Samsung Galaxy Tab S im Test Extrabunte Tablets

Mit zwei neuen Tablet-Modellen zeigt Samsung, wie gut Mobilbildschirme sein können. Hier schlagen die Geräte auch Apples iPad Air. Was die beiden Galaxy Tab S außerdem noch gut können, und wo sie besser sein könnten, zeigt unser Test.

Von

Matthias Kremp

Als Samsung im Juni die beiden Galaxy-Tab-S-Modelle mit viel Brimborium in New York vorstellte, war schnell klar, dass es bei den neuen Tablets eigentlich nur um eines geht: die Bildschirme. Sie würden bei Diagonalen von 10,5 beziehungsweise 8,4 Zoll höhere Auflösungen bieten als die der Konkurrenz, hätten realistischere Farben, knackige Kontraste und würden sich per Sensor an jede Lichtsituation anpassen, tönte der Konzern.

Nun kann man dem koreanischen Unternehmen gelegentlich einen Hang zu Übertreibungen vorwerfen, diesmal aber nicht. Das wird mir schon beim ersten Einschalten klar: Als Sperrbildschirm ist ab Werk ein Bild eingestellt, das mit einer wahren Flut an Farben sehr eindrücklich die Vorzüge des Displays sichtbar macht (siehe Fotostrecke).

Einer davon ist das Farbspektrum, das die Bildschirme der beiden Geräte darstellen können. Laut Samsung sind sie in der Lage, einen um 20 Prozent größeren Farbraum anzuzeigen als die Bildschirme anderer Tablets. Ob diese Zahl exakt stimmt, sei dahingestellt. In der Praxis bedeutet es, dass die Galaxy-Tab-S-Tablets Farben naturgetreuer darstellen können als andere Tablets, einfach weil sie mehr Nuancen beherrschen.

Um zu prüfen, was das bringt, habe ich mit der eingebauten Kamera verschiedene Stillleben fotografiert und das auf dem Bildschirm angezeigte Foto mit dem jeweiligen Original verglichen. Farbunterschiede konnte ich dabei nicht erkennen. Nicht der kleinste Farbstich machte sich bemerkbar. Damit sind die Galaxy Tab S perfekt geeignet, um Fotos und Videos zu bearbeiten. Die Kamera auf der Geräterückseite macht überdurchschnittlich gute Aufnahmen, die zumindest bei ordentlicher Beleuchtung auch keinerlei Bildrauschen aufweisen.

Schwarz sehen

Auch Filme anzuschauen macht mit Samsungs neuen Tablets mehr Spaß als auf anderen Geräten. Ein Vorteil der Amoled-Technik ist, dass sie keine Hintergrundbeleuchtung hat und schwarze Pixel deshalb auch schwarz aussehen. Wohl damit Tablet-Käufer sich das vor Augen halten können, bekommt man beim Kauf eines Galaxy Tab S eine digitale Kopie des Weltraum-Abenteuers "Gravity" dazu. Das All sieht darin wirklich ausgesprochen schwarz aus.

Was bei Filmen ein Vorteil ist, wird im Sommer leider auch zum Nachteil: Eben weil es keine Hintergrundbeleuchtung gibt, können Amoled-Displays nicht so hell strahlen wie herkömmliche Bildschirme. Deshalb haben sie hellem Sonnenlicht weniger entgegenzusetzen. Meine Versuche, damit bei herrlich blauem Himmel auf der Terrasse im Web zu surfen, waren deshalb nur von kurzer Dauer. Die Galaxy Tab S machen den Augen nur im Schatten Spaß.

So schnell wie ein iPad Air

Aber die neuen Samsung-Tablets bestehen ja nicht nur aus ihrem Bildschirm. Statt der Quadcore-Prozessoren, die Samsung den Geräten in einigen Regionen einpflanzt, werden die Geräte in Europa mit Octacore-Chips ausgeliefert. Die hatten bei unseren Testgeräten mit keiner der benutzten Apps Mühe. Benchmark-Programme attestieren den acht Prozessorkernen in etwa so viel Leistung, wie sie die beiden Rechenkerne im A7-Chip des iPad Air produzieren.

