Samsung Galaxy S6 Edge Teuer in der Herstellung, kaum zu reparieren

Experten haben Samsungs neues Smartphone-Top-Modell Galaxy S6 Edge auseinandergenommen. Ihr Fazit: Die Herstellung ist teurer als beim iPhone 6 Plus, Reparaturen sind extrem aufwendig.

iDoc

Auch wenn das neue Galaxy S6 Edge zu einem Hit werden sollte, Gewinne wie sie Apple mit seinen iPhones einfährt, wird es nicht einbringen. Und das, obwohl sich der koreanische Konzern bei seinem neuen Smartphone an der Preispolitik der kalifornischen Konkurrenz orientiert hat.

So in etwa kann man einen Bericht von IHS Technology interpretieren, der sich den Herstellungskosten des S6 Edge widmet. Die Experten des Unternehmens haben sich die 64-GB-Version des Samsung-Handys besorgt und auseinandergenommen. Anhand der Bauteile, die sie dabei gefunden haben, konnten sie die ungefähren Herstellungskosten errechnen.

Das Ergebnis der Berechnungen: Inklusive Arbeitszeit investiert Samsung etwa 273 Euro. Für ein ebenfalls mit 64 GB bestücktes iPhone 6 Plus haben die IHS-Experten dagegen Material- und Herstellungskosten von rund 226 Euro errechnet. Zwar kann man nicht davon ausgehen, dass diese Zahlen exakt den tatsächlich Kosten entsprechen, doch dürften sie zumindest ungefähr stimmen.

Lohnenswerter Verzicht auf den Speicherkartensteckplatz

IHS betont zudem, dass Apples iPhone teurer ist als das Galaxy. Für die USA stimmt das, dort kostet ein Galaxy S6 Edge mit 64 GB 800 Dollar, das entsprechende iPhone 6 Plus 850 Dollar. In Deutschland ist das Preisverhältnis allerdings ein anderes. Während Apple hier 900 Euro für ein iPhone 6 Plus mit 64 GB verlangt, wird das S6 Edge mit der gleichen Ausstattung bei Samsung mit 950 Euro gelistet.

Eindrücke vom S6 zum Durchklicken
Samsung Galaxy S6

Das neue Oberklasse-Smartphone des koreanischen Konzerns ist technisch mit allem bestückt, was derzeit gut und teuer ist.

Schöner Rücken

Besonders fällt beim S6 auf, das Samsung sein Oberklasse-Modell endlich nicht mehr in billiges Plastik packt.

Glänzender Auftritt

Die unter dem Glas verwendeten Lacke schimmern bei entsprechender Beleuchtung sehr stark.

Etwas Besonderes

Hinter dem kleinen dunklen Fenster an der Oberseite befindet sich der Infrarotsender, der das S6 zur TV-Fernbedienung macht.

Hervorstechend

Die 16-Megapixel-Kamera des Galaxy S6 steht deutlich aus dem Gehäuse hervor. Anders wäre es nicht möglich gewesen, die beweglich aufgehängten Linsen unterzubringen. Rechts daneben ist der Blitz zu erkennen, neben dem ein Pulsmesser eingebaut ist.

Flink bei der Sache

Die Foto-App startet in weniger als einer Sekunde.

Testfoto

Diese Aufnahme wurde mit dem Galaxy S6 gemacht.

Zum Vergleich

Dasselbe Motiv, zur selben Zeit, am selben Ort mit einem iPhone 6 Plus aufgenommen. Das Bild zeigt etwas wärmere Farben. Manche feine Details, wie die Fenster in dem weißen Gebäude rechts, sind nicht ganz so scharf abgebildet wie bei der Aufnahme des Galaxy S6.

Deutliche Ähnlichkeit

Die Unterseiten von iPhone 6 (oben) und Galaxy S6 weisen einige Übereinstimmungen auf.

Keine Kopie

Am Design der Vorderseiten lässt sich klar erkennen, wie unterschiedlich das iPhone 6 und das Galaxy S6 trotz einiger Übereinstimmungen doch sind. Das S6 trägt typische Samsung-Designelemente, wie den ovalen Home-Button.

Extra-App

Wie üblich liefert Samsung einige eigene Apps mit dem S6 aus, so wie den S Planner genannten Kalender.

Schneller Überblick

Wer immer gerne wissen möchte, wie es seinem Handy geht, kann sich von Samsungs Smart Manager informieren lassen.

Keine Kabel

Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, mag man keine Ladekabel mehr verwenden: Das Galaxy S6 kann auch kabellos aufgeladen werden, etwa mit dieser Ladematte.

Zugleich hat Samsung sein Preisgefüge an Apple angepasst. Jede Verdopplung des Speicherplatzes wird beim S6 mit 100 Euro berechnet, genauso also, wie es Apple bei iPhones und iPads handhabt.

"32 GB Speicher kosten Samsung etwa 13 Dollar, während 64 GB knapp 26 Dollar kosten", erklärt IHS-Manager Andrew Rassweiler. "Verglichen mit dem 32-GB-Modell macht Samsung beim 64-GB-Modell also ungefähr 87 Dollar mehr Profit." Möglich wurde das nur, weil Samsung bei den S6-Smartphones keinen Steckplatz für Speicherkarten mehr einbaut, wie es das Unternehmen bei früheren Modellen getan hat.

