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09. März 2018, 15:29 Uhr

Samsung Galaxy S9 im Test

Tolle Kamera, gute Ausdauer, stolzer Preis

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Mit dem Galaxy S9 und S9+ will Samsung seinen Smartphone-Thron verteidigen. Die Kameras sind besser geworden, der Prozessor schneller. Reicht das, um die Konkurrenz abzuhängen?

Schon wieder ein schwarzes Testgerät. Tut mir leid, wenn ich deswegen rumnörgeln muss. Aber irgendwie gelingt es Samsung immer wieder, Testern wie mir die mit Abstand langweiligste Farbvariante zuzuschicken. Dabei hätte es beim Galaxy S9 und S9+ doch mit Lilac Purple eine ausgesprochen interessante Alternative gegeben. Klar, Samsungs neues Lila ist nicht jedermanns Lieblingsfarbe. Aber es ist wenigstens mal etwas anderes.

Etwas anderes nämlich würde Samsungs neuen High-End-Smartphones gut zu Gesicht stehen. Denn ansonsten sehen sie im Großen und Ganzen genauso aus wie ihre Vorgänger Galaxy S8 und S8+. Außer natürlich auf der Rückseite. Dort stehen die Kameralinsen und der Fingerabdrucksensor jetzt wieder brav untereinander statt nebeneinander. Beim Entsperren per Fingerabdruck greift man deshalb nicht mehr so oft versehentlich auf die Linse. Das ist gut.

Und es ist wichtig, denn die Kameras sowohl des Galaxy S9 als auch des S9+ sind hervorragend. Wobei ich zugeben muss, mich fast ausschließlich mit der Knipse des S9+ beschäftigt zu haben. Denn das Plus-Modell ist nicht nur ein wenig größer als das S9 - 6,2 Zoll statt 5,8 Zoll - es hat außerdem auch eine Doppelkamera.

Blende auf, Blende zu

Zusätzlich zur normalen 12-Megapixel-Kamera, die auch das S9 hat, verfügt das S9+ über eine 12-Megapixel-Teleobjektiv-Kamera. Mit der lassen sich entfernte Motive besser fotografieren, sie ist gut für Porträts und für Nahaufnahmen geeignet. Generell muss man aber sagen, dass beide Kameras sehr gute Bilder abliefern.

Dazu trägt auch die variable Blende der jeweiligen Hauptkamera bei. Bei Tageslicht und hellem Kunstlicht wird die Blende mechanisch auf F2,4 verengt. So können bei viel Licht viele Details eingefangen werden und scharfe, kontrastreiche Bilder entstehen.

Wird die Umgebung schummrig, öffnet sich die Blende auf F1,5. dadurch kommt mehr Licht an den Fotosensor und man kann trotz mangelnder Beleuchtung gute Bilder machen. Das gelingt den beiden Samsung-Smartphones oft besser als der Konkurrenz, iPhones eingeschlossen. Wer mag und sich damit auskennt, kann die Blende im "Pro"-Modus auch selbst einstellen. Das Teleobjektiv des S9+ hat eine Festblende von F2,4. Im Dunkeln sollte man also lieber ohne das Tele fotografieren.

Mal langsam machen

Eine große Neuerung für Samsung ist außerdem die extreme Zeitlupenfunktion mit 960 Bildern pro Sekunde. Sony hatte das vergangenes Jahr beim Xperia XZ Premium vorgemacht und bietet die Funktion auch im neuen Xperia XZ2. Genau wie bei Sony sind damit zwar nur extrem kurze Aufnahmen von 0,2 Sekunden Dauer (Echtzeit) möglich, aber Spaß macht es schon, damit herumzuspielen.

Schwierig ist es nur, den richtigen Zeitpunkt zum Auslösen der Zeitlupenaufnahme zu finden. Samsungs Kamera-App bietet dafür zwar eine Automatik, die auslösen soll, sobald sich etwas in einem bestimmten Bildschirmbereich bewegt. Bei meinen Tests mit Streichhölzern, Feuerzeugen, Wassertropfen und Bass-Saiten funktionierte sie aber nicht immer zuverlässig. Ein wenig Übung - und am Besten ein Stativ - braucht man in jedem Fall, um überzeugende Zeitlupenaufnahmen hinzubekommen.

Mal schnell machen

Abgesehen von der Kamera hat sich bei den beiden neuen Modellen im Vergleich zu den Vorgängern wenig verändert. Selbst die Bildschirme sind die gleichen geblieben, was gut ist, weil sie zu den besten gehören, die man in Smartphones bekommen kann. Mit 2960 x 1440 Bildpunkten ist ihre Auflösung extrem hoch. Indem man sie in den Einstellungen auf bis zu 1920 x 1080 Pixel reduziert, kann man einen Hauch mehr Grafikleistung aus dem Grafikchip herauskitzeln. Wirklich sichtbar ist das mit bloßem Auge nicht.

Auch die Leistungssteigerung des neuen Achtkernprozessors von Samsung spürt man nicht, sondern kann sie bestenfalls mit Benchmark-Apps messen. Galaxy S9 und S9+ haben jedenfalls reichlich Power. So viel, dass sie während des bisher knapp einwöchigen Tests kein einziges Mal auch nur ansatzweise an ihre Grenzen gekommen sind.

Bixby, wo bleibst du?

Im Alltag scheint sich die übermäßige Leistung eher auf die Akkulaufzeit auszuwirken, im positiven Sinne. Trotz der recht intensiven Nutzung hielten die beiden Testgeräte mühelos von frühmorgens bis spätabends durch und hatten auch dann noch 30 bis 50 Prozent Reserve im Akku. Für zwei Tage Dauerbetrieb recht das nicht, bringt einen aber komfortabel durch den Tag.

Und sollte es doch mal knapp werden, erledigt das mitgelieferte Schnellladegerät seine Arbeit angemessen zügig. Von null auf 100 Prozent brauchte es weniger als zwei Stunden. Die kabellose Ladefunktion braucht naturgemäß länger, ist dafür aber auch viel bequemer.

An Samsungs digitalen Assistenten Bixby, der auf den beiden neuen Galaxys vorinstalliert ist, braucht man weiterhin keinen Gedanken zu verschwenden. Auch ein Jahr nach der Einführung der chinesischen, koreanischen und englischen Sprachsteuerung beherrscht er kein Deutsch. Irgendwann in diesem Jahr soll das nachgeliefert werden. Wenn es so weit ist, kann man sich das gerne mal anschauen. Bis dahin sollte man dem Google Assistant den Vorzug geben.

Fazit

Samsungs Galaxy S9 und S9+ gehören zum Besten, was man derzeit an Smartphones kaufen kann, das spiegelt sich leider auch im Preis wider. Samsung listet das S9 mit 64 GB Speicher für 849 Euro, das S9+ kostet mit derselben Ausstattung 100 Euro mehr. Mit 256 GB Speicher steht das S9+ mit 1049 Euro in der Preisliste. Sonderangebote sind das nicht gerade.

Da sich die Verbesserungen gegenüber dem Galaxy S8 und S8+ in erster Linie auf die Kamera beschränken, können Besitzer der Vorgängermodelle die Generation S9 auslassen. Alternativen sind Googles Pixel 2, die aktuellen iPhones X und 8 und sogar die hauseigenen Galaxy Note 8 sowie Galaxy S8 und S8+, die jetzt im Preis fallen.

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