Samsung Gear S im Test Die etwas smartere Smartwatch

Samsung will eins der größten Probleme beseitigen, mit denen Smartwatches bisher kämpfen: Die neue Gear S kann auch ohne Smartphone online gehen und telefonieren. Das ist aber leider auch fast alles.

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Mit der Gear S entkräftet Samsung das Vorurteil, dass Smartwatches ohne Smartphone kaum mehr sind als bessere Schrittzähler. Tatsächlich brauchen die angeblich schlauen Uhren in der Regel ein Handy, mit dem sie sich per Bluetooth verbinden, um dessen Internetverbindung zu kapern und seine Apps zu nutzen. Insbesondere auf Geräte mit Googles Android-Wear-Betriebsystem trifft das zu. Sie sind meist kaum mehr als ein zweiter Bildschirm, der auf neue Nachrichten und Meldungen hinweist.

Dass es bei Samsungs neuer Smartwatch wohl anders ist, merke ich schon beim Auspacken: Auf der Rückseite der ungewöhnlich lang gestreckten Uhr mit gebogenem Bildschirm befindet sich eine Halterung für eine Nano-Sim-Karte. Das heißt nichts anderes, als dass die Gear S eine eigene Verbindung zum Mobilfunknetz aufbauen kann. Außerdem lässt sie sich mit W-Lan-Netzen koppeln. Mit Firmen-W-Lans, die neben einem Passwort auch die Eingabe des Benutzernamens verlangen, kam sie im Test allerdings nicht klar.

Auch mit Android-Smartphones lässt sich die Uhr verbinden. Das muss sie auch können, denn manches klappt eben doch nur per Handy. Apps zum Beispiel lassen sich nur über Samsungs Gear-Manager-App installieren. Weil es die nur in Samsungs App Store gibt, der wiederum nur auf Samsung-Smartphones läuft, genügt dafür nicht irgendein Android-Smartphone. Es muss ein aktuelles Modell von Samsung sein, zum Beispiel ein Galaxy S5 oder ein Galaxy Note 4.

Das ist anders als bei anderen Smartwatches: Auf der Innenseite der Uhr findet man neben dem mittlerweile üblichen Pulsmesser einen Steckplatz für eine Nano-Sim-Karte
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Das ist anders als bei anderen Smartwatches: Auf der Innenseite der Uhr findet man neben dem mittlerweile üblichen Pulsmesser einen Steckplatz für eine Nano-Sim-Karte

Manche Apps, beispielsweise die Fitnessprogramme von Runtastic und Nike, funktionieren auch nur, wenn ihre Gegenstücke auf dem Handy installiert und Smartphone und Smartwatch gekoppelt sind. Die Hoffnung, man könne mit der Samsung-Uhr losgelöst vom Handy E-Mails senden und empfangen, wird im Test enttäuscht. Kaum trenne ich die Bluetooth-Verbindung der Geräte, kommen auf der Smartwatch keine E-Mails mehr an.

Als ich mein Postfach auf der Uhr öffne, versucht sie, über das Mobilfunknetz eine Verbindung zum Smartphone herzustellen, was nicht klappt. Eine Erklärung, was es damit auf sich hat, finde ich im digitalen Handbuch der Gear S. Zum Thema E-Mail heißt es dort: "Rufen Sie E-Mails, die Sie auf dem Mobilgerät erhalten haben, auf und beantworten Sie diese." Kurz gesagt: Samsungs neue Smartwatch kann trotz Datenverbindung selbst keine E-Mails abrufen. So ganz autark ist die Gear S dann also doch nicht.

Kommt immer wieder vor: Einige Funktionen und Apps lassen sich nur nutzen, wenn die Uhr mit einem Smartphone verbunden ist
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Kommt immer wieder vor: Einige Funktionen und Apps lassen sich nur nutzen, wenn die Uhr mit einem Smartphone verbunden ist

Also kopple ich sie doch wieder mit dem Smartphone und erlebe beim Schreiben einer Nachricht eine positive Überraschung: Die winzige Bildschirmtastatur funktioniert viel besser als erwartet. Auf den ersten Blick vermitteln die nur wenige Millimeter großen Buchstaben nicht den Eindruck, dass man sie mit normalgroßen Fingern treffen könnte. Als ich dann aber lostippe, stelle ich fest, dass das gleich beim ersten Versuch klappt. Kurze Textnachrichten und E-Mails lassen sich auf der Mikro-Tastatur gut eingeben. Längere Texte oder Nachrichten würde ich dann aber doch lieber auf Smartphone oder Tablet tippen.