Klebstoff, überall Klebstoff

Gegenüber den Vorgängermodellen hat sich bei den Galaxy S6 und S6 Edge offenbar auch die Reparierbarkeit drastisch verändert. Die Reparaturexperten von iFixit und iDoc haben die Geräte bereits auseinandergenommen und analysiert, wie gut sich Schäden an der Hardware der neuen Oberklasse-Handys beheben lassen.

Das Fazit fällt bei beiden sehr ähnlich aus, dabei aber leider wenig erfreulich. "Deutliche Rückschritte aus Nutzersicht sind vor allem die stark verklebten Komponenten, welche besonders häufige Reparaturen wie den Akku- oder Display-Tausch erschweren," heißt es bei iDoc. Insgesamt sei das Galaxy S6 deutlich schwieriger zu reparieren als seine Vorgänger.

Samsung Galaxy S6: Über Jahre hat das koreanische Unternehmen seine Smartphones mit abnehmbaren Deckeln bestückt. Bei den S6 ist das anders. Das fest verklebte Rückenteil muss mühsam gelöst werden. Viel Geduld, ein Heißluftfön und Kraft sind dafür nötig.

Bin ich schon drin? Nachdem endlich der Deckel gelöst ist, offenbart sich das Innere. Auch hier gibt es eine Überraschung: Der Akku lässt sich nicht einfach herausnehmen. Stattdessen müssen erst einige Schrauben entfernt und dann der Mittelrahmen mit Saugnapf, Plektrum und Druck gelöst werden.

Nach einigen weiteren Zwischenschritten ist es soweit und man kann die elektronischen Komponenten voneinander trennen, indem man deren Stecker zieht.

Schließlich liegt das Mainboard frei und kann einfach herausgehoben werden, nachdem man den sogenannten Dock-Connector von der kleinen Platine abgezogen hat.

Nachdem das Mainboard herausgelöst wurde, lassen sich Komponenten wie die Frontkamera ohne großen Aufwand entfernen.

Erst jetzt kommen die Bastler von iDoc an den Akku heran. Leicht scheint es aber nicht, den Energiespeicher aus dem Gehäuse zu bekommen. Viel Kraft sein nötig, um das verklebte Bauteil aus dem Gehäuse zu bekommen.

Auch tief im Inneren geht es weiter mit Klebstoff: Noch einmal rücken die Experten dem Galaxy S6 mit Wärme und Plektren an, um den Kleber zu lösen. Nur so kommen sie an das Display heran.

Geschafft! Erst nachdem reichlich Kleber gelöst, Bauteile mit Kraft getrennt und zumindest ein paar Schrauben gelockert wurden, liegen die Baugruppen des Galaxy S6 auf dem Tisch.

Ähnlich verheerend lautet das Urteil von iFixit zum Galaxy S6 Edge. Einerseits sei das Gerät sehr modular aufgebaut, sodass sich viele Bauteile einzeln austauschen lassen würden. Aber auch hier wird die intensive Verwendung von Klebstoff kritisiert. Zum einen sei das Gerät dadurch schwer zu öffnen, zum anderen der Akku sehr fest mit dem Gehäuse verbunden, ein Akkutausch daher schwierig.

Sollte einmal der Bildschirm Schaden nehmen, könnte die Reparatur teuer werden. Weil Display und Deckglas stark miteinander verklebt sind, sei es kaum möglich, die beiden Komponenten voneinander zu trennen, ein Austausch wäre also nur im Gesamtpaket möglich.

mak

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
PowlPoods 15.04.2015
1. Wer
das Geld hat und sich ein Handy für 900 Dollar kauft, der wird es im Falle eines Schadens sicher nicht reparieren. Der kauft sich schlicht und einfach ein neues.
xees-s 15.04.2015
2.
Das ewige 'Argument' dass man beim iPhone den Akku nicht tauschen kann und der Speicher nicht erweiterbar ist, fällt nun endgültig. Nicht mal der Tausch beim Service ist ohne weiteres Möglich beim Samsung in Zukunft. Ist ja auch egal, die Servicekosten trägt eh der Kunde.
Leser161 15.04.2015
3. Repa-was?
Reparieren? Ist das nicht diese schreckliche Sache die bei Autos, Handys etc. die Rendite schmälert? Nee mal ernsthaft, die Politik verfällt bei ein paar Gramm CO2/km bei Autos in pursten Aktionismus, aber bei Handys ist das okay das die nach zwei Jahren Schrott sind? Hat das mal wer in CO2 umgerechnet? Ohne Worte.
niveau_creme 15.04.2015
4. Wer...
... sich Lifestyle Produkte wie ein Galaxy S6 Edge oder IPhone 6 anschafft muss gezwungenermaßen mit hohen "Wartungsgebühren" rechnen... Ein Porsche kostet in der Wartung auch ein paar cent mehr als ein Fiat Panda...:P
mimas101 15.04.2015
5. Ganz einfach
der Erfolg eines solchen SmartPhones entscheidet sich nicht in einer Firmenbuchhaltung sondern an der Verkaufskasse. Wirds nicht gekauft hat Samsung ein Problem. Hier sieht man allerdings mal deutlich wie maßlos die Firmen mittlerweile aus reiner Profitgier nicht nur endliche natürliche Ressourcen verschwenden sondern den Kunden immer mehr dazu nötigen Ex- und Hopp-Produkte zu kaufen. Unabhängig davon ob die Produkte jetzt billig sind oder nicht. Das Argument "Nur eine begrenzte Lebensdauer ermöglicht günstige Preise und den technischen Fortschritt" zieht also nicht.
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