Ähnlich gleichauf sind die Ausdauerwerte der Akkus: Genau wie bei Apples Tablet haben die Stromspeicher genug Energie, damit die Tablets einen Transatlantikflug lang Unterhaltung zu bieten können. Je nach Nutzungsintensität kann man mit neun bis zwölf Stunden rechnen. Fürs Wiederaufladen muss man dann aber auch fünf bis sechs Stunden einplanen.

Das Tablet als Telefon

Der eingebaute Speicher ist mit 16 GB, von denen nur knapp elf GB verfügbar sind, recht knapp bemessen. Eine Mikro-SD-Karte sollte man deshalb beim Kauf gleich mit einplanen. Um bis zu 128 GB kann man den Speicher erweitern. Gegen Aufpreis kann man die Tab-S-Modelle mit einem LTE-Modul zum mobilen Websurfen und Telefonieren bekommen.

Das sollte aber nicht dazu verleiten, die Rechner wie Handys ans Ohr zu halten. Auch wenn das angesichts ihrer schlanken Abmessungen und des geringen Gewichts locker möglich wäre, sollte man für Telefonate lieber ein Bluetooth-Headset verwenden.

Vorteile und Nachteile

Herausragendes Display

Gute Kamera

Leistungsfähige Hardware

Nur 16 GB interner Speicher

Akku braucht lange zum Aufladen

Fazit

Mit dem Galaxy Tab S 10.5 und seinem kleineren Bruder, dem Galaxy Tab S 8.4, hat Samsung seine Tablet-Meisterstücke auf den Markt gebracht. Sie sind dünner als iPads und haben bessere Kameras als die meisten anderen Tablets. Eine Enttäuschung ist der Achtkern-Prozessor, der kaum mehr Leistung bringt als Apples Dualcore-Chip. Aber diese Schwäche bügeln die herausragenden Bildschirme wieder aus. Bessere Displays als in den Galaxy Tab S findet man derzeit in keinem Tablet.

