Samsung Galaxy Tab: Es muss nicht immer Apple sein

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Alle wollen Steve Jobs' iPad-Erfolg kopieren - Samsungs Galaxy könnte es schaffen. SPIEGEL ONLINE hat das flotte Gerät aus Südkorea getestet: Es hat eine Kamera, kann Flash und auch sonst ziemlich viel, was der Tablet-Nutzer braucht.

Samsung Galaxy: Der iPad-Herausforderer Fotos
SPIEGEL ONLINE

Berlin - Samsungs Galaxy Tab ist der erste heimliche Star der Elektronikmesse Ifa. Über kein anderes Gerät, das in Berlin sein Debüt gibt, wurde vorher so viel geschrieben. Schon Wochen vor der Messe tauchten im Internet Bilder auf, die das Tablet zeigten. Allerdings in einer Variante, die mit jenem Gerät nicht viel zu tun hatte, das der koreanische Konzern am Donnerstag erstmals der Presse zeigte.

SPIEGEL ONLINE hatte in Berlin Gelegenheit, das Gerät vorab einem ersten Kurztest zu unterziehen. Mit einer Bilddiagonale von sieben Zoll fügt sich das Tab genau zwischen Apples iPad (9,7 Zoll) und Dells Streak (5 Zoll). Es liegt gut in der Hand und ist mit 380 Gramm leicht genug, um ohne Armlähmung länger mobil genutzt zu werden. Theoretisch würde es sich dank GPS und Navigationssoftware auch als Mega-Navi eignen. Praktisch dürfte es zum Beispiel in einem Fiat 500 die Sicht merklich einschränken. Ein Firmensprecher schlägt sogar vor, das Tablet in der Jackettasche herumzutragen - das geht, jedoch zerrt es ordentlich am Stoff.

Die gute Größe ist der größte Vorteil des Galaxy Tab im Spitzenfeld der iPad-Herausforderer. Satte 1024 x 600 Pixel (WSVGA) zeigt der Bildschirm. Das passt gut zur Bildschirmgröße und ermöglicht Details in Bildern oder scharf gezeichnete Schrift. An der Bildschirmqualität scheint nichts auszusetzen, auch wenn es ein gewöhnliches LCD-Display ist - ob es auch im Sonnenlicht gut ist, konnten wir nicht testen.

Im Vorhinein war orakelt worden, das Tablet werde mit einem Amoled-Bildschirm bestückt wie Samsungs Smartphones. Darauf wurde einem Sprecher zufolge aus Preisgründen verzichtet. Ähnliche Kriterien scheinen bei der Auswahl der integrierten Fotokamera gegolten zu haben. 3,2 Megapixel Auflösung - das wirkt ein wenig wie Resterampe. Immerhin hat die zum Nutzer ausgerichtete Webcam vergleichsweise gute 1,3 Megapixel.

Das Galaxy ist ein Android

Stolz ist der Hersteller darauf, dass das Innenleben des Galaxy Tab vollständig von Samsung selbst stammt. Sämtliche Chips, der Prozessor, der Speicher wurden in den Fabriken des Unternehmens gefertigt. Deren Zusammenspiel machte im ersten Kurztest einen guten Eindruck. Icons, Bilder und Filme huschten mühelos über den Bildschirm, Wartezeiten und Kunstpausen gibt es nicht, die Bedienung per Finger funktioniert verzögerungsfrei. Einzig im Format h.264 kodierte Web-Videos machten dem Gerät zu schaffen und stotterten vor sich hin.

Bei YouTube trat dieses Problem allerdings nicht auf - das Galaxy Tab kann Web-Seiten anzeigen, die Adobes Flash-Technik verwenden. Eine Fähigkeit, die Apple seinem iPad aus unternehmenspolitischen Gründen verweigert.

Auf dem Galaxy wirkt Googles Betriebssystem Android in der aktuellen Version 2.2, das Flash unterstützt. Entsprechend können sich Nutzer im Android Market mit Apps eindecken. Außerdem gibt es ein Samsung-eigenes Software-Angebot, über das exklusiv entwickelte Tablet-Anwendungen verteilt werden. Unter anderem liefert Samsung eine E-Book-App mit, die als Lesesoftware dient und Zugang zu Kauf- und Kostenlos-Büchern bietet. Zum Start ist ein internationales Angebot mit gut zwei Millionen Titeln geplant, Angebote auf Deutsch sollen folgen.

Telefonieren geht - mit Headset

Auch Musik wird man kaufen können, zum Beispiel in Amazons MP3-Shop. Ob man diese dann über das mitgelieferte Kabel-Headset oder über Bluetooth-Kopfhörer hört, ist eine Frage des Geschmacks. Dass man aber ein Headset braucht, um mit dem Galaxy Tab telefonieren zu können - das ist Fakt. Denn so gut sich das Gerät dank GSM- und UMTS-Netzverbindung als Telefon eignet, so komisch ist es, sich das Teil ans Ohr zu halten. Es sieht erstens merkwürdig aus, zweitens sind Lautsprecher und Mikrofone dafür nicht richtig platziert. Gut daran ist: Beim Telefonieren per Headset kann man weiter den Bildschirm bedienen, Notizen machen oder Informationen aufrufen.

