfindlichkeit von f/1.9 auch in schlecht beleuchteter Umgebung brauchbare Fotos ermöglichen dürfte.

Die Drei aus der Fotoabteilung

Auf der Rückseite befinden sich bei beiden neuen Galaxys nun drei Kameras. So etwas kennt man seit vergangenem Sommer schon von anderen Herstellern. Ein Vorreiter einer solchen Kombination war Huaweis Mate 20 Pro, das mich beim Test mit seinen fotografischen Fähigkeiten, vom Teleobjektiv über den Weitwinkel bis zum Super-Weitwinkel, beeindruckt hat.

Ganz ähnlich ist jetzt das Kamera-Triplet von Galaxy S10 und S10+ aufgebaut. Einer 12-Megapixel-Weitwinkelkamera mit einer guten Lichtempfindlichkeit von f/1.6 stehen ein 12-Megapixel-Teleobjektiv mit f/2.4 und ein 16-Megapixel Ultraweitwinkel mit f/2,2 zur Seite.

Diese Kombination dürfte die fotografischen Möglichkeiten der beiden Smartphones gegenüber ihren Vorgängern deutlich erweitern. Beim Vorabtermin in London ließ sich das kaum wirklich abschätzen. Die Kameras funktionieren über alle Zoomstufen schnell und gut, wie die erreichbare Bildqualität ist, kann nur ein ausführlicher Test zeigen. Sehr gespannt bin ich darauf, den Super-Night-Shot-Modus auszuprobieren, der bei Nacht und auf einem Stativ Belichtungszeiten von bis zu 40 Sekunden ermöglicht.

Fingerabdruck mit Ultraschall

Eine echte Besonderheit ist der neue Fingerabdruckscanner, den Samsung in die beiden Geräte einbaut. Er ist unsichtbar in den Bildschirm integriert, das kennt man schon von anderen Geräten wie dem Mate 20 Pro. Samsungs Variante scheint aber zuverlässiger zu arbeiten, da er den Finger mit Ultraschall abtastet. Besonders schnell ist das nicht, hat beim Ausprobieren aber immer funktioniert.

Gemeinsam ist Galaxy S10 und Galaxy S10+, dass beide von einem neuen Samsung-Prozessor, dem Exynos 9820, angetrieben werden. Der Hersteller verspricht, er bringe etwa ein Drittel mehr Leistung als sein Vorgänger, brauche aber 15 Prozent weniger Energie. Nur in Samsungs Heimatland Südkorea und den USA wird trotzdem stattdessen ein Prozessor von Qualcomm, der Snapdragon 855, verwendet.

Beim Kleinen gehört der Finger auf die Seite

Dieselben Prozessoren stecken auch im Galaxy S10e, dessen Kürzel "e" laut Samsung für "essential", also "wesentlich" steht. In weiten Teilen ist die Hardware dieses Modells mit der von S10 und S10+ identisch.

Von links nach rechts: Galaxy S10+, Galaxy S10 und Galaxy S10e
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Von links nach rechts: Galaxy S10+, Galaxy S10 und Galaxy S10e

Sein Bildschirm ist mit 5,8 Zoll etwas kleiner und mit 2280 x 1080 Pixeln weniger hoch auflösend - aber trotzdem sehr scharf. Auch hat es einen herkömmlichen Fingerabdrucksensor, der, wie früher bei Sony-Smartphones, seitlich in den Rahmen integriert ist. Im Gegensatz zu S10 und S10+, bei denen der Bildschirm sich seitlich in den Gehäuserahmen biegt, ist das Display hier flach, der Rahmen deutlich sichtbar. Zudem stecken in seinem Rücken statt drei Kameras nur zwei. Vor einem Jahr war das noch Spitzenklasse, schlecht ist das auch heute nicht.

Zur Spitzenklasse gehört auch, dass die neuen Geräte sich drahtlos aufladen lassen. Und sie teilen gerne, zumindest ihre Energie. Legt man sie auf den Bauch, werden sie zu kabellosen Ladegeräten, die wiederum andere Gadgets aufladen können. Beispielsweise die neuen kabellosen Kopfhörer Galaxy Buds. Power Share nennt Samsung das.

Kabelloses Aufladen der Galaxy Buds
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Kabelloses Aufladen der Galaxy Buds

Beim Speicherausbau greift Samsung bei allen drei neuen Smartphones in die Vollen. Man kann es sich leisten, schließlich werden die Speicherchips im eigenen Haus gebaut. So kommen alle drei neuen Galaxys mit mindestens 128 Gigabyte (GB) Speicher. Das S10 und S10+ kann man gegen Aufpreis auch mit 512 GB bekommen. Die Topversion ist ein Galaxy S10+ mit einem Terabyte (TB) Speicher. Dass man den Speicher bei allen dreien um bis zu 512 GB erweitern kann, ist in diesem Fall wohl nicht mehr nötig.