Technische Daten

Hersteller Samsung Samsung
Bezeichnung Galaxy Tab S 10.5 Galaxy Tab S 8.4
Betriebssystem Android 4.4.2 Android 4.4.2
Prozessor Quadcore, 1,9 GHz Quadcore, 1,9 GHz
Arbeitsspeicher 3 GB 3 GB
Massenspeicher 16 GB (ca. 11 GB frei) 16 GB (ca. 11 GB frei)
Displaygröße 10,5 Zoll 8,4 Zoll
Displayauflösung 2560 x 1600 2560 x 1600
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0 4.0
NFC Nein Nein
HDMI Nein Nein
Mobilfunk LTE (optional) LTE (optional)
Speicherkartensteckplatz microSD (bis zu 128 GB) microSD (bis zu 128 GB)
Webcam 2,1 Mpx 2,1 Mpx
Digitalkamera 8 Mpx 8 Mpx
Gewicht 467 Gramm 298 Gramm
Abmessungen 247 x 177 x 7 mm 213 x 126 x 7 mm
Preis mit W-Lan 499 Euro 399 Euro
Preis mit W-Lan und Mobilfunk 599 Euro 499 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
olivervöl 23.07.2014
1. OLED nicht dauerhaft farbtreu
OLED-Display mögen farbtreu wirken, wenn sie neu sind, die Helligkeit der verschiedenen Farb-Pixel lässt aber aufgrund Alterung unterschiedlich nach. Bei intensivem Gebrauch ist es mit der Farbtreue nach einem Jahr vorbei. Dies ist der Grund, warum OLED bislang so gut wie nie in Auto-Navis, Fahrkartenautomaten, TVs verbaut werden, obwohl sie in Test *neuer* Gerät prima abschneiden.
fluxxer 23.07.2014
2.
Wieso sind 16 gb negativ, wenn man erweitern kann? Sieht für mich so aus als müsste man unbedingt etwas negatives auflisten.
GrinderFX 23.07.2014
3.
Ich finde es äußerst löblich, dass ausnahmsweise mal auf den CPU Geschwindigkeitsvergleich hingewiesen wird. Denn normaler wird bei Magazinen immer so verglichen: iPad 2 cores vs Galaxy Tab = 8 cores = besser, auch wenn das nicht wirklich so ist. Bei den meisten Anwendungen wird das iPad also viel viel schneller sein und das obwohl es auch noch älter und günstiger ist .
AlexMoritz 23.07.2014
4.
Zitat von GrinderFXIch finde es äußerst löblich, dass ausnahmsweise mal auf den CPU Geschwindigkeitsvergleich hingewiesen wird. Denn normaler wird bei Magazinen immer so verglichen: iPad 2 cores vs Galaxy Tab = 8 cores = besser, auch wenn das nicht wirklich so ist. Bei den meisten Anwendungen wird das iPad also viel viel schneller sein und das obwohl es auch noch älter und günstiger ist .
Das stimmt aber hinten und vorne nicht - ein sinnvoller Benchmark misst die tatsächliche Arbeitsgeschwindigkeit, die vom System zu erwarten ist und nicht etwa die rohe Prozessorperformance. Wenn also der Benchmark gleich auf ist, dann heißt das, dass die Performance für den Endverbraucher etwa identisch ist - warum sollten also die iPad Apps viel schneller laufen? Zudem ist der Octa-Core eher ein Quad-Core mit Zusatzprozessor, es gibt 4 schnelle Kerne und 4 langsame Kerne, die je nach Rechenaufgabe benutzt werden (um so die Akkulaufzeit zu verbessern). Und auch ist es kein wirklich neuer Prozessor, er nutzt weiterhin 4x Cortex A15 und 4x Cortex A7, das tat bereits das Note 10.1 2014 Edition. Lediglich die Lastverteilung wurde etwas verbessert. Es stellt sich eher die Frage, ob der Quad/Octa-Core nicht in einem 'geschlossenen' System wie iOS schneller wäre. Es gibt mehrere softwareseitige Gründe, warum Android schlicht mehr Leistung benötigt (was mit Android L teilweise behoben wird), gleichzeitig kann natürlich Apple bei einem geschlossenen System besser auf die CPU optimieren, sodass der Dual Core vom letzten Jahr in Benchmarks gleichauf mit einem aktuellen Prozessor ist. Der A7 ist ohne Frage ein sehr guter Prozessor, es bleibt aber trotzdem die Vermutung, dass er in einem Android-System deutlich schwächer wäre. Das ist nunmal ein Nachteil von Android, dass es mehr Resourcen verlangt, dafür gibt es gerade im Tablet-Bereich sehr viele Vorteile - Split-Screens zum Arbeiten mit zwei Anwendungen, echten Datei-Zugriff, sodass man eine Datei mit verschiedenen Apps frei öffnen kann, eine Obefläche, die nicht einfach nur zwei Icon-Reihen hinzufügt, sondern mit Widgets etc. sehr interaktiv gestaltbar ist (was gerade bei der großen Fläche viel Sinn macht), wirklich gute Browser zum Surfen, die nicht Apple Frameworks nutzen müssen und und und. Und wenn das Galaxy Tab S so schnell ist wie ein iPad Air, dann reicht das doch völlig - ega ob Dual, Quad oder Octa Core.
gwyar 23.07.2014
5. @fluxxer,#2
16 gb sind deshalb negativ, weil da Android drauf ist und Google (Android) dem Erweitern den Kampf angesagt hat. Mit kitkat ist die Freude an der SD-Karte vorbei - eigene Erfahrung. Die Masse der User will ihr Gerät out-of-the-box benutzen und kennt den Begriff "rooten" gar nicht. Und von denen, welche damit was anfangen können, gibt es immer noch die Mehrheit, welche nachvollziehbare Gründe hat, es nicht zu tun. Ich habe mein Note 10.1-2014 nach dem Update quasi gezwungenermaßen gerooted, obwohl ich eigentlich nicht wollte.
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