Auch wenn die winzige Bildschirmtastatur vergleichsweise gut funktioniert: Längere Texte darauf zu tippen, ist eine Herausforderung
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Auch wenn die winzige Bildschirmtastatur vergleichsweise gut funktioniert: Längere Texte darauf zu tippen, ist eine Herausforderung

Ungewöhnlich und ein stattlicher Hingucker ist der Bildschirm. Mit einer Diagonale von zwei Zoll ist er viel größer als bei Smartwatches üblich. Die Auflösung ist mit 360 x 480 Pixeln etwas höher als bei der Gear Live. Das hört sich noch immer wenig an, sorgt aber dafür, dass sich auf dem Bildschirm mehr Text und detailliertere Grafiken unterbringen lassen als bei kleineren Smartwatches. Dass das Display trotzdem nicht stört, liegt an seiner gewölbten Form, die ein wenig der Krümmung des Armes angepasst ist.

Alles was geht: Sogar eine Version des Opera-Webbrowsers gibt es für die Gear S. Besonders nützlich ist der Browser allerdings nicht, zumal er sich Webseiten gegenüber offenbar als Desktop-Browser ausgibt
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Alles was geht: Sogar eine Version des Opera-Webbrowsers gibt es für die Gear S. Besonders nützlich ist der Browser allerdings nicht, zumal er sich Webseiten gegenüber offenbar als Desktop-Browser ausgibt

Erstaunlich war im ersten Anlauf die gute Akkulaufzeit. Erst rund 48 Stunden nach dem ersten Einschalten und Aufladen musste das Testgerät wieder an die Steckdose. Offensichtlich war das aber meinem Zeitmangel an diesen Tagen geschuldet. Ich hatte die Gear S fast ausschließlich als Schrittzähler und Zeitanzeiger benutzt. Kaum begann ich, sie in meinen Alltag einzubauen, ging die Akkulaufzeit drastisch zurück. Einen Tag hält sie gut durch, aber abends sollte man sie doch lieber aufladen, damit sie morgens fit ist.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Eigene Datenverbindung

Guter, großer Bildschirm

Gute Bildschirmtastatur

Recht gute Auswahl an Apps

E-Mails nur via Smartphone abrufbar

Samsung-Smartphone zwingend notwendig

Hoher Preis

Das Versprechen weitgehender Freiheit vom Smartphone löst die Gear S nur teilweise ein. Zwar lassen sich manche Dinge, für die man sonst sein Handy zückt, auch mit dem Handgelenk-Gadget erledigen. Viele andere erfordern aber doch noch ein Smartphone in greifbarer Nähe.

Der Coolnessfaktor der Uhr unter Gadget-Fans ist trotzdem gewaltig. Im Unterhalt ist sie allerdings ähnlich teuer wie ein zweites Smartphone. Zum Kaufpreis von 400 Euro kommen noch monatliche Gebühren für einen Mobilfunkvertrag hinzu, den man braucht, um die Funktionen der Gear S zu nutzen.

Samsung Gear S im Test

Gear S: Die neue Smartwatch von Samsung hat ein mit zwei Zoll Diagonale ungewöhnlich großes Display. Das Design lässt sich variieren. Es gibt digitale Entsprechungen analoger Uhren und verschiedene Varianten von Multifunktionsdarstellungen, so wie diese.

Das ist anders: Auf der Innenseite der Uhr findet man neben dem mittlerweile üblichen Pulsmesser einen Steckplatz für eine Nano-Sim-Karte.

Schnell mal tauschen: Das Armband der Gear S lässt sich ohne Werkzeug flink auswechseln. Nützt aber derzeit nicht viel, weil es bisher keine Austauschbänder von Drittherstellern gibt.

Sparsam sein: Genau wie viele aktuelle Smartphones bietet auch die Gear S einen Energiesparmodus. Er verlängert die Akkulaufzeit, indem er einige Funktionen abschaltet und die Bildschirmdarstellung auf Schwarzweiß reduziert.

Helligkeit und Lautstärke lassen sich über ein Schnellzugriffsmenü einstellen. Die Funktion "Nicht stören" schaltet alle lärmenden Mitteilungen ab. Im Schlafmodus geschieht das automatisch.

Mit einem Wisch nach links gelangt man zu einer Übersicht, die anzeigt, in welchem Bereich wie viele neue Mitteilungen angekommen sind. Hier ist gerade alles abgearbeitet.

Natürlich dient die Gear S auch als Fitness-Tracker. Sie kann Schritte zählen, sportliche Aktivitäten erfassen, den Puls und die Schlafdauer messen. Und sie gibt Auskunft über die aktuelle Intensität der Sonneneinstrahlung.