Nötig ist es allerdings, sich mit den Preisen zu beschäftigen. Das Galaxy S10e kostet 749 Euro und ist in Weiß, Schwarz, Grün, Blau und Gelb erhältlich. Das S10 gibt es, abgesehen von Gelb, in denselben Farben, es kostet aber mit 128 GB Speicher 899 Euro, mit 512 GB Speicher 1149 Euro. Noch teurer wird es beim Galaxy S10+, das in Deutschland in einem besonders harten Keramikgehäuse ausgeliefert wird und in der "kleinen" Version mit 512 GB 1249 Euro kostet. Für das vorläufige Topmodell mit 1 TB Speicher muss man gar 1599 Euro berappen.

Vorläufig deshalb, weil noch ein weiteres Modell der Serie entwickelt wird, das Galaxy S10 5G. Wenn es im Sommer auf den Markt kommt, soll es mit 5G-Technik bestückt sein. Außerdem bekommt es einen mit 6,7 Zoll noch größeren Bildschirm und eine Vierfachkamera mit 3D-Tiefensensor. Sein Speicher wird 256 GB groß und nicht erweiterbar sein.

So schön und leistungsfähig die Samsungs Jubiläums-Smartphones sind, wirklich Neues ist da, abgesehen vom Ultraschall-Fingerabdrucksensor, wenig zu entdecken. Dreifachkameras haben längst schon andere und selbst die sogenannte Powershare-Funktion gab es schon früher. Womit Samsung aber punkten kann, sind hervorragende Bildschirme, makellose Verarbeitung, üppiger Speicher und gutes Design. An den Preisen werden Samsung-Fans allerdings zu knabbern haben.



insgesamt 41 Beiträge
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newage85 20.02.2019
1. Samsung NO!
Nach dem Debakel mit dem Samsung Galaxy S8, wo zum Kauf erzählt wurde, innerhalb eines halben Jahres würde es komplett auf deutsch funktionieren, bin ich weder bereit Bixby zu nutzen, noch mir wieder ein Samsungtelefon zu kaufen S10 hin oder her, aber man kann bei Samsung gar nicht mehr entscheiden eas man selbst möchte und das wird mit dem neuen Modell auch nicht anders. Ich denke ich werde mit dem Kauf einen neuen Handys noch 2 Jahre warten, denn die Alternativen sind auch nicht unbedingt Knaller im Vergleich. Zu teuer, zu wenig eigene Kontrolle über das was das Handy machen darf bzw. soll.
lalito 20.02.2019
2. Ausgereizt
Offensichtlich scheint die Smartphoneentwicklung mittlerweile ausgereizt, nur noch Nuancen an den technisch gegebenen Grenzen entlang. Fraglich, ob die Kundschaft da mehr als einen Tausender auf die Theke legen will, um sich lediglich mit Nichtigkeiten beim Fortschritt zu begnügen. Konzeptionell passiert nichts mehr.
#besserwisser 20.02.2019
3. Totentwickelt ...
Die Hersteller schießen sich selbst aus dem Ring. Kein vernünftiger Mensch benötigt ein Telefon, dass 1.000€ und mehr kostet? Diese Geräte taugen allenfalls als Genitalvergrößerungen, zum Arbeiten ohne spielen sind sie längst zu teuer ... ;-)
triptychon5zehn 20.02.2019
4.
Also viel kommt da nicht mehr. Scheint wirklich als hätte Google es ausgereizt, 1 Kamera, Beste an Markt, unter 800€. Oneplus für sparfüchse, xiaomi für Exoten die Rahmenlos und mit Gimmicks mögen, mehr braucht es nicht. Warum Technik die keinen Mehrwert liefert über 800€ Kosten muss ist mehr als fragwürdig . Hoffe Samsung und Apple bleiben im der abwärts Spirale.
MissMorgan 20.02.2019
5. Sehr schön
aber bei den Preisen steige ich aus. Ein Smartphone ist Gebrauchsgegenstand, der in meiner Hosentasche steckt. Und da soll es auch bleiben können. Aber ich möchte es auch ersetzen können, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen. Ja, meine Schnappschüsse mit dem Smartphone werden dann wohl noch ein paar Jahre Schnappschüsse bleiben. Ist dann halt so. Briefe schreibe ich selten am Mobile und Filme schaue ich mir da auch nicht an. Also brauche ich sowas nicht wirklich.
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