Als Web-Tablet spielt das Samsung alle Trümpfe aus. Es protzt mit schneller Netzanbindung wahlweise via UMTS/HSDPA-Verbindung oder W-Lan und hat einen Web-Browser, in dem man Texte und Bilder mit Multitouch-Gesten vergrößern und verkleinern kann.

Was man allerdings auch vergrößern sollte, ist der Speicher. 16 Gigabyte sind Standard. Wer mehr will, muss per Speicherkarte nachrüsten - kommt damit nach derzeitigem Stand aber auf maximal 48 Gigabyte. Samsung sagt zu der Frage, wenn der Markt es fordere, würde man darüber auch noch hinausgehen.

Selbstbewusste Preispolitik

Der Hersteller verkauft das Gerät nicht als Tablet-PC, sondern etwas schillernder als Smart Media Device - und zeigt sich auch beim Preis selbstbewusst. 799 Euro soll es kosten. Viel Geld, auch verglichen mit Apples iPad, das zum selben Preis viermal so viel Speicher und ein größeres Display bietet. Samsung verweist allerdings darauf, dass alle vier deutschen Mobilfunkkonzerne das Gerät für den Kunden verbilligen sollen, wenn dieser dafür einen Mobilfunkvertrag abschließt. Samsung will nicht exklusiv mit einem einzelnen Anbieter zusammenarbeiten, sondern mit allen vieren. Welcher Preis dann am Ende steht, ist noch offen.

Klar ist: Nur wenn er deutlich unter 799 Euro liegt, hat das schicke Gerät eine Chance - gegen das iPad, aber auch gegen andere Konkurrenten. Gerade erst hat das französische Unternehmen Archos, einst Marktpionier bei MP3- und Multimedia-Playern, ein 99-Euro-Tablet angekündigt. Es wird nicht das letzte Billigangebot bleiben.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
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1. Samsung Galaxy Tab
paulahner 02.09.2010
Schade, dass es nur eine 3 MP Kamera ist. Eine Digitalkamera mit einem 7 Zoll Sucher/Display wäre gut. Aber das man mit dem Galaxy Tab auch telefonieren kann, ist äscht Spitze.
2. war ja zu erwarten...
hippo-jk 02.09.2010
Zitat von sysopAlle wollen Steve Jobs' iPad-Erfolg kopieren - Samsungs Galaxy könnte es schaffen.http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,715250,00.html
... daß Steve Jobs und seine MannInnen eine Lawine lostreten würden. Erst jahrelange unbrauchbare Versuche (ich denke da nur an die Laptops mit drehbarem Bildschirm!) und kaum macht Apple vor wie das aussehen und funktionieren muß... Man ist sich, wie in Fernost üblich, auch nicht zu fein, 1 zu 1 zu kopieren: Bloß keine eigene Idee mitbringen, da könnte ja was nicht gefallen! Ich warte jetzt auf den Zeitpunkt, wo die Kopierer Apple verklagen, ihre Ideen (vorab) geklaut zu haben - wie HTC mit seinen schrottigen Smartphones. Ts, ts, ts Leutchen: Wenn ihr alle schon auf Apple schimpft, dann bringt doch mal eigne Ideen! Der Markt wartet darauf, damit es Vielfalt gibt, nicht ein iPad von 10 Herstellern!
3. Nein...
Thoddy 02.09.2010
es muss nicht immer Apple sein, aber bitte: Es muss auf keinen Fall ein Galaxy Tab sein... nicht weil es eine plumpe und dazu schlechte Kopie von iPhone und iPad ist. Alle Funktionen und Ausstattungsmerkmale sind schlechter als die mehrerer Konkurrenten (Apple mag man da gar nicht als Konkurrenten nennen, so schlecht wie das Teil ist...) und es ist als Handy zu groß und als Pad zu klein. Ein LCD ? Das ist nun wirklich 10.September, und manchmal ist wohl keine Kamera (wie beim iPad) besser als diese. Nein, es muss wirklich nicht immer Apple sein, aber dies Teil schon gar nicht.
4. Fanboy ?
partey 02.09.2010
Zitat von hippo-jk... Ts, ts, ts Leutchen: Wenn ihr alle schon auf Apple schimpft, dann bringt doch mal eigne Ideen! Der Markt wartet darauf, damit es Vielfalt gibt, nicht ein iPad von 10 Herstellern!
Wer schimpft denn ? Mein HTC eignet sich im übrigen zum Telefonieren und das sogar beidhändig und in beliebiger Lage.
5. ...
tingeltangel-bob 02.09.2010
Zitat von hippo-jk... daß Steve Jobs und seine MannInnen eine Lawine lostreten würden. Erst jahrelange unbrauchbare Versuche (ich denke da nur an die Laptops mit drehbarem Bildschirm!) und kaum macht Apple vor wie das aussehen und funktionieren muß... Man ist sich, wie in Fernost üblich, auch nicht zu....
Schrottige Smartphones? Nun ja, ich kann mein Blackberry zum Telefonieren zumindestens halten, wie ich es für richtig empfinde und muss mich nicht von Mr. Jobs belehren lassen. Und aus dem Bekanntenkreis weiss ich, dass das bei HTC-Handys auch ohne Problem möglich ist...Und dafür können Sie Ihre tollen 200.000 Apps gerne behalten:-)
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