Der Schrittzähler funktioniert ebenso wie auf den Samsung-Smartphones: Er errechnet die gelaufene Strecke und schätzt den Kalorienverbrauch.

Weil das Display relativ groß ist, sind Texte besser lesbar als auf kleineren Smartwatches. Wer mag, kann eine kleinere Schrift einstellen, um noch mehr Text auf den Bildschirm zu bekommen.

Die Kalenderübersicht kann immerhin als grobe Orientierung dienen. Viel Platz für Erklärungen bietet sie nicht.

Auch E-Mails lassen sich recht gut auf der Samsung-Uhr lesen. Sie zu beantworten …

… ist auf der winzigen Bildschirmtastatur allerdings eine Herausforderung, auch wenn dies vergleichsweise gut funktioniert.

Apps machen mehr draus: Zwar lassen sich auf der Gear S keine Android-Apps nutzen, dafür gibt es aber schon eine brauchbare Anzahl kompatibler Tizen-Apps.

Alles was geht: Sogar eine Version des Opera-Webbrowsers gibt es für die Gear S.. Besonders nützlich ist der Browser allerdings nicht, zumal er sich Webseiten gegenüber offenbar als Desktop-Browser ausgibt.

Das geht natürlich auch: Im Grunde ist die Samsung-Uhr ein winziges Smartphone, mit dem man auch telefonieren kann.

Geht auch anders: Statt via Mobilnetz kann die Uhr auch per W-Lan online gehen. Die Authentifizierung mit Namen und Passwort, die unser Redaktions-W-Lan verlangt, klappte leider nicht.

Kommt immer wieder vor: Einige Funktionen und Apps lassen sich nur nutzen, wenn die Uhr mit einem Smartphone verbunden ist.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
kuchengespenst 11.12.2014
1. Highscore
Diesmal füllt das Gerät des Tages nur noch 4% des Aufmacherbilds aus, Krempe dafür mindestens 50%. Ab 2015 gibt es dann 100% Krempe ohne Produkt.
meistereckhart 11.12.2014
2. Info für Herrn Kremp...
...bei Opera lässt sich einstellen, ob sich der Browser als "Desktop" oder "Mobil" ausgeben soll. Sehr praktisch, wenn man nicht die verstümmelten Mobil-Versionen (von z.B. SPON) "genießen" will.
Frank D 11.12.2014
3. Also ich kann E-Mails schreiben!
Die Gear S habe ich parallel zur LG Watch R getestet, also auch Tizen vs. Google Wear. Der absolute Gewinner ist Samsung. Um Klassen besser, hinsichtlich Tragekomfort, Navigation, MP3 - Player, Struktur der Benachrichtigungen! Solange das verbundene Smartphone irgendwo auf der Welt eingeschaltet ist, kann ich auch E-Mails schreiben, empfangen und senden. Die Multi-SIM-Karte meiner Uhr gibt auch dem Autotelefon über Bluetooth die Verbindung. Fazit: Ich hätte mir nie vorstellen können, ohne Smartphone aus dem Haus zu gehen. ;-) Genial! ... Und ich werde mich nie daran gewöhnen, in der Öffentlichkeit wegen fehlender Tastatur mit meiner Uhr zu reden, deshalb hat Google Wear verloren. Das Gleiche wird dann in paar Monaten wahrscheinlich auf die Apfel-Uhren zutreffen.
cptlars 11.12.2014
4. sicher wird es wohl auch apps
für die uhr geben wo ich Zugang zu einem Mail Postfach bekommen kann. wenn man natürlich die Einstellungen so wählt das das Handy die Mails abrufen soll und die uhr nur die neuen Mails anzeigen soll is logisch das es nicht ohne Verbindung zum Handy geht. andererseits wer braucht so etwas? ich stelle mir gerade mal vor wie ich mit angewinkelten arm mir ne Website durchlese. nach relativ kurzer Zeit würde ich nen schweren arm bekommen. schon wenn ich längere Zeit telefonieren muss bin ich froh das ich ein vernünftiges Headset habe damit ich nicht die ganze Zeit den arm nach oben halten muss. .. ein weiteres Ausschlusskriterium is für mich die Tatsache das man da wieder nen Vertrag abschließen müsste. je nach Anbieter also nochmal 10 Euro jeden Monat. sorry aber schön zu wissen was alles geht aber sinnvoll ist was anderes. ..
scottbreed 11.12.2014
5. find ich gut
aber ich warte noch die Version 2 oder 3 ab B-) diese sind dann besser und vielleicht nicht mehr so klobig und können dank mehr Speicher auch mehr B